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Ruhr oder Berlin Teil 3: Kreativität und Flexibilität

Kreativität ist weder zeitlich noch räumlich steuerbar. Deswegen werden Kreative nach dem Ergebnis und nicht nach der Effizienz ihrer Arbeit beurteilt und bezahlt. Die ist ausschließlich ihre eigene Sache und führt unausweichlich bei den noch nicht angemessen Entlohnten unter ihnen zu enormer (Selbst-)Ausbeutung

Bild: Ruhrgebietskreativer mit Stoffelefant

Kreative sind ihrer Kreativität nämlich in gewisser Weise ausgeliefert. Sie kommt und geht wann sie will, lässt sich nicht  erzwingen, ist im Prinzip überall möglich und kann sich sehr plötzlich beschleunigen oder auch bis zum Stillstand verlangsamen. Zeitliche und räumliche Flexibilität sind deswegen das  Nonplusultra eines kreativen Prozesses. Das sieht  für Außenstehende nach großer Freiheit aus, ist für die Betroffenen  aber pure Notwendigkeit. Sie wissen einfach nicht genau wann und wo  ihnen etwas einfällt.

Deswegen schleppen die Kreativen der Wissensgesellschaft fast immer ihren Laptop und ihr Handy mit sich herum. Wie es schon die Wandergesellen im Zeitalter der Manufaktur mit ihrem Handwerkszeug  gemacht haben. Da kreative Prozesse oft in direkten Zusammenhang mit anderen geistigen und materiellen Produktionsprozessen stehen, die räumlich unbeweglicher  sind, ist direkter und permanenter Kommunikationszugang die andere Seite der räumlichen Ungebundenheit. Konkret heißt das, ständig Online sein und/oder das Handy nie abschalten.

Das setzt wiederum eine bestimmte räumliche und technische Infrastruktur voraus. Kneipen, Parks, Hotels und andere öffentliche sowie private Orte die weder im Funkloch liegen noch für den flächendeckenden Online-Zugang private Kosten verursachen sind deswegen für Kreative beliebte Aufenthaltsorte jenseits der eigenen Wohnung und/oder des Büros. Erst recht, wenn Letzteres (noch) gar nicht vorhanden oder klitzeklein ist.

Verfügen diese Orte obendrein über inspirierende natürliche (Wasser, Flora und Fauna usw.), und/oder bauliche (Architektur, Ambiente usw.) und/oder soziale (Multikulti, hohe Besucherfrequenz, andere Kreative usw.) Elemente, dann werden sie besonders bevorzugt. Fügen sich alle Elemente an einem Ort zusammen wird er für die Kreativen zum sogenannten „Hot Spot“, was nichts anderes als eine begriffliche Übertragung des Begriffs Hot House (Treibhaus) auf  Räume im  Allgemeinen ist.

Dazu gehören, was die Nahversorgung betrifft, wenn möglich auch Restaurants, Kinos, und Geschäfte die 24 Stunden, zumindest aber bis in die späten Abend-  respektive frühen Morgenstunden geöffnet haben. Arbeitspausen haben bei Innovationsprozessen keinen festen Rhythmus und damit auch nicht das Bedürfnis nach Ablenkung, Mahlzeit oder einfach nur „Chillen“. Vervielfältigungs- und sonstige mediale Produktions- und Reproduktionsdienstleistungen sollten, weil meistens „outgesourct“,  auch in der Nähe und (fast) durchgehend zugänglich

Kreativität ist weder zeitlich noch räumlich steuerbar. Deswegen werden Kreative nach dem Ergebnis und nicht nach der Effizienz ihrer Arbeit beurteilt und bezahlt. Die ist ausschließlich ihre eigene Sache und führt unausweichlich bei den noch nicht angemessen Entlohnten unter ihnen zu enormer (Selbst-)Ausbeutung

