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„Es gibt mittlerweile einen internen Maulkorb“

Sibylle Broll-Pape Foto: E. T. A. Hoffmann Theater, Bamberg


Sibylle Broll-Pape, noch immer vertretungsberechtigter Vorstand des Theatervereins Prinz Regent e. V., sorgte mit der Nichtverlängerung des Vertrages von Theaterleiterin Romy Schmidt für Aufregung in Bochum. Wir sprachen mit dem Bamberger Journalisten Andreas Thamm. Thamm verfolgt Broll-Papes Arbeit als Intendantin am E.T.A.-Hoffmann Theater in Bamberg. Im Gespräch berichtet er von künstlerischen Erfolgen, aber auch von Intransparenz.    

Ruhrbarone: Wie war die bisherige Arbeit von Sibylle Broll-Pape als Intendantin in Bamberg?

Andreas Thamm: Das lässt sich schwer mit einem Schlagwort beantworten. Durch den Kahlschlag, der mit ihrer Einführung einherging, hatte sie in Bamberg von Anfang einen schweren Stand. Viele Theatergänger kündigten ihr Abo. Gleichzeitig freuten sich aber auch etliche, dass in Bamberg nach 25 Jahren Rainer Lewandowski mal ein frischer Wind weht. Künstlerisch habe ich viele anspruchsvolle und ambitionierte Stücke gesehen, auch Langweilig-dröges. Das Publikum vermisst teilweise Gast- und Singspiele, die sehr politische Grundausrichtung kommt nicht bei jedem super an. Aber um die Geschmacksfragen geht es am Ende ja auch gar nicht.

Der Punkt ist der, der von euch ja bereits zitiert wurde: Die Stimmung intern scheint nicht gut zu sein. Natürlich erklärt das nicht die Motivation hinter jeder einzelnen Kündigung, aber dass sich gut die Hälfte des Ensembles verabschiedet (plus etwa genauso viele hinter den Kulissen), ist zumindest mal bemerkenswert. So. Bamberg ist ein verquatschtes Nest, der Franke störrisch und eitel. Der mag nicht das Gefühl haben, er wird als Provinzler betrachtet, dem jetzt mal gezeigt wird, wie Theater geht. Die ziemlich lebendige freie Szene der Stadt freut sich momentan über massiven Zulauf.

Allerdings: Ja, es gibt teils sehr positive Besprechungen in den großen Feuilletons. Das ist schön für Bamberg. Und es gab einige Auszeichnungen, zuletzt den Theaterpreis des Bundes, immerhin 115.000 Euro schwer. Vielleicht kann man sagen, dass der Gesamteindruck zumindest mal ambivalent ist.

Ruhrbarone: Sie haben in einem Artikel von Problemen zwischen Sibylle Broll-Pape und Mitarbeitern des Theater geschrieben. Hat sich das mittlerweile gelegt?

Andreas Thamm: Die Recherchen für meinen Artikel liegen jetzt knapp fünf Monate zurück. Nun habe ich, angestoßen durch euch, wieder Kontakt zu Mitarbeitern aufgenommen. Ich möchte mit diesen atmosphärischen Dingen generell vorsichtig umgehen, weil manche Leute da ja nach wie vor arbeiten wollen, aber nein, an den Problemen hat sich nichts geändert. Jede/r mit dem ich gesprochen habe, geht davon aus, dass sich weitere Mitarbeiter verabschieden werden. Nochmal: Niemand kennt die Motivation hinter jeder einzelnen Kündigung, das kann jede/r interpretieren, wie er oder sie mag.

Ich kann eine Anekdote erzählen, um das Problem vielleicht ein bisschen zu veranschaulichen. Die letzten Aufführungen finden in Bamberg im Rahmen der Calderon-Festspiele statt. Es gehörte früher zum guten Ton, dass sich der Intendant am letzten Abend öffentlich von scheidenden Ensemblemitgliedern verabschiedete. Weil das nett ist und auch um das Publikum zu informieren. Sibylle Broll-Pape war an diesem Abend gar nicht anwesend, vermeintlich schon im Urlaub. Sowas kommt nicht gut an.

