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Mit Energie für eine Kultur der Akzeptanz – Das Ruhrgebiet als Industriestandort

Bei der »Kulturhauptstadt« ging es natürlich in erster Linie um die Kultur. In diesem Sinne ist »Essen für das Ruhrgebiet – Kulturhauptstadt Europas« ein Erfolg gewesen. Zumindest fällt die Bilanz der federführenden RUHR. 2010 GmbH durchweg positiv aus – von der Bestürzung über die Loveparade-Katastrophe in Duisburg einmal abgesehen.  Von unserem Gastautor  Jürgen Großmann.

»Den Menschen im Ruhrgebiet wurde Lust auf Kultur gemacht«, so der Ruhr-Geschäftsführer Fritz Pleitgen. Auch die Touristikexperten sind zufrieden: 10,5 Millionen Besucher sind 2010 in die Kulturhauptstadtregion gekommen. Das entspricht einer respektablen Steigerung um 13 Prozent. Schließlich loben die Macher auch die neu entstandenen Netzwerke im Ruhrgebiet. Kooperation statt Rivalität und Kirchturmdenken. Die wesentlichen Zielgruppen konnten anscheinend erreicht werden.

Ist also alles gut in der selbsternannten Metropole Ruhr? Hat die Kulturhauptstadt wirklich die Voraussetzungen für eine positive Weiterentwicklung der Region geschaffen? »Kultur durch Wandel – Wandel durch Kultur« – ein Patentrezept?

Als einer der Hauptsponsoren der RUHR.2010 können auch wir durchaus zufrieden sein. In einer repräsentativen Befragung unter der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen nannten 81 Prozent der Befragten RWE als den bekanntesten Sponsor. 62 Prozent meinten, dass dieses Engagement sehr gut zum Unternehmen und zu den Kulturhauptstadt-Aktivitäten im Ruhrgebiet gepasst habe. RWE wurde als engagiertes, regional verwurzeltes Unternehmen wahrgenommen, mit positiven Auswirkungen auf unser Gesamt-Image.

Wirklich alles gut also? Was erwartet ein »regional verwurzeltes Unternehmen«, wie RWE es ist, von einem Engagement wie dem für die Kulturhauptstadt? Immerhin wurden hierfür mehrere Millionen Euro ausgegeben. Natürlich, wir teilen die Bilanz der Organisatoren im Großen und Ganzen. Auch wir freuen uns über die positive Stimmung, die das Ganze erzeugt hat, und Banausen wären wir, wenn wir nicht auch stolz wären auf solche Kultur-Leuchttürme wie das neue Museum Folkwang, das Ruhrmuseum oder das Dortmunder U. Immerhin sorgen diese Bauten für die immer wieder beschworene Nachhaltigkeit. Zumindest im kulturellen Bereich.

Doch bei aller Freude über das Erreichte: Ein gewisses Unbehagen bleibt. Das wird ausgelöst durch Sätze wie »Mit starken, frischen Bildern und vitalen Signalen ist das Ruhrgebiet beherzt seinem veralteten, standortschädlichen Image entgegengetreten«. Wie bitte? So heißt es in der offiziellen Pressemitteilung der RUHR.2010 GmbH vom 9. Dezember 2010. Man zieht Bilanz, lobt die Kultur – und distanziert sich von einem alten Image, das angeblich standortschädlich sein soll. Die »S-Frage«, also die nach dem Standort, wird zugunsten der sauberen Kultur und – dieses Eindrucks kann ich mich nicht erwehren – zulasten einer schmutzigen industriellen Vergangenheit beantwortet. Dass es auch um die Gegenwart und Zukunft des Industriestandorts Ruhr nicht allzu gut bestellt zu sein scheint, beweist die Tatsache, dass das Wort »Industrie« nicht ein einziges Mal in den Bilanzen der Macher vorkommt. Es geht mir nicht um Dankbarkeit für die geflossenen Millionen. Es geht um die Zukunft unserer Region. Die »S-Frage« muss weiter diskutiert werden, ohne sie auf die Kultur zu beschränken und jenseits von Sendeminuten, Anzeigengegenwerten, Kulturwirtschaftsbilanzen und Symposien. Nachhaltigkeit ohne stabile Basis funktioniert nämlich nicht.

Wir sind Metropole – oder nicht?

Mit 5,3 Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet der größte Ballungsraum Deutschlands. Und nach London und Paris der drittgrößte in Europa. Nicht zu vergessen: auch der dritthellste, betrachtet man uns per Satellit aus dem Weltall. Das Verkehrsnetz gilt als engmaschig und gut erschlossen. In kaum mehr als einer Stunde ist man mit dem Flugzeug – allerdings von Düsseldorf aus – in Paris, London, Madrid, Rom oder Wien. Die Wirtschaftsleistung lag 2008 bei 136 Milliarden Euro – das sind knapp 6 Prozent des deutschen BIP. Mit fünf Universitäten, zehn Fachhochschulen und zahlreichen Forschungsinstituten sind wir eine der dichtesten Wissenschaftslandschaften Deutschlands und Europas. Die Ruhr-Universität Bochum schickt sich sogar an, den Sprung in die Gruppe der Exzellenz-Hochschulen zu schaffen.

