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Religionsstreit an der Uni Duisburg-Essen

Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.
Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.

Hier kam von linker Seite komischerweise kein Verweis auf zu respektierende religiöse Gefühle: Protest gegen den 1000 Kreuze Marsch in Münster.

An der Uni Duisburg-Essen tobt gerade ein Streit um ein pikantes Thema: Islam und religiöse Gefühle. Hintergrund sind Plakate zu der Graphc Novel „Habibi“, dessen Protagonistin eine junge Muslima ist. Nachgezeichnet wird ihr Leidensweg in einer patriarchalen Gesellschaft voller Ausbeutung.

Dies passt einigen muslimischen Studierenden an der Uni offenbar nicht. Die akduell berichtet:

Was ist geschehen? Am Montag hatten sich etwa zwanzig muslimische Studierende im Vorraum der Bibliothek versammelt und über das Poster diskutiert, das Thompsons Graphic Novel vorstellt. Auf dem Plakat sind drei Bilder aus dem über 600seitigen Wälzer neben einem erklärenden, englischsprachigen Text abgedruckt. Ein Bild zeigt die Vergewaltigung einer Frau durch einen stereotyp arabisch aussehenden Mann, daneben steht in arabischer Kalligraphie „Allah“. Während die anderen in der Gruppe noch diskutierten, was zu tun sei, nahm eine Studentin das Poster von der Wand und überreichte es den verdutzten Mitarbeiter*innen der Universitätsbibliothek.
Viele muslimische Studierende hätten in dem Plakat eine Herabsetzung und Beleidigung ihres Gottes gesehen, sagt Ali Nuhi, der Vorsitzende des Islamischen Studierendenbundes (ISB) an der UDE. „Es ist ein gutes Zeichen, dass das Plakat nicht wieder aufgehängt wurde“, so Nuhi weiter.

Es müsse eine Debatte über antimuslimischen Rassismus geführt werden, fordert der Kollege von der akduell. Eine Stellungnahme des ASta-Hochschulpolitik-Referenten Daniel Lucas sieht er kritisch. Dieser schreibt dazu, die Angelegenheit beleidige seine säkulären Gefühle:

Diskussionsgegner*innen, denen gar nichts mehr einfällt, hilft immer noch der Rückgriff auf die Verletzung ihrer religiösen Gefühle. Auf diese Weise kann vor allem verhindert werden, dass betreffende Personen sich mit dem Gegenstand, über denen sie sich beschweren, auseinandersetzen müssen. Schwierig ist dies, weil offensichtlich nur Anhänger*innen gewisser Weltanschauungen Gefühle haben. Pastafaris, die sich gegen das öffentliche Verspeisen von Spaghetti stellten, kämen wohl nicht weit. (…)

Dass es gerade Moslems waren ist für den Sachverhalt uninteressant. Alle drei monotheitischen Religionen sind in ihrem Aufbau reaktionär und autoritär. Christentum und Islam teilen sich wahrscheinlich eine maximale patriachale Struktur. Doch relevant ist überhaupt ein Fakt: Die wissenschaftliche Arbeit, in dem Fall auch die Kunst, muss einem religiösen Gefühl weichen. Dass man an religiösen Orten nicht unbedingt religionkritische Kunst ausstellen muss – wobei dies natürlich aus wissenschaftlich-kritischer Sicht wünschenswert wäre! – steht außer Frage. Aber das eine Bilungseinrichtung dem weicht, ist doch erschreckend.

Das Recht auf Kritik

Auch wenn es für mich persönlich nun etwas schwierig wird, da ich selbst Redaktionsmitglied der akduell bin: Ich finde, Lucas hat Recht. Ich habe den 700-Seiten Comic meinerseits mal überflogen und muss sagen: Nach dem was ich gelesen habe, geht es um die Unterdrückung der Frau in einer männerdominierten Welt. Islamfeindlich ist er nicht. Und wo bitte gehört Religionskritik, auch in scharfer Form, hin, wenn nicht in eine Bildungseinrichtung? Die Alternative wäre der Stammtisch.

Nun kommt natürlich das bequeme Argument, dieses und jenes sei nicht „die wahre Religion“. Allein, das behaupten ja Protagonisten aller Seiten. Nehmen wir zum Beispiel das inzwischen eingestellte Hetzportal kreuz.net, das regelmäßig reformorientierte Kirchenfunktionäre denunziert. Beide Seiten nehmen für sich in Anspruch, die reine Lehre zu vertreten. Ähnlich verhält es sich mit dem Islam, und auch im Judentum sieht man am Beispiel ultraorthodoxer antizionistischer Gruppen, dass es durchaus verschiedene Interpretationen des Judentums gibt.

Mir ist das ehrlich gesagt scheißegal. Ich habe nichts mit Religionen am Hut, und möchte auch von den unsichtbaren Freunden irgendwelcher Leute nicht belästigt werden. Alles was ich verlange, sei es von Christen, Hindus, Naturreligiösen, Moslems oder Atheisten, ist, dass sie Menschenrechte und Meinungsfreiheit respektieren. Und da hat Lucas Recht: Auch Atheisten, Agnostiker und Konfessionslose haben Rechte und Gefühle. Warum sollen die weniger wert sein als religiöse Befindlichkeiten?

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63 Kommentare zu “Religionsstreit an der Uni Duisburg-Essen

  • #1
    Sebastian Dicke

    Ich verstehe Menschen nicht, die sich durch jede Kleinigkeit gekränkt fühlen. Ich bin Vegetarier und rege mich nicht auf, wenn irgendwo ein Plakat für Wurst wirbt. Es ist mir einfach unverständlich, warum sich jemand aufregt, wenn irgendwo ein Plakat hängt, dass sich kritisch mit einer Gruppe auseinandersetzt, der man angehört.

  • #2
    Daniel Anderson

    Diese bigotte Scheinheiligkeit (auch wenn das jetzt eine Tautologie sein sollte) kotzt mich wirklich an. Einerseits pochen sie auf ihre religiösen Gefühle, andererseits versuchen sie gerichtlich durchzusetzen, die Gefühle anderer verletzen zu dürfen – Moslems gehen in Berlin vor Gericht, weil einem Schüler verboten wurde, im Flur der Schule zu beten und er dafür doch bitte den Gebetsraum aufsuchen soll. Und das die säkuläre Bundesrepublik immer mehr vor der Aggressivität dieser Religion einknickt und kleinbei gibt, erinnert mich fatal an 1938, als Chamberlain Hitler zugestand, die CSR zu okkupieren, damit angeblich die Gefahr eines größeren Konfliktes gebannt ist. Womit das geführt hat, haben wir gesehen und offensichtlich lernt niemand aus der Geschichte.