Bild: Ruhrgebietskreativer mit Stoffelefant

Kreative sind ihrer Kreativität nämlich in gewisser Weise ausgeliefert. Sie kommt und geht wann sie will, lässt sich nicht  erzwingen, ist im Prinzip überall möglich und kann sich sehr plötzlich beschleunigen oder auch bis zum Stillstand verlangsamen. Zeitliche und räumliche Flexibilität sind deswegen das  Nonplusultra eines kreativen Prozesses. Das sieht  für Außenstehende nach großer Freiheit aus, ist für die Betroffenen  aber pure Notwendigkeit. Sie wissen einfach nicht genau wann und wo  ihnen etwas einfällt.

Deswegen schleppen die Kreativen der Wissensgesellschaft fast immer ihren Laptop und ihr Handy mit sich herum. Wie es schon die Wandergesellen im Zeitalter der Manufaktur mit ihrem Handwerkszeug  gemacht haben. Da kreative Prozesse oft in direkten Zusammenhang mit anderen geistigen und materiellen Produktionsprozessen stehen, die räumlich unbeweglicher  sind, ist direkter und permanenter Kommunikationszugang die andere Seite der räumlichen Ungebundenheit. Konkret heißt das, ständig Online sein und/oder das Handy nie abschalten.

Das setzt wiederum eine bestimmte räumliche und technische Infrastruktur voraus. Kneipen, Parks, Hotels und andere öffentliche sowie private Orte die weder im Funkloch liegen noch für den flächendeckenden Online-Zugang private Kosten verursachen sind deswegen für Kreative beliebte Aufenthaltsorte jenseits der eigenen Wohnung und/oder des Büros. Erst recht, wenn Letzteres (noch) gar nicht vorhanden oder klitzeklein ist.

Verfügen diese Orte obendrein über inspirierende natürliche (Wasser, Flora und Fauna usw.), und/oder bauliche (Architektur, Ambiente usw.) und/oder soziale (Multikulti, hohe Besucherfrequenz, andere Kreative usw.) Elemente, dann werden sie besonders bevorzugt. Fügen sich alle Elemente an einem Ort zusammen wird er für die Kreativen zum sogenannten „Hot Spot“, was nichts anderes als eine begriffliche Übertragung des Begriffs Hot House (Treibhaus) auf  Räume im  Allgemeinen ist.

Dazu gehören, was die Nahversorgung betrifft, wenn möglich auch Restaurants, Kinos, und Geschäfte die 24 Stunden, zumindest aber bis in die späten Abend-  respektive frühen Morgenstunden geöffnet haben. Arbeitspausen haben bei Innovationsprozessen keinen festen Rhythmus und damit auch nicht das Bedürfnis nach Ablenkung, Mahlzeit oder einfach nur „Chillen“. Vervielfältigungs- und sonstige mediale Produktions- und Reproduktionsdienstleistungen sollten, weil meistens „outgesourct“,  auch in der Nähe und (fast) durchgehend zugänglich sein.

Es gibt aber für Kreative auch einen innerhäuslichen Anpassungszwang an  die Gesetze der Flexibilität. Die überdachten und zugleich nicht öffentlichen  Orte ihrer Arbeit, also Büro/Werkstatt und/oder Wohnung müssen schon deswegen multifunktional ausgestattet sein, weil es auf Grund der Nichtsteuerbarkeit von Innovationen für die Akteure keine Trennung zwischen Arbeit und Leben gibt. Weder eine räumliche noch eine zeitliche. Obendrein gilt, dass jede Innovation unerwartete Elemente ins Spiel bringt.

Für Kreative die nicht nur mit dem Computer sondern auch oder vorwiegend  mit Pinsel, Farbe, Bleistift und Leinwand, ja sogar mit Modellen und/oder kleineren Werkzeugen und Maschinen arbeiten, ergibt sich dadurch in der Regel ein überdurchschnittlicher Platzbedarf. Viel natürliches Licht und große hohe Räume sind da ein großer Produktionsvorteil. Die Möglichkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit einen gewissen Grad von Lärm/Unruhe zu erzeugen ebenfalls.