Aber noch einmal: Ist damit wirklich alles gut? Oder erweitert man mit diesen Schlagworten nur die Rhetorik der Kulturhauptstadtmacher um die Sprüche der Wirtschaftsförderer? Auf jeden Fall lohnt ein genauer Blick auf den Standort Ruhrgebiet. Meinethalben auch den »Standort Metropole Ruhr« oder nur »Standort Ruhr«. Diese etwas spitzfindige Diskussion soll hier gar nicht geführt werden.

Viel wichtiger ist die Frage, welcher Voraussetzungen, Eigenschaften und Bemühungen es bedarf, um ein erfolgreicher Standort zu sein. Und da muss sich das Ruhrgebiet durchaus an anderen Ballungsräumen messen lassen. Sehen kann man da: Kultur allein, flotte Werbesprüche und vollmundige politische Statements reichen jedenfalls nicht aus, um eine Region erfolgreich zu machen.

Schauen wir in die Hauptstadt. Berlin mag »arm, aber sexy« sein, doch dieser ebenso launige wie kontrovers diskutierte Ausspruch seines Regierenden Bürgermeisters verdeutlicht doch nur, wie sehr die Stadt unter der verloren gegangenen industriellen Struktur leidet. Damit berühren wir den Kern der S-Frage. In der Lokalpolitik Berlins ist es vollkommen unstrittig, dass man sich – bei allen Vorteilen, die eine gewisse Underdog-Lässigkeit für die Ausbildung von Kreativität und Attraktivität haben mag – um die Industrie, die »wirtschaftliche Basis« sozusagen, kümmern muss. An anderer Stelle in diesem Band kann man lesen, dass man sich selbst in der Welthauptstadt der Kreativen, in New York, über diesen Zusammenhang im Klaren ist.

Im Klaren sollte man sich also darüber sein: Mit Werbung und »Kreativquartieren« allein lässt sich kaum ein Blumentopf gewinnen. Selbst wenn dieser Blumentopf ein Fördertopf ist, funktioniert das nicht, jedenfalls nicht langfristig. Hier kommt ein anderes »S-Wort« ins Spiel, das die Entwicklung im Ruhrgebiet seit mehr als 30 Jahren in unterschiedlichen Variationen begleitet: Strukturwandel. Unter dieser Überschrift sind allein zwischen 1991 und 2008, grob überschlagen, 25 Milliarden Euro in das Ruhrgebiet geflossen. Aus der Europäischen Union, vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen. Ganz genau ist die Höhe dieser steuerfinanzierten Transferleistungen nicht zu ermitteln. Die Unsicherheit beginnt schon damit, dass niemand so genau weiß, wo das auf drei Regierungsbezirke verteilte Ruhrgebiet anfängt und wo es aufhört. Wählt man nun eine der Ikonen des Ruhrgebiets aus, das Weltkulturerbe Zeche Zollverein zum Beispiel, dann soll der Strukturwandel hin zu einem gigantischen und seit der Eröffnung des Ruhrmuseums Anfang 2010 äußerst gut besuchten museal-kreativen Areal mehr als 110 Millionen Euro gekostet haben. Das ist im Guten wie im Schlechten rekordverdächtig. »Der Standort Ruhrgebiet« mag mit solcherlei Rekorden sogar gut beschrieben sein. Eine sichere Basis für eine erfolgreiche Zukunft ist damit allerdings noch nicht gelegt. Fördermillionen allein sind zu wenig – selbst wenn sie hunderttausende Besucher anziehen.

Notwendig ja, hinreichend nein

Kommt man auf die eingangs gestellte Frage nach der Tragfähigkeit des Ansatzes »Kultur durch Wandel – Wandel durch Kultur« zurück, muss die Antwort schon jetzt lauten: All das bislang Skizzierte mag eine notwendige Bedingung für die Zukunft des Ruhrgebiets als wirtschaftlich erfolgreicher und damit als ein industrieller Standort sein. Hinreichend ist es damit auf keinen Fall.

Um dies zu untermauern, lohnt es sich, einen Blick auf Licht und Schatten im Ruhrgebiet zu werfen, aber auch auf die derzeit in Deutschland und Europa geführten industriepolitischen Diskussionen. Beginnen wir mit dem Mikrokosmos Ruhrgebiet. Meiner Branche, der Energiewirtschaft, kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselstellung zu.

Derzeit erhebt der Initiativkreis Ruhr bei seinen Mitgliedsunternehmen zum wiederholten Mal Einschätzungen zu den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Arbeit und Kultur im Ruhrgebiet. Das fließt dann ein in den »Ruhr2030-Index«. Die Ergebnisse der letzten Runde wurden im Dezember 2009 in Gelsenkirchen präsentiert. In diesem Index ging und geht es um die Frage, ob die Metropole Ruhr einen positiven Entwicklungspfad beschreitet und damit die Lücke (!) zu den erfolgreichen deutschen und internationalen Standorten schließen kann.