  • #3
    jot/e

    Derjenige, für den ein Gott das Zentrum des (intoleranten) Denkens und Handelns ist, ist in der Universität am falschen Ort. Auch wenn das natürlich nur Theorie ist, so ist doch die Uni der einzige Hort der freien Wissenschaft, die ohne Rücksicht auf Dogmen und intellektuelle Limitierungen funktionieren muss. Sonst ist sie nur noch Berufausbildungsstätte.

  • #4
    Werner Jurga

    Richtig: „bigotte Scheinheiligkeit“ ist eine Tautologie. Und richtig ist auch: der Vergleich zur Appeasement-Politik drängt sich auf.

  • #5
    Werner Jurga

    Der Daniel vom AStA schreibt: „Alle drei monotheistischen Religionen sind in ihrem Aufbau reaktionär und autoritär.“ Könnte es nicht sein, dass heute etwas reaktionär ist, was – sagen wir mal – vorgestern noch progressiv war. Könnte es nicht sein, dass die Festlegung darauf, es gäbe nur EINEN Gott ein Fortschritt ohnegleichen war. Etwas autoritär, zugegeben – aber progressiv? Könnten wir uns auf die alternative Formulierung einigen: “ „Alle drei monotheistischen Religionen sind schon ein wenig älter“?

  • #6
    Stefan Laurin

    @Werner Jurga: Der eine Gott war eine super Erfindung. Die hat uns aus der kulturellen Blüte der Antike direkt ins Mittelalter geführt. Noch ein paar solcher Fortschritte und wir sitzen wieder auf den Bäumen…

  • #7
    whutwhut

    Aufgrund solcher Geschichte empfinde ich die „Religionsfreiheit“, wie sie hierzulande oft verstanden wird, als nicht mehr zeitgemäß.

    Denn mittlerweile dient „Religionsfreiheit“ oftmals nur noch als Vorwand und Mittel, sich gegen Kritik zu immunisieren.

    Es hat mich bspw. sehr aufgeregt wie die „Beschneidungsdebatte“ geführt wurde. Egal welchen Standpunkt man dabei vertritt, es war absolut unsäglich, daß seitens mancher religiösen Vertreter dabei allen Ernstes mit Holocaustverweisen u.ä. hantiert wurde.

  • #8
    Vicky Amesti

    Ich denke, dass es für ein gutes Miteinander wichtig wäre, ein Verständnis für die gegenläufigen Positionen zu entwickeln. Das kann nur durch einen Dialog auf Augenhöhe geschehen, der allerdings nicht geführt werden kann, wenn miteinander nur über Stellungnahmen von dieser und jener Stelle, Gremium etc. kommuniziert wird.

    WENN es um „Gefühle“ geht, um Anerkennung und Wertschätzung – und da stimme ich zu: auch Atheisten haben solche – dann halte ich die direkte Kommunikation für sehr wichtig. Und nicht das Pochen auf allgemeine Prinzipien (von allen Seiten).

  • #9
    Meckerhamdel

    Danke, dass du das Thema ansprichst. Besonders die linke Scheinheiligkeit im Hinblick auf Religion erschreckt mich immer wieder. Da wird auf das Christentum eingedroschen und gleichzeitig der Islam hofiert. Stellt sich die Frage, was denn nun der Unterschied zwischen Christentum und Islam ist. Zwei Dinge hierzu:

    1.) Das Christentum ist tot. Wenn es einmal großen Schaden angerichtet hat, dann ist das für die meisten Menschen Vergangenheit. Christen müssen keine Ungläubigen töten oder versklaven. Davon steht nichts in der Bibel, „Hassprediger“ wie man sie vom Islam kennt, gibt es nicht. Die „Reste“ des Christentums existieren weitestgehend friedlich neben und in freien und demokratischen Gesellschaften.

    2.) Beim Islam sieht dies anders aus: Wer sich einmal die Mühe macht und sich mit Koran und Sunnah beschäftigt, der wird sehen, dass es sich hierbei um ein strenges Regelwerk handelt. Die entscheidenden Stellen sind im Imperativ geschrieben. Mohammed war, sorry, aber da sind sich Historiker weitestgehend einig, kein gutes Vorbild: Er hat den Islam erfunden, um politischen Einfluss zu erlangen – und das mit allen Mitteln wie unter anderem Andersgläubige enthaupten und unterdrücken. Demokratie, Freiheit und Islam passen nicht zusammen. Den Islam reformieren, das müssen die Moslems. Zu sehen ist davon aber nicht viel. Was passiert stattdessen?

    Die Linke hofiert eine Religion, die ihren Werten völlig entgegen steht. In der Angst, als „rechts“ zu gelten, werden dem Islam immer mehr Zugeständnisse gemacht, die kaum ein Linker dem Christentum machen würde; Islamkritik wird als Rassismus diffamiert; Grüne und SPD hängen mit Vertretern von Mili Görüs ab und in München entsteht ein riesiges Islamzentrum, finanziert von Terroristen. Und wen interessiert das? Niemanden! Nur den Stürzenberger, der von der Antifa angefeindet, von der Süddeutschen und Taz als Rassist bezeichnet und vom Verfassungsschutz beobachtet wird (!!!) – na dann…

    Was da in Bochum passiert ist, ist doch nur ein kleiner Vorgeschmack. Wer schon bei solchen Kleinigkeiten einknickt und das nicht für diskussionswürdig hält, der hat nicht verstanden, was Freiheit ist, was dazugehört und wieviel sie eigentlich wert ist.

  • #10
    Arthur Harris

    Bei aller mangelnden Sympathie für Religion im Allgemeinen und den Islam im Besonderen: Um aus dem Abhängen eines Posters einen Einmarsch in die CSR zu machen, muss man mehr als nur eine Schraube locker haben.