Lofts, erst recht in dickmäuerigen ehemaligen Fabrikgebäuden, sind deswegen für Kreative nicht nur Wohn- oder Lifestyle sondern vor allem notwendige bis optimale Arbeitsvoraussetzungen. Wenn dann in der Nähe dichtes Leben stattfindet  d.h. das eigene oder mit anderen geteilte Loft Teil eines „Hot Spots“ ist oder dieser zumindest in  erreichbarer Nähe liegt, dann  ist der Standort perfekt.

Im Gegensatz zu Berlin gibt es Lofts und „Hot-Spots“  in  dieser engen räumlichen Kombination im Ruhrgebiet so gut wie gar nicht, bzw. müssen sie hier erst entwickelt respektive gebaut werden. Das obwohl viele der durch den vielgerühmten Strukturwandel leergefallenen Fabrik- und Zechengelände innerstädtische Lagen haben oder hatten. Es ist vielmehr keiner (rechtzeitig) auf die Idee gekommen, sie auch in diese Richtung um zu nutzen.

In Ruhr sind deswegen Fabriklofts  zur  Zeit,  wiederum  im Gegensatz zu Berlin, eher in städtischen Rand- oder Zwischenlagen zu finden. Manche davon sehr wohl mit inspirierendem Blick auf Wasser und/oder Natur und/oder guter, ja spektakulärer Industriearchitektur, dafür aber meilenweit entfernt von etwas, das man „Hot Spot“ nennen oder was man dazu entwickeln könnte. Erst recht wenn man nicht über einen privaten PKW verfügt. Für die Kombination aus Hot-Spot und Loft haben der  Innenhafen von Duisburg und der Dortmunder Stadthafen noch die meisten Qualitäten, liegen aber nach meiner Einschätzung schon zu weit von den  jeweiligen Hauptbahnhöfen entfernt.

Das Ruhrtal hat dagegen, was die landschaftliche Umgebung der dortigen Lofts betrifft, innerhalb des Ruhrgebietes faktisch ein Alleinstellungsmerkmal, liegt aber von den Nahverkehrsanbindungen noch weiter vom Schuss. Ganz anders z.B. das Girardet-Haus in Essen-Rüttenscheid, von dessen Art es in Berlin allerdings dutzende in innerstädtischer Lage gibt.

Bleiben die vielen Kanäle und still gelegten Kanalhäfen des Ruhrgebietes. Hier wäre die Bildung ganz spezieller und urban eigenständiger „Hot Spots“ möglich, wenn die Hausbootkultur massiv gefördert und wasseramtlich erlaubt wird. (Natürlich erst recht in Teilen der oben schon erwähnten Stadthäfen von Duisburg und Dortmund)

Das gleiche gilt für die Kultur der landgebunden Mobile-Homes die auf den  großen noch vorhandenen wilden Freiflächen des“ Ruhr-Stadt-Dschungels“ eigene kreative Dörfer mit W-LAN-Anschluss ausbilden könnten. Auch hier wäre allerdings amtliche Erlaubnis und ideelle und materielle Unterstützung nötig.

Während sich Berlin auf Grund der kompakteren Stadtform mit den Mobile Homes, speziell in Form der „Wagenburgen“ schwer tut, hat sie sich auch bezüglich der schwimmenden Siedlungen schon einen Vorsprung erarbeitet, in dem sie dafür offizielle Stellen/Wasserflächen innerhalb des gesamten Stadtgebietes ausweisen wird, bzw. teilweise schon ausgewiesen hat. Fabriklofts aber auch Loft- und Atelierneubauten direkt am Wasser und zugleich in zentraler Lage gibt es schon lange und in enorm großer Auswahl.

