So geht der Fußball kaputt!

Foto: Robin Patzwaldt

Zum Thema der andauernden Fanproteste im deutschen Profifußball habe ich mich hier bei den Ruhrbaronen seit Wochen ganz bewusst nicht geäußert. Das lag vor allem dran, dass ich zu dem Thema eine zwiespältige Meinung habe. Spätestens seit gestern aber ist für mich klar, dass hier Grenzen massiv überschritten werden. Und zwar von den Ultras, nicht von der DFL.

Als am Freitag das Spiel der 2. Bundesliga zwischen dem Hamburger SV und Hannover 96 (Endstand 3:4) zwischenzeitlich kurz vor dem Abbruch stand, weil im Block der Hannoveraner ein Banner auftauchte, das Klub-Boss Martin Kind in einem Fadenkreuz zeigte, da dürfte auch dem Letzten in diesem Land klar geworden sein, dass es so nun wirklich nicht geht. Das ist unstrittig keine akzeptable Art und Weise seinen Unmut gegen eine Person, eine Vereinsführung auszudrücken!

Konnte man in den vergangenen Wochen über den Sinn und Unsinn diverser Wurfaktionen von Süßigkeiten, Bällen oder sonstigem Gedöns noch trefflich streiten, ob das eine akzeptable Art des Protestes von Teilen der Fans gegen die fortschreitende Kommerzialisierung im Fußball war bzw. ist, überschritt die Aktion der 96-Fans eindeutig alle Grenzen.

War die gut halbstündige Unterbrechung in der Vorwoche beim Spiel der Berliner Hertha gegen den HAV (Endstand 1:2), als der Berliner Block schier unzählige Tennisbälle auf den Platz schleuderte, schon extrem nervig für den überwiegenden Teil der Zuschauer in Stadion und vor den Bildschirmen daheim, ist ein solches Plakat endgültig völlig inakzeptabel.

Was als nachvollziehbare Protestwelle gegen einen Investoreneinstieg bei der DFL vor einigen Wochen einsetzte, droht sich durch die stetige Ausweitung der Aggressivität einiger Fans selber zu schaden.

So muss man als hierbei weitestgehend unbeteiligter Fußballfreund und Beobachter inzwischen fast schon Angst vor den möglicherweise drohenden Aktionen des weiteren Fußballwochenendes haben. Der Freitag, der übrigens auch in Dortmund beim Heimspiel des BVB gegen den SC Freiburg (Endstand 3:0) von einigen kürzeren Unterbrechungen durch Wurfgeschosse geprägt war, droht nur das Vorspiel eines noch chaotischeren Wochenendes in den Stadion der Republik zu werden, als es das vergangene schon war.

Dass die Ultras in dieser Woche zudem ein Gesprächsangebot der DFL rigoros ausgeschlagen haben, darf zudem als weiteres schlechtes Omen gewertet werden. Hier droht offenbar eine Eskalation, wie sie dem Fußball, den diese Fans doch eigentlich retten und beschützen wollen, am Ende nicht guttun kann.

Der Fußball hat in weiten Teilen der Bevölkerung ohnehin keinen besonders guten Ruf. Solche irrwitzigen Aktionen dürften das Ansehen dieser Sportart in weiten Teilen der Bevölkerung eher noch weiter absinken lassen. Und das vor dem Hintergrund, dass Fußball in den Augen vieler ohnehin nur ein willkommener Treffpunkt von Krawallmachern und Dumpfbacken war und ist. Ein Image gegen das ich Zeit meines Lebens immer angekämpft habe, Mitmenschen von der Schönheit und Attraktivität eines Bundesligaspiels zu überzeugen versucht habe.

Spätestens aber, wenn in einem Stadion öffentlich Plakate von Menschen in Fadenkreuzen gezeigt werden, kann man den Vorurteilen, die viele gegenüber dem Fußball hegen, kaum noch widersprechen… Ganz bitter! 🙁

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