  • #11
    Roberta Sanders

    Äußerst bedenklich ist es, wenn die religiösen Gefühle absolutiert werden, sie werden zu einer Art informellen Gesetz erhoben, das dann aber nicht mehr diskutierbar ist. Das untergräbt Demokratie, der Hebel sind die religiösen Gefühle. Es ist doch klar, dass was für den einen göttlich ist, ist es für den anderen nicht. Das bedeutet Religionsfreiheit, eben auch Freiheit von den religiösen Regeln des anderen, das Recht, diese nicht zu befolgen, sie auch (verbal) in Frage zu stellen.

    Davon abgesehen: Wollte man immer alles abhängen, vermeiden, nicht drucken was irgend wessen Gefühle verletzt, könnte man ja gleich in völlige Stummheit verfallen.

  • #12
    whutwhut

    @Meckerhamdel
    Das ist doch Unsinn. selbst wenn es in der Bibel keine expliziten Aufforderungen zu Gewalthandlungen geben mag (ich bin nicht sonderlich bibelfest und kann es dementsprechend schwer beurteilen), so wurden dennoch massenhaft Gewalttaten im Namen der Bibel bzw. des Christentums begangen.

    Ich stimme Ihnen allerdings insofern zu, als daß ich glaube, daß dringend benötigte Reformationsprozesse im Islam noch nicht stattgefunden haben. Dies liegt übrigens zumindest im Westen auch teilweise daran, daß in unseren Breitengraden die üblichen Verdächtigen als Gesprächspartner usw. zur Rate gezogen werden anstatt konsequent liberale Muslime zu unterstützen.

  • #13
    Werner Jurga

    Kein Einmarsch in die CSR, aber doch eine Geschichte von Dummheit und Feigheit, die an der Uni Duisburg-Essen läuft. So schlimm allerdings, dass aus Duisburg oder Essen nun schon Bochum geworden wäre (Meckerhandel #9) ist es nun aber auch wieder nicht. Gott sei Dank, wenn ich das sagen darf.

  • #14
    Werner Jurga

    @ Stefan Laurin (#6): Dass der Weg von der „kulturellen Blüte der Antike“ ins – vermutlich finstere – Mittelalter der Konstantinsche Wende zum Monotheismus geschuldet wäre, ist eine ebenso interessante wie originelle, m.E. allerdings falsche geschichtsphilosophische (?) Sicht der Dinge. Ich denke, eine Debatte darüber würde hier vom wichtigeren Thema wegführen. Deshalb begnüge ich mich mit der Frage: gibt es auch Belege für diese Absturzthese am Beispiel von Judentum und/oder Islam?

  • #15
    Sebastian Dicke

    Wir brauchen eine starke und wirksame Trennung von Staat und Kirche und insbesondere auch Bildungsinstitutionen und Religion. Dazu gehört die Abschaffung von Religionsunterricht als Standard hin zu Religionsunterricht als Wahlpflichtfach in Ergänzung zu einem obligatorischen Philosophie- oder Ethikunterricht. Außerdem sollte in Bildungsinstitutionen die freie Meinungsäußerung besonders hochgehalten werden. Dazu gehört, dass jemand, der sich über ein Plakat, von dem er meint, dass es seine Religion beschimpfen würde, ein anderes, das die, aus seiner Sicht, falschen Behauptungen richtig stellt daneben hängen darf.

  • #16
    Peter Podewitz

    @Meckerhandel
    Zu Deinem unter #9 vorgebrachten Punkt 1: dann sieh Dir bitte die Evangelikalen in den USA an. Und ob es christliche Haßprediger gibt! Übrigens nicht nur in den USA, sondern auch hier.

  • #17
    Stefan Laurin

    @Werner Jurga: Für den Islam ist das ziemlich einfach zu belegen: Die kulturelle Entwicklung kam in Persien weitgehend zum erliegen, als das Land monotheistisch wurde. Man sieht das schön an der technischen Entwicklung – z.B. bei Keramiken. Monotehismus, Religion ist ein großer Innovationshemmer.

  • #18
    Roberta Sanders

    @ Sebastian Dicke
    „Außerdem sollte in Bildungsinstitutionen die freie Meinungsäußerung besonders hochgehalten werden.“
    Volle Zustimmung; denn das wäre für alle Themen sehr wichtig, denn aus meiner Sicht gibt es doch eine Tendenz zu Denkverboten, aber auch eine Esoterisierung (auch an den Unis). s. http://derstandard.at/1371169859668/Mit-Geisterforschung-zum-Doktortitel-Esoterik-an-der-Wiener-Universitaet

    In Hessen wurde gerade islamischer Religionsunterricht eingeführt

  • #19
    Arnold Voss

    Monotheistische Religion widersprechen schon an und für sich der Religionsfreiheit. Wer keinen anderen Gott neben oder über sich duldet, der erlaubt nicht die Wahl eines anderen Gottes. Freiheit der Religion bedeutet aber, sofern man sich nicht gegen jede Religion entscheidet, nichts anderes als die freie Wahl der Religion.

    Auch wer sein Kind tauft oder aus religiösen Gründen beschneidet widerspricht der Religionsfreiheit. Die freie Entscheidung für eine Religion ist per Definitionem eine, die der betroffene Mensch selbst trifft. Dies kann er aber nur, wenn er die entsprechende geistige Reife erreicht hat.

    Eltern, die bis dahin nicht warten und stattdessen für ihre Kinder entscheiden, setzen nicht nur ihr Elternrecht höher als die Religionsfreiheit sondern verhindern, dass das Kind seinen eigenen freien Weg zum Glauben, oder auch dagegen findet. Sie setzen die Menschenrechte sozusagen innerfamiliär außer Kraft und missbrauchen ihr Kind als Objekt ihrer eigenen religiösen Vorstellungen.

  • #20
    Helmut Junge

    @Stefan Laurin, unser Freund Werner Jurga würde in einer Diskussion darüber, ob Monotheismus Fortschritt oder Rückschritt ist, absolut die schwieriger zu belegende Position vertreten.

  • #21
    Werner Jurga

    Es gibt auch christliche „Hassprediger“, wie auch jüdische. Und ich räume ein: von Tötungsaufrufen oder dergl. durch Atheisten ist mir nichts bekannt. Und doch macht mir die Verbissenheit mancher und deren unerschütterlicher Glaube daran, dass es keinen Gott gebe, ebenfalls Sorgen. Fanatismus ist nicht an eine Gottesvorstellung gebunden. Nur der Vorbeugung: ich halte die – etwa von Seiten des Vatikan verbreitete – Darstellung, das Naziregime oder die Stalinzeit seien Auswüchse der „Gottlosigkeit“ für eine interessengeleitete Propagandalüge. Aber das vermeintliche Gegenteil, nämlich dass der Glaube an den lieben Gott die Quelle alles Bösen sei, ist ebenso nachweislich Unfug.

