Romantische Marschroute: „Duisburg steht auf“ versuchte durch Duisburg-Hochfeld zu spazieren

Impfmücken gegen Impflücken: Mahnwache in Duisburg; Foto: Peter Ansmann
Impfmücken gegen Impflücken: Mahnwache in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Spannend ging es in den letzten Tagen bei den Querdenkern von „Duisburg steht auf“ zu: Nachdem der Organisator der bisherigen „Spaziergänge“ in Duisburg, Stefan Brackmann, den Spaziergang für den gestrigen Montag abgesagt hatte, war die Stimmung in der Telegram-Gruppe der Impfgegner in Duisburg ähnlich euphorisch wie in der SA-Führung während der Nacht der langen Messer.

Hintergrund: Während des Spaziergangs am 17. Januar 2022 hatten Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Duisburg und Polizei Verstöße gegen die Hygieneregeln bei den Widerstandskämpfern gegen das finstere Corona-Regime geahndet.

„Duisburg steht auf“ – demnächst am Ende

Die passive Haltung von Stefan Brackmann kam bei Teilen von „Duisburg steht auf“ nicht wirklich gut an. Während der Querdenker aus Dinslaken sich um eine bürgerliche Fassade bei der Extremistengruppe bemühte und – nach Berichterstattung hier im Blog – offene NS-Propaganda und antisemitische Beiträge in der Telegram-Gruppe entfernte, hatten seine bisherigen Mitstreiter weniger Probleme mit z.B. Aufrufen zu Gewalt und rechtsextremen Spaziergängern aus der Neonaziszene.

Telegram Gruppe "Duisburg steht auf"; Screenshot
Telegram Gruppe „Duisburg steht auf“; Screenshot
Telegram Gruppe "Duisburg steht auf"; Screenshot
Telegram Gruppe „Duisburg steht auf“; Screenshot
"Dennis, der Entsorge" auf Telegram; Screenshot
„Dennis, der Entsorge“ auf Telegram; Screenshot
"Dennis, der Entsorge" auf Telegram; Screenshot
„Dennis, der Entsorge“ auf Telegram; Screenshot

Nach der Absage des Spaziergangs für den 24. Januar 2022 durch Stefan Brackmann, wurde die Demo diesmal durch Dennis „der Entsorger“ Straub angemeldet. Der frühere Aktivist beim Duisburger PEgIdA-Ableger und damalige Administrator der Facebook-Community von DUIGIDA, die im Dezember 2021 zur Community der Duisburger Querdenker mutierte, fiel bereits auf den bisherigen Spaziergängen durch eine radikalere Rhetorik auf.

Mahnwache am 24. Januar 2022; Foto: Peter Ansmann
Mahnwache am 24. Januar 2022; Foto: Peter Ansmann

Während der letzten Spaziergänge liefen Aktivisten der Neonaziszene bei „Duisburg steht auf“ mit. Während des Spaziergangs am 17.01.2022 wurde von „Spaziergängern“ der Hitlergruß gezeigt. Diese unappetitlichen Vorkommnisse und die Verbreitung von offensichtlichen Fake-News, z.B. über Metallstäbchen in Schnelltests, kommen nicht bei allen Mitgliedern der Telegram-Gruppe von „Duisburg steht auf“ gut an. Die Stimmung bei den Widerstandskämpfern war in der letzten Woche nicht die beste. Dass die Polizei und das Ordnungsamt in der letzten Woche bei den Extremisten durchgriff, war der Moral in der Schwurbeltruppe auch nicht dienlich.

In dieser unentspannten Situation fand gestern nun erneut ein Montagsspaziergang von „Duisburg steht auf“ statt.

Vorab: Den gestrigen Spaziergang von „Duisburg steht auf“ habe ich diesmal nur auf Twitter verfolgen können. Weil die bisherige Demonstrationsroute – vom Rathaus zum Hauptbahnhof und zurück – geändert wurde. Kurz zusammengefasst: Etwa 350 Teilnehmer standen relativ lange am Rathaus, marschierten dann nach Duisburg-Hochfeld und – mit reduzierter Teilnehmerzahl – zurück. Es wurden über 30 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen die Maskenpflicht durch die Ordnungskräfte eingeleitet.

