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‚Red Bull‘ stellt Fernsehsender ‚Servus TV‘ ein – Eine Warnung auch für den Sport?

Das derzeitige Stadion von RB Leipzig. Quelle: Wikipedia, Foto: Philipp, Lizenz: CC BY 2.0

Das derzeitige Stadion von RB Leipzig. Quelle: Wikipedia, Foto: Philipp, Lizenz: CC BY 2.0

‚Red Bull‘-Eigentümer Dietrich Mateschitz stellt den von ihm gegründeten Fernsehsender ‚Servus TV‘ ein. Diese Nachricht schlug in der Medienwelt am heutigen Dienstag ein wie eine Bombe. Allen 246 Mitarbeitern des Fernsehsenders sei bereits gekündigt worden, wurde vermeldet. Ende Juni ist bereits Schluss!

Offizielle Begründung: Der Kanal, der zuletzt über Jahre u.a. auch Spiele der Deutschen Eishockey Liga (DEL) übertrug, sei für das Unternehmen wirtschaftlich untragbar geworden. „Obwohl wir Jahr für Jahr einen nahezu dreistelligen Millionenbetrag in Servus TV investiert haben, lässt sieben Jahre nach Einführung die aktuelle Markt- und Wettbewerbssituation keine wirklich positive Entwicklung erwarten“, so die offizielle Begründung.

Rasch spekulierten jedoch einige Beobachter auch über ganz andere Hintergründe.

Diesen Stimmen zufolge hatte Mateschitz schlicht keine Lust mehr auf das Projekt, weil die Mitarbeiter des defizitären Senders offenbar eine Betriebsratsgründung ins Auge fassten. Dies berichteten u.a. die „Salzburger Nachrichten“.

Und obwohl das natürlich ein himmelweiter Unterschied wäre, soll das an dieser Stelle zunächst einmal egal sein. Denn spannend aus Sicht des gesamten Sports ist daran ja hauptsächlich die Tatsache, dass hier einem Unternehmen, welches in diversen Sportarten und Teams als allgegenwärtiger Sponsor auftritt, aus ‚heiterem Himmel‘ die Gunst von ‚Red Bull‘ bzw. seinem Eigentümer entzogen wurde.

Und das ist, in leicht abgewandelter Form natürlich, so ja ein Schicksal, welches diversen Sportprojekten in Zukunft auf ganz ähnliche Art und Weise drohen könnte.

Die genaue Begründung des Milliardärs für seine Entscheidung spielt nämlich dabei eigentlich keine Rolle. Das abrupte, überraschende Ende des Projektes durch den Entzug der damit verbundenen finanzielle Unterstützung ist hier am aktuellen Fall das, was sich z.B. die Macher und die Aktiven bei RB Leipzig einmal etwas näher betrachten sollten.

Das Team, welches aktuell in die erste Bundesliga aufsteigen will, ist ja ohne Zweifel ähnlich abhängig von Wohlwollen von Dietrich Mateschitz und seinem mächtigen Brause-Imperium.

Das Beispiel ‚Servus TV‘ zeigt nun aber allen Beobachtern der Szene noch einmal ganz plastisch, wie schnell (und scheinbar überraschend) es mit den seit Jahren scheinbar zuverlässig sprudelnden Millionen u.U. aber dann eben auch kurzfristig wieder vorbei sein kann, wenn der Geldgeber aus irgendwelchen Gründen plötzlich den Spaß an der konkreten Sache verlieren sollte.

Und was macht man dann?

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10 Kommentare zu “‚Red Bull‘ stellt Fernsehsender ‚Servus TV‘ ein – Eine Warnung auch für den Sport?

  • #1
    Klaus Lohmann

    Robin, natürlich spielt die genaue Begründung von Mateschitz eine Rolle. Wenn, wie er übersetzt sagt, so ein "Randsender" heute keine Chance mehr hat, gegen die immer mächtiger werdende digitale Konkurrenz aus dem Netz zu wachsen, dann ist das ehrlich und hat zunächst mal nichts mit "dem Sport" zu tun – für dessen Verbreitung "Servus TV" außer mit der DEL ja recht wenig getan hat.

    Es ist allerdings deutlich geworden, dass Mateschitz wohl keine Gelegenheit auslassen wird, sich in die digitale Vermarktung einzumischen – evt. schon bei der neuen Liga-TV-Rechtevergabe?

  • #2
    DingDong

    Mitarbeiter waren gegen eine Betriebsratsgründung

    Derweil zeigt sich, dass die Mitarbeiter des Senders gegen die Gründung eines Betriebsrats waren. "Die anonyme Umfrage über die mögliche Gründung eines Betriebsrates unterstützen wir – und das ist die überwältigende Mehrheit aller Mitarbeiter von ServusTV – ausdrücklich nicht", heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben. "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat", halten die Mitarbeiter fest. "Darüber hinaus verbitten wir uns ausdrücklich jedwede (auch gewerkschaftliche) Einmischung und Stellungnahme von außen." Ihnen sei kein Unternehmen bekannt, das einen derart sozialen und loyalen Umgang mit seinen Mitarbeitern pflegt, wie Servus TV bzw. Red Bull." Es gebe zudem mehrere Hinweise, dass die anonyme Initiative womöglich von außerhalb des Unternehmens angestoßen wurde.