  • #22
    Werner Jurga

    @ Helmut Junge (#20): Ich würde mich jedenfalls gut vorbereiten. Mein Studium liegt zeitlich schon ein wenig zurück. Ich verdanke – so nebenbei -die Erkenntnis vom Fortschrittsgehalt des Monotheismus übrigens einem Atheisten. Okay, kein Argument.
    Ansonsten steige ich jetzt aus. Mir liegt nämlich die Verteidigung des Monotheismus nicht so sehr am Herzen wie die Verurteilung der im zur Debatte stehenden Artikel beschriebenen Umtriebe und Feigheiten.

  • #23
    Stefan Laurin

    @Werner: Wie so oft hilft ein Bakunin-Zitat: „Lasst ihnen ihre Tempel.“

  • #24
  • #25
    Robert Gorny

    Zumindest sind am Stammtisch schon mal einige Tatsachen bekannt, die im Stuhlkreis wohl noch mühsam erörtert werden müssen. Siehe #9

  • #26
    Meckerhamdel

    @Robert Gorny: Wo sind deine Argumente?

    @Werner Jurga: Stimmt. Das ist falsch. Sicher gibt es christliche Hassprediger. Wirklich großer Schade geht von ihnen nicht aus und auch die Fehldeutung der Bibel sehe ich bei christlichen Fundamentalisten deutlich ausgeprägter als bei islamischen. Noch einmal: Der Islam ist stark politisch und der Koran beinhaltet Gewaltaufrufe – und das in nicht gerade geriner Anzahl.

    Gerade Gorny’s „Reflex“ finde ich typisch. Tu mir einen Gefallen und lies den Koran. Darüber hinaus empfehle ich folgende Lektüre zum Einstieg:

    – Psychology of Mohammed, Inside the Brain of a Prophet – Dr. Masud Ansari
    – Alle Werke von Hamed Abdel-Samad (an dessen Beispiel du derzeit sehr schön sehen kannst, wieweit es mit Menschenrechten und Demokratie im Islam ist)

  • #27
    Robert

    Hey Meckerkopp,

    das mit den Reflexen kann ja jedem mal passieren. Deswegen: Lies meinen Satz doch noch mal ganz langsam und stell dir dabei vor, es hätte ihn jemand geschrieben, der den Koran gelesen hat und grundsätzlich deiner Meinung ist.

  • #28
    Helmut Junge

    @Werner Jurga,
    zwischen christlichem Haßprediger und islamisten gibt es doch einen bedeutenden Unterschied. Denn von christlichen Haßprediger weiß jeder, dass der nicht für das Christentum spricht. Das ist bei Islamisten aller Schattierungen anders. Diese oben genannte kleine Gruppe spricht aus ihrem Selbstverständlnis für alle Moslems und definiert, wann ein Moslem beleidigt ist. Und von der angeblich riesigen Mehrheit der Moslems hört man so gut wie nie Widerspruch in solchen Fällen. Andererseits werde diese „Mehrheitsmoslems“ nicht müde, uns Nichtmuslimen in vielen Gesprächen immer wieder zu versichern, dass der Islam so, wie wir ihn sehen, gar nicht der Islam ist. Ja, wie ist er denn dann? Eine übergeordnete Instanz, wie in den großen Sektionen (Sekten sagt man ja nicht) des Christentums gibt es wohl nicht. Es kommt im Islam wohl auf die Meinung jedes einzelnen Moslems an. Und in der Öffentlichkeit sind die Radikalen absolut in der Überzahl.
    Vom anfangs erwähnten christlichen Haßprediger dagegen weiß ich genau, dass der nicht für alle Christen spricht.

  • #29
    Meckerhamdel

    Hey Gorny,

    das mit den Missinterpretationen kann ja jedem mal passieren. Besonders wenn der Diskussionspartner es darauf anlegt. Sind wir jetzt auf Augenhöhe? Gut, dann kannst du ja endlich weiter Bilder malen – oder hast du sonst noch Bedeutendes mitzuteilen?

  • #30
  • #31
    paule t.

    Atheismus ist mit der Religionsfreiheit gar nicht vereinbar. Wer alle Götter für Einbildung hält, kann die, die dem anhängen, doch gar nicht als gleichberechtigte Mitbürger achten.

    So, weitermachen.

  • #32
    Gerd Herholz

    # Werner Jurga, Stefan Laurin: Die Entwicklung von Naturreligionen, (Schamanismus, Animismus…) über den Polytheismus hin zum Monotheismus war doch super. Schließlich verschwanden so immer mehr überflüssige Götter von der Bildfläche (auch wenn sie auf Umwegen über Dreifaltigkeit, Heilige, Seelige, Dämonen usw. dann doch in den Religionen überleben).
    Nun fehlt aber der letzte Schritt: Statt noch den einen fiktiven Gott anzubeten, einfach keinen mehr anbeten und vom Glauben zum Wissen konvertieren!
    Und da, wo das Wissen heute aufhört, aufhören muss, fängt noch lange kein Geltungsbereich irgendeiner Gottheit an.
    Außerdem gefällt mir in dem Zusammenhang immer ein Gedanken, den ich bei Dawkins fand, und der in die richtige Richtung einer Freiheit von den Religionen weist:
    Zurzeit gäbe es auf der Welt so ca. etwas über 3.000 Gottheiten in allen Religionen. Doch die meisten Gläubigen seien bereits A-Theisten, nämlich immer in Bezug auf die Gottheiten der jeweils anderen – diese werden nämlich negiert; nur der eigene Gott/die eigenen Götter wiederum nicht.
    Warum nicht den letzten Schritt tun und den einen menschengemachten Gott auch noch als Hilfskonstruktion kennzeichnen? Oder wie Stephen Hawking sinngemäß meint: Gott ist ein Name, den wir allem geben, was wir noch nicht verstehen.
    http://www.focus.de/wissen/weltraum/tid-24634/stephen-hawkings-70-geburtstag-theorie-ermoeglicht-schoepfung-ohne-gott_aid_699702.html

    So oder so: Das Habibi-Plakat muss wieder an der Uni DU-E gezeigt werden.

