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Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010 – die Wahrheit

Tja, was soll man da sagen? Wo die Recht haben haben die Recht…

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21 Kommentare zu “Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010 – die Wahrheit

  • #1
    Nanuk

    http://www.youtube.com/watch?v=3tMwRiqKGpM

    Das gehört zum Habitus das man grundsätzlich alles scheisse findet und trotzdem bleibt…

  • #2
    Nanuk

    Im Ruhrgebiet leben nur Migranten und die wollen seit der Jahrhundertwende wieder in ihre Heimat zurück fahren … 🙂

  • #3
  • #4
  • #5
    Angelika

    Mit Bierpulle inne Hand weise Worte! Dieses angekaufte, aufgemotzte, Schicki-Micki-Gedöns dieser ruhz2010 ist in der Tat substanzlos, da, wie im Interview angesprochen, nicht gewachsen, nicht verwurzelt (und dazu ärgerlicherweise noch teuer!). Allein das Gehampel um dieses Logo und … Das (u.v.a.m.) geht doch alles an den Bedürfnissen der Ruhrgebietler meilenweit vorbei.

  • #6
  • #7
    Jens Kobler

    Fällt niemand auf, dass der Bericht widersprüchlich ist? Lohrmann sagt, seine Prakties gingen nach Köln (naja), HH etc., weil hier diese und jene Art von Konzerten und Discos nicht seien. Die anderen sagen, man wolle hier nichts Aufgesetztes.
    Fakt ist aber: Es gibt hier durchaus einiges Selbstgestricktes, nur wollen halt die Szene-Junkies immer nur den heißen Kram, der ihnen aus B, HH, etc. vorgekaut wird – und machen nichts Eigenes. Diese Sorte Leute geht dann auch von B als nächstes nach London oder NYC oder Paris, weil sie immer der Vorstellung (!) von Hipness hinterherlaufen, „Das Glück ist immer woanders“ etc. Und das gilt für Raab-Fans wie für (Ex-)Doherty-Fans ebenso wie für den super-totalen-Untergrund.
    Genau diese Haltung aber wird durch diese „Wanderzirkusse“ eben eher bestätigt, dann kommt immer dieses „Wow! Cool! n echter Berliner DJ!“ 🙂 oder „Wow! Eine wahrhaftige Street Art Künstlerin aus Frankurt! Yeah!“ Es geht also um Fernweh und das Rauskommen aus dem Betongewusel hier. Viele schreiben Lieder drüber oder deshalb, aber die hören sich die kosumorientierten Gleichaltrigen halt nicht so gern an – ist zu nah an einem/einer selber. Früher gab es Lieder über Urlaub in Italien, mittlerweile ist Urlaub in Hollywood, London, NYC-Druggiedisco oder Freakfolkcity angesagt.
    These also: Das Problem ist eher, dass niemand mehr die typischen, alten Geschichten vom „Ruhrpott“ hören mag – auch nicht die von Stoppok. Aber wer das will, ist selbstgenügsam genug, um dazubleiben. Und wer neue Geschichten zu erzählen hat, findet kaum ein Publikum, weil der Reiz des Exotischen, dieses Heilsversprechen des Unbekannten, fehlt. Dann gehen die Künstler weg dahin, wo sie sich unter gleichgesinnten Heimatfremden zuhause fühlen können. Typisch beleidigte Künstler. Und hier bleiben: Die typisch beleidigten Zurückgebliebenen. Aber das geht den meisten Orten auf der Welt so.
    Völlig richtig ist natürlich, dass hier wie in anderen Ballungszentren auch einfach das Recht der Anpassungsfähigsten gilt: Nichts wird gefördert außer dem, das eh schon gut in Formate oder Geschäftsideen der Majors passt. Und aufgrund der schwierigen Zeiten spielen umso mehr dieses Spiel mit – oder eben gar nicht und scheren sich nichtmal um den WDR. Aber auch das ist nicht Ruhrgebiets-typisch, und insofern ist dieser Beitrag mal wieder eher medientherapeutischer Natur und sagt letztlich zu wenig aus.
    Dass Loveparade, A40-Kram, Lufballons & Co nichts fördern ist ja wohl eine Binsenweisheit -die Sponsoren wollen halt möglichst weltweit „Bilder“ produziert sehen. Ich finde es falsch, für so einen Mist soviel Geld auszugeben – andererseits finde ich aber gut, dass den Leuten nicht vorgemacht wird, es gäbe a) viel zu holen für viele im Kulturbusiness und b) tolle Aufstiegschancen irgendwohin duch die Teilnahme am Kulturhauptstadtzirkus.

