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Prinzregenttheater Bochum: Führungsschwacher OB Eiskirch trägt Mitschuld

Thomas Eiskirch (Foto: Martin Steffen)

Nett – und sonst nichts: Thomas Eiskirch (Foto: Martin Steffen)


Wer beim Desaster um das Prinzregenttheater Bochum die Schuldigen nur in seinem Betreiber, dem Theaterverein sucht, greift zu kurz. Es ist auch ein Beispiel für die Führungsschwäche des Bochumer Oberbürgermeisters Thomas Eiskirch (SPD).

Hätte Bochum einen handlungsfähigen und durchsetzungsstarken Oberbürgermeister, würde die künstlerische Leiterin des Prinzregenttheaters in Bochum bleiben. Aber Bochums Oberbürgermeister heißt Thomas Eiskirch. Pech für Schmidt, Pech für Bochum.
Als der kulturpolitische Sprecher der Bochum SPD-Fraktion Hans Hanke im Januar in den Vorstand des Theatervereins Prinzregent gewählt wurde, hatte er sich zwei eher bescheidene Ziele gestellt. Hanke sagte, der Verein werde sich „in Zukunft offensiver als bisher an die Öffentlichkeit treten, und sich zu Wort melden, wenn es nötig ist“ und er wolle den Konflikt zwischen dem Theaterverein und der künstlerischen Leiterin Romy Schmidt „zu einem guten Ende“ bringen. Im vergangenen Sommer hatte der Theaterverein mit falschen Vorwürfen den Vertrag von Schmidt trotz erfolgreicher Arbeit nicht verlängert.

Nach monatelangen Diskussionen um nicht korrekt abgerechnete Fördergelder des Landes und der Sabotage der Arbeit Schmidts durch den Vorstand um die nach Bamberg abgewanderte Vorsitzende Sibylle Broll-Pape, ging Hans Hanke in den Vorstand. Dass der Kulturpolitiker diese Aufgaben annahm, zeigte, dass Politik und Stadt mehr Verantwortung in Bochums zweitteuerstem Theater übernehmen wollen. Hanke war die rechtlich umsetzbare Lösung: Als Ratsmitglied ist er Teil der Verwaltung: Ein Stadtrat ist in Deutschland kein Parlament und gehört damit nicht zur Legislative, sondern zur Exekutive. Die Stadt darf nicht Mitglied eines Vereins sein, den sie finanziell unterstützt, Hanke als Privatperson schon. Seine Aufgabe war klar: Die Bochumer Politik wie auch Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch wollten, dass der Konflikt zwischen dem Verein und der künstlerischen Leiterin Romy Schmidt beigelegt wird. Konsens war, dass Schmidts Vertrag um mindestens zwei Jahre verlängert wird, so dass sie, wie es am Theater üblich ist, insgesamt fünf Jahre am Prinzregent arbeiten kann. Auch sollte Broll-Pape den Verein zumindest nicht mehr leiten.

Hanke scheiterte an diesen Aufgaben: Zwar trat Broll-Pape aus dem Vorstand zurück, aber in dem Kleinverein, der nur ein gutes Dutzend Mitglieder hat, ist sie weiterhin Mitglied. Und verfügt dank ihrem Sohn und guten Freunden über eine stabile Seilschaft. Und der Konflikt zwischen dem Verein und Schmidt wurde auch nicht beigelegt: Mit der zynischen Begründung, Schmidt habe darauf bestanden, Differenzen weiterhin öffentlich zu machen, was sie in der Vergangenheit nicht getan hat, wurde ihr nur eine Verlängerung ihres Vertrages um ein Jahr angeboten. Schmidt schlug diese Unverschämtheit aus. Und Hanke will sich zu dem Vorgang in der Öffentlichkeit nicht äußern – soviel zur versprochenen neuen Offenheit.
Nun ist Hanke eher ein Selbstdarsteller als ein zupackender Politiker. Aber mit dem Rat, der Stadt und den Fördermitteln im Rücken hätte er sich durchsetzen können, ja müssen. Er schaffte das nicht. In Bochum ist das kein Problem, er kann sich darauf verlassen, dass der konfliktscheue Oberbürgermeister Thomas Eiskirch sich nicht gegen ihn stellt. Auch im Umgang mit den Grünen und Bürgerinitiativen, hört man aus Oppositionskreisen, geht Eiskirch, zum Beispiel wenn es um Gewerbegebiete geht, gerne den Weg des geringsten Widerstandes. Ein Schönwetterpolitiker, der sich gerne mit einer Karnevalsmütze fotografieren lässt. In Dortmund unter OB Ullrich Sierau (SPD) hätte sich ein Hanke nicht die Frechheit herausgenommen, eine solch miese Arbeit abzuliefern. Sierau hätte ihm seinen Willen deutlich gemacht – und Sierau kann sehr deutlich werden. Eine Hanke hätte sich kaum gewagt, ihm unter die Augen zu kommen. Bei Eiskirch, der Unsicherheit im Anzug, ist das anders. Und das ist ein Problem für die Stadt: Wenn ein Oberbürgermeister gegenüber einem kleinen Verein , der wirtschaftlich vollkommen von der Stadt abhängig ist, nicht in der Lage ist sich durchzusetzen, wenn ein Hanke, nun einmal wirklich nicht das hellste Licht auf der Torte, es wagt, eine solche Nichtleistung abzuliefern, wie wird sich die Laxheit Eiskirchs erst auswirken, wenn es zu größeren Konflikten mit mächtigen Gegnern kommt? Die Geschehnisse rund ums Prinzregenttheater lassen da nichts Gutes erwarten. Wer schon an einem kleinen Verein und einem Hanke scheitert, wird erst recht versagen, wenn er vor großen Problemen steht.

