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Marco Reus ist die logische Wahl als BVB-Kapitän – und belegt zugleich das Problem des Klubs

Foto: Robin Patzwaldt

Seit diesem Wochenende ist es offiziell: Der neue Kapitän von Borussia Dortmund für die bevorstehende Saison heißt Marco Reus! Nach dem Rücktritt von Vorgänger Marcel Schmelzer, den dieser wohl notgedrungen verkündete bevor man ihm den Posten nach dem abermaligen Trainerwechsel ohnehin bald entzogen hätte, die logische Wahl. Trotzdem zeigt die Entscheidung, dass der BVB unverändert ein großes Problem hat. Denn der ideale Kandidat für den Job ist Reus eben ganz offensichtlich auch nicht.

Früher hatten die Schwarz-Gelben ständig gleich haufenweise echte Führungsspieler im Kader. Von Zorc und Sammer über Kehl bis hin zu Hummels. In den erfolgreichsten Zeiten der letzten Jahrzehnte zeichnete sich der Kader der Borussen stets durch eine klare Hierarchie aus. Es gab wenige Häuptlinge, einige Künstler und eine Menge von klassischen Arbeitern. Einen Kapitän und einen Mannschaftsrat zu bestimmen war stets eine relativ einfache Angelegenheit, die auch Außenstehende leicht nachvollziehen konnten. In den letzten Jahren, bedingt durch die große Personalfluktuation und durch viel zu viele recht ungeschickt anmutende Transfers, fällt es immer schwerer diese unumstrittenen Anführer klassischer Ausprägung im BVB-Kader zu entdecken.

Dass es ein eher schüchterner und spielerisch zudem leicht angreifbarer Spieler vom Format eines Marcel Schmelzer in diese Position bei einem vermeintlichen Spitzenteam geschafft hat, ist unbestreitbar einer der Gründe für die schwierigen Zeiten, die die Dortmunder zuletzt durchmachen musste.

Schmelzer hatte als Mannschaftskapitän in der Öffentlichkeit einfach nicht das Format, das Spieler eines Kalibers von Sammer, Kehl, Effenberg oder Kahn hatten, die allesamt unumstrittene Leader ihres jeweiligen Teams waren, dies tagtäglich vorwiesen.

Wenn Schmelzer über die Truppe redete, konnte er seine Worte zudem zu selten durch eigenes vorbildhaftes Verhalten untermauern. Fans wünschten sich zu Tausenden seine Abberufung oder gar Nichtberücksichtigung auf dem Rasen. Für diese Amt eine wahre Katastrophe. Zudem fragte man sich ständig, warum er diesen Fehlentwicklungen, wenn er sie denn erkannt zu haben glaubte, nicht schon deutlich eher intern entgegengewirkt hatte.

Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der BVB Sammer nun als externen Berater wieder zurück in den Klub geholt hat. Dem BVB fehlt es halt an diesen herausragenden Persönlichkeiten, die auch einmal bereit sind interne Widerstände zu brechen, unangenehme Wahrheiten frühzeitig auszusprechen, wenn eben noch nicht jeder Außenstehende sie ebenfalls erkennen kann.

Dass Reus nun der offizielle Anführer der Truppe sein wird, ist eine derzeit bisher alternativlose Entscheidung. Die Ideallösung ist das allerdings beileibe nicht.

Reus ist ebenfalls eher ruhig, nicht unbedingt ein Spielertyp, der gegenüber den Medien selbstbewusst und souverän auftritt.

Das Problem der fehlenden Mannschaftsstruktur lässt sich eben nicht in einer Transferperiode lösen. Sollte es den Dortmundern tatsächlich gelingen einen Axel Witsel ins Revier zu lotsen, er wäre sicherlich ein Kandidat für die Zukunft. Doch auch er bräuchte, wie der frisch hinzu gewonnene Thomas Delaney, den der BVB für 20 Mio. Euro aus Bremen verpflichten konnte, Zeit in die Mannschaft hineinzuwachsen. Beide wären grundsätzlich jedoch dieser Typ von Spieler, um den herum sich eine Hierarchie bilden, sich eine neue Struktur im Kader ausprägen könnte.

Ein Marco Reus ist dies nur sehr eingeschränkt. Zumal dieser zu Verletzungen neigt, mit hoher Wahrscheinlichkeit einen nicht unbeträchtlichen Teil der ins Haus stehenden neuen Spielzeit erneut wird aussetzen müssen.

Insofern ist die Wahl von Reus zwar unbestritten ein Fortschritt, denn sportlich ist Reus im Gegensatz zu Schmelzer über jeden Zweifel erhaben. Allerdings ist auch das eben alles andere als die Ideallösung für den Posten.

Die Mannschaftsstruktur ist und bleibt so einer der großen Schwachpunkte im Dortmunder Kader. Und dafür tragen Aki Watzke und Michael Zorc die Hauptverantwortung.

Das sollte in diesen Tagen nicht ganz vergessen werden…

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Ein Kommentar zu “Marco Reus ist die logische Wahl als BVB-Kapitän – und belegt zugleich das Problem des Klubs

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    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Kam vorhin frisch vom BVB rein. Ich pack das heute einfach mal hier hin:

    Axel Witsel im BVB-Trainingslager angekommen

    Borussia Dortmund steht vor der Verpflichtung des belgischen Nationalspielers Axel Witsel (29). Der WM-Dritte stieß am heutigen Mittag zum BVB-Team, das in Bad Ragaz (Schweiz) gerade sein Sommer-Trainingslager absolviert.

    Witsel hatte am Sonntag fristgerecht von der in seinem Arbeitsvertrag mit dem chinesischen Klub Tianjin Quanjian verankerten Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht. Borussia Dortmund wiederum hatte Tianjin Quanjian mitgeteilt, dass es bereit ist, die festgeschriebene Ablösesumme zu entrichten.

    Witsel hat sich mit dem BVB auf eine bis zum 30. Juni 2022 datierte Zusammenarbeit geeinigt. Der Transfer soll innerhalb der kommenden Tage noch formal über das „FIFA TMS“ abgewickelt werden.

    Witsel zieht seit Jahren die Fäden im zentral-defensiven Mittelfeld des WM-Dritten Belgien (96 Länderspiele/9 Tore). Mit seinen Vereinsmannschaften Standard Lüttich (2008 und 2009) sowie Zenit St. Petersburg (2015) feierte er jeweils die nationale Meisterschaft und verfügt zudem über die Expertise aus 40 Spielen (2 Tore) in der UEFA Champions League.

    Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc betont: „Wir sind seit vielen Monaten stark daran interessiert gewesen, Axel Witsel zu verpflichten und sehr froh, dass er sich für Borussia Dortmund entschieden hat. Axel ist ein Spieler mit großer internationaler Erfahrung, der alle Fähigkeiten mitbringt, um das zentrale BVB-Mittelfeld zu prägen: taktisches Verständnis, Zweikampfstärke, Tempo, Kreativität und Mentalität.“

    „Nach der WM war es mein Ziel, aus China zurück nach Europa zu wechseln“, sagt Axel Witsel. „Ich bin total happy und auch stolz, bald für den BVB spielen zu dürfen. Nach unserem ersten Gespräch musste ich nicht mehr lange überlegen, denn Borussia Dortmund ist für mich einer der besten Klubs auf dem Kontinent. Ganz ehrlich: Ich kann es gar nicht erwarten, vor 81.000 Menschen aufzulaufen.“

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