Ruhrbarone: Es soll Unklarheiten geben, was die Besucherzahlen betrifft. Transparenz und Offenheit sind zur Zeit, was das Prinzregenttheater und Sibylle Broll-Pape betrifft ein großes Thema in Bochum. Wie verhält sie sich den Medien und der Öffentlichkeit gegenüber in Bamberg?

Andreas Thamm: Auch da muss ich etwas ausführlicher werden. In meinem Text ging es ja unter anderem darum, dass sich einige Mitarbeiter, die den Saal jeden Abend sehen, über die offiziellen und sehr guten Auslastungszahlen wundern. Dass die Abozahlen gesunken sind, bestreitet SBP auch gar nicht. Stattdessen habe man mehr und jüngeres Publikum an der Abendkasse. Gerüchte über eine angebliche Zahlungsunfähigkeit im Winter lassen sich anhand der Haushaltszahlen nicht belegen. Mir wird das aber aus mehreren Quellen und unterschiedlichen Abteilungen des Theaters zugetragen.

Für die vergangene Spielzeit warten wir derzeit auf Offenlegung aller Zahlen. Das Problem dabei: Es gibt keine unabhängige Kontrollinstanz dieser Zahlen, die Quelle ist eben die Intendanz, die Intendantin zugleich auch Leiterin des Amtes, das das Theater in Bamberg darstellt. Schlechte Zahlen würden auch bedeuten, der Stadtrat hat 2015 vielleicht einen Fehler gemacht. Also Transparenz ja, aber nur soweit der Filz das zulässt.

Und Transparenz ist auch ein grundsätzlicheres Thema. Es gibt mittlerweile einen internen Maulkorb, also eine Dienstanweisung, nicht mit der Presse zu sprechen. Die hängt am schwarzen Brett aus. Da kann ich jetzt natürlich nur spekulieren, womit das zusammenhängt. Mein Artikel war jedenfalls bestimmt kein Frontalangriff, sondern ganz bewusst sehr ausgewogen gehalten. Man kann auf sachliche Kritik souveräner reagieren als Frau Broll-Pape das getan hat.

Ruhrbarone: Wie stehen die Aussichten, dass der Vertrag von Broll-Pape verlängert wird – und will sie das überhaupt?

Andreas Thamm: Dazu kann ich nicht viel sagen. Der Vertrag läuft, wenn ich da richtig informiert bin, noch drei Jahre. Wie gesagt, wir warten auf die offiziellen Zahlen, nach Bekunden der Intendantin sind die ja hervorragend, andere melden Zweifel an. Also solange alles in Butter ist, wird sie den Vertrag zumindest erstmal erfüllen.

Ruhrbarone: In Bochum kam es am Prinzregenttheater unter der Leitung von Broll-Pape zu finanziellen Unregelmässigkeiten, die nun der Landesrechnungshof prüft. Hat sie in Bamberg die Verwaltung im Griff?

Andreas Thamm: Ohne mit den Strukturen in vergleichbaren Häusern zu vertraut zu sein, glaube ich, dass es in Bamberg eine besondere Situation gibt: Das Theater ist der Stadt als Amt sehr eng angegliedert. Unter Rainer Lewandowski gab es daher eine Art Doppelspitze aus Intendant und Amtsleiter. Sibylle Broll-Pape ist Intendantin und Amtsleiterin. Sie inszeniert selbst große Produktionen und jedes einzelne verwaltungstechnische Schriftstück muss über ihren Schreibtisch. Ich selbst kenne das Prinzregenttheater nun auch bloß, weil „unsere“ neue Intendantin daher kommt, aber der Unterschied zu dem mittelgroßen Stadttheater mit 80 bis 90 festen Mitarbeitern in Bamberg ist ja doch relativ massiv. Eine echte Vorerfahrung in einer solchen Position hatte Sibylle Broll-Pape nicht. Also: Allerhöchsten Respekt, wenn sie nicht überfordert ist, ich wäre es schon wenn ich nur eine von beiden Positionen hätte.

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