Das Ergebnis dieser Studie war beim letzten Mal ganz klar: Sie kann es nicht. Im damaligen Erhebungszeitraum wurde deutlich, dass das Ruhrgebiet im Wettbewerb mit anderen Regionen hinterher hinkt. Damals beeilten sich die Kritiker der Studie nachzuweisen, dass die Negativauswirkungen der Finanzkrise nicht berücksichtigt bzw. nicht hinreichend von strukturellen Faktoren getrennt worden seien. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass diese Finanzkrise ja nicht nur das Ruhrgebiet ereilt hatte, ist das kaum mehr als eine windige Schutzbehauptung. Denn die relative Verschlechterung betraf vor allem Bereiche, auf die die Finanzkrise kurzfristig gar keine Auswirkungen haben konnte – die Kategorie »Exzellenz in Bildung und Forschung« zum Beispiel. Hier sind die Befunde besonders dramatisch.

Den Strukturwandel beschwören und gleichzeitig in einer Schlüsselkategorie an Qualität verlieren – das geht nicht zusammen. Dass wir uns nach dem fast flächendeckenden Niedergang der ruhrgebietstypischen Industriebranchen in einer besonders schwierigen Ausgangssituation befinden, muss man zugeben. Ein erster grober Fehler wäre es aber, vorhandene Gestaltungsspielräume nicht oder nur unzureichend zu nutzen. Auf den Feldern Bildung und Wissenschaft ist das der Fall.

Die Metropole Ruhr als industrieller Standort

Fehler Nummer zwei wäre, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Das hieße, den zyklischen und strukturellen Niedergang einzelner Branchen zu verwechseln mit dem Ende der Industriegesellschaft. Von manch einem werden solche düsteren Prognosen immerhin beklagt. Anderen scheinen sie aber auch ganz gut in den Kram zu passen. Wer meint, kein Wachstum zu brauchen, braucht auch keine Industrie. Erst später fällt dann auf, dass der Wirtschafts- und Wachstumskritiker immer auch ein Kulturpessimist ist, unfreiwillig, aber im wahrsten Sinne des Wortes: Für die Kultur sähe es nämlich ohne leistungsfähige Wirtschaft wirklich düster aus.

Aber bleiben wir zunächst bei der Wirtschaft und der Industrie im engeren Sinne. Wer kritisiert, muss auch in der Lage sein, Wege in die Zukunft des Ruhrgebiets als wirtschaftlich erfolgreichen Standorts zu skizzieren. Das wiederum hat eine emotionale, eine faktische und eine gesellschaftspolitische Komponente.

Beginnen wir mit den Emotionen – und zwar in Form eines Bekenntnisses. RWE, 1898 in Essen von Hugo Stinnes gegründet, bekennt sich zu seiner Heimatregion. Und das sind die Fakten dazu: Unsere Unternehmenszentrale befindet sich nach wie vor in Essen. Der 1997 eingeweihte RWE Turm ist eines der Wahrzeichen und architektonischen Highlights der Stadt, die sich gern als »Schreibtisch« des Ruhrgebiets gibt. Dazu wurden im Norden der Stadt und in Dortmund in den vergangenen Jahren moderne Funktionsbauten errichtet. Auch die sind architektonische Schmuckstücke.

Von Essen und Dortmund aus wird aber nicht nur das nationale und internationale Geschäft mit Strom und Gas gesteuert. An unseren Standorten im Ruhrgebiet gehen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Arbeit nach, 600 junge Leute haben bei RWE im Ruhrgebiet ihren Ausbildungsplatz. Mit der entsprechenden Wertschöpfung. Und im Übrigen auch mit der entsprechenden emotionalen Nähe zur Region. Besonders deutlich gezeigt hat sich das – Schritt zurück – im Kulturhauptstadtjahr. RWE hatte im Rahmen des Projekts »Stillleben A 40« 90 Tische gemietet, an denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Teilen des Konzerns ihre Verbundenheit mit dem Unternehmen, der Region und deren Kultur zeigten.

Auch Teile meines eigenen Unternehmens, der Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe, haben ihren Ursprung im Ruhrgebiet. Als ältestes Werk feiert die Friedrich-Wilhelms-Hütte in Mülheim an der Ruhr im Juni 2011 ihr 200-jähriges Firmenjubiläum. Insgesamt ist die Gruppe im Ruhrgebiet mit neun Standorten und zusammen rund 2.900 Mitarbeitern vertreten – von Hagen über Schwerte, Bochum und Essen bis nach Mülheim. Für solche Unternehmen mit transportintensiver Produktion ist das Ruhrgebiet noch immer ein idealer Standort. Kurze Wege und die direkte Anbindung an Straßen, Schienen und Wasser haben ihren Wert. Allerdings ist das nur so lange ein Standortvorteil, wie regelmäßig in die Infrastruktur investiert wird.

Auch andere Industrieunternehmen sind dem Standort Ruhrgebiet treu und investieren entsprechend. Nacheinander haben die Schwergewichte ThyssenKrupp und E.ON Ruhrgas ihre Firmenzentralen in Essen neu erbaut beziehungsweise hierher verlegt. Was wiederum bedeutet: je 2.000 Arbeitsplätze in dem einen wie in dem anderen Bürogebäude.