  • #33
    Christian Wee

    Ich bin auf einen Artikel gestoßen, der Martin Niewendicks Artikel komplett widerlegt und in seine Einzelteile zerlegt. Ich musste ihn mir ein paar mal durchlesen, weil die Argumentation sehr tiefgreifend ist und mit einigen Ressentiments aufräumt.

    Und zwar ist der Punkt an Martin Niewendicks Artikel- der Autor ist ein „Mann*“ und „weiss“…ähm ja das wars auch schon.

    http://shehadistan.com/2013/06/26/switching/

    Man könnte annehmen eine derartige Argumentation sei ad hominem, rassistisch und sexistisch, aber da hat man die Rechnung ohne poststrukturalistische Definitionen, vom kritischen Weißsein und kritischen Mannsein, gemacht, die der Autorin erlauben mit Geschlecht und Hautfarbe zu argumentieren, sich nicht auf den Inhalt zu beziehen und den Autor allein aufgrund äußerer Merkmale abzuqualifizieren und die dabei dann vollkommen unironisch anderen Kolonialismus und Rassismus vorwirft.

    Also Herr Niewendick, schreiben Sie bitte demnächst über weiße, männliche Themen und unterlassen Sie die kulturelle Aneignung.

    ——
    Ich dachte immer Antiimps wären die größten Spinner unter den Linken. Durch das Lesen von Mädchenmannschaft und Konsorten wurde ich eines besseren belehrt.

    In diesem Sinne, „Haltet eure Fressen ihr Priviligienpimmel Breitmachmacker!!“

  • #34
    Christian Wee

    Verbesserung:

    Gerade gesehen, Sie dürfen sich ja äußern, Herrn Niewendick, der Vorwurf des Weißseins richtet sich gegen den Autor des Comics. Entschuldigen Sie, dass ich dachte es würde sich auf Sie beziehen und Sie wären weiß ;-).

  • #35
    nn

    Christen weniger gewalttätig als Moslems? Eurozentrismus. Siehe Afrika:
    Die (christliche) ugandische Parlamentspräsidentin Rebecca Kadaga hat Ihrem Volk
    ein (wörtlich!) Weihnachtsgeschenk gemacht: die Todesstrafe für Homosexuelle.
    Reaktion der Kirche: Der Ratze-Papst hat sie dafür öffenlich gesegnet.

  • #36
    Robert

    Christian Wee

    danke für den Link. Solche Texte bestätigen und festigen meine Ismen, die ich sorgsam hege und pflege.

  • #37
    Helmut Junge

    @Christian Wee,
    die Autorin ist weiß und eine Frau. Ich hatte mit ihr mal im Djäzz ein kurzes Gespräch. Für mich merkwürdig ist, dass sie offenbar damit kokettiert als „Nichtweiße“ zu gelten. Aber ich muß ja nicht alles verstehen.

  • #38
    Arnold Voss

    @ Paule T.v# 31

    „Atheismus ist mit der Religionsfreiheit gar nicht vereinbar. Wer alle Götter für Einbildung hält, kann die, die dem anhängen, doch gar nicht als gleichberechtigte Mitbürger achten.“

    Was für eine Quatsch, Paule. Religionsfreiheit heißt nicht nur Freiheit f ü r die Religion(en), sondern sie schließt auch die Freiheit v o n den Religionen ein. Im übrigen gilt nicht nur für Atheisten, dass (auch) die religiöse Einbildung von Menschen zu achten ist. Der Glaube an welchen Gott auch immer ist nämlich völlig unabhängig von seiner Existenz.

    An die Existenz von Göttern zu zweifeln, bzw. ihre Existenz zu negieren, bedeutet deswegen eben nicht, den Glauben für nicht existent zu halten. Er ist als Gefühl durchaus real und wirksam, ob es einem als Atheisten passt oder nicht.

    Aus der Perspektive der Menschenrechte kommt hinzu, dass es dieses Gefühl zu akzeptieren gilt, da der Mensch ein Recht auf transzendentale Einbildung und überirdische Geistigkeit hat. Er hat nur nicht das Recht, deswegen andere Menschen zu unterdrücken oder zu diskriminieren, geschweige denn die öffentliche Diskussion über seinen Glauben zu verbieten oder zu behindern.

    Das gleiche gilt umgekehrt für den Atheismus bzw. für den Atheisten. Nichtgläubigkeit beinhaltet eben nicht das Recht, den Glauben zu verbieten, bzw. seine Ausübung zu behindern. Aber sie enthält das Recht für den Unglauben zu werben und die Gläubigkeit zu kritisieren, ja sogar sich darüber lustig zu machen.

    Das selbe Recht haben umgekehrt wiederum die Gläubigen. Aber sie haben nicht das Recht Ungläubige zu diffamieren, zu diskriminieren oder ihnen sogar mit dem Tod zu drohen, was gerade im Islam immer wieder geschieht, ohne dass es bislang dagegen eine ernst zu nehmenden Protest von seiten der Muslime gegeben hat. Aber auch die Christen nehmen sich immer wieder das Recht heraus, aus ihr Glaubensüberzeugungen heraus anderen mit dem Tod zu drohen. Mit dem Unterschied allerdings, dass es innerhalb dieser Kirche mehr Proteste dagegen gibt.

  • #39
    paule t.

    @ Arnold Voss #38

    Ach, das ist Quatsch, was ich unter #31 geschrieben habe? Stimmt. Weiß ich auch. War auch nur ein Spiegel für den genau so großen Quatsch über Monotheisten, der hier in den Kommentaren von einigen vorher gepflegt wurde.

  • #40
    Werner Jurga

    Was Meckerhamdel (#26) und Helmut Junge (#28) zum Unterschied zwischen islamischen und christlichen Hasspredigern erwähnen, stimmt selbstredend (bezogen auf die Gegenwart).
    @ Gerd Herholz (# 32): Schon recht, schon recht! Allein: in der Ideengeschichte ist es nicht so einfach damit getan, einen „Schritt zu tun“. Und wenn es um Religion geht, wird es noch komplizierter. Doch wenn wir schon (begrifflich) bei einem „Schritt“ bleiben: es wäre nicht der „Schritt vom Glauben zum Wissen“. Gott sei Dank! Echt, Gerd: das ist doch eschatologisch bis zum Gehtnichtmehr.