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12 Kommentare zu “Ruhr oder Berlin Teil 3: Kreativität und Flexibilität

  • #1
    Jens König

    Eine schöne Idee.
    Nur zwei Probleme sehe ich: Erhältlichkeit und Bezahlbarkeit der entsprechenden Immobilien/Grundstücke.

    Ich geb mal Beispiele:
    In der Meesmannstr. in Bochum steht seit, lass mich raten, 10 Jahren ein Industriegebäude leer (gegenüber dem Möbelmarkt in der Hernerstr. der auch schon 9 Jehre leersteht). Beitzer ausweislich eines kaputten Holzschildes ist eine dubiose Firma in Holland. Ich hab mal einfach dort angerufen, aber tatsächlich hatten die überhaupt kein Interesse, zu vermieten oder sonstwas. Was für ein krudes Steuerabschreibungsmodell mag das sein?

    Oder der Katholikentagsbahnhof in Bochum: Vor 8,9 Jahren hab ich mal Kontakt mit der Bahn aufgenommen (DB Immobilien in Dortmund oder so). Die haben einen bloss abgewimmelt „Ja, wir haben da schon ein Projekt. Nein, Verkauf kommt daher nicht in Frage“ und so ein Blabla. Danach is bis heute (oder zumindest vor kurzem) nix passiert.
    Den wunderschönen Ringlokschuppen dort gegenüber hat man ja abgerissen, für einen scheusslichen (ja, wirklich) Betonklotzneubau für Lidl oder so. Wer braucht denn da an der Stelle so ein Ding?

    Die schönen (besser: geeigneten) Gebäude verschwinden oder sind im Besitz von jemandem, der sie nicht weggeben will. Alte Zechen werden allenfalls in postmoderne Glasstahltempel (in der Lothringer Str in Bo steht so ein Beispiel, um mal nicht Zeche Zollverein nennen zu müssen…) umgebaut, deren Mieten sich keine Sau leisten kann, also lieber im homeoffice bleibt.

    Wohnen an den Kanälen in Ruhr ist ja auch schon ein älteres Thema, aber auch hier entstehen stinklangweilige freistehende Einfamilienhäuser, aber nix schönes oder bezahlbares.

    Leben auf dem Wasser? Bis da eine Genehmigung bei rausspringt bin ich 100. Den Aufwand stemmt wieder nur eine grössere Firma, Bauherren oder Architekten und dann ist es mit preiswert auch vorbei.

    Anstatt also Bruchbuden billig an Leute zu geben, die auch selbst Hand anlegen, muss wieder alles seinen ordentlichen Gang gehen. Nur, dann wird es für die Kreativen, jedenfalls für die, die ich meine, wieder uninteressant.
    Unperfekte Industriebrachen bibt es genug, aber nicht den Mut, irgendjemanden auch mal damit etwas machen zu lassen.

    Da muss ich an den Bunker am Springerplatz denken, eines der ganz wenigen wirklich kreativen Konzepte, prima Konzerte etc… Zack und wieder dicht.

    Solange Bochum mit seinen Kleinoden so umgeht, kriegen die Kreativen nur eine Aussage hin: Boah, wie langweilig.

  • #2
    Arnold Voss Beitragsautor

    Eine schöne Ergänzung, Jens! Danke! Was den Katholikenbahnhof in Bochum betrifft, da geschieht immerhin jetzt endlich was.