  • #8
  • #9
    Arnold Voß

    Die von dir hier trefflich analysierte regionale Frust-Dialektik, Jens, kommt auch in dem Spruch zum tragen, den man jetzt beim Kulturhauptstadt-Merchandising in fast jedem Buchladen als Aufdruck auf alles Mögliche käuflich erwerben kann: WOANDERS ISS AUCH SCHEIßE. Stammt glaube ich von Goosen. Ist aber auch letztlich egal, denn es geht um die eigentliche Bootschaft die (uns) ja nichts anderes sagen soll als: es lohnt sich nicht (hier) wegzugehen.

    Woanders iss auch schön, wäre als Alternative ja immerhin eine Anregung, sich umzuschauen und, wenn auch nur auf Zeit über den räumlichen Tellerrand zu kommen. Aber dann wäre damit auch gesagt worden, dass es hier schön ist, und das geht nach diese Ruhr-Frust-Dialektik natürlich auch nicht. So beisst sich die Katze halt immer wieder in den Schwanz.

    Übrig bleibt dann nur der offizielle Großposaunenton von der Metropole als Mengenvergleich: Mehr Einwohner als Berlin, mehr Theater als London, mehr Universitäten als Paris usw. usw. mit der man weder einen Berliner, einen Pariser oder ein Londoner oder sonst jemanden überzeugen könnte, er in einer wirklichen Metropole lebt.

    Der kritisch-realistische und zugleich stolze Blick auf die eigenen Stadt ist das was Ruhr fehlt. Und natürlich auch die entsprechenden Songs. Schade eigentlich.

  • #10
    Nanuk

    @Arnold Voß
    „Der kritisch-realistische und zugleich stolze Blick auf die eigenen Stadt ist das was Ruhr fehlt.“

    Wenn sowas kommt zieh ich weg… dann ist es hier ja wie überall…

  • #11
    Bert

    „Heimatgefühle“ ?

    Das Wort kommt doch bestimmt aus der rechten Ecke….

  • #12
    Jens Kobler

    @Arnold:
    Natürlich kann Weggehen gut sein – war es ja für die Karriere von Gorny etc. auch 🙂 und privat gesehen kann das auch sehr schön und bildend zugleich sein – aber es kommt wohl darauf an, woanders etwas vielleicht anders zu machen, neue Wege zu gehen, etc.
    Insofern beisst sich da, könnte man vielleicht sagen, speziell beim RGB noch mehr die Katze in den Schwanz, weil all die Wegzieher oft ausgerechnet in die nächste Zugezogenen-Anballung ziehen, anstatt mal was anderes zu machen.

    Aber das mit dem „keine Lieder“ mag ich nicht auf mir/allen sitzen lassen, leider gibt es nicht alle als Video – und manche sind den Leuten erst eingefallen, als sie woanders wohnten. Für die Statistik: Berlin, Hamburg und Köln. 🙂

    Statt Video eine Geschichte:
    http://www.tilman-rossmy.de/diskoreg.htm

    Und leicht aus der Wertung, da aus Ostwestfalen – aber inhaltlich passend:

    Man beachte sozusagen die verschiedenen Zielgruppen. 🙂 Loblieder (über eine Stadt) singen ist albern, es geht mehr um Attitüde, wo mensch hinwill und wo mensch drüber weg äh sein will, denke ich.

  • #13
    Abnick Grabotki

    Ich würde die neue Metropole nicht New York oder New DuisDoBoGeGlaBo nennen sondern Grabotki

  • #14
    Arnold Voß

    Hei nanuk, noch nie auf etwas stolz gewesen? Wenn schon nicht auf ne Stadt oder ne Gegend, dann wenigstens auf dich selbst? Stolz muss doch nicht mit Eitelkeit und Arroganz verbunden sein, oder? Aufrechter Gang ist gemeint. Nicht gleich wegducken, wenn der Name Ruhrgebiet fällt. Auch nicht gleich große Fresse. Einfach nur: Ja, da bin ich her. Ohne Wenn und Aber. Kommentarlos. Schnörkellos. Schamlos. Stolz eben.

  • #15
    Arnold Voß

    @ Jens

    Gute Songs! Aber Loblieder über eine Stadt singen muss eben nicht albern sein. Siehe als nicht mehr ganz aktueller deutscher Prototyp Peter Fox „Berlin- du kannst so hässlich sein“.