Strukturwandel muss also nicht heißen: Wir gründen ein Kreativquartier und trinken Latte Macchiato. Strukturwandel muss auch nicht heißen: Wir verabschieden die »alten« Industrien, womöglich mit einem Tritt. Der Strukturwandel findet statt. Aber eben nicht weg von der Industriegesellschaft hin zu einer wie auch immer funktionierenden Kreativ- und Kulturwirtschaft. Der Strukturwandel findet statt innerhalb der Industrie und durch die Industrie. Hier müssen wir innovativ sein. Hier müssen wir kreativ sein. Hier müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Innovative Projekte für die Region

Die Industrieunternehmen der Region leisten ihren Teil. RWE tut das jedenfalls. Unsere Gesellschaft für Energieeffizienz hat ihren Sitz in Dortmund. Die RWE Effizienz ist Dienstleister für Energieeffizienz-Infrastruktur. Sie unterstützt Kunden dabei, Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Von der E-Mobilität bis hin zur Hausautomatisierung RWE SmartHome – die RWE Effizienz setzt durch innovative Ansätze und neue Produkte Standards. Mit Informationen und Aufklärung steigert sie das öffentliche Bewusstsein für Energieeffizienz.

Teil dieser Gesellschaft ist die Sparte für Elektromobilität. Neben den 500 Ladepunkten, die wir unter anderem in Berlin errichten, stellen wir auch 400 solcher Säulen im Ruhrgebiet auf. Jeweils 150 sind schon heute in Betrieb. Wir haben starke Partner aus der Industrie, und wir haben die Unterstützung der Politik. In einigen Jahren wird Elektromobilität unser Leben – und übrigens auch unsere gesamte Energieversorgungsinfrastruktur – mehr verändert haben als so putzige Ideen wie die Errichtung einer Seilbahn entlang der A 40. Davon war vor einiger Zeit in der Zeitung zu lesen. Diese Idee war im Rahmen einer Studentenakademie an der Universität Essen-Duisburg entstanden.

Aber auch wir bekommen zu spüren, dass modernste Technik mal ihre Tücken haben kann. RWE will Mülheim Schritt für Schritt zu einer Smart City machen. Das heißt: Wir wollen die Stadt flächendeckend mit intelligenten Stromzählern ausstatten. Das Projekt ist das größte seiner Art in Deutschland. Intelligente Zähler sind Kern von Smart Home-Lösungen, also der intelligenten Vernetzung und zentralen Steuerung der gesamten Haustechnik und aller elektrischen Geräte eines Haushalts. Ziel ist die Senkung des Energieverbrauchs bei gleichzeitiger Erhöhung von Flexibilität, Sicherheit und Wohnkomfort. Hier will die Industrie ganz nah bei den Menschen der Region sein. Allerdings geht das nicht ohne »Trial & Error«. Die Messtechnik hat zwar einwandfrei funktioniert, es haperte anfangs aber an der Übermittlung der Verbrauchsdaten. Unter anderem deshalb ist Mülheim neben Krefeld auch Modellregion des Forschungsprojekts »E-DeMa«, bei dem es um die Entwicklung und Demonstration dezentraler Energiesysteme geht. VoRWEg-Geher machen ihre Erfahrungen selber. Nur Spätstarter schauen zu und ziehen dann nach. Unseren Vorsprung sollten wir übrigens auch auf dem Feld der Elektromobilität nicht verspielen. Die Konkurrenz – national wie international – schläft nicht.

Ganz auf eine innovative, auf erneuerbaren Energien fußende Versorgung setzt unsere ebenfalls in Essen ansässige Gesellschaft RWE Innogy. Hier kümmern sich knapp 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darum, mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr sinnvoll zu investieren. Fritz Vahrenholt, CEO der Gesellschaft, beschreibt in diesem Band, wie das geht. Ein maßgeschneidertes Projekt für das Ruhrgebiet ist die Absicht von RAG Montan Immobilien und RWE Innogy, eine Halde nahe Hamm als Standort für ein Kombikraftwerk aus Pumpspeicher und Windkraft zu entwickeln. So sieht Strukturwandel in unserer Region aus.

Bildung, Bildung, Bildung

Neben einem klaren Bekenntnis der Industrie zum Standort (»erledigt«) sowie industrieller Kreativität und Innovationen aus der Wirtschaft heraus (»erledigt«) gibt es aber noch einen weiteren Faktor für den industriellen Erfolg des Standorts Ruhrgebiet: den Schulterschluss mit der Wissenschaft. Ohne Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, ohne gut qualifizierten Nachwuchs und ohne ein technikfreundliches Umfeld geht es nicht.

In all das investiert RWE massiv. Dabei ist das Ruhrgebiet kein Partner »unter ferner liefen«. RWE und die Bildungs- und Forschungseinrichtungen in der Region, das ist eine gelebte privilegierte Partnerschaft. Drei der sechs von RWE geförderten Stiftungslehrstühle befinden sich im Ruhrgebiet, namentlich an der Technischen Universität Dortmund und an der Universität Duisburg-Essen. Die RWE Stiftung kümmert sich um die Bronnbacher Stipendiaten an der Ruhr-Universität Bochum und hat zusammen mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ein Projekt mit drei Ruhrgebiets-Universitäten auf den Weg gebracht. Hier werden Lehrer und Doktoranden mit Migrationshintergrund gefördert. Funktionierende Integration ist nämlich auch so eine notwendige Bedingung für die Zukunft des Standorts Ruhr.

Integration, Bildung und Technikfreundlichkeit sind aber Themen, denen man sich schon viel früher widmen muss. Um genau zu sein: von Kindesbeinen an. Wenn Unternehmen erfolgreich sein wollen, wenn ein Industriestandort funktionieren soll, dann sind gut qualifizierte, engagierte Arbeitskräfte eine unabdingbare Voraussetzung. Langfristig bekommen wir diese nur, wenn wir ihnen ein entsprechendes Umfeld bieten. Geistig und materiell.

Auch die Kleinsten wollen gut betreut werden. Internationale Führungskräfte und Eltern mit einem Horizont, der weiter reicht als der Schatten des eigenen Kirchturms, wollen Schulen, die diesem Erfahrungs- und Erwartungshorizont entsprechen. Die »Internationale Schule Ruhr« betreut seit 2010 die Kinder solcher Eltern und bildet sie nach modernsten Bildungsstandards aus. Der Initiativkreis Ruhr hat dieses wichtige Projekt auf den Weg gebracht. Aus tiefer Überzeugung unterstütze ich die Internationale Schule Ruhr persönlich. Nun müssen noch mehr Wirtschaftsunternehmen und engagierte Privatpersonen aus der Region die Schule zu ihrer Herzensangelegenheit machen – mit Geld, ideeller Unterstützung und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern. Die RWE Stiftung begleitet mittlerweile den Unterricht an der Internationalen Schule mit einem Projekt, in dem das Erleben von Energie im Fokus steht. Näheres zur Internationalen Schule Ruhr ist an anderer Stelle in diesem Band nachzulesen.

Akzeptanz als Herausforderung

Alle Bekenntnisse zum Standort, alle Innovationen, alle Investitionen in Bildung sind aber wertlos, wenn das Umfeld nicht stimmt. Das Umfeld – das ist die mentale Großwetterlage einer Gesellschaft, und das sind die konkreten Rahmenbedingungen, von denen eingangs die Rede war.

Wir als Energieversorgungsunternehmen wissen genau: ohne Akzeptanz kein erfolgreiches Geschäft. Dabei liegen die Fakten deutlich auf dem Tisch. Die Energiewirtschaft ist das Herz der deutschen Wirtschaft. Neben der Automobilindustrie und der Chemischen Industrie zählt sie zu den führenden Wirtschaftszweigen im Land. Mit einer Wertschöpfung von 191.000 Euro pro Mitarbeiter hält sie bei der Arbeitsproduktivität eine absolute Spitzenstellung, und sie ist neben der Automobilindustrie größter Investor im Land. Hinzu kommt: Eine jederzeit sichere Versorgung mit Energie, besonders mit Strom ist eine entscheidende Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung im Land. Das alles lässt sich eins zu eins auf den Standort Ruhrgebiet übertragen.

Damit müsste eigentlich alles gesagt sein. Und trotzdem haben wir ein Akzeptanzproblem. In der Bevölkerung und manchmal bei der Politik. Auch wenn wir in Neurath im Rheinischen Revier unsere neue, hocheffiziente Doppelblock-Anlage noch im Jahr 2011 in Betrieb nehmen werden: Neue Kohlekraftwerke lassen sich in Deutschland kaum noch errichten. Das scheint die Regel zu sein. In Ensdorf im Saarland. Oder in Datteln am Rand des Ruhrgebiets. In Ensdorf haben wir unsere Lektion lernen müssen. Und beim Thema »saubere Kohle« haben wir bei unseren Pilotprojekten mindestens zwei Gänge runtergeschaltet, weil wir in Deutschland – den EU-Vorgaben zum Trotz – immer noch keinen Rechtsrahmen für CCS-Projekte haben. Wir forschen aber weiter mit Hochdruck an dem Thema, denn Kohle ist ein Energieträger mit Zukunft.

Aber wenn der Rahmen nicht stimmt, kann sich die Industrie auf den Kopf stellen. Die absurde Debatte um die Zukunft des E.ON-Kraftwerks in Datteln verliert sich in Endlosschleifen. Immer neue Gutachten werden in Auftrag gegeben. Die Verwirrung ist groß: Gilt der Dattelner Bebauungsplan? Oder der Regionalplan? Kann ein »Zielabweichungsverfahren« Abhilfe schaffen? Bei so viel bürokratischer Akrobatik droht jedenfalls eine Bauchlandung. Eine Bauchlandung des gesamten Standorts Ruhrgebiet wohlgemerkt, seine Kultureinrichtungen eingeschlossen.Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir ein Industrieland bleiben oder nicht? Wenn ja, kommen wir mit Verzicht, Zauderei und einem »Wutbürgertum«, das den eigenen Hof um jeden Preis sauberhalten will, nicht weiter. Auch schwülstige, von purem Utopiedenken beseelte Rundumschläge gegen die Industrie führen nicht nach vorne. Die Energiewirtschaft braucht und will den sachlichen Dialog. Hier sollten Wirtschafts- und Energieexperten über Energie reden und Philosophen über Philosophie. Als Stahlunternehmer weiß ich genau, wie wichtig faire Strompreise für eine wettbewerbsfähige Produktion in energieintensiven Branchen sind. Faire Strompreise sind aber nur möglich, wenn der Rahmen stimmt und Akzeptanz für das Geschäft der Energieversorgungsunternehmen, auch der großen, da ist.

