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Prinzregenttheater: Romy Schmidt scheiterte an der alten Krankheit des Ruhrgebiets

Romy Schmidt (Foto: Sandra Schuck)

Die Kritiken sind gut, das Haus ist voll, ihre Arbeit wird gelobt: All das nutzte Romy Schmidt, der  künstlerischen Leiterin des Bochumer Prinzregenttheaters, nichts. Vom intriganten Betreibervereins des Theaters wurde sie trotz ihrer erfolgreichen Arbeit weggeekelt. Die Stelle von Schmidt ist bereits neu ausgeschrieben. In dem Verein sitzen neben ein paar Freunden und Verwandten der ehemaligen Chefin Sibylle Broll-Pape auch der kulturpolitische Sprecher der Bochumer SPD, Hans Hanke. Als Vorstand leitet er ihn gemeinsam mit der Lehrerin Susanne Muthig-Beilmann. 

Romy Schmidt, aufgewachsen in Sachsen kam nach dem Studium in Stuttgart und Stationen in Bamberg und Bregenz nach Bochum. Das Ruhrgebiet lernte sie erst hier kennen, ihre wichtigste Lektion in Ruhrgebietskunde erhielt sie ab dem vergangenen Sommer, als die Intrigen gegen sie und ihr Team begannen: Leistung, Erfolg zählen hier nichts. Gar nichts. Ein paar gute Kontakte, ein SPD-Parteibuch, es ist nach wie vor wertvoll, ein freundliches Auftreten – das reicht, um im Ruhrgebiet durchzukommen, wenn man die wichtigste Regel einhält die da lautet, „Du sollst nicht stören“. Zum Beispiel nicht durch Ideen und herausragende Leistungen den anderen zeigen, wie mittelmäßig sie sind. Leistung und Erfolg zählen nicht nur nichts im Ruhrgebiet, sie sind auch nicht gewollt, gelten als Störfaktor. Denn längst bestimmt die Mittelmäßigkeit das Denken und Handeln der Region in allen Bereichen: Politik, Wirtschaft und Kultur – herausragendes findet sich kaum. Hier kann man, wie in Dortmund, Manager eines städtischen Energiekonzerns bleiben, auch wenn man Millionen versenkt hat, hier wird man zum Oberbürgermeister gewählt, auch wenn man über keine Ausbildung oder Berufserfahrung verfügt, hier kann man als Kulturmanager posieren, ohne nach Jahren auch nur ein erfolgreiches Projekt nachweisen zu können, hier spielen Politiker Nahverkehrsexperten, die dafür sorgen, dass Bahnen seltener fahren und teurer sind als im Rest der Republik. Die größte Leistung, die das Ruhrgebiet kollektiv erbringt ist es, das Elend in dem man steckt schön zu reden.

Darüber kann man sich aufregen, man kann es aber auch lassen. Denn das Schlimmste ist: Die meisten Menschen, die hier leben, haben sich damit abgefunden. Niemand träumt davon, das Ruhrgebiet erneut wieder zu der wirtschaftlichen Spitzenregion zu machen, die es vor Jahrzehnten hier war. Man ist zufrieden, irgendwie durchzukommen. Die Mittelmäßigen lieben das Ruhrgebiet, denn hier erscheinen sie als Riesen. Genau deshalb sieht es hier so trübe aus wie es aussieht. Und genau deshalb scheitern Menschen wie Romy Schmidt am und im Ruhrgebiet.

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6 Kommentare zu “Prinzregenttheater: Romy Schmidt scheiterte an der alten Krankheit des Ruhrgebiets

  • #1
    Klaus W.

    @Stefan Laurin es kommt nicht oft vor, dass ich Ihnen-unabhängig davon, dass ich Ihren Schreibstil oft sehr gut finde – zustimmen kann. In Teilen- manchmal. Aber vollimfänglich-fast nie. Aber-
    mit diesem Beitrag über das Ruhrgebiet und seine kommunalpolitischen Hobbypolitiker, die sich von den jeweiligen Verwaltungen und politischen Beamten an der Nase herumführen lassen, treffen Sie den Nagel voll auf den " Kopp".

    Wehe dem, der es wagt, Strukturen zu hinterfragen und die Vetterleswirtschaft nicht mitzumachen…

  • #2
  • #3
    ke

    Wieso System Ruhrgebiet?

    Es ist doch ein typischer Führungstil!
    "Du sollst nicht stören"
    Niemand ist schlauer als der Chef/die Chefin.

    Wenn ich mir so die letzten Regierungen in meinem Bundesland und Deutschland anschaue, sehe ich nicht, dass Ideen, Aktivitäten gewünscht sind. Die ruhige Hand ist wichtig, Katastrophen sind "nicht schön".

  • #4
    B2B

    "Die meisten Menschen, die hier leben, haben sich damit abgefunden. Niemand träumt davon, das Ruhrgebiet erneut wieder zu der wirtschaftlichen Spitzenregion zu machen, die es vor Jahrzehnten hier war."

    Korrekte Zustandsbeschreibung. Arm, aber nicht sexy, so ist unser Pott. Das Ruhrgebiet wird sich unter diesen Bedingungen wohl auch noch in 50 Jahren in der Vergangenheit Neuerfinden: Gibt es etwas trost- und einfallsloseres, als die x. Kulturveranstaltung in irgendeiner Zeche, einem altem Stahlwerk oder sonstigen Industrieruine abzuhalten und zum letzten Schrei hochzujazzen?
    Erst, wenn der letzte gemerkt hat, dass der Pott nicht mehr der Pott ist, "ich-komm-aus-dir"-Grönemeier längst in London lebt und von dort aus schlechte Texte der Marke "Reim dich oder ich fress dich" verklappt und sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Lebenswirklichkeit nicht mehr "Schräbbagatten", Brieftauben und "Pütt", sondern Wettbüro, Ein-Euro-Shop und Dönerladen heißt, wird von jedem das Mittelmaß auch als solches zu erkennen sein. Der Kaiser "Ruhrpott" trägt eben doch keine Kleider.

  • #5
    ruhrreisen

    Da stellt sich natürlich die Frage: Warum hier noch bleiben und vor allem, wohin solls dann gehen? Tipps werden gern engegengenommen.

  • #6
    ke

    @5 ruhrreisen
    Ich bleibe beim "woanders ist auch …. ". Meer wäre natürlich toll.

    Aber da ich mir keine Spitzenlagen leisten könnte, wären es auch in den für mich schönen Metropolen der Welt (Vancouver, kalifornische Küste, Washington, Barcelona) eher die schlechteren Lagen oder Mini-Wohnungen. Dann bleibe ich eher in der Heimat und schaue mir die Umgebung an, die auch sehr viel zu bieten hat, wenn man den Raum Rhein-Ruhr betrachtet.

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