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Prinzregenttheater: „Wenn es der kleinen Schwester schlecht geht, muss der große Bruder sich kümmern.“

Olaf Kröck Foto: Fotograf/Credit: Knotan

Olaf Kröck, der Intendant des Schauspielhauses Bochum, will, dass der Vertrag von Prinzregenttheater-Leiterin Romy Schmidt verlängert wird. Er sorgt sich um die Zukunft des Theaters.

Ruhrbarone: Romy Schmidts Vertrag wurde nicht verlängert. Sie haben sich öffentlich kritisch dazu geäußert.

Olaf Kröck: Es ist für mich als Intendant des Schauspielhauses Bochum ein Problem, eine Personalentscheidung eines anderen Theaters zu beurteilen. Das steht mir erst einmal nicht zu. Gleichermaßen: Der Begriff des Schauspielhauses als großer Bruder des Prinzregenttheaters taucht in diesem Zusammenhang ja immer wieder auf, also gibt es eine Verbindung zwischen diesen beiden Häusern. Und um im Bild zu bleiben: Wenn es der kleinen Schwester schlecht geht, muss der große Bruder sich kümmern.

Wie gut kennen Sie das Prinzregenttheater?

Kröck: Ich habe es immer wieder besucht. Es war immer ein respektables Theater, das zweifelsohne durch Romy Schmidt deutlich interessanter geworden ist. Und es ist aus verschiedenen Gründen interessanter geworden: Es hat eine andere Farbe bedient, die keine Konkurrenz zum Schauspielhaus ist, sondern einen anderen Bereich berührt. Es ist viel poppiger geworden, es ist mit seinen geringen Mitteln sehr agil, es sind viele verschiedene Künstler ans Haus geholt worden, es ist ein Haus der Kunst geworden, das raumgreifend ist, das sichtbar geworden ist, was daran liegt, das Romy Schmidt eine starke Künstlerpersönlichkeit ist. Das habe ich als sehr bereichernd empfunden, weil klar war: Jetzt kommt Bochum doch mal in die Nähe der Idee, eine Theaterstadt zu werden. Weil Bochum nämlich sichtbar nicht nur ein Theater hat, sondern mehrere.

Wie war Ihre erste Reaktion, als Sie erfuhren, Romy Schmidts Vertrag wird nicht verlängert?

Kröck: Mich hat die Information, dass Romy Schmidt das Prinzregenttheater verlassen soll, schockiert. Die Position, an der ich mich befinde und warum ich mich zu Wort melde, ist: Es gibt bei uns professionelle Spielregeln. Eine davon ist der Fünf-Jahres-Rhythmus. Man braucht Zeit, um etwas vorzubereiten, man braucht Zeit, um Dinge zum Leben zu erwecken und dann, wenn sie am Leben sind, nachzujustieren, denn die ersten Ideen sind nie die, die vollends greifen. Man braucht Zeit, in der sich alles entwickeln kann. Erst im dritten Jahr steht man saftig im Raum und kann dann alles noch zwei Jahre ausfüllen. Wenn so ein Fünf-Jahres-Rhythmus nicht gewährleistet wird, muss es dafür handfeste Gründe geben. Einer ist die Situation, in der ich bin: Ich wusste, ich bin ein Jahr Intendant, das ist definiert. Die anderen, die das wissen, sind die Intendanten der Ruhrtriennale. Die wissen, es sind nur drei Jahre und damit können sie dann auch planerisch umgehen. Wenn jetzt eine Kollegin auf dem Weg, den sie nimmt, auf der Reisestrecke, die ihr versprochen wurde, plötzlich einen Stopp machen muss und das Fahrzeug jemand anderes übernimmt, dann muss das erklärt werden.

Nun haben wir ja eine Erklärung von Broll-Pape zur Nichtverlängerung in der WAZ und die Replik von Schmidt hier im Blog. Ich kann übrigens die Einlassungen vom Romy Schmidt bestätigen: Es gab wegen des Artikels über die finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Prinzregenttheater keinen Kontakt zu ihr, schlicht aus einem Grund: Es war vor ihrer Zeit.

Kröck: Die jüngsten Statements zeigen sehr deutlich, wie groß die Widersprüche zwischen den Parteien sind. Ich habe in meinem Theateralltag noch nie erlebt, dass erst eine Nichtverlängerung ausgesprochen und anschließend ein neuer Vertrag angeboten wurde. Wenn der dann auch nur mündlich auf der Straße formuliert wird, halte ich das für äußerst unseriös. Mehr noch: Am Schauspielhaus wäre dies nicht einmal juristisch möglich.

Warum halten Sie die Arbeit von Schmidt für so wichtig, dass Sie wollen, dass sie am Prinzregenttheater bleibt?

Kröck: Es ist selbstverständlich, dass in einer Stadt wie Bochum die Binnenperspektive, das genaue Wissen, die Seilschaften, Verbindungen oder politischen Freundschaften im Innenblick von Kritikern sehr akribisch betrachtet werden. Aber wenn man einen kleinen Schritt zurücktritt und es sich von außen anschaut, dann ergibt sich folgendes: Die Stadt Bochum wird im Augenblick sehr positiv wahrgenommen. Sie hat ein erfolgreiches Schauspielhaus, das vom Publikum sehr gut angenommen wird, sie hat die Ruhrtriennale mit Hauptsitz in Bochum, die Geschichte des Musikforums ist in der Außenwahrnehmung eine Monster-Erfolgsgeschichte und sie hat dieses kleine, wuselige Prinzregenttheater, in dem jemand spannende Arbeit macht und zusätzlich ist da die Freie Szene mit der Rottstraße und all den anderen. In der Außenperspektive ist Bochum unglaublich agil und lebendig. Und jetzt passiert das mit Romy Schmidt. Und alle sagen: „Da kann ich nix machen“, „Ist ja schade“ – und da kommt eine Ruhrgebietsmentalität zum Tragen, die ich nie verstanden habe und die ich mich weigere, in irgendeiner Form in mich aufzunehmen. Das ist dieses merkwürdige „sich klein machen“ und aufhören, mit breiten Schultern zu sagen: „Entschuldige mal, das geht so nicht, das muss anders sein!“ Sowas wäre in Hamburg oder Stuttgart nicht möglich, da würde sofort etwas passieren. Die verschiedensten Partner müssen jetzt dringend aktiv werden und eine Lösung finden. Die Stadt könnte da Vermittlerin sein. Wenn der Vertrag von Romy Schmidt nicht verlängert wird, ist die Zukunft des Prinzregenttheaters ganz düster. Denn wer soll da noch hinkommen? Wie soll eine Kulturpolitik die dann doch verhältnismäßig hohe Förderung einer freien Institution rechtfertigen, wenn man da so in Gutsherrinnenart handelt? So schwer es sein wird: Es muss ein Weg gefunden werden, dass Romy Schmidt mit ihrem Team ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann.

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3 Kommentare zu “Prinzregenttheater: „Wenn es der kleinen Schwester schlecht geht, muss der große Bruder sich kümmern.“

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