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Man kann Amazon und Google nicht vorwerfen, dass sie ihren Job gut gemacht haben

Inzwischen traurige Realität in vielen Innenstädten: Leerstand. Foto: Robin Patzwaldt

Aktuell kursieren diverse Berichte im Netz, die die grundsätzliche Frage aufwerfen, ob die Internetriesen wie Amazon und Google nicht dringend eingebremst werden müssen. So wirft US-Finanzminister Steven Mnuchin dem größten Internethändler Amazon beispielsweise vor „den Einzelhandel in den Vereinigten Staaten zerstört“ zu haben. Starker Tobak.

In Übersee soll offenkundig jetzt intensiv untersucht werden, ob führende Onlineplattformen zu große Marktmacht erlangt und mit ihrer Vorgehensweise den Wettbewerb gefährdet haben könnten und der gesamten Wirtschaft und den Verbrauchern damit womöglich geschadet haben.

Ähnliche Debatten werden ja schon seit längerem auch hierzulande geführt. Wir hier im Blog haben in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder über die Entwicklungen in den Innenstädten und im Onlinehandel debattiert, uns über die zunehmenden Leerstände in unseren Fußgängerzonen Gedanken gemacht.

Lösen wir uns jetzt hier einmal kurz von allen politischen Hintergründen, die in den USA in der Abneigung zwischen Präsident Donald Trump und einem seiner prominentesten Kritiker, Amazon-Boss Jeff Bezos, begründet sein dürften. Auch Google wird ja nicht das allerbeste Verhältnis zur aktuellen US-Regierung nachgesagt.

Viel spannender an diesen Debatten finde ich ohnehin die Frage ob man Amazon und Google überhaupt für ihre marktbeherrschende Stellung und die damit verbundenen Vorteile kritisieren sollte.

Ich finde nämlich, dass es im ureigensten Interesse eines jeden Unternehmens liegt sich von der Konkurrenz möglichst weit abzusetzen, sich eine marktbeherrschende Stellung zu erkämpfen. Das ist erst einmal nichts Negatives.

Was man dem FC Bayern München, um ein Beispiel aus unseren Breiten zu bemühen, in der heimischen Fußball-Bundesliga nicht grundsätzlich vorwerfen kann, das gilt natürlich auch für Internetriesen wie Amazon oder Google.

Denn was können die dominant gewordenen Unternehmen für die ‚Schwäche‘ der Konkurrenz? Und auch die Tatsache, dass Unternehmen die ihnen vorgegebene Gesetzeslage bis an die Grenzen ausloten, erscheint mir erst einmal ziemlich normal.

Dass Firmen ihr eigenes Wohl in den Mittelpunkt ihres eigenen Handelns stellen, halte ich ebenso für weit verbreitet. Niemand zahlt doch freiwillig mehr Steuern als unbedingt nötig. Warum sollte beispielsweise Amazon da nicht auch so denken und entsprechend handeln?

Es liegt doch an den Regierungen der jeweiligen Länder dem Handel entsprechende Regeln und Rahmenbedingungen zu setzen. Früher, als ich in den 198er- und 1990er-Jahren aufgewachsen bin, wurde das hierzulande einmal soziale Marktwirtschaft genannt. Von den Rahmenbedingungen dieser Zeit ist aktuell jedoch nicht mehr viel übriggeblieben, wie es scheint. Die Zeiten sind härter geworden. Auf ganz vielen Ebenen.

Dass diese Rahmenbedingungen sich zuletzt so stark verändert haben, ist den Unternehmen aus meiner Sicht nicht vorzuwerfen. Seitens der Politik jetzt zu meckern, wo die Position dieser Weltfirmen bereits so dominant geworden ist, wie im Falle von Amazon und Google zu sehen ist, das lenkt nur vom eigenen Fehlverhalten in der Vergangenheit ab. Das gilt für Politiker in den USA ebenso wie für die in der EU bzw. in Deutschland.

Offenbar hat die Politik hier über Jahre hinweg versagt. Die Führung der Unternehmen hat ihren Job hingegen gemacht. In den Augen vieler vielleicht sogar zu gut.

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9 Kommentare zu “Man kann Amazon und Google nicht vorwerfen, dass sie ihren Job gut gemacht haben

  • #1
    Thorsten Stumm

    Ganz einfach…über den Erfolg oder Misserfolg eine Unternehmen entscheiden KundInnen…niemand sonst….Google und Amazon bieten Dinge an die eine grosse Zahl von Menschen so wollen….wie man das besteuert….das kann man regeln…da ist dann eine politische Aufgabe…..oder faire Löhne für die Boten….muss man nur wollen und machen…..an der Situation das wir alle zu Paketjunkies (schuldig) werden etwas zu ändern….aussichtlos….ist eine andere Frage….

