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„Polizei lässt keine Lebensmittel durch“ – Interview mit den Hausbesetzern in Köln-Mülheim

(c) Google Maps

Wie wir bereits in der letzten Nacht vermeldeten, hat am Freitagabend eine Aktivistengruppe eine leerstehende Fabrikhalle der Deutz AG  in Köln-Mülheim besetzt. Ziel ist die Verwirklichung eines unabhängigen Wohn- und Arbeitskollektivs. Die Lage vor Ort ist angespannt. Nach Angaben der Besetzer hindert die Polizei Unterstützer daran, ins Gebäude, das laut Stadtanzeiger derzeit saniert wird, zu gelangen. Die Kölner Ordnungskräfte kommentieren die Einrichtung von Absperrpunkten als „Freihalten von Rettungswegen“. Das AZ in Köln-Kalk hat sich mit der Mülheimer Gruppe solidarisiert und dazu aufgerufen, sich um 16 Uhr am Wiener Platz zu treffen, um dann gemeinsam zum frisch besetzen Haus zu gehen.

 

Im Interview mit den Ruhrbaronen äußern sich die Mülheimer Hausbesetzer am Samstagmorgen zu ihren Beweggründen und Plänen.

 

Wie groß ist die Gruppe der an der Besetzung beteiligten Personen?

An der Besetzung selber ist neben einer Kerngruppe, die in dem Haus ein selbstverwaltetes Wohn- und Arbeitskollektiv aufbauen will, eine große Zahl von solidarischen Unterstützer_innen beteiligt. Zudem sind spontan einige Menschen hinzugekommen.

Warum habt ihr euch für eine Aneignung des Gebäudes an der Deutz-Mülheimer Straße entschieden?

Das Gebäude steht seit langem leer und ist ungenutzt und wir schaden mit der Besetzung niemandem. Einge Infrastruktur ist zerstört und es bedeutet viel Arbeit diese wiederherzustellen. Trotzdem glauben wir, dass wir hier einen Ort schaffen können, der unseren Bedürfnissen entspricht.

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der angekündigten Räumung des AZ Kalk und eurer Aktion?

 Wir wollen mit unserer Besetzung ein neues auf kollektives Wohnen und Arbeiten ausgerichtetes Projekt starten, Dieses ist unabhängig vom Autonomen Zentrum und den aktuellen Auseinandersetzungen. Natürlich sind wir für den Erhalt des AZ und wir haben auch aus dem AZ bereits solidarische Grüße erhalten.

Was sind die Pläne der nächsten Tage?

Derzeit ist das Haus komplett von Polizei umstellt und Unterstützer_innen werden am Zugang gehindert. Wenn wir diese Belagerung überstehen, werden wir das schon gerne feiern. Allerdings müsste der Proviant dafür selber mitgebracht werden, weil die Polizei derzeit auch keine Lebensmittel und Wasser zu uns durch lässt. Während der ersten Tage der Besetzung wollen wir hier keinen Alkohol.

Wie schätzt ihr die Dialogbereischaft der Stadt ein?

Wie wir in unserem Kommunique und der Pressemitteilung darstellen, trägt auch die Stadt ihren Anteil zu der Misere vieler Menschen hier bei. Von daher sind wir eher pessimistisch, dass diese freiwillig auf unsere Situation eingeht. Wir fordern von der Stadt auch keine finanzielle Unterstützung, sondern wollen lediglich das Haus nutzen. Allerdings wird die Stadt uns auch mit einer Räumung nicht einfach los, weil wir unser Anliegen mit Ausdauer verfolgen werden, schließlich geht es um unser Leben und unsere Zukunft.

 

 
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