Hier müssen die Räder ineinander greifen. Steuern und Abgaben, Genehmigungsverfahren, an den richtigen Stellen öffentliche Fördermaßnahmen, der richtige gesetzliche Rahmen, die Infrastruktur – so dass am Ende, oder wenn man so will am Anfang, die Akzeptanz der Menschen steht. Das gilt für unser Land, aber ganz besonders für das »Laboratorium Ruhrgebiet«.

Sieben goldene Regeln

Akzeptanz fällt aber nicht wie Manna vom Himmel. Alle relevanten Akteure in unserer Region haben die Möglichkeit, etwas für sie zu tun. Dabei sollten sich alle an ein paar Regeln halten. Damit lässt sich eine Menge gewinnen.

Einigkeit über das Ziel: Ohne den gemeinsamen Willen, ein Industriestandort zu sein und zu bleiben, sind alle Bemühungen nutzlos. Es besteht stattdessen die Gefahr, im Namen des »Strukturwandels« viel Geld zu versenken.

Aufklärung statt Stimmungsmache: Jeder Schritt hat seine Konsequenzen, jede Technologie hat ihre Risiken. Darüber gilt es sachlich aufzuklären. Dann ist auch ein Streit über den besten Weg möglich. In Konfliktfällen führen professionelle Mediationsverfahren mit Sicherheit weiter als diffuses »Wutbürgertum«.

Weg vom Inseldenken: Wir müssen klarmachen, dass wir in Deutschland nicht auf einer Insel leben. Und im Ruhrgebiet schon gar nicht. Inseldenken ist nur sinnvoll, wenn wir in ein paar Jahren ein Museum sein wollen.

Politische Orientierung: Niemand kann von Wirtschaftsunternehmen und Unternehmern verlangen, Investitionsentscheidungen zu treffen und sich den Fragen der Öffentlichkeit zu stellen, wenn im Hintergrund Politik und Verwaltung noch gar nicht entschieden haben, ob man dafür ist oder dagegen.

Verlässlichkeit: Das ist ein hohes Gut. Unternehmen müssen ihre Versprechen einhalten. Das schafft Vertrauen, und daraus entsteht letztlich Akzeptanz. Genauso muss aber auch Politik verlässlich sein oder – wo sie es noch nicht ist – werden.

Bildung: Hier liegt der Schlüssel für eine langfristige Standortsicherung. Und hier zeigt sich, ob alle Bekenntnisse zum Ruhrgebiet zu mehr taugen als für

Sonntagsreden. Das sollten sich die Politik und die Wissenschaftsinstitutionen ins Stammbuch schreiben. Und die Industrie natürlich.

Kommen wir zu guter Letzt noch einmal auf den Ausgangspunkt zurück. »Kultur statt Industrie« – das kann kein Rezept für die Sicherung des Standorts Ruhrgebiet sein. Der Kulturstandort Ruhrgebiet wird nicht nachhaltig erfolgreich sein ohne den nachhaltig erfolgreichen Wirtschafts- und Industriestandort. Notwendig ist die Kultur jedoch allemal: als Bedingung für Attraktivität und Lebensqualität. Auch als Labor und Katalysator für neue Ideen. Für unser Ruhrgebiet.

Jürgen Großmann ist Vorstandsvorsitzender bei RWE

Der Text erschien  in dem Buch:

PHÖNIX FLIEG! – Das Ruhrgebiet entdeckt sich neu“
24,95 Euro, Klartext Verlag, Essen

Disclaimer: Mit Arnold Voss und mir  sind zwei Autoren dieses Blogs mit zusammen drei Beiträgen in dem Buch vertreten.


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10 Kommentare zu “Mit Energie für eine Kultur der Akzeptanz – Das Ruhrgebiet als Industriestandort

  • #1
    crusius

    Sehr geehrter Herr Großmann

    zunächst ist es ausdrücklich zu begrüßen, daß Sie Ihren Beitrag für eine Publikation bei den “Ruhrbaronen” freigegeben haben. Gratulation auch an die Redaktion, verbunden mit der Bitte, im Text “^” durch “Th” zu ersetzen – das steigert die Lesefreundlichkeit… 😉

    Daß der Text auf einer inhaltlich fragwürdigen Entgegensetzung von “Kultur” und “Industrie” beruht (soll gemeint sein, daß Museumsneubauten zur Deindustrialisierung beitragen? – ich versteh’ das einfach nicht), soll hier nicht weiter diskutiert werden. Ich bin da mehr fürs Konkrete, deswegen zwei Anmerkungen und zwei Fragen:

    – Daß das Verkehrsnetz im Ruhrgebiet “engmaschig” sei, kann wohl nur aus der Perspektive der Vorstandsetage behauptet werden. Ich empfehle Herrn Großmann den RE 1 morgens um 8 von Dortmund nach Duisburg, um seinen diesbezüglichen Erfahrungshorizont zu erweitern.