  • #2
    puck

    Der Niedergang der Innenstädte hat lange vor der Erfolgswelle von Amazon begonnen.
    Schon in den 90er Jahren konnte man z. B. beobachten, wie ein Fachgeschäft nach dem anderen dicht machte, weil die Kunden halt lieber in irgendein Kaufhaus gingen, oder in den Baumarkt auf der grünen Wiese, weil sie der (meistens irrigen) Meinung waren dort billiger einkaufen zu können. Das betraf übrigens ganz besonders den Buchhandel (mit dem Amazon ja mal angefangen hat). Ich habe die Leute nie verstanden, die lieber in die Buchabteilung bei Karstadt oder in Ketten-Läden wie Mayersche oder Thalia und wie sie alle heißen gegangen sind als in einen kleinen Buchladen um die Ecke wo ich zum Buch noch gratis kompetente Beratung und vielleicht ein nettes Gespräch über Literatur bekomme.
    Jetzt trifft es auch die großen Kaufhäuser – und da ist das Geschrei auf einmal groß!

    Von der Manie, in jede Stadt ein Mega-Einkaufszentrum zu klotzen (weil das so tolle Synergie-Effekte auf den Handel in der Innenstadt hat – eine Theorie, die sich leider auch beim gefühlt 120isten Versuch leider nicht bestätigt hat) will ich erst gar nicht anfangen…

  • #3
    Klaus Lohmann

    Nunja, wir haben halt keine "Weltregierung", die "Weltsteuern" auf global agierende Unternehmen erheben kann. Also müssen sich EU und Nationalstaaten halt was praktikables überlegen. Vielleicht fragen sie einfach "Borump", ähm Boris Johnson, der ja dolle "technische" Tricks draufhaben soll:-))

    Was die Amis da grad abziehen, ist einfach nur stumpfsinnig-nationalistischer Zirkus zum Wahlkampf von Trump, nix weiter.

  • #4
    Nina

    Robin sagt: "Ich finde nämlich, dass es im ureigensten Interesse eines jeden Unternehmens liegt sich von der Konkurrenz möglichst weit abzusetzen, sich eine marktbeherrschende Stellung zu erkämpfen. Das ist erst einmal nichts Negatives."
    Zu amazon und google kann ich nichts sagen, aber zu den Zielen eines Unternehmens schon. Die können manigfaltig sein, nicht jedes Unternehmen zielt automatisch auf permanente Gewinnmaximierung ab oder auf eine marktbeherrschende Stellung. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle.
    Ich will damit nicht sagen, das eine ist besser als das andere. Nur rein vom Sachlichen her denke ich sollte man das erwähnen.

  • #5
    ke

    Der Kunde kann unmittelbar reagieren.
    Die Konkurrenz muss reagieren und kreativ werden. Aktuell will man lieber Reservate mit Subventionen für viele Bereiche (insbesondere Medien) haben.

    Die Geschäftspraktiken vieler Firmen müssen an einem fairen Wettbewerb im Rahmen des Regelwerks der Gesetze der jeweiligen Länder ausgerichtet sein. Es bleibt mir ein Rätsel, wieso die Behörden solche Probleme hatten, MwSt von Marktplätze zu kassieren.

    Monopole und Oligopole sind Mist. Hierfür gibt es Wettbewerbsregeln. In den USA gab es bekannte Zerschlagungen von Großunternehmen.

    Es bleibt mir dennoch ein Rätsel, warum der Vorgang bestellen und liefern von vielen Unternehmen nicht beherrscht wird.

    Aktuell hatte ich einen privaten Dienstleistungs-Wettbewerb.
    Anfordern von Zugangberechtigungen bei Banken und beim Finanzamt. Start nahezu zeitgleich am Wochenende. Der Prozess sollte eigentlich trivial zu automatisieren sein und hochautomatisiert ablaufen.

    Bank 1 : Di
    Bank 2: Mi
    Finanzamt: Do

    Wenn es mal wieder heißt, dass der Staat so toll ist, viel Spaß beim warten. In Dortmund sind die Schlangen vor den Bezirksämtern am frühen Morgen wie im realen Sozialismus.

  • #6
    Werntreu Golmeran

    Aus dem Ahlener Programm der CDU (1947)

    Neue Struktur der deutschen industriellen Wirtschaft

    1. Konzerne und ähnliche wirtschaftliche Gebilde, die nicht technisch, sozial oder wirtschaftlich absolut notwendig sind, sind zu entflechten und in selbständige Einzelunternehmungen zu überführen. Die technische Entwicklung verlangt bei gewissen Unternehmungen eine bestimmte Mindestgröße, namentlich auch, um gegenüber dem Auslandkonkurrenzfähig zu sein. Diese Mindestgröße muß derartigen Unternehmungen unbedingt belassen werden.

