Ruhrgebietsimage: Noch nicht einmal lieb und doof

Duisburg Foto: Stefan Laurin

Weder wie Wowereits Berlin „Arm, aber sexy“ und noch nicht einmal „Lieb, aber doof“: Die Städte des Ruhrgebiets sind nicht sympathisch und an ihre Zukunft glaubt eh keiner.

Das Urteil von Brandmeyer Markenberatung ist wenig überraschend, kurz und hart: „Trotz Kulturhauptstadt Europas: Die Wahrnehmung der Ruhrgebietsstädte hat sich tendenziell weiter verschlechtert.“ Über 5000 Menschen befragte das Hamburger Unternehmen, das  für Kunden wie Dr. Oetker, Henkel und den Deutschen Sparkassen- und Giroverband Markenanalysen durchführt  und Markenstrategie entwickelt, nach ihrer Meinung zu den 50 größten Städten Deutschlands. Abgefragt wurde unter anderem als wie  sympathisch eine eine Stadt  empfunden wird, ob es gute Gründe gibt , in ihr zu wohnen und zu leben, ihr Ruf, ihre Attraktivität und wie ihre Zukunftsfähigkeit. Das Ergebnis ist für das Ruhrgebiet verheerend:

Rang Punkte Stadt
1 7,6 Hamburg
2 7,3 München
3 7,2 Köln
4 7,1 Dresden
5 7,1 Freiburg
6 7,1 Berlin
7 7 Nürnberg
8 6,9 Lübeck
9 6,9 Münster
10 6,8 Potsdam
11 6,6 Augsburg
12 6,6 Kiel
13 6,5 Leipzig
14 6,5 Düsseldorf
15 6,4 Stuttgart
16 6,3 Aachen
17 6,3 Bremen
18 6,1 Mainz
19 6,1 Rostock
20 6,1 Hannover
21 6 Frankfurt/Main
22 6 Erfurt
23 6 Wiesbaden
24 5,9 Schwerin
25 5,9 Karlsruhe
26 5,9 Oldenburg
27 5,7 Wuppertal
28 5,7 Bonn
29 5,6 Kassel
30 5,6 Saarbrücken
31 5,6 Osnabrück
32 5,5 Mannheim
33 5,5 Magdeburg
34 5,5 Braunschweig
35 5,4 Ludwigshafen
36 5,2 Leverkusen
37 5,1 Dortmund
38 5,1 Essen
39 5 Bielefeld
40 5 Mülheim/Ruhr
41 5 Mönchengladbach
42 5 Halle (Saale)
43 4,9 Oberhausen
44 4,9 Chemnitz
45 4,8 Hamm
46 4,8 Bochum
47 4,7 Hagen
48 4,6 Krefeld
49 4,3 Gelsenkirchen
50 4,2 Duisburg

Quelle: Brandmeyer Markenberatung

Dortmund schneidet mit einem miesen 37. Platz noch am besten aller Ruhrgebietsstädte ab. Unter den letzten zehn drängeln sich dann die Revierkommunen. Millionen für teure Imagekampagnen, aufwändige Events wie die Kulturhaupstadt haben nichts daran geändert, dass das Ruhrgebiet einen schlechten Ruf hat. Woran das liegt? Die Menschen lassen sich nicht durch Reklame blenden. Sie wissen, dass das Ruhrgebiet wirtschaftlich am Boden liegt und die Zukunftschancen hier schlechter als in anderen Regionen und Städten sind. Die Menschen sind nicht dumm, sie sind sogar schlauer als die Werber, die für das Ruhrgebiet und seine Städte arbeiten – und auch schlauer, als diejenigen, die diese Werber beauftragen.

 

 

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9 Kommentare

  1. #1 | Philipp sagt am 13. November 2020 um 14:29 Uhr

    Ich bleibe dabei: Dortmund gewinnt durch gemeinsame Ruhrgebietsimagekampagnen nix.

    Aus einem anderen Thread (Re:Dortmund)

    Warum nicht gleich mit sich selbst werben?

    Mit Gründerzeitbauten in der Nordstadt, deren Miete man in Berlin kaum noch bezahlen kann
    mit einem bockstarken BVB, deren gewaltige Stehplatztribüne man gut in Szene setzen kann
    mit familientauglichen Gründstücken im Ruhrtal, die ruhig auch in Schwerte sein können
    mit ausgedehnten Radtouren im Sauerland, auch wenn Andreas Hollstein nicht OB wird.

    Das sind konkrete Dinge und starke Bilder – und ein Markenkern, der über all das Wischi-Waschi-Wirgebiet hinausgeht und sich nach außen sicher gut kommunizieren lässt.

  2. #2 | Harry sagt am 13. November 2020 um 15:00 Uhr

    500 Leute wurden zu 50 Städten befragt? Das sind aber nicht besonders viele. Wer wurde befragt? Mussten Hamburger ihre Meinung über Bochum abgeben? Ich muss zugeben, dass ich in den meisten der gelisteten Städte nie länger als einen Tag war (wenn überhaupt). Entsprechend fundiert wäre dann auch meine Aussage über den Sympathiewert dieser Städte. Sollten die 500 Leute nur ihre jeweils eigene Stadt bewertet haben, dann würde das zeigen, dass die Bürger des Ruhrgebiets sehr selbstkritisch auf ihre Städte schauen. Das Genörgel über das Ruhrgebiert ist nirgendwo verbreiteter als im Ruhrgebiet. Nicht umsonst ist der Autor des Artkels auch ein Ruhri.

  3. #3 | Ruhr Reisen sagt am 13. November 2020 um 15:20 Uhr

    Woran es auch liegt? Es gibt in dieser 5-Milionen-Enklave weder vernünftige eigene Marketing-, PR-Strategen, noch eine seriöse, spannende, unabhängige Presse, die in irgendeiner Weise auf das Ruhrgebiet eingeht. Inhalte gäbe es genug.

  4. #4 | Thomas Beckmann sagt am 13. November 2020 um 16:02 Uhr

    Ich würde es mal mit wirklich richtig guten Schulen, Unis und einer guten Infrastruktur versuchen. Aber mich fragt ja niemand……

  5. #5 | Thomas Beckmann sagt am 13. November 2020 um 16:03 Uhr

    ach ja…. ein bisschen saubermachen kann auch nicht schaden!

  6. #6 | Stefan Laurin sagt am 13. November 2020 um 16:41 Uhr

    @Harry_ Sorry. Fehler von mir. Es waren 5.000.

  7. #7 | Hermann B. sagt am 13. November 2020 um 22:24 Uhr

    Ich habe früher auch negativ geurteilt über das Ruhrgebiet ,als Münsteraner, obwohl ich die Region nicht kannte, und so wirds auch bei den meisten der 5000 Befragten sein! Diese Umfragen sagen nix aus. Lebe seit 6 Jahren im Ruhrgebiet und finds gut hier, habe heute noch mit einem jungen Berliner ,der in Bochum lebt gesprochen , der Berlin verlogen findet und das Revier sehr schätzt. Das sind authentischere Aussagen und positive Urteile zum Ruhrgebiet habe ich schon von vielen Zugezogenen gehört!

  8. #8 | Berthold Grabe sagt am 14. November 2020 um 13:55 Uhr

    Solche Beurteilungen geben keine Realitäten wieder ,aber sie beschreiben die Attraktivität für Investitionen.
    Unsere Wirtschaft hängt primär von Kapital und damit mittelbar von Image ab und eben nicht von Leistungs- oder Innovationsfähigkeitfähigkeit, was Beides die Stärken des Ruhrgebietes waren.
    Das Ruhrgebiet war seine lesitungsfähige aber auch selbstbewusste Arbeitnehmerschaft bekannt, Beides ist für die Renditen von Kapitalisten nicht wirklich attraktiv solange man andernorts mehr Profit durch Ausbeutung herausschlagen kann.
    Machen steht nun mal heute im Gegensatz zu "verwalten" nicht hoch im Kurs.

  9. #9 | Spanger sagt am 15. November 2020 um 20:53 Uhr

    Was ist aus den 10-jährigen eines Stadtteils des Ruhrgebiets nach 30 Jahren geworden?

    Antwort: Der größte Teil ist weg!

    Die Zurückgebliebenen sieden weiter im Image von Duisburg, Dortmund und Ruhrpott.
    Die Mehrheiten des Reviers fordern nicht die Eliten und die sind das auch gar nicht gewohnt.

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