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Skandal um Burbacher Flüchtlingsheim: ziehen Rechte und Rocker die Strippen?

burbach3Der Skandal um das Burbacher Flüchtlingsheim scheint sich auszuweiten. Mitarbeitern des DRK und der Security-Firma waren systematische sexuelle Übergriffe auf Frauen vorgeworfen worden. Neue Recherchen zeigen, dass hinter den Angeschuldigten ein rechtes Netzwerk aus Rockern steht.

Likes bei der NPD und rechten Verschwörungsseiten, Putin- und Russlandkitsch, ein einschlägiger Motorradclub – wer sich durch die Online-Profile von Mitarbeitern der BEWA-Securitiy aus Siegen klickt, gerät schnell in einen Sumpf aus rechtsradikalem Gedankengut, ultramaskulinem Gepose und Bezügen zum Rocker-Milieu. Die Sicherheitsfirma, die in mehreren Flüchtlingsheimen Aufträge hält, gleitet nun erneut ins Schlaglicht. Gegen Mitarbeiter der Firma wird seit Anfang Juni ermittelt, weil der Verdacht im Raum steht, dass sie Frauen in einem Flüchtlingsheim in Burbach systematisch sexuell ausgebeutet haben könnten, in einem Fall geht es um eine Entführung mithilfe von K.O.-Tropfen. Außerdem war zutage getreten, dass die Heimleitung, die das Deutsche Rote Kreuz 2014 vom Skandalbetreiber European Homecare übernommen hatte, mit ehemaligen BEWA-Mitarbeitern aus einem Nachbarheim besetzt ist. Diese Rotationspraxis scheint keine Ausnahme zu sein.

Die Bezirksregierung in Arnsberg, die mit einer „Task Force“ das Geschehen aufarbeitet, hatte eingeräumt, dass sie die Auswahl der Sicherheitsmitarbeiter nicht selber vornehme und prüfe, sondern dies der jeweils örtlichen Leitung überlasse. Wohl mit fatalen Konsequenzen: mehrere Mitarbeiter der Siegener Sicherheitsfirma stehen zusätzlich über die „Watchman True Brothers Crew“ zueinander in Verbindung, (wobei „Watchman“ mit „Wachmann“ bzw. „Wächter“ übersetzt werden kann), ein Motorradclub, der sich offiziell dem „Iron Order“-Motorradclub zurechnet. Dieser wiederum wurde 2004 in den USA gegründet und rekrutiert sich dort vornehmlich aus Mitarbeitern von Polizei, Justizvollzug, Sicherheit und Militär. Wie die Daily Mail etwa im Februar berichtete, lieferten sich Iron Order-Mitglieder z.B. in Denver eine Auseinandersetzung mit den rivalisierenden Mongols, bei der unter anderem ein feindlicher Rocker erschossen wurde. Es steht immer wieder der Verdacht im Raum, dass sich Iron-Order-Mitglieder über ihre Kontakte zur Polizei vor Strafverfolgung schützen.

Einem Mitarbeiter, der die BEWA im April verließ, Patrick N., gefällt die NPD, Mitarbeiter Sascha C. postet ein Foto seines mit einem Böhse-Onkelz-Motiv tättowierten Arm, Mitarbeiterin Tatjana B. verbreitet ein Posting von migrantenschreck.ru und huldigt Putin, Toni G. zeigt stolz eine Handfeuerwaffe, Marco H. teilt ein Bild seines neuen Motorrads und Alois M. scherzt in den Kommentaren: „Neuestes Einsatz Fahrzeug der Bewa. Marco putzt du nur oder fährst du auch.??“. M. beschwert sich: „Alle 2 Jahre kommen die Deutschland Fahnen raus WM oder EM und das sage und schreibe für genau 4 Wochen… DANACH GIBT ES DEUTSCHLAND NICHT MEHR…LIEBER VERLIEREN ALS KÄMPFEN…“, außerdem ist er Mitglied der Facebook-Gruppe „Biker und Triker gegen Gewalt von Flüchtlingen“. Pascal S. beschwert sich, dass er diese Woche 64,5 Stunden für die BEWA arbeiten musste und postet ansonsten gerne Biker-Content. Die Seite der Watchman True Brothers Crew wiederum teilt ein Posting von „Bündnis gegen Linksextremismus und Deutschenfeindlichkeit“, in dem es unter anderem heißt: „(…) Gabriel beschimpft uns als „Pack“ (…) und diese verkommenen Gestalten wollen UNS erzählen, was wir zu tun und zu lassen haben?“.

Bereits 2014 waren Mitarbeiter der BEWA bei Misshandlungsskandalen in Flüchtlingsheimen involviert. Am Dienstag hat es hierzu nun ein erstes Urteil gegeben. Ein Wachmann muss wegen Misshandlungen für 22 Monate ins Gefängnis, ein weiterer erhielt vor dem Amtsgericht Bad Berleburg eine Bewährungsstrafe. Die Kombination aus DRK-Leitung und BEWA-Security findet sich gleich in mehreren Heimen im Siegerland, so auch in Olpe, wo die jetzige Burbacher DRK-Leitung im Dienst der BEWA tätig gewesen ist. Ende 2015 musste der stellvertretende Objektleiter des DRK in Burbach seinen Posten räumen, weil er ein sexuelles Verhältnis zu einer geflüchteten Frau im Heim unterhalten hatte.