    2. Unternehmungen monopolartigen Charakters, Unternehmungen, die eine bestimmte Größe überschreiten müssen, verleihen eine wirtschaftliche und damit eine politische Macht, die die Freiheit im Staat gefährden kann. Dieser Gefahr muß dadurch vorgebeugt werden, daß entsprechende Kartellgesetze erlassen werden. Darüber hinaus soll bei diesen Unternehmungen das machtverteilende Prinzip eingeführt werden, damit jede mit dem Gemeinwohl unverträgliche Beherrschung wesentlicher Wirtschaftszweige durch den Staat, Pr-vatpersonen oder Gruppen usgeschlossen wird.

    a) Zu diesem Zweck sollen öffentliche Körperschaften wie Staat, Land, Gemeinde, Gemeindeverbände, ferner Genossenschaften und die im Betrieb tätigen Arbeitnehmer an diesen Unternehmungen beteiligt werden: der dringend notwendigen Unternehmerinitiative ist der erforderliche Spielraum zu belassen.

    b) Weiter soll bei solchen Unternehmungen der private Aktienbesitz, der in einer Hand dem Eigentum oder dem Stimmrecht ach vereinigt ist, in der Höhe gesetzlich begrenztwerden.

    3. Bergbau.
    Monopolartigen Charakter haben die Kohlenbergwerke schlechthin wegendes von ihnen geförderten, für das gesamte Volk lebenswichtigen Urproduktes. Daher ist die Anwendung der in Ziffer II/2 aufgestellten Grundsätze auf sie vordringlich; sie sind somit zu vergesellschaften. Wenn in besonderen Fällen die Form des Staatsbetriebes zweckmäßiger erscheint, so sollen die vorstehenden Grundsätze der Anwendung dieser Form nicht entgegenstehen.

    4. Eisenschaffende Großindustrie.
    Auch bei der eisenschaffenden Großindustrie ist der Weg der Vergesellschaftung zu beschreiten.

    5. Das Genossenschaftswesen ist mit aller Kraft auszubauen und die Rechtsform der Stiftungen auch in wirtschaftlichem Bereich nachdrücklich zu fördern.

    6. Die schon vor 1933 begonnene gesetzliche Kontrolle des Geld- und Bankwesens sowie des Versicherungswesens muß weiter ausgebaut werden.

    7. Leistungsfähige Klein- und Mittelbetriebe sind um ihres volkswirtschaftlichen Wertes und ihrer sozialen Aufstiegsmöglichkeiten willen zu fördern. In Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe ist die private Unternehmertätigkeit zu erhalten und zu entwickeln.

    War da was? Wieso hatte die CDU damals etwas gegen Monopole? Wieso sah man darin eine Gefahr? Wieso gibt es immer noch ein Kartellgesetz? Wahrscheinlich, weil das damals Spielverderber waren, die den "Herold des freien Unternehmertums"* (siehe P.S.) unterdrücken wollten? Oder hatte das etwas mit schlechten Erfahrungen mit Monopolen zu tun? Wieso war es den Leuten damals so wichtig, die Banken unter Kontrolle zu halten? Und wieso hat man das dann wieder gelockert? Weil die Leute nicht gewillt sind, aus der Geschichte zu lernen, weil sie lieber selber auf die Schnautze fallen wollen und glauben, sie seien schlauer als ihre Vorfahren.

    * P.S.:

    "Herald of Free Entetprise" hiess sinnigerweise ein Fährschiff, dass im Jahre 1987 bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Zeebrügge unterging, weil die Reederei, um Stillstandzeiten im Hafen und damit Kosten zu sparen, die Ladeklappen am Bug erst schließen ließ, als das Schiff schon abgelegt hatte. Bei dem in Kauf genommenen "Unglück" starben 193 Menschen.

    Es lebe das freie Unternehmertum!

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  • #8
    thomas weigle So

    Das Ahlener Programm war doch schon in den 60ern älter als die Bibel und bedeutungsloser als jene, jedenfalls für die CDU, auch wenn ein gewisser kleinwüchsiger Herz-Jesu-Sozialist immer wieder mal so tat, als ob diesem Programm noch irgendeine Bedeutung seitens der CDU zugemessen würde. Ansonsten führte die Erwähnung des einen oder anderen Punktes aus diesem durchaus gut begründeten Programm höchstens zu der Frage, ob man Kommunist sei.

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