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Schmelzer kommt seiner ‚Entmachtung‘ wohl nur zuvor, tritt als BVB-Kapitän zurück

Foto aus glücklicheren Zeiten. Schmelzer (Mitte) verlängert seinen Vertrag in Dortmund. Foto: BVB

Marcel Schmelzer, zuletzt einer der wohl häufigst diskutierten Spieler im seit Monaten schwächelnden BVB-Kader, hat von sich aus die Konsequenzen aus der andauernden Kritik gezogen und ist am Abend vom Kapitänsamt beim DFB-Pokalsieger von 2017 zurückgetreten.

Zwei Jahre lang trug Schmelzer, der aktuell mit der Mannschaft in Kalifornien weilt, die Binde, „zwei anstrengende und intensive Jahre, die sehr kräftezehrend waren“, wie der 30-Jährige nun auf der BVB-Website erklärte. „Es ist meine Entscheidung. Ich glaube, dass es so das Beste ist.“

Mit der Einschätzung, dass es so ‚das Beste‘ sei, dürfte er nicht alleine stehen. Unzählige Fans forderten seit Monaten, dass der scheidende Trainer Peter Stöger, der Schmelzer in der Endphase der Saison teilweise auf die Tribüne verbannte, da seine Leistungen für den 18-er-Kader der Borussen bereits nicht mehr ausreichten, sich doch bitte einen anderen Träger der Binde suchen solle.

Jetzt hat Schmelzer die Degradierung selber vollzogen. Das ehrt ihn. Der Abwehrspieler war in diesem Amt von Anfang an eine eher unglückliche Wahl. Zwar gehörte er vor zwei Jahren noch zur Führungsriege der Schwarzgelben, da er das auch mit entsprechenden Leistung unterfüttern konnte, doch wuchsen im Laufe der Zeit mehr und mehr die Zweifel, ob er wirklich ein guter ‚Kapitän‘ sei.

Zwar fiel Schmelzer immer wieder durch durchaus markige Worte gegenüber den Medien auf, doch folgten viel zu selten entsprechende Taten auf dem Platz. Auch intern konnte der bekennende Hundeliebhaber es nicht erreichen, dass das Team der Schwarzgelben wieder mehr Konstanz in die eigenen Leistungen bringen konnte, so wie er es in seinen Worten immer wieder einforderte. Wie auch, wenn ihm das nicht einmal mit der eigenen Leistung gelingen wollte?

Nun hat Schmelzer die Konsequenzen gezogen, bevor er wohl ohnehin von anderer Stelle ‚entmachtet‘ worden wäre. Das ehrt ihn natürlich einerseits, andererseits ist es aber auch unvermeidlich gewesen, wenn er zumindest den Eindruck der Selbstbetimmtheit einigermaßen wahren wollte. Gestern ist bekanntlich Lucien Favre als neuer BVB-Trainer offiziell angekündigt worden. Vieles deutet somit aktuell als Marco Reus als neuen Teamkapitän hin, da Reus und Favre sich noch aus gemeinsamen Tagen in Mönchengladbach kennen und wohl auch sehr schätzen.

In den nächsten Wochen dürfte sich für Schmelzer ohnehin noch eine ganz andere Diskussion ergeben, auf die der 30-Jährige dann nur noch bedingt Einfluss haben wird: Plant der BVB eigentlich seine Zukunft überhaupt noch mit dem Spieler Schmelzer, oder wird er nicht auch Teil des für den Sommer angekündigten Umbruchs sein, wie viele Fans erwarten?

Und dann dürfte sich für Schmelzer wahrscheinlich schon die nächste, viel wichtigere Frage stellen: Gehe ich lieber ganz, oder nehme ich tatsächlich in Kauf womöglich weite Teile der persönlichen Zukunft in Dortmund auf der Tribüne oder gar in der zweiten Mannschaft des Klubs verbringen zu müssen?

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5 Kommentare zu “Schmelzer kommt seiner ‚Entmachtung‘ wohl nur zuvor, tritt als BVB-Kapitän zurück

  • #1
    Aquii

    ob er geht, macht er bestimmt von seinem Vertrag abhängig, Dauer der Laufzeit und Gehalt. Sind noch zwei Jahre Restlaufzeit, dann lohnt es sich bestimmt finanziell auch mal zukucken zu dürfen, wenn elr einen guten Berater hat und ein Club in Ausland noch Interesse, dann könnte ich mir auch eine Einmalzahlung zum Abschied vorstellen. Es bleiben aber noch ein paar, die dann aussortiert werden sollten.

    Neuverpflichtungen fehlen gänzlich, zumindest im Bereich der Spieler, die nicht starr im 16 verharren, mal abwarten was da kommt. Generell bleibe ich bei meiner Meinung, das es mit dem neuen externen Berater und dem neuen Übungsleiter nicht passt. Es sieht mir nach einer merkwürdigen Saison aus im Osten des Ruhrgebiets. Sicherheitshalber werde ich mit der Bude meine Vertrauens eine Chipsflatrate vereinbaren um mich genüsslich genießend zurückzulehnen und die Comedy aus der Ferne beobachten. Ein Club muss ja die Rolle des HSV einnehmen und für Schlagzeilen sorgen, es wird ein hartes Duell mit dem Autoclub aus Ostniedersachsen. Allerdings besteht auch die Gefahr, das es in den Bereich des Dramen geht, da reagiere ich dann flexibel und bringe roten Wein und Käse zum Einsatz.

    Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: Favre passt nicht und schon gar nicht in Verbindung mit Sammer.

  • #2
    Klaus Lohmann

    "..ein Club in Ausland noch Interesse" – Usbekistan? Weit genug entfernt von westlichen Medien, die über seine Anbiederei, Laberei und immer mehr abfallende Leistung berichten, wäre es ja schon. Und in der Euro-League würde man sich in den nächsten Jahren evt. wiedersehen;-)

  • #3
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    In Sachen Favre bin ich übrigens auch gespannt. Ist wohl viel Ähnlichkeit zu Tuchel da, also, vom Charakter her. Sehr schwierig im Umgang, sehr launig usw.. Wenn man Tuchel wegschickt, warum holt man dann Favre? Leuchtet mir so gar nicht ein. Das wird fraglos wieder sehr spannend. Aber als Typ mag ich ihn. Aber ich bin ja auch ein Tuchel-Befürworter beim BVB gewesen 😉 Schmelzer werde/würde ich hingegen weniger vermissen. Der BVB braucht mehr Typen. Und genau das ist er nicht. So nett sein Engagement für herrenlose Hunde im Süden auch sein mag. 😉

  • #4
    Walter Stach

    Schmelzer,
    endlich!!
    Und wenn das der erste Schritt in Richtung Abschied vom BVB sein sollte, um so besser -für den BVB und vermutlich auch für Schmelzer.

    Favre,
    mit Sammer und Kehl
    und unter Führung von Watzke/Zorc…..

    Da stellt sich folglich nicht nur die Frage nach den "Qualität des Trainers", besser wohl, die nach seiner Geeignetheit bezogen auf die derzeitige sportliche Verfassung der Mannschaft und bezogen auf die sportlichen Ansprüche des BVB, sondern auch die Frage, ob und wie die Genannten miteinander "auskommen" werden.
    Ich bin mir keiner Antwort auf diese Fragen gewiss.

    Und Tuchel?
    Für PSG gut genug, aber nicht für den BVB.
    Irre!!!

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