    Oder nehmen wir als Film „Brassed off“, mit diesem wunderbaren Plot über eine Bergmannskapelle im Strudel des regionalen Strukturwandels, der genauso gut, wenn nicht sogar besser hätte im Ruhrgebiet spielen können.

    Warum gibt es solche Songs und Filme nicht aus dem und über das Ruhrgebiet?

  • #16
    Jens Kobler

    Na gut, von Winkelmann in den 70er/80ern bis Thorwarth und einige mehr, inklusive Helge Schneider und Schlingensief undund gab es da immer welche in punkto Film. Aber ich finde es gar nicht schlimm, dass hier nicht so eine Anbiederei an die Tourismus-/Standortpolitikbranche stattfindet bzw. fand. Ich mein: Ruhrschnellweg?
    http://www.youtube.com/watch?v=U9Ux5yuvaqA
    (Direkt in meiner werten Nachbarschaft gedreht.) Oder „Der Vorstand“? Wollte Kollege Schraven ja noch letztens als hiesige Volksmusik puschen hier – ich schenk mir mal den Link. Hmm, den hier hatte ich letztens noch vorm Mikro: http://www.2010lab.tv/podcast/boris-gott-von-schwarz-und-weiss-von-licht-und-schatten
    Die ganzen Ruhr-Raps gibts übrigens auch noch. Und geschätzte 3297 Leute, die das in elektronischen, teils instrumentalen Tracks unterbringen…
    Also: Das gibt es alles, aber nicht so auf platt und fürs TV runtergebrochen wie bei Herrn Fox et al. Wär ja noch schöner! Ich bin genau mit dieser gewissen Zurückhaltung sehr zufrieden und finde, außer Liwa mit „Sternbuschweg“ z.B. und früher Boa (auf Englisch) plus Tilman damals kann das auch kaum jemand auf dem schmalen Grad zwischen stilvoll und realistisch gut „rüberbringen“.
    Noch mehr Beispiele? 😉 Ich hör jetzt mal auf, Verlage etc. können sich gerne direkt an mich wenden. *g

  • #17
    Malte

    Na, wenn schon…

    http://www.youtube.com/watch?v=WjBMc14DYVQ 🙂

    Ansonsten identifiziere zumindest ich mich sehr wohl mit dieser Region, ich liebe es…!

  • #18
    Arnold Voß

    Danke Malte, der Song ist immer wieder gut, was man von der Klischeenummer von Ruhrschnellweg leider nicht sagen kann. Aber letztlich ist das natürlich Geschmacksache.

    Der Berlinsong von Peter Fox ist allerdings genauso wenig wie der Film „Brassed off“ auf Tourismus/Standortanbiederei aus geschweige denn entsprechend produziert worden. Beides ist, und das ist hier natürlich nur beispielhaft gemeint, einfach nur viel erfolgreicher und publikumswirksamer als vieles was diesbezüglich aus dem Ruhrgebiet kommt. Das muss man doch mal neidlos anerkennen dürfen, oder?

  • #19
    Jens Kobler

    @Arnold: Erkenne ich an, aber … Fox? Not my cup of tea. Nix Neid, einfach nicht meins. Wie sagte Kohl? „Goebbels konnte auch gut Propaganda machen“? *g Ich meine damit: Nur weil es funktioniert, muss man es nicht mögen oder gutheißen. „Brassed Off“ soll stimmig sein, hörte ich. Uh, mir fällt dieser Kulturhauptstadt-Tatort wieder ein, ich muss mal … (off)

  • #20
    Dill

    Statt von Zuhause aus ständig zu jammer und halbwissen von sich zu geben, sollte man endlich mal vor die Tür gehen und sich die vielfältigen Angebote und Macher da draußen mal anschauen! Es gibt sie, vom „Underground“ über Sozial- bis zur Hochkultur, für jeden was dabei. Man muss halt mal den Arsch bewegen.
    Das gilt hier, wie auch in den anderen genannten großen Städten. Und wenn’s einem nicht passt, selber machen!

    Und ob man nun will oder nicht und ob dass alles so geil ist wie angepriesen oder nicht, jeder kann davon profitieren, wenn er nur will!

    Solche Antiinterviews geben, um sich mal wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen ist eben auch ein weg!

    Als ob sich gewisse „altpunker“ aus WS sich nicht auch von Festivalveranstaltern „kaufen“ lassen würden.

  • #21

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