  • #41
    Roberta Sanders

    Der Satz „Aus der Perspektive der Menschenrechte kommt hinzu, dass es dieses Gefühl zu akzeptieren gilt, da der Mensch ein Recht auf transzendentale Einbildung und überirdische Geistigkeit hat. Er hat nur nicht das Recht, deswegen andere Menschen zu unterdrücken oder zu diskriminieren, geschweige denn die öffentliche Diskussion über seinen Glauben zu verbieten oder zu behindern.“ von Arnold Voss. #38

    Das bringt es auf den Punkt.Wenn ich darf würde ich den Satz (mit Autorenangabe ;-)) bei passenden Gelegenheiten zitieren.

  • #42
    Robert

    Heute steht darüber auch ein Artikel in der WAZ. Allerdings mit zwei, drei weiteren Details. Ich habe ja keine Ahnung, trotzdem glaube ich, auf kritische Freigeister an der Essener Uni kommen noch einige Herausforderungen zu. Oder man entschliesst sich, Kritik demnächst zu unterlassen um keine weiteren Konflikte zu schüren.

  • #43
    Frank

    @Gerd Herholz #32

    Stephen Hawking zu zitieren, finde ich eine gute Idee. Man(n) muss ihn aber korrigieren:

    1. Er beschreibt eine philosophische, spirituelle Sicht auf die Welt. Angehenden Funktionären wie Ali Nuhi, dem Vorsitzende des Islamischen Studierendenbundes (ISB) geht es aber nicht um Spiritualität sondern Politik und Macht.

    2. Ich glaube, vor allem Männer brauchen „Gott“ als Platzhalter für das noch nicht Erklärte. Und weil sie in Machtstrukturen denken, erklären sie es sich mit einer Über-Macht. Wenn diese sich dann auch noch für eigene Machtzwecke auf Erden missbrauchen lässt, ist der Sprung vom Spirituellen ins Politische geschafft. Ich glaube, die meisten „geistlichen“ Funktionäre glauben selbst nicht an Gott sondern verstehen immer besser und finden immer größeren Reiz darin, wie man Menschen manipuliert. Wie sonst soll man sich das Streben zum Amt eines Papstes oder „geistigen Oberhauptes“ erklären?

  • #44
    Gerd Herholz

    #43 Frank: Ich glaube, Stephen Hawkings naturwissenschaftlich geprägte Sicht auf die überfällige Verabschiedung der menschengemachten Gottesidee muss da nicht korrigiert werden. Was Sie ergänzen, ist Kritik der Gottesidee(n) auf einer anderen Ebene – und aus meiner Sicht – von der Tendenz her völlig richtig, obwohl wahrscheinlich viele gläubige Funktionäre für sich selbst Spiritualität noch in Anspruch nehmen würden. Halt heroische Illusionen über sich selbst.
    Wenn man aber nüchtern schaut, was global realiter passiert (vom Habibi-Streit an der Uni Du-E über die Mordaufrufe zu Rushdie, Hamed-Abdel-Samad… bis hin zu den jetzt mal wieder bekannter werdenden Steuerhinterziehungs- und Korruptionspraktiken des Vatikans oder radikal-hinduistischen Fundamentalisten oder christlichen Pius-Brüdern und Bischöfen und deren Schutz oder Blasphemie-Vorwürfen etwa gegen die Pussy Riots durch die Orthodoxen etc. pp., dann wird deutlich, dass Religionenkritik pur und Kritik der politischen Instrumentalisierung der Religionen sowie Kritik der religiösen Instrumentalisierung von Politik zu den großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts weiter gehören wird.

  • #45
  • #46
    Frank

    Tja, da hilft nur, sofort einen zB. Vortrag zum Thema: Islamophobie-Kampfbegriff gegen Islamkritik“ (http://www.a3wsaar.de/islamismus/) oder Mina Ahadi von den exMuslimen oder eine Austellung zum schönsten Bild des „Everybody draw Mohammed-Day“ 😉
    Wenn dieses Verhaltes der IslamistInnen hingenommen wird, ist der nächste Schritt nicht fern.

  • #47
    paule t.

    Ja, genau. Wenn Angehörige einer Minderheit den Eindruck haben, beleidigt und ausgegrenzt werden zu sollen, und dann Zensur fordern, ist es die beste Gegenstrategie, ihnen zu zeigen, dass genau das tatsächlich der Fall ist. Genial.

  • #48
    Helmut Junge

    @Paule T.,
    soweit ich den Fall beurteilen kann, ist es nicht möglich über die Ursache dieses Zwischenfalls zu diskutieren, weil eine Gruppe von etwa 20 Personen das einzige Beweistück entfernt hat. Darum ist es auch nicht möglich über dieses Plakat zu diskutieren.
    „Wenn Angehörige einer Minderheit den Eindruck haben, beleidigt und ausgegrenzt werden zu sollen, und dann Zensur fordern,“….
    Dieser Satz ist falsch Paule.T.
    Sie haben nicht gefordert, sondern durchgeführt. Sie wissen das und haben sich in einem anderen Blog darüber erregt, dass sie gerne wüßten, worum es eigentlich geht. Sie kennen das Plakat auch nicht.
    Anstößig ist die Selbstjustiz dieser Gruppe. Ob sie zum Beleidigtsein Anlaß hatte, kann nicht mehr, müßte aber diskutiert werden. Niemand darf Selbstjustiz betreiben. Das wissen Sie genau.

  • #49
    paule t.

    Ich versuche gerade herauszufinden, wo ich diese Aktion gutgefunden hätte …

  • #50
    Helmut Junge

    @Paule T.
    So direkt haben Sie das auch nicht. Sie sind aber, aus meiner Sicht begrenzten Sicht natürlich, viel subtiler, genau in diesem Sinne auf die Forderung von @Frank (46) eingegangen.
    Die Aussage aus Ihrem Folgekommentar verstehe ich nämlich so, dass ein von @Frank angedachter Vortrag zum Thema „Islamophobie-Kampfbegriff gegen Islamkritik“ zeigen würde, dass hier tatsächlich Minderheiten ausgegrenzt und beleidigt werden sollen.

  • #51
    paule t.