„Durchhaltevermögen“ und „Moral“ wird bei „Duisburg steht auf“ offensichtlich klein geschrieben. Die vielen Zwischenstopps sorgen für Frust bei den Querdenkern und reduzierte die Anzahl der Teilnehmer. Nur wenige Teilnehmer kamen zum Schluss des Spazierganges wieder am Rathaus Duisburg, dem Startpunkt, an. Die ursprünglich geplante Strecke wurde bereits vorher abgekürzt. Die Coronazis durften sich in Hochfeld nicht wirklich willkommen fühlen.

Wie bereits in den Vorwochen zeigten Duisburger auf einer Mahnwache, was sie von den Spaziergängern halten: „Nicht sehr viel“ wäre hier als Beschreibung noch sehr geschmeichelt.

Circa 80 Menschen fanden gegen 18.00 Uhr vor dem Forum in Duisburg, gegenüber vom Stadttheater ein. An diesem Punkt führte, bisher, der Spaziergang der Impfgegner vorbei. Betonung auf „bisher“. Bei der Mahnwache dabei: Die Antifa Gruppe First Aid, Solidarische Gesellschaft der Vielen e.V., Anhänger von Bündnis90/Grüne und anderer Gruppen.

Ratsherr Matthias-Maria Eidens (Die PARTEI Duisburg), der Organisator der Mahnwache, verkündete – nach kurzen Verhandlungen mit der Polizei – die Verlegung der Mahnwache vor das Averdunkzentrum. Grund: Die Route der Querdenker wurde geändert. Der Spaziergang der Impfgegner sollte diesmal über eine Strecke von sieben (!) Kilometern verlaufen.

Die etwa 80 Teilnehmer der Mahnwache zogen daraufhin zum neuen Veranstaltungsort. Auf Mindestabstände wurde geachtet, alle Teilnehmern trugen FFP2-Masken.

Am Averdunkzentrum sorgte die Bekanntgabe, dass die Querdenker nach wie vor am Rathaus stehen – bei winterlichen Temperaturen – für Verwunderung. Grund für den verzögerten Start bei „Duisburg steht auf“: Mindestabstände wurden nicht eingehalten, viele Teilnehmer trugen keine Masken und nutzten stattdessen Trillerpfeifen, die im Vorfeld verteilt wurden. Ordnungsamt und Polizei reagierten und verzögerten den Start des Spazierganges.

Bei der Gegenkundgebung am Averdunkzentrum lief es dafür recht rund: In einem Redebeitrag wurde auf die aktuellen – oben erwähnten – Entwicklungen bei „Duisburg steht auf“ eingegangen. Das Fazit, dem ich zustimmen würde:

Duisburg steht auf“ ist jetzt offen extremistisch und am rechten Rand angekommen.

Heiko Schubert (Vorsitzender DIE PARTEI Duisburg) kümmerte sich, wegen den winterlichen Temperaturen, um die scharfen Impfmücken: Am gestrigen Abend sollten sie nicht mehr zum Einsatz kommen.

Heiko Schubert (DIE PARTEI Duisburg) präsentiert die Impfmücken; Foto: Peter Ansmann
Heiko Schubert (DIE PARTEI Duisburg) präsentiert die Impfmücken; Foto: Peter Ansmann

Sozialarbeiterin Lia Bork, die sich für sicheren Unterricht während der Pandemie und bessere Hygienekonzepte an Schulen engagiert, thematisierte in ihrer Rede die aktuelle Lage an den Schulen in NRW und den Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Wegen der geänderten Marschroute von „Duisburg steht auf“ – fernab von der Mahnwache – durch das abendliche Hochfeld, wurde die Mahnwache gegen 19.00 Uhr durch Matthias-Maria Eidens beendet.

Mit einer klaren Ansage für die kommende Woche:

Wenn Impfgegner, Neonazis und Verschwörungstheoretiker wieder durch Duisburg laufen, kommen die Impfmücken gegen Impflücken erneut zum Einsatz.

Positiv in Duisburg: Das Durchgreifen durch Ordnungsamt von Polizei und Ordnungsamt bei Verstößen der Spaziergänger und der Teilnehmerrückgang bei den Spaziergängen in Duisburg.

Was von „Duisburg steht auf“ am Ende des Winters übrig bleiben wird: Ein kleiner Haufen von Extremisten, personell deckungsgleich mit dem PEgIdA-Ableger in Duisburg.

Und genauso irrelevant.

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SvG
SvG
2 Jahre zuvor

Die Duisburger Verwaltung sollte sich dies zum Vorbild nehmen:
https://www.ostfildern.de/Politik+_+Verwaltung/Bekanntmachungen/Allgemeinverf%C3%BCgung.html
Jetzt ist aber Schluß mit lustig.

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