    – Was für den einen “bürokratische Akrobatik”, das ist für andere (“Wutbürger”, “Wirtschafts- und Wachstumskritiker”) “Demokratie durch Verfahren” bzw. “Rechtsstaatlichkeit”. Vielleicht lassen Sie Ihr Justitiariat mal ein executive summary der Rechtsprechung des OVG Münster zu Datteln fertigen – so kann man aus den Fehlern anderer lernen.

    – Wertet RWE das Engagement von Ruhrgebietskommunen bei der STEAG als “Bekenntnis zum Industriestandort”?

    – Wieviele Mitgliedsunternehmen des Initiativkreises haben bislang ein Deutschland-Stipendium an Ruhrgebietsuniversitäten finanziert? In welchen Fachbereichen?

    Gruß

    c.

  • #2
    Stefan Laurin

    @Crusius: Hab ich korrigiert. Komischer Fehler. Ich hätte wohl über Word statt Pages gehen sollen.

  • #3
    Essener

    Was will uns der Dichter damit sagen?

    RWE ist groß und mächtig, Thyssen und EON sind ebenfalls prächtig? Und dem Herrn Großmann gefällt das Ruhrgebiet?

    Irgendeinen Sinn kann ich in der Veröffentlichung dieser Konzernselbstbeweihräucherung nicht erkennen.

    Die Werbung für das Buch aus dem Klartext-Verlag hätte man auch besser präsentieren können.

  • #4
    teekay

    Ich finde den Text sehr interessant, weil er indirekt gut aufzeigt, wie schwierig die Zukunft fuer grosse Unternehmen-zumal aus der Energiebranche-wird, wenn das passiert, was Juergen Grossmann hier einfordert: Wer ‘Bildung, Bildung, Bildung’, einen kritischen Dialog zwischen Buergern, Politik, Wirtschaft und Kultur oder jedwede Art von Vielfalt zurecht einfordert, der darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn Projekte seines Unternehmens ‘Akzeptanzprobleme’ bekommen. Die Zeiten von Johannes Rau und WAZ-Journalismus sind vorbei und viele Buerger lassen sich durch schlichte Rhetorik nicht abschrecken und werden zu ‘Wutbuergern’ (er meint glaube ich kritische Mitglieder der Zivilgesellschaft); RWE verdient sich dumm und daemlich am Strom und seinen anderen Aktivitaeten und es wird immer schwerer, ein paar PR-Nebelkerzen zu zuenden. Wenn ich mich richtig erinnere, dann sind die ersten Ergebnisse mit ‘intelligenten Stromzaehlern’ in Grossbritannien eher ernuechternd und E.ON freut sich dort, wenn trotz Zaehler die alten Waschmaschinen fleissig bei 90 Grad schleudern. Das paradoxe ist eigentlich, dass RWE eigentlich gar keine intelligenten, kritischen Buerger brauchen kann-man stelle sich mal vor die engagieren sich am Ende noch in der Politik und Stuttgart 21 kommt ins Ruhrgebiet! Dann doch lieber die ‘Verlaesslichkeit’ der Stammtische, Parteitagungen und Lobbyarbeit. Jetzt ist es ja nun weder illegal mit einem privaten Unternehmen Gewinne zu erwirtschaften noch ist die These, dass das Ruhrgebiet ohne Industrie auskommt ‘falsch’ oder neu. Nur wirkt es etwas fadenscheinig, wenn ein globaler Grosskonzern von den Buergern ‘vor Ort’ Kooperation einfordert. das bisschen Stiftungsgeld hier und da ist loeblich, aber wenn RWE wirklich meint, was es so von sich gibt, dann sollten Ruhrgebietsbuerger 25% weniger fuer Energie zahlen und das Geld fuer zivilgesellschaftliches Engagement ausgeben koennen. Dann klappt das auch mit den ‘Akzeptanzproblemen’ ;)!

  • #5
    Frank (frontmotor)

    Ich finde es gut, dass die Ruhrbarone solche Statements veröffentlichen, auch die von dem RWI Professor neulich. Aber ich finde beide Statements nicht gut. Und liest man das Eingangszitat von Fritz Pleitgen, dann glaubte der offenbar, einen Beitrag zur Alphabetisierung des Ruhrpotts geleistet zu haben. Arroganter geht es kaum.

    @Crusius stimme ich zu. Aus der Vorstandsetage am Opernplatz oder vom Helikopter aus sieht das Autobahnnetz sicher nur “engmaschig” aus…

    In einem stimme ich Grossmann, und auch @Stefan Laurin zu: Es ist ein Riesenirrtum von weltfremden Verwaltungsbürokraten, nach der Lektüre einiger Politikberaterfolien, die sich wiederum auf die Lektüre einiger Abstracts von Richard Florida stützen, an die Schaffung von Massenarbeitsplätzen in industriellen Ausmaßen durch eine neue Kulturindustrie zu glauben.