    Ja natürlich ist mein Kommentar zu Franks Ideen so zu verstehen, dass ich meine, dass damit [mit diesen Ideen, nicht mit der Ausstellung!] gezeigt würde, „dass hier tatsächlich Minderheiten ausgegrenzt und beleidigt werden sollen“. Das heißt aber nicht, dass ich die (selbst vorgenommene) Zensur der Ausstellung gut fände.

    Islamophobie, die Ausgrenzung, Diskriminierung und Beleidigung von Muslimen, ist real, und reicht von kleinen, alltäglichen Diskriminierungen, die rassistischen Diskriminerungen vergleichbar sind, über offene Forderungen zur Einschränkung der Religionsfreiheit bis hin zu Mord und Terrorismus. Wer das leugnet, indem er das Wort als „Kampfbegriff“ abtut (wozu gerne nachweislich falsche Märchen erzählt werden wie das, der Begriff sei im Iran erfunden worden, um theokratische Unterdrückung zu rechtfertigen), erklärt letztlich diese Diskriminierungen zur hinzunehmenden gesellschaftlichen Normalität; genau so wie jemand, der behaupten würde, Antisemitismus oder Homophobie seien bloß Kampfbegriffe.

    Und das gleiche gilt für die tolle Idee eines „Draw-Mohammed-Tages“. Was trägt das denn als die Botschaft „Ja klar werdet ihr mit solchen Sachen wie dieser Comic-Ausstellung beleidigt, das ist genau so gewollt, und deswegen jetzt noch mal mit Anlauf“.

    Stattdessen gälte es zu zeigen, dass sich die Hochschätzung und der Schutz der Kunstfreiheit (hier in Bezug auf den Comic) und der Freiheit der Wissenschaft (das Plakat) eben nicht gegen eine bestimmte Gruppe wie die Muslime richten, sondern zu einer freien Gesellschaft gehören, und dass Muslime solche Dinge genau deswegen hinnehmen müssen, weil sie selbstverständlich und fraglos gleichberechtigter Teil dieser freien Gesellschaft sind und sie deswegen nicht weniger, aber auch nicht mehr in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung hinnehmen müssen als jede andere Gruppe auch. Franks Vorschläge gehen genau in die entgegengesetzte Richtung.

    Das zu zeigen wäre übrigens nicht ganz einfach und erforderte ein gewisses Fingerspitzengefühl, weil in der öffentlichen Debatte ja tatsächlich oft mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn Muslime in solchen Fällen Zensur fordern, wird in der Debatte oft ganz schnell ihre Zugehörigkeit zu unserer Gesellschaft in Frage gestellt. Wenn Christen genau Vergleichbares tun, wird darüber zwar auch scharf diskutiert – dass Christen Teil unserer Gesellschaft sind und sich deswegen natürlich zu Wort melden dürfen, steht dabei aber nie in Frage.

  • #52
    Roberta Sanders

    „Stattdessen gälte es zu zeigen, dass sich die
    Hochschätzung und der Schutz der Kunstfreiheit (hier in Bezug auf
    den Comic) und der Freiheit der Wissenschaft (das Plakat) eben
    nicht gegen eine bestimmte Gruppe wie die Muslime richten, sondern
    zu einer freien Gesellschaft gehören, und dass Muslime solche Dinge
    genau deswegen hinnehmen müssen, weil sie selbstverständlich und
    fraglos gleichberechtigter Teil dieser freien Gesellschaft sind und
    sie deswegen nicht weniger, aber auch nicht mehr in der
    gesellschaftlichen Auseinandersetzung hinnehmen müssen als jede
    andere Gruppe auch. Franks Vorschläge gehen genau in die
    entgegengesetzte Richtung.“ Grundsätzlich stimme ich soweit zu,
    dass es gegenseitigen Respekt geben sollte, aber „nicht weniger,
    aber auch nicht mehr“ kann nicht sein: Wenn ein religiöser Mensch
    z.B. die Evolution als nicht existent erklärt, wird das Maß an
    Auseinandersetzung ein anderes sein als wenn eine Bagatellfrage
    verhandelt wird. Auseinandersetzungen entzünden sich nun mal an
    strittigen fragen und werden in der Regel nicht um der
    Auseinandersetzung willen geführt. Und da beginnt im Übrigen auch
    schon das Dilemma. Bisweilen wird allein schon die Diskussion, so
    sachlich sie auch geführt werden mag, als Beleidigung empfunden.
    Davon abgesehen gilt dies auch andersherum – und ich denke, dass
    stört viele Menschen (und wird schnell unter islamophob
    subsumiert), dass es in beide Richtungen gilt. Wenn nämlich die
    deutsche/westliche/nichtislamische Welt als verkommen, unrein,
    verachtenswert und was auch immer (in all den kleinen und großen
    Abstufungen) gesehen wird. Müsste man eigentlich auch nicht
    hinnehmen, wird es aber meistens, weil davon ausgegangen wird, dass
    die Deutschen die Intoleranten, Migranten aber selbstverständlich
    nie rassistisch sind. Diskriminierenden sind und es umgekehrt nicht
    gilt, bzw. es diesen positiven Rassismus gibt, der andere in einen
    Opferstatus und man sie deshalb schonen muss.

  • #53
    Frank

    Verletzte Gefühle? Wenn ein Mensch gegen Birkenpollen
    allergisch ist, sollte man ihm/ihr adäquat helfen. Nicht, indem man
    alle Birken umschlägt, sondern indem man ihn/sie schrittweise daran
    gewöhnt. Desensibilisierung heisst das. Also mit was Kleinem
    anfangen, so eine Diskussion über vergleichende
    Religionswissenschaften beispielsweise, dann langsam steigern.
    Irgendwann kann man das reine Allergen applizieren und es erfolgt
    keine pathologische Reaktion 😉 Stete Konfrontation ist das Mittel
    der Wahl, ganz klar. Keine Toleranz der Intoleranz.

  • #54
    Helmut Junge

    Paule T.