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10 Kommentare zu “Prinzregenttheater Bochum: Führungsschwacher OB Eiskirch trägt Mitschuld

  • #1
    Klaus W.

    Sie sagen, dass der Dortmundwr OB Sierau die Sache anders gelöst hätte?

    Ich glaube, da täuschen Sie sich. Sierau ist klug genug, um sich zumindest öffentlich aus solchen Affären mit unklarer Gemengelage und unklarem Ausgang herauszu halten, zumal das Ressort Kultur bei Jörg Stüdemann angesiedelt ist.

    Dass der Dortmunder Kulturdezernent – selbst ein ausgewiesener Machtpolitiker mit einer über Jahre ungeheuren Machtfülle ausgestattet, was der Konkurrensituation zu Sierau geschuldet war- im Umgang mit den Führungskräften in der Verwaltung resp. den Kulturbetrieben oder auch sonstigen Kulturschaffenden immer ein glückliches Händchen an den Tag legt, wird sicher niemand behaupten.

    Es ist jedenfalls nicht Aufgabe eines Ob’s, sich in Vwreinsangelegenheiten einzumischen. Wenn er aber eigens einen Parteifreund dort m Vorstand installiert hat, wird er gewusst haben, wie der Hase läuft und war wahrscheinlich auch eingeweiht in die aktuelle Situation.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus W.: So wäre es auch nicht gelaufen. Man erreicht was der Chef will, ohne dass er einem einen klaren Auftrag erteilt – was in dem Fall auch gar nicht ginge. Und weder mit Stüdemann noch mit Sierau legt man sich ohne Not an. Ein Hanke würde sowas eher nicht wagen.

  • #3
    Bebbi

    Beim Thema Radverkehrsförderung ist Sierau, obwohl selbst viel mit dem Rad unterwegs, ein Komplettausfall, weil der den Weg des geringsten Wiederstandes geht. Beim Thema Fußverkehrsförderung sieht es noch schlimmer aus. Sierau blockiert gar jede Veränderung in der Hinsicht aktiv. So ist und bleibt Dortmund die Stadt für alle, die ungehemmt Geh- und Radwege zuparken wollen. Aus Stahl. Kohle und Bier wurde BVB, Falschparken und Logistik. Yipppieh. Dafür steckt er erstaunlich viel Energie in dubiose Sachen wie das Talentbüro. Da ist er dann auf einmal durchsetzungsstark.

  • #4
    Klaus W.

    @Stefan Lauri n
    Und was wollen Sie jetzt damit dagen?

    Dass der Bochumer OB das Vorgehen Hankes abgesegnet oder gar gefordert hat?

    Oder dass Hanke im Alleingang gehandelt hat, ohne sich mit dem OB oder auch dem Bochumer Kulturdezernenten oder der Kulturfraktion der SPD abzustimmen?

    Was sagt eigentlich der Kulturausschuss dazu, wie verhalten sich die übrigen im Rat vertretenen Parteien?

    Kann Hanke ohne jegliche politische Kontrolle handeln wie er will oder ist das Thema in der Bochumer (Kulltur-)Politik nicht von Interesse?

    Fragen über Fragen, aber vielkeicht können Sie durch rin pasr mehr Informstionen ein wenig Licht ins Dunkele bringen…

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus W.: FDP, Linke und CDU sind stinksauer. Hanke sagt als kulturpolitischer Sprecher der SPD nichts über Hanke, die Grünen sagen auch nix und der Kulturausschuss tagt das nächste Mal im April. Und der OB? Der mag keine Probleme und sagt nie etwas, wenn er dabei nicht gut aussieht.

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  • #9
    Bebbi

    Auch in der Schweiz gewinnen mittelkompetente Männer Wahlen

    https://www.watson.ch/!243299885

  • #10

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