  • #3
    Hans

    Wegen einen möglichen Betriebsrat stellt man aber kein Projekt ein, mit dem man Jahrelang bis an die 100 Mio. Jährlich verbrannt hatte. Red Bull hatte vor kurzen die Pläne für einen Globalen Red Bull Internet TV Sender aufgegeben. Mateschitz dürfte das mit den Betriebsrat als Begründung genommen haben, um das Multi Millionengrab Servus TV ohne entsprechende Werbewirkung und Zukunft für Red Bull zu begraben. Das gleiche könnte mit anderen wenig Werbewirksamen und sehr teuren Red Bull PR Projekten durch aus auch passieren.

  • #4
    Thorsten Stumm

    Also bei Fußball kann ich Dir da nicht folgen Robin. Die Gefahr besteht sicherlich für viele Bereiche des Funsport und der F1 wo RedBull eher einen ideelen Werbewert erwirtschaftet. Die kann man von heute auf morgen kippen wenn die Nummer ausgelutscht ist.

    Aber Fußball ist nunmal der Goldesel des Weltsport. Bisher werden in den großen Ligen der Welt nur sehr wenige Vereine rein marktwirtschaftlich geführt. Für jemanden der renditeorientiert ist und der eben nicht an Tradition und Fussballbegeisterung gebunden ist, ein Riesenmarkt mit fetter Marge.

    Wenn in der Fussballwelt die Haltung der amerikanischen Franchiseligen wie NBA, NFL oder NHL sich durchsetzt, dann bleibt für den Besitzer des Clubs richtig was hängen.
    Und der Zug geht dahin. Die 50 +1 Regel wird fallen, dass ist in Sichtweite.

    Ich denke du wirst auch den Kommentar von Hans Sarpei gelesen haben…schön auf den Punkt
    http://www.stern.de/sport/hans-sarpei/der-fc-bayern-hat-nur-einen-konkurrenten–den-kleinsten-profi-verein-deutschlands-6830544.html

    Auch Oliver Bierhoff äussert sich ja immer offener zu einer aktiveren Vermarktung, die den Traditionsbalast abwirft.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Thorsten: Allgemein war man heute offenbar doch sehr überrascht davon, dass Mateschitz den Sender nun völlig dicht macht. Warum auch immer er das plötzlich tut. Wie will man sich bei seinen diversen Sportsponsor-Aktivitäten sicher sein, dass er das nicht auf ähnliche Art und Weise auch dort tut, wenn ihm irgendwann mal der Sinn danach ist? Sei es, weil die Umsatz-Zahlen nicht stimmen, sei es auch, weil ihm persönliche Dinge in der Gesamtentwicklung eines speziellen Projektes nicht mehr gefallen, ihm Reaktionen von Fans oder Aktiven in seine Richtung missfallen o.ä.. Gerade auch im Falle von RB Leipzig steht dann doch ständig insgeheim zu befürchten, dass das Team von einer Saison zu nächsten wieder ‚einpacken‘ kann/muss, wenn man von einem großen Geldgeber so abhängig ist. Dann haben wir irgendwann US-Sport-Verhältnisse, wo ein Team eben mal komplett verkauft werden kann, dann aber auch umbenannt bzw. umgesiedelt werden kann. Kenne ich ja auch ganz gut aus der NHL über die ich früher jahrelang berichtet habe. Ist dann sicherlich auch nicht der ‚Untergang‘ des Sports hierzulande, man muss sich über die besonderen Risiken und Veränderungen dann halt auch nur im Klaren sein. Wenn man das so akzeptiert, dann funktioniert der Profisport eben auch hierzulande demnächst völlig anders. Teams wie Hoffenheim, Leipzig, Wolfsburg, Leverkusen, so verschieden sie ja auch sein mögen, deuten da ja schon eine entsprechende Entwicklung an.

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  • #7
    Helmut Junge

    Servus TV macht nicht dicht, weil die Mitarbeiter auf die Bildung eines Betriebsrates verzichtet haben.

  • #8
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Es bleibt auch weiterhin spannend rund um das Thema:

    http://meedia.de/2016/05/06/rueckzieher-von-servus-tv-aus-spekulationen-um-abgekartetes-spiel-von-red-bull-boss-mateschitz/

  • #9
    Klaus Lohmann

    Wenn die Servus-Beschäftigten jetzt nicht selbst merken, zu welchen Sauereien ihr Chef fähig ist, dann haben sie ihr weiteres Arbeitsleben als willfährige Schäflein und Sklaven halt auch selbst gewählt. Wobei allerdings das österreichische Pendant zum deutschen Betriebsverfassungsgesetz eher ein zahnloser Tiger ist.

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