„Buchenwald war eine Vergangenheit, die mich stumm anschrie“

Kurt Tallert Foto: Nicola, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-by-sa 4.0


Der Schriftsteller und Rapper Kurt Tallert erhält den diesjährigen Uwe-Johnson-Förderpreis. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold.

Sehr vieles, was Kurt Tallert in seinem großartigen Werk Spur und Abweg über seine Familie und den Nachhall der Shoah erzählt hat, kam mir sehr vertraut vor – obwohl uns 25 Lebensjahre trennen. Es geht vor allem um die subtile, dunkle Beklemmung, die Hilflosigkeit, die die Recherchen über die eigene Familienbiografie in einem hervor rufen. Auch wenn sich sehr Vieles in unseren Biografien unterscheidet, so habe ich doch nahezu jedes Detail seiner

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Fotografie und Grundgesetz – Frauen als Pionierinnen

Mütter des Grundgesetzes Foto: Erna Wagner-Hehmke


Mitten in einem Wohngebiet, von Mehrfamilienhäusern umgeben, steht ein geducktes, langgestrecktes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert: Hier, in Oberhausen-Osterfeld, befindet sich die Keimzelle des Ruhrgebietes, der Ursprung der Eisen- und Stahlindustrie, worüber die Dauerausstellung des LVR-Museums anschaulich informiert. Die aktuelle Fotoausstellung nimmt jedoch einen Ursprung ganz anderer Art in den Blick, nämlich das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland
. Von unserer Gastautorin Christiane Jochum.

Hat das Navi mich in die Irre geschickt? Wo soll denn hier ein Museum sein? Die Fragen stelle ich mir, während ich der Straße folge, die sich zwischen mehrstöckigen Häusern in einer ruhigen Wohnsiedlung in Oberhausen-Osterfeld abwärts windet und vor einem Fachwerkhaus endet, das so gar nicht in die Gegend passen will. 1758 floss hier zum ersten Mal im Ruhrgebiet Roheisen und wer sich für die Historie der Eisen- und Stahlindustrie interessiert, findet in

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NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk über die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen durch die russische Bedrohung

NRW-Finanzminister Dr. Thomas Optendrenk (Foto: Peter Ansmann)
NRW-Finanzminister  Marcus  Optendrenk (Foto: Peter Ansmann)

Der Ortsverband Wanheimerort-Hochfeld der CDU in Duisburg hatte für den 25. August 2025 zum Sommerfest geladen. Dieses stand, natürlich, im Schatten des aktuellen Kommunalwahlkampfes. Neben der Oberbürgermeister-Kandidatin Sylvia Linn (CDU) waren Kandidaten für die Bezirksvertretungen und für den Rat der Stadt anwesend. Gast der CDU Wanheimerort-Hochfeld war Marcus Optendrenk, Finanzminister des Landes NRW.

Neben Geselligkeit bei Speis und Trank und der Ehrungen von CDU-Jubilaren, war der Autritt des NRW-Finanzministers Highlight des Abends.

In seiner Rede betonte er vor allen die finanziellen und organisatorischen Herausforderungen durch die veränderte Sicherheitslage.

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Kein Bock auf Ungerechtigkeit beim Wehrdienst: Wenn ein Pflichtjahr, dann für alle – Punkt!

Hindernisbahn der Bundeswehr (Foto: Peter Ansmann)
Bei der Bundeswehr. (Foto: Peter Ansmann)

Die Diskussion um eine mögliche Wiedereinführung eines verpflichtenden Wehr- oder Ersatzdienstes in Deutschland nimmt Fahrt auf. Politikerinnen und Politiker unterschiedlicher Couleur argumentieren mit sicherheitspolitischen Notwendigkeiten, gesellschaftlichem Zusammenhalt oder auch der Stärkung des Zivilschutzes.

Doch unabhängig davon, ob man einen solchen Dienst grundsätzlich für sinnvoll oder überholt hält, gibt es eine Frage, die in der Debatte viel zu oft ausgeblendet wird: die der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

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Der Phoenix See in Dortmund: Eine Schein-Erfolgsgeschichte

Am Phoenix See in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Als 2010 die Flutung des Phoenix Sees begann, wurde das Projekt als Jahrhundertchance für Dortmund gefeiert. Wo zuvor ein gigantisches Stahlwerksgelände lag, sollte ein Ort entstehen, der Arbeit, Natur und Lebensqualität verbindet – ein Vorzeigeprojekt für den Strukturwandel im Ruhrgebiet.

Heute, über ein Jahrzehnt später, bleibt von dieser Vision kaum etwas übrig. Der Phoenix See ist kein Symbol des Aufbruchs, sondern ein Denkmal für Fehlplanungen, falsche Prioritäten und einseitige Stadtpolitik.

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Vom Plakat zur Parole: Das Palestine Poster Project und die Normalisierung antisemitischer Bildsprache

Anti-Israel-Demo am 7.10.2024 in Essen (Foto: Roland W. Waniek)


Das Palestine Poster Project Archives ist ein digitales Mammutprojekt: Mehr als 23.500 Plakate aus über hundert Jahren wurden gesammelt und katalogisiert. Spannend ist zunächst, dass dort auch frühe Poster aus den 1920er, 30er und 40er Jahren auftauchen, die sich positiv auf den Zionismus beziehen – ein lehrreicher, oft vergessener Teil der Geschichte.

Doch wer weiter durch die Sammlung klickt, stößt unweigerlich auf einen roten Faden: Mit der Etablierung der Fatah, der PLO und besonders der PFLP verschiebt

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„Der alte Antisemitismus ist in neuer linker Weise hochgekommen“

Eva Quistorp Foto: Heinrich-Böll-Stiftung Lizenz: CC BY-SA 2.0


Eva Quistorp, Mitgründerin der Frauen-, Friedens- und Umweltbewegung und der Grünen, spricht im Interview zu ihrem 80. Geburtstag über ihren langen Kampf gegen linke Männer und patriarchalische Strukturen unter Migranten, Israelhass, Fehler von Merkel und Habeck, Alice Schwarzer und andere falsche Pazifisten.

Als Urgrüne unterstützte sie den CSU-Ruf nach einer Obergrenze für Flüchtlinge; als Organisatorin der großen Friedensdemos in den 1980er Jahren forderte sie früh einen Nato-Einsatz im Bosnienkrieg und warnte schon lange vor Putin; ebenso vor der Unterdrückung von Frauen durch Islamisten: Positionen, mit denen Eva Quistorp in ihrer Partei immer wieder aneckte. Weshalb sie nie ein Führungsamt bekam und heute ziemlich vergessen ist, obwohl sie entscheidenden Anteil daran hat, dass es die Grünen überhaupt gibt. Gründe genug, mit ihr ein langes Gespräch anlässlich ihres heutigen Geburstags zu führen, in dem sie auf ihren unermüdlichen politischen Einsatz über sechs Jahrzehnte und Erfolge wie Misserfolge zurückblickt.

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