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Lucien Favre beweist, dass auch ein ’schwieriger‘ Trainer beim BVB Erfolg haben kann

Foto: Robin Patzwaldt

Unter Lucien Favre ist der BVB aktuell deutlich erfolgreicher als es viele Beobachter noch vor Saisonbeginn in der Fußball-Bundesliga erwartet hätten. Als erstem BVB-Trainer gelang es dem Schweizer mit dem Team in den ersten dreizehn Spielen ungeschlagen zu bleiben.

Das gestrige 2:0 über den SC Freiburg war schon der zehnte Erfolg der noch jungen Spielzeit. Hinzu kommen noch drei Unentschieden. Der BVB rangiert mit 33 Zählern auf Platz eins, neun Zähler vor den über Jahre als unantastbar geltenden Bayern aus München.

Wenn keine unvorhergesehen Dinge mehr passieren, dann werden die Dortmunder in wenigen Tagen wohl auch die Herbstmeisterschaft feiern können, da selbst der Vorsprung auf den derzeit Zweitplatzierten, die andere Borussia, die aus Mönchengladbach, schon (mindestens) vier Zähler beträgt.

Dass es ausgerechnet unter dem stets als schwierig geltenden Favre bei den Westfalen in diesen Tagen wieder so gut läuft, das ist schon ein Stück weit erstaunlich.

Noch immer ist die Überfigur eines Jürgen Klopp in Dortmund bei der Anhängerschaft omnipräsent. Alle Trainer nach ihm, mussten sich mit dem bei den Fans bis heute unglaublich beliebten Übungsleiter, der das Team der Schwarzgelben zwischen 2008 und 2015 betreut hatte, messen lassen.

Thomas Tuchel. Foto: Robin Patzwaldt

Dieser Vergleich war einer, den kein Nachfolger des Meistertrainers der Jahre 2011 und 2012 bisher auch nur ansatzweise bestehen konnte. Thomas Tuchel war noch gar nicht richtig in Dortmund, da moserten viele im Umfeld des Klubs schon darüber, dass Tuchel im Vergleich zu Klopp zu unnahbar sei, er als zu verkopft und schwierig gelte.

Trotz sportlicher Erfolge wie dem Sieg im DFB-Pokal 2017, wurde Tuchel im Laufe seiner zweijährigen Amtszeit beim BVB zwar von vielen Anhängern respektiert, geliebt hat ihn die Masse der Fans jedoch nie.

Nachfolger Peter Bosz war nur wenige Monate im Amt. Auch er hatte nicht die Ausstrahlung und das Charisma, wie es ein Jürgen Klopp über Jahre hinweg ausgezeichnet hatte.

Peter Stöger. Foto: Robin Patzwaldt

Bosz-Nachfolger Peter Stöger wiederum bemühte sich nach Kräften einen Draht zum Klub und seiner Anhängerschaft aufzubauen, sah teilweise aus, als sei er bei der Auswahl seiner Kleidung in einen Container mit BVB-Fanartikeln gefallen.

Seine im Vergleich zu den Vorjahren defensiver agierende Elf, die dabei sportlich so einiges schuldig blieb, vermasselte Stöger am Ende die Tour in Dortmund, so dass auch seine Amtszeit in Dortmund nur eine kurze Episode blieb, die wohl im Rückblick, trotz gelungener Champions League-Qualifikation, keine wirklich prägende Zeit in der Vereinshistorie sein wird.

Dann im vergangenen Sommer der Wechsel auf den ebenfalls als kompliziert und extrem verkopft geltenden Favre. Der Schweizer stellt vom Typ her sozusagen eine Art von Anti-Klopp dar. Eloquente, lockere Pressekonferenzen? Interviews mit Unterhaltungswert? All dies sucht man bei Favre vergeblich.

Tritt Favre bei einer Pressekonferenz auf, dann stellt der Verein ihm deshalb gerne den Sportdirektor Michael Zorc als ‚Verstärkung‘ zur Seite, um den versammelten Journalisten zumindest etwas verwertbares Material zu liefern. Von der Medienpräsenz eines Jürgen Klopp ist Lucien Favre ungefähr soweit entfernt wie der Mond von der Erde.