  • #3
    Silke

    In der Bastion am Springerplatz ist genau so ein kreativer Hot Spot entstanden, eben weil das mit den Konzerten und den Anwohnern wohl nicht mehr klappte. Die Macher vermieten Büros und Ateliers an Künstler unter und realisieren wieder eigene Projekte wie http://www.myspace.com/dielichtung

  • #4
    Simone Gottschlich

    Nun ja, jetzt habe ich fleißig alles gelesen: Also der Kreative geht gerne aus, weil er muss, trinkt gerne, wenn er kann, und würde total kreativ residieren, was er sich (meist) nicht leisten kann. Hmm. @Arnold: Auch wenn die bisherigen Kommentare todernst daherkommen und sich auf Fakten zu stützen scheinen, werde ich den Eindruck nicht los, dass der ganze Artikel nicht ganz ernst gemeint war.
    Für den Fall, dass doch (schwer vorstellbar) und unabhängig von der Tatsache, dass interessante Gewerbeflächen immer ihren Preis haben: Was hindert einen Kreativen daran, seine Ideen auch in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung am Stadtrand zu entwickeln??
    Oder anders: Kann der Steuerberater sich nur in ödem Großstadtmief wohlfühlen, wo hingegegen der, sagen wir mal, Designer seine Loft-Kommune am See braucht???

  • #5
    Arnold Voß

    Wie gesagt, gute Ideen sind prinzipiell an keinen bestimmten Ort gebunden. Häufig sind sie in schlichten Garagen in irgendwelchen Vorstädten entstanden, ja sogar prototypisch umgesetzt respektive gebastelt worden. Oder,was rein geistige Werke betrifft, in noch abgelegeneren (Denk)Klausen. Und natürlich auch auf freiem Feld und in ärmlichen Kleinstwohnungen. In Zeiten des Internets ist das sogar leichter denn je.

    Was ich beschreibe, und das natürlich nicht gänzlich ohne Ironie,ist der aktuelle gesellschaftliche und vor allem sozialräumlichen Ausdruck dessen was zur Zeit als „Kreative Klasse“, bezeichnet wird. An dieser neuerlichen Erscheinungsform der uralten Kreativität und ihrer Matadoren ist ntürlich auch eine Menge Hype. Aber eben nicht nur.

  • #6
    Stefan Laurin

    @Arnold: Vieles davon erschließt sich doch erst, wenn man es mit dem Begriff Gentrifizierung in Verbindung bringt. Wenn Städte auf die „Kreative Klasse“ setzen dann ist das doch immer auch eine Immobiliengeschichte – die im Ruhrgebiet kaum klappen kann, weil es auch in den „angesagten“ Quartieren noch immer jede Menge bezahlbaren Raum gibt.

  • #7
    Arnold Voß

    Nein nicht unbedingt. Das gilt vorrangig in „Boomtowns“, in denen die letzten billigen Viertel durch die sogenannten „Kreative Klasse“ erobert werden. In Berlin ist das Thema „Gentrifizierung“ erst ganz zum Schluss aufgetaucht und wird nach meiner Einschätzung von den Betroffenen übetrieben dargestellt. In Ruhr, sprich in einer schrumpfenden Stadtregion, besteht diese Gefahr so gut wie gar nicht.

    Die Immobilienleute sind in Berlin auch nicht von Anfang an dabei gewesen sondern auf einen Zug aufgesprungen, der von selbst in Fahrt gekommen ist. Dann allerdings haben sie in den „angesagten“ Vierteln eindeutige den Führerstand übernommen. In den „Boomtowns“ dagegen sind sie immer und von Anfang an dabei.

  • #8
    Michael Kolb

    Manchmal kann ich mir das „ja aber“ einfach nicht verkneifen… Das Ruhrtal ist also die Wollmilchsau, zum Eierlegen fehlt ihr nur die Nahverkehrsanbindung… in einem anderen Artikel der Serie war das Fahrrad das angesagte Verkehrsmittel der Kreativen. Mit den richtigen Waden und ausreichendem Luftdruck ist man vom Ruhrtal aus, je nach Fahrtrichtung, nach einer dreiviertel Stunde entweder im „urbanen Leben“ oder in Hagen, aber das ist ja schon auf der falschen Seite der Ruhr und somit Sauerland. Störend ist anschließend nur der durch Zersetzungsprozesse entstehende Geruch von austretenden Flüssigkeiten.
    Was der Artikel deutlich mach ist vor allem, daß es komplett undeutlich ist, wer der Kreative überhaupt ist, daß es _den_ Kreativen so überhaupt nicht gibt, daß die Bedürfnisse unterschiedlich sind.