    Trotzdem muss man eine gewisse gesellschaftliche Abkehr von der Industrie anerkennen: Es ist die Abkehr von Hierarchien mit Befehl und Gehorsam. Gerade ein RWE Manager sollte sich nicht über Verwaltungsbürokratie beklagen, es genügt, wenn er eine Runde durch seinen Tower macht.

    Der Run auf die New Economy und der heutige Run nach Berlin waren und sind nicht nur Escapismus sondern auch Ausdruck für die Verweigerung der Anerkennung alter Herrschaftsprinzipien. Das konnte man z.B. im Cluetrain Manifest nachlesen. Das Internet macht den alten Hierarchen nur Ärger und deshalb dementieren diese dessen Legitimität.

    Die 190.000 EURO Umsatz pro RWE Mitarbeiter sind wohl auch eine Folge der exorbitant hohen Strompreise. Und die Kulturindustrie der Florida-Jünger muss sich da nicht verstecken: Beispiel: Die Firma Apple mach mit 30.000 Mitarbeitern 65 Mrd Dollar Umsatz, also 2,2 Mio Dollar pro Mitarbeiter. Die Firma (‘Band’) U2 macht mit ihren fünf Kernangestellten (Band plus Manager) 130 Mio Dollar Umsatz im Jahr, also 26 Mio pro “Mitarbeiter”… 😉

    Die Kreativindustrie ist, wenn sie industriell betrieben wird, eine Lizenzindustrie. Denken statt malochen, Laptops und Downloads statt Fabriken. Sauberer Luft und saubere Böden, an das denken die Wirtschaftsfördererer, wenn sie in Hausschuhen vom Silicon Valley träumen.

    Natürlich ist die Energieversorgung “mit der Region verbunden”. Das liegt in der Natur der Sache und ist kein besonderes Verdienst. Sie ist nicht zum Export ausgelegt und hat deshalb nicht die Bedeutung z.B. der Automobilindustrie.

    Was ich nicht akzeptiere ist die Forderung, dass die Grundstoffindustrie ein Recht darauf hat, billigen Strom zu beziehen, bei dem die Risikokosten an die Gesellschaft ausgelagert sind. Entweder baut sich die Hütte ein eigenes Kraftwerk aufs Gelände oder sie bezieht nachhaltig kalkulierten Strom aus dem Netz.

    Und wer gegen Wutbürger wettert, der schaue nach Berlin: Die Villen in Grunewald und Steglitz machen aus der CDU gerade eine Dagegen-Partei: Gegen Flugrouten über Villen und gegen den Forschungsreaktor am Wannsee. Und am Tegernsee würde man sich sicher genauso gegen ein Brennstäbeendlager wehren wie in Gorleben.

    Wer ein Zeichen gegen die Dagegen-Gesellschaft setzen will, soll sein Haus neben einem Kraftwerk bauen und Atommüll in seinem Garten vergraben.

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  • #7
    Horst Hilgert

    Chapeau! Seit die “Ruhrbarone” zum WAZ-Konzern gehören, haben sich Tiefe und Breite – besonders der Gastbeträge – enorm verbessert. Auch der Beitrag von Jürgen Großmann bietet viele interessante Ansätze zur Diskussion.

  • #8
    Stefan Laurin

    @Holger: Die Ruhrbarone gehören nicht zum WAZ-Konzern sondern sind seit 2007 ein unabhängiges Angebot. Allerdings gibt es Autoren der Ruhrbarone die für die WAZ-Gruppe arbeiten – wie für viele andere Verlage auch. Unsere Autoren arbeiten für die taz, den WDR, die Jüdische Allgemeine, DPA, die Ruhr Nachrichten, Cicero, die Welt am Sonntag, die Bochumer Studentenzeitung, die Pflichtlektüre, Capital, den Klartext-Verlag, die Frankfurter Rundschau, Bodo, Vorwärts, Spiegel-Online und auch die WAZ. Und das sind nur die Medien, die mir mal so eben eingefallen sind…
    Und wir freuen uns, auch durch ein breites Spektrum an Gastautoren unsere Lesern immer wieder zu überraschen und so unseren Anspruch als Diskursmedium zu erfüllen.

  • #9
    Andreas Lichte

    ich finds cool, dass hier ein Gastartikel des RWE-Vorstandsvorsitzenden veröffentlicht wird.

    Obwohl ich natürlich nicht Jürgen Großmanns Interessen teile – frei nach dem Filmtitel: “Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat”

  • #10
    banks

    Das Ruhrgebiet braucht mehr Mut und den Wettbewerb der Stadte.Das Ruhrgebiet ist im Wettbewerb der Metropolen noch weit abgeschlagen. Darin waren sich die Teilnehmer der Podiumksdiskussion zum Thema Rennen der Metropolen – Wo steht das Ruhrgebiet? an der Technischen Universitat Dortmund weitgehend einig. Die Ruhrgebietsstadte spielen nicht im Konzert der groBen deutschen Metropolen lautete die ernuchternde Analyse von Hans Blotevogel Professor fur Landesplanung in der Debatte die Christa Reicher Professorin fur Stadtebau moderierte.

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