Und doch ist der sportliche Erfolg, und um den geht es hier letztendlich, unter dem verschlossenen Favre endlich wieder nach Dortmund zurückgekehrt. Eine Tatsache, die vielen Fans in diesen Tagen einmal zu denken geben sollte, die einst an Tuchel so heftig herummeckerten, da er ihnen als Klopp-Nachfolger nicht ‚volksnah‘ genug war.

Dass es ausgerechnet Trainer Favre in diesen Tagen geschafft hat den Klub, trotz all seiner bekannten Ecken und Kannten, zurück in die Spur zu führen, das beweist, dass viele von ihnen damals schlicht falsch lagen, als sie den unbestrittenen Fachmann Tuchel, der den BVB zu Vizemeisterschaft und Pokalsieg führte, genau deshalb ablehnten.

Es zählt am Ende des Tages eben die Arbeit eines Trainers, es geht um um Punkte und Tore. Maßstab ist nicht nicht die Medientauglichkeit. So schön die Zeit mit Jürgen Klopp in Dortmund damals unbestritten auch war. Der Erfolg von Lucien Favre zeigt uns allen das in diesen Tagen auf beeindruckende Art und Weise.

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3 Kommentare zu “Lucien Favre beweist, dass auch ein ’schwieriger‘ Trainer beim BVB Erfolg haben kann

  • #1
    Robert Müser

    Ich finde es gut, dass noch Typen wie Favre in der Bundesliga gibt und dass zusätzlich ein Verein ihn auch sein Ding machen lässt. Einschränken mächte ich aber, dass der Erfolg ihm sicherlich zur Hilfe kommt, ob er bei andauernder Erfolglosigkeit (wie im letzten Klopp-Jahr) aktuell noch in Amt und Würden wäre, konnte meine Glaskugel jetzt nicht beantworten …

  • #2
    Klaus Lohmann

    Ruhe bewahren. Favre hatte mit Gladbach in der Saison 14/15 auch einen Ab-Start-Ungeschlagen-Rekord mit 18 Spielen und direkt danach in 15/16 den schlechtesten Saisonstart mit 5 Niederlagen in Folge hingelegt, bevor er dann im Streit mit dem Verein hinschmiss. Schon jetzt anzufangen, die Statue für Favre zu dengeln, wäre ein bissken verfrüht, gelle?;-)

  • #3
    walter stach

    -1-
    Robert Müser
    Ich war bei der Trainerverpflichtung Favre durch den BVB skeptisch -nicht ablehnend.
    Ich muß -Stand heute- registrieren, daß die bisherige Arbeit von Favre meine seinerzeitige Skepsis nicht rechtfertigt. Unbestritten ist, daß Watzke/Zorc ihm für seine erfolgreiche Arbeit auch überdurchschnittlich gute Spieler "eingekauft" haben, aber bekanntlich "funktionieren" die auch nur dann, wenn der Trainer ein überdurchschnittlich guter ist.

    -2-
    Klaus Lohmann,
    ja, Ruhe bewahren sollten vor allem "wir BVB-Fans" – das gilt mit Blick auf den Trainer und die Mannschaft . Der erste Tabellenplatz, die 7 Punkte vor dem 2. und die 9 Punkte vor den Bayern, machen es mir nicht ganz einfach "Ruhe zu bewahren" , sh. vor allem, nicht übermäßig euphorisch zu sein.
    Ich freue mich selbstverständlich über die für mich unerwartet guten Leistungen von Trainer und Mannschaft und bin jetzt , was den denkbaren Tabellenplatz am Ende der Spielzeit angeht, zuversichtlicher als zu Beginn, also mindestens wieder einen Champ.lig-Platz. Alles Andere……???

    Samstag auf Schalke?
    Wider alle Medienstimmen ist "usnser" BVB für mich nicht Favorit. Wir alle wissen aus Erfahrung, daß die Derbys oftmals von der Mannschaft gewonnen wurde, die auf den schlechteren Tabellenplatz rangierte.
    Mir würde ein Unentschieden reichen!

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