Piraten: Noch ist nichts entschieden

Szene aus "Alles Liquid". Bild: Screenshot Quelle: ZDFInfo

Heute Nacht lief auf ZDF-Info mit „Alles Liquit? Ein Jahr unter Piraten“ eine gute Dokumentation über die Berliner Piraten. Die Sendung kann man sich in der Mediathek anschauen, es lohnt. Es ist eine unaufgeregte Doku, weit weg von der manchmal aufgeregten Berichterstattung über die Piraten in den vergangenen Monaten und sie kommt zu einzig vernünftigen Schluss: Das es noch offen ist, wie sich die Piraten weiter entwickeln.

Die Piraten die ich aus der Nähe kenne, im Landtag in NRW und in Bochum und Dortmund geben sich zumindest viel Mühe. Sicher, sie sind, schaut man sich die erst sinkenden und jetzt stagnierenden Umfragen an, dabei die Protestwähler zu verlieren, die sie zeitweise auf Höhen von zehn Prozent und mehr gehoben haben aber das ist keine Überraschung. Der Reiz des Neuen ist vorbei, jetzt müssen sie inhaltlich und personell überzeugen. Klar, ein paar ihrer Führungsfiguren, ich denk da nur  an den  veganen Sandalenträger Johannes Ponader, gehören zu den peinlichsten Figuren der Politik dieser Republik, aber was solls. Bei anderen Parteien ist das nicht besser. Das Lachen von Claudia Roth lässt die Milch sauer werden, der Gedanke das Guido Westerwelle einen im Ausland repräsentiert ist auch nicht angenehm und  so große Katastrophen wie  Kurt „Nürburging“ Beck hat ein Ponader nicht zu verantworten. Wird er auch nicht haben, denn wenn die Piraten weiterhin solche Leute nach vorne stellen, können sie es vergessen. Auch  Julia „Urheberrecht ist ekelig“ Schramm ist unsäglich, aber solche Deppen gibt es in allen Parteien – da hilt dann nur ein sauberer Schnitt. Aber es gibt Marina Weisband und Christopher Lauer und mit denen könnten sie es lässig in den Bundestag schaffen. Wenn sie sich dann oberflächlich so breit aufstellen, dass sie in Talk-Shows zu jedem Thema zumindest eine halbwegs nachvollziehbare  und in ein paar Bereichen, dem Wandel der Gesellschaft durch die Digitalisierung zum Beispiel, fundierte Antworten haben, reicht das völlig aus. Die Sozialpolitik der FDP, die Wirtschaftspolitik von Grünen und Linkspartei und die Umweltpolitik von CDU und SPD nimmt aus guten Gründen auch kaum jemand ernst. Warum also von den Piraten mehr Antworten erwarten als von den anderen Parteien?  Sie müssen vom Fetisch der Basisdemokratie lassen, denn sie vertreten in den Parlamenten ihre Wähler und nicht nur ihre Partei und ein paar vernünftige Leute nach vorne stellen. Dann kann das klappen. Und wenn nicht, war es das eben. Abwarten. Noch ist nichts entschieden.

 

Dir gefällt vielleicht auch:

10 Kommentare

  1. #1 | Sebastian sagt am 19. September 2012 um 09:57 Uhr

    Christopher Lauer heisst der gute Mann – ein weit verbreitetr Fehler (https://www.christopherlauer.de/)

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 19. September 2012 um 10:00 Uhr

    @Sebastian: Danke, geändert 🙂

  3. #3 | Mao aus Duisburg sagt am 19. September 2012 um 12:50 Uhr

    Die Piraten die ich aus der Nähe kenne, im Landtag in NRW, fallen dadurch auf, dass sie entweder vom Ermächtigungsgesetzen reden oder Steuerflüchtigen als Steigbügelhalter fungieren und die Leute mit Strafanzeigen drangsalieren, die gegen Steuerflucht vorgehen – schlimmer noch, als die FDP. Fehlt nur noch eine Parteispende von Glücksspiel-Firmen oder Hotel-Erben.

  4. #4 | Stefan Laurin sagt am 19. September 2012 um 13:03 Uhr

    @Mao: Was haben die Grünen denn so alles in ihren Anfängen fabriziert. Schau doch mal in den Archiven nach wegen welcher Forderung im Parteiprogramm sie 1985 nicht den Einzug in den NRW-Landtag schafften. Tip: Es hatte was mit Kindern zu tun…

  5. #5 | TuxDerPinguin sagt am 19. September 2012 um 13:06 Uhr

    Wobei ein Lauer sich und seiner Partei mit solchem Umgang mit Medien
    https://www.rbb-online.de/klartext/archiv/klartext_vom_12_09/aenderung_des_urheberrechts.html
    keinen Gefallen tut

  6. #6 | BioBlubb sagt am 19. September 2012 um 16:35 Uhr

    @Tux: Dazu Siehe Lauers Meinung zu diesem Beitrag: https://www.christopherlauer.de/2012/09/10/irismarx/

  7. #7 | EiligeIntuition sagt am 19. September 2012 um 17:30 Uhr

    „Fehlt nur noch eine Parteispende von Glücksspiel-Firmen oder Hotel-Erben.“

    Der Anfang ist längst gemacht:

    Düsseldorfer und Ratinger Freibeuter haben keine Probleme damit, sich die Locations für ihre LiquidFeedback Schulungen von der Marketing-Agentur Newton21 sponsern zu lassen.

  8. #8 | Spider sagt am 19. September 2012 um 18:02 Uhr

    Ich hatte eine ähnliche Meinung zu Johannes Ponader bis ich folgenden Podcast gehört hatte:

    https://flaschenpost.piratenpartei.de/2012/09/09/captains-cast-01-im-gesprach-mit-johannes-ponader/

    Wünsche mir, dass mehr Politiker (aller Parteien) sich daran ein Beispiel nehmen (Podcasts). Vielleicht hätt ich dann auch mal ne Chance die Bundespolitik zu verstehen.

    Die Mainstreammedien und Pseudopolitiktalkshows halte ich in dem Zusammenhang für nicht so hilfreich.

  9. #9 | Mao aus Duisburg sagt am 19. September 2012 um 20:58 Uhr

    @Stefan: Was interessieren mich die Grünen…Da kennst Du Dich besser aus…

  10. #10 | Mao aus Duisburg sagt am 21. September 2012 um 16:30 Uhr

    Der Text ist der WAZ sagt mal wieder alles aus:

    „Pirat vergleicht NRW-Verfassungsschutz mit Stasi und Gestapo“

    https://www.derwesten.de/politik/pirat-vergleicht-nrw-verfassungsschutz-mit-stasi-und-gestapo-id7118239.html

    Ich möchte noch mal betonen: Die Abgeordneten der Piraten kriegen 10.000 Euro brutto im Monat für ihre Tätigkeit im Landtag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung