Ruhrtriennale wegen Corona abgesagt

Nordstadt Phantasien von Schorsch Kamerun bei der Ruhrtriennale in Dortmund – Credit: Christoph Sebastian

Der Aufsichtsrat der Kultur Ruhr hat einstimmig die Absage der diesjährigen Ausgabe der Ruhrtriennale beschlossen. Als Grund wurde in einer Pressmitteilung die „Gesundheit des Publikums, der Künstlerinnen und Künstler sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ angegeben.

Die Entscheidung überrascht nicht: Bis zum 31, August sind alle Großveranstaltungen in der Bundesrepublik untersagt. Trotzdem hieß es zunächst auf der Homepage des Festivals lapidar, es könne  „zu Änderungen im Spielplan der Ruhrtriennale 2020 kommen.“ Es soll bis zuletzt   daran gearbeitet worden sein, zumindest Teile des Programms online zu zeigen. Das Schauspiel Dortmund wird diesen Weg gehen.

Intendantin Carp ist mit der Entscheidung auch nicht zufrieden: „Ich bedaure“, lässt sie in eine Pressemitteilung wissen, „die Entscheidung der Gesellschafter und des Aufsichtsrats und halte die Entscheidung vor allen Dingen für viel zu verfrüht (…) Wir hätten erstaunliche und unvergessliche Kreationen erleben können. Diese Chance ist leider durch voreiliges Absagen verspielt worden.“ Die Ruhrtriennale wäre mit den großen Räumlichkeiten in der Lage gewesen, die Sicherheit der Besucher zu garantieren und trotzdem künstlerisch besondere Lösungen zu finden.  „Es scheint, dass die Theater im September wieder öffnen dürfen“, droht Carp: „Ich werde versuchen, für einige Projekte der Ruhrtriennale neue Aufführungsorte in Nordrhein-Westfalen zu finden, um so ein paar der Produktionen dennoch zu zeigen.“

So richtig und nachvollziehbar die Entscheidung auch ist,  so bequem war sie auch. Der Aufsichtsrat konnte sich so um eine inhaltliche Auseinandersetzung um die Pläne von Noch-Intendantin Stefanie Carp drücken, den Historiker und Politologen Achille Mbembe die Eröffnungsrede halten zu lassen. Mbembe hatte zum Boykott Israels aufgerufen und unterstützte den BDS. Dieses Blog berichtete mehrfach darüber und setzte damit, wie auch schon 2018 anlässlich des geplanten Auftritts der Band und BDS-Unterstützer Young Fathers, eine Debatte in Gang.

Carp, deren Vertrag turnusgemäß im Herbst ausläuft und deren Nachfolgerein Barbara Frey bereits seit dem vergangenen Jahr feststeht, war eine absolute Fehlbesetzung: Durch die Einladung der Young Fathers und Achille Mbembes öffnete sie die Festivalszene für Anhänger der antisemitischen BDS.Kampagne. Sie beschädigte so die Ruhrtriennale. Und gab dem Aufsichtsrat des Festivals die Gelegenheit, sich selbst zu beschädigen: Auf klare Worte gegen Carp wartete man vergebens. Ein Neustart unter Frey ist nur möglich mit einem neu gewählten Aufsichtsrat und einer neuen Geschäftsführung. Sie alle, nicht nur Carp, haben sich disqualifiziert, Verantwortung für die Ruhrtriennale zu übernehmen. Wer keine klare Haltung gegen Antisemitismus findet, wem postmoderne, ideologische Spinnereien  wichtiger sind als eine klare Haltung gegen Judenhass, sollte gehen – oder gegangen werden.

 

 

 

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MARTIN MAHADEVAN
MARTIN MAHADEVAN
4 Jahre zuvor

Bleibt nur zu hoffen, dass der grosse
afrikanische Gelehrte und brilliante, messerscharfe
Israel-Analytiker Mbembsi sein üppiges
Honorar vom deutschen Steuerzahler trotzdem spendiert bekommt, auch wenn seine Rede leider
ausfällt. So wie man den Kulturbetrieb, Stichwort Ausfallklausel, kennt, wird das auch der Fall sein.
Kein Problem, ist ja nicht das Geld einer
Frau Carp. Die verschwindet idealerweise in der
Versenkung, aber da hofft man wahrscheinlich
vergeblich. Vielleicht findet die was Nettes im
Iran. Viel Erfolg !

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