  • #9
    Michael Kolb

    Einen kleinen hab‘ ich noch… bezogen auf die Uhrzeit der musischen Küsse. O.K. ich gebe zu, wenn ich eine Kreissäge hätte, ich würde sie manchmal auch nach 22.00 Uhr anwerfen wollen, grundsätzlich stellt sich aber die Frage, ob ich sie in den Zeiten der „Nachtruhe“ auch unbedingt anschmeißen muß. Gerade wird „hier“, im blog, deutlich, daß kreativ sein kann und trotzdem die Nachtruhe einhält. Meine Beiträge werden nicht freigeschaltet, weil die Verantwortlichen schlicht und ergreifend pennen, oder Schwedenröllchen verdauen, wollen. Die räumliche Gemeinsamkeit von Atelier/Werkstatt und Schlafstätte mag manch „Kreativen“ sogar als Belastung erscheinen… mir geht es zum Beispiel ziemlich auf die Nüsse morgens sehen zu müssen, was ich gestern nicht mehr geschafft habe… oder irgendwann den 17. Kaffee gebraut zu haben und vor Schuldgefühlen zu vergehen, weil immer noch kein Strich auf dem Papier ist 😉

  • #10
    Arnold Voß

    Michael, natürlich ist das was zur Zeit unter die „Keativen“ subsumiert wird äußerst vielfältig bzw.je nach Autor und Position unterschiedlich und damit auch relativ unklar.Ich werde mich dazu in den kommenden Teilen der Serie noch mal äußern.

    Aber wenn du z.B den Stress von materialorientierten Künstler, Architekten usw. vor Präsentation/Ausstellungen und Ähnlichem kennst, oder die Probe-Not von Musikern die keine digitalen Instrumente spielen, dann wird Lautstärke außerhalb der zulässigen Zeiten sehr wohl zum Problem.

    Was das Fahrrad, betrifft, so hängt (außer für die Hardcorefraktion) seine Nutzung nicht nur von der Entfernung sondern für die meisten auch vom Wetter ab. Deswegen ist die Radnutzung nicht ohne bzw. nur in Kombination mit dem Nahverkehr zu betrachten.Für Dauer-Autofahrer gelten solche Probleme natürlich nicht.

    Natürlich kann man als kreativ Arbeitender auch Wohnen und Arbeiten räumlich trennen. Aber wenn dir gerade was einfällt und du kein Schreiberling und/oder Monitorling bist sondern einer der materiell arbeitet, oder ein großes physisches Archiv braucht usw. dann ist die unmittelbare Nähe zum „Werk“ schon sehr hilfreich.

    Es ist schwieriger zwei verschieden Orte/Räumlichkeiten in fußläufiger/fahrradgemäßer nähe zu finden als einen zu suchen, in dem alles zusammen ist. Dazu ist die letzte Lösung für Leute die z.B. als Freiberufler für Wohnung u n d Arbeitsstätte aufkommen müssen in der Regel billiger.

  • #11
    Jens König

    @Michael: Kreissäge kann ich Dir leihen. Auch einige andere sicherlich laute Gerätschaften; wir könnten dann gemeinsam ab 22:00 musizieren (oh mann, ist das achtziger).
    Z.Thema Arbeit/Wohnen: Selbst wenn es mal als Belastung empfunden werden sollte, so glaube ich doch, dass es für die meisten mehr Vor- als Nachteile bringt. Was Dein Beispiel angeht: So kannst Du Dich prima beim Frühstück mit dem Arbeitsrückstand anfreunden und bei Arbeitsbeginn ist alles in Butter, so schlägt nicht alles über Dich drein, wenn Du in’s Bureau kommst.

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