    „Das zu zeigen wäre übrigens nicht ganz einfach und erforderte ein gewisses Fingerspitzengefühl, …..“
    Paule T., das mit dem Fingerspitzengefühl wird vielleicht mangels Masse nicht so klappen, wie Sie das gerne hätten. Diese Forderung kenne ich übrigens schon sehr lange, ohne das der dazu gehörende Menschentyp in der notwendigen Anzahl so geworden wäre, wie es zu Ihrer Theorie pasen würde.
    Leider? Vielleicht! Spielt keine Rolle.
    Sehen wir der Realität mal ohne hochgesteckte Erwartungen ins Auge. Was also, wenn immer weniger, statt mehr Menschen so denken, wie Sie?
    Evtl. fehlt es auch an Leuten, diemit ihrem persönlichem Beispiel auf dem von Ihnen erwarteten Weg vorgehen? Geben tut es sie ja durchaus. Aber ich habe das Gefühl, daß dieser Menschentyp auf kleiner Zahl verharrt. Nur, Paule T., was dann?

  • #55
    Christian Wee

    @Helmut Junge

    Zitat:

    „die Autorin ist weiß und eine Frau. Ich hatte mit ihr mal im Djäzz ein kurzes Gespräch. Für mich merkwürdig ist, dass sie offenbar damit kokettiert als “Nichtweiße” zu gelten. Aber ich muß ja nicht alles verstehen.“
    ———–
    Ob sie jetzt weiß ist oder nicht finde ich unerheblich im Rahmen einer politischen Diskussion, mich stört vielmehr dieser vulgärpoststruktrulalistische Ansatz hinter dieser Denke.
    Es wurde eine Ideologie gefunden, die es erlaubt Menschen aufgrund ihrer Ethnie, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts abzuwerten, noch mehr, sie zählen als unwiderlegbares Argument gegen die Standpunkte der jeweiligen Person, wobei das Kollektiv „weißer-heterosexueller Mann“ den Gipfel der Bösartigkeit darstellt.
    Das ganze wäre nicht so schlimm, wenn sich das in irgendwelchen linksverwirrten Filter-Bubbles abspielt, jedoch ist das ganze staatlich subventioniert in öffentlichen Verdummungsanstalten (Unis), durch Genderseminare/studiengänge, in den Sozialwissenschaften und in der Pädagogik, aber auch in anderen Fachrichtungen.

    —–

    Der Fall macht weiter die Runde, bei RTL kam ein Kommentar zum Vorfall

    https://www.facebook.com/photo.php?v=10201557898175921&comment_id=54775557&notif_t=like

  • #56
    Wolfram Steinfortana

    Die Religionsfreiheit muß im Grundgesetz überarbeitet
    werden, sonst wird die Religionsfreiheit die letzte Freiheit sein
    die bleibt.

  • #57
    Helmut Junge

    @Christian Wee,
    „Ob sie jetzt weiß ist oder nicht finde ich unerheblich im Rahmen einer politischen Diskussion, mich stört vielmehr dieser vulgärpoststruktrulalistische Ansatz hinter dieser Denke.“
    Ich würde Ihnen gerne zustimmen. Normalerweise, also in allen anderen politischen Diskussionen sollte so etwas keine Rolle spielen, wäre es nebensächlich.
    Nur in dieser Diskussion geht es im Kern darum, dass wir es mit einer zentralen Aussage zu tun haben, die Sie selbst so formulieren: „wobei das Kollektiv “weißer-heterosexueller Mann” den Gipfel der Bösartigkeit darstellt.“
    Deshalb dachte ich, dass meine obige Anmerkung doch eine passende Bemerkung sein könnte, nur auf die Rolle einer „weißen Frau“ bezogen.
    Aber ich will nicht darauf beharren, weil ich üblicherweise auch argumentativ anders vorgehen würde.
    Reden wir über dem von Ihnen angesprochenen „vulgärpoststruktrulalistische Ansatz hinter dieser Denke“, der sich „…staatlich subventioniert in öffentlichen Verdummungsanstalten (Unis), durch Genderseminare/studiengänge, in den Sozialwissenschaften und in der Pädagogik, aber auch in anderen Fachrichtungen“ abspielt.
    Sehe ich auch genau so wie Sie. Aber ich sehe auch die Schwächen dieser Form von Fehlausbildung. Die eignet sich ausschließlich für Die Seminare an den Unis und vielleicht bei einigen sich selbst so nennenden “ Grünen“ und „Linken“. Sobald aber Widerstand gegen solche Positionen auftaucht, ziehen sich deren Verfechter vornehm zurück. Sie wollen ihre Position nicht diskutieren! Sie wollen sie so schützen, ähnlich wie eine Religion, die sie eigentlich auch ist. Die Gendertheorie steht im Widerspruch zu allen Wissenschaftszweigen, die sie berührt. Und die Vorstellung von der quasi angeborenen Schuld des „heterosexuellen weißen Mannes, der den Gipfel der Bösartigkeit darstellt“ ist doch leicht erkennbar zutiefst rassistisch.
    Das läßt sich in breiten Bevölkerungsschichten nicht vermitteln, und hier bei den Ruhrbaronen gibt es für solche Ansichten nicht das richtige Publikum.
    Da macht es sich dann schnell negativ bemerkbar, dass Diskurse,die an den Unis, also im eigenen Saft gekocht, gut gelingen, aber außerhalb wenig praxistauglichkeit beweisen.
    Das Thema ist zu kompliziert um es hier breit auszuarbeiten. Des halb habe ich einen Link ausgewählt, der kurz beschreibt, was mit der Genderforschung in Norwegen geschehen ist, und interessierten ermöglicht sich danach selbständig weiter zu informieren.
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Y2wyzo6ROgg
    Viel Spaß.

  • #58
    rtq

    Mittlerweile ist wohl eine Strafanzeige gegen die Studentin gestellt worden.

    http://www.derwesten.de/staedte/essen/strafanzeige-gegen-studentin-nach-eklat-bei-comic-schau-in-der-uni-essen-aimp-id8134702.html

  • Pingback: Snickers und PIssrinnen | Ruhrbarone

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  • #61
  • #62
    Roberta

    Wenn es einen Prozess des Nachdenkens und auch eine deutliche Stellungnahme auslöst, ist das langsame Reagieren sicher angemessener.
    Vor allem finde ich aber wichtig, dass ein solcher Vorfall nicht zum vorauseilendem Gehorsam führt. Man stelle sich vor, es gäbe eine Ausstellung über die Entwicklung der pol. Karrikatur, in der auch die Mohamed -Karrikatur thematisiert wird, und sie dürfte nicht gezeigt werden.

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