Im Nachgang der in Burbach erhobenen Vorwürfe hatte es mehrere Versuche gegeben, Zeugen zu diskreditieren. So wurde mutmaßlich versucht, ihnen Straftaten wie Körperverletzung und Diebstahl anzuhängen. Dem WDR erzählten Mitarbeiter aus der Einrichtung, gegen zwei albanische Geflüchtete, die bei der Polizei ausgesagt hatten, lägen etwa 30 Vorwürfe betreffend Eigentumsdelikte vor – eine Behauptung, die sich nachweislich als falsch herausgestellt hat, solche Vorgänge sind bei der Siegener Kriminalpolizei nicht aktenkundig. Die Vermutungen, bei den beiden albanischen Brüdern handele es sich um notorische Kriminelle, hatte zudem ein Ehrenämtler der Anlage gegenüber der Kamera von WDR Lokalzeit gestützt. Der Mann wiederum arbeitet laut einem Artikel über eine Ehrung seiner Tätigkeit eng mit der DRK-Leitung des Heimes zusammen, koordiniert für sie die Freiwilligen – und war früher Polizeibeamter. Bei den Ermittlungen, die seit 2014 andauern und 270 Vorgänge im Burbacher Heim betreffen, stehen wiederum auch Polizeibeamte im Visier.

Im Verlauf der Recherchen zu diesem Artikel wurde die Facebook-Seite der BEWA deaktiviert, Mitarbeiter löschten die Arbeitsplatz-Angabe von ihren privaten Profilen. Entsprechende Screenshots liegen vor.

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8 Kommentare zu “Skandal um Burbacher Flüchtlingsheim: ziehen Rechte und Rocker die Strippen?

  • #1
    Sven Müller

    Wenn dieser Artikell inhaltlich korrekt ist. Wie können renomierte Firmen wie die Krombacher Brauerei, die Universität Siegen etc. mit diesem Unternehmen zusammen arbeiten?
    Firmennamen entnommen von Webseite www.bewa-security.de / Refrenzen.
    Ausserdem müssen Security Mitarbeiter doch vom Ordnungsamt geprüft werden?

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  • #4
    JB-6

    >>Bereits 2014 waren Mitarbeiter der BEWA bei Misshandlungsskandalen in Flüchtlingsheimen involviert. <<
    Wenn der Artikel korrekt wäre würden die Schreiber wissen das 2014 Bewa da noch garnicht drin war sondern eine andere Security Firma.
    Es war angeblich diese : Firma SKI Security aus Nürnberg
    Quelle: http://www.ess-schobe.de/index.php?id=8&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5&cHash=72c55cf21a29e0de291a18e95c9cdbf1
    Also stimmt DAS zumindest schon mal nicht, somit war es also auch kein Bewa-Mitarbeiter gewesen. Meiner Meinung….

    Wenn die Recherchen ALLE so aussehen, würde es mich mal interessieren WAS überhaupt dann so von dem Artikel stimmt ?

  • #5
  • #6
    Jana Klein Beitragsautor

    Okay, ich bin heut mal nicht so. Aus dem aktuelleren Artikel zum Thema, Pressestatement der DRK Betreuungsdienste Westfalen-Lippe: „Derzeit sehen wir keinen Anlass dafür, unsere Zusammenarbeit mit der Bewa Security GmbH zu verändern. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand handelt es sich im Falle der beiden kürzlich verurteilten Sicherheitsmitarbeiter aus Bad Berleburg um Einzeltäter“.

    Die andere Quelle von 2014 find ich grad nicht. Genügt das?

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  • #8
    JT

    >>Bereits 2014 waren Mitarbeiter der BEWA bei Misshandlungsskandalen in Flüchtlingsheimen involviert. <<
    Wenn der Artikel korrekt wäre würden die Schreiber wissen das 2014 Bewa da noch garnicht drin war sondern eine andere Security Firma.
    Es war angeblich diese : Firma SKI Security aus Nürnberg
    Quelle: http://www.ess-schobe.de/index.php?id=8&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5&cHash=72c55cf21a29e0de291a18e95c9cdbf1
    Also stimmt DAS zumindest schon mal nicht, somit war es also auch kein Bewa-Mitarbeiter gewesen. Meiner Meinung….

    Wenn die Recherchen ALLE so aussehen, würde es mich mal interessieren WAS überhaupt dann so von dem Artikel stimmt ?

    Sehrwohl war die Firma BEWA bereits 2014 als Sicherheitsunternehmen in Burbach tätig. Genaugesagt seit Oktober 2014. Auch scheint den Mitarbeitern der BEWA die Gesundheit der Flüchtlinge und anderer Personen in der ehemaligen Siegerlandkaseren völlig egeal zu sein.
    Wieso hat eigentlich die Sicherheitsfirma BEWA eine eigene Wohnung auf dem Gelände??

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