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Stoppok im Ruhrbarone-Interview: ‚Wenn ich jetzt 20 wäre, würde ich ins Ruhrgebiet ziehen!‘

Stefan Stoppok. Foto: Thomas Willemsen, Lokomotiv.de

Stefan Stoppok, Jahrgang 1956, gilt seit Jahren als einer der besten deutschsprachigen Musiker. Trotzdem steht er längst nicht so sehr im Rampenlicht einer breiten Öffentlichkeit, wie zum Beispiel seine Kollegen Herbert Grönemeyer oder auch Marius Müller-Westernhagen, die bei ihren Konzerten die ganz großen Hallen oder gar Fußballstadien füllen können. Stoppok spielt seit etlichen Jahren in erster Linie für eine sehr treue Schar von Fans in Clubs und vergleichsweise kleinen Hallen.

Im Februar 2020 hat der in Essen aufgewachsene Songwriter sein 18. Studioalbum ‚Jubel‘ frisch auf den Markt gebracht, welches zum überraschenden Charterfolg avancierte. Aktuell tourt er damit quer durch die Republik.

Ruhrbarone-Autor Robin Patzwaldt, seit viele Jahren schon ein leidenschaftlicher Stoppok-Fan, hat der Musiker nun exklusiv ein paar recht persönliche Fragen beantwortet. Seine offenen Aussagen gewähren einen kurzen Einblick in die Persönlichkeit eines unangepassten Künstlers, der sich trotz der einschneidenden Veränderungen auf dem Musikmarkt über die Jahre stets treu geblieben ist.

Ruhrbarone: Wir sind ja, wie es der Name schon sagt, ein Blog aus dem Ruhrgebiet. Du bist in Essen aufgewachsen. Was verbindest du persönlich mit dem Ruhrgebiet?

Stoppok: Heimat, ganz klar! Das waren die prägenden Jahre die ich hier verbracht habe. Ob es die ersten musikalischen Begegnungen waren, zum Beispiel die Pop und Bluesfestivals in der Grugahalle, oder alles was man damals als Jugendlicher so ausprobiert hat, sehr schöne Erinnerungen.

Ruhrbarone: Was sind aus deiner Sicht die Vorzüge und Nachteile dieser besonderen Region?

Stoppok: Im Prinzip habe ich als Vorzug immer die Nachteile gesehen. Konkret: Die Völkermischung und damit zusammenhängend das Multikultitreiben, was aber mangels fehlender Integrationsprogramme mich und die meisten meiner Bekannten daran gehindert hatte sich in die Gesellschaft zu integrieren. Das hat mir bis heute eine gewisse Unabhängigkeit beschert. Wie es diesbezüglich mittlerweile aussieht weiß ich natürlich nicht, aber was ich im Moment sehe, dass das Ruhrgebiet viele Kreative Köpfe anzieht, die hier bessere Bedingungen vorfinden als in den extrem teuren Metropolen wie Hamburg oder Berlin. Wenn ich jetzt 20 wäre, würde ich ins Ruhrgebiet ziehen!

Ruhrbarone: Es sind, wie man ja auch deinem aktuellen Album anhört, komplizierte politische Zeiten in diesem Lande und auch weltweit. Denkst du, du hast als Künstler einen Einfluss auf die Entwicklungen, oder thematisierst du diese Dinge in deinen Songs in erster Linie um diese Themen für dich selber bestmöglich zu verarbeiten?

Stoppok: Natürlich ist es in erster Linie eine persönliche Verarbeitung und man kann als Künstler nie wissen wieviel Einfluss die Songs auf die Menschen haben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es wichtig ist und vielen Leuten etwas bringt, Songs mit positiven, hoffnungsvollen Statements in die Welt zu setzen.

Ruhrbarone: Ich persönlich habe deine Arbeit vor Jahrzehnten einst durch den WDR-Hörfunk kennengelernt. Da gab es früher einmal eine Sendung namens ‚Hier funkt‘s!‘ mit Dave Colman, der dort viel frische Musik aufgelegt hat. Vielleicht kennst du die Sendung ja auch noch. Der hat deine Musik in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren sehr häufig im Radio gespielt. Solche Sendungen gibt es inzwischen fast gar nicht mehr. Bedauerst du es, dass man deine Lieder inzwischen offenbar deutlich seltener im Radio hört? Wie kam es dazu, dass du heute die Leute in deinen Konzerten sogar teilweise schon mit den Worten begrüßt, dass du ihnen dafür dankst, dass sie die Konzerte eines Künstlers besuchen, der nicht aus Funk und Fernsehen bekannt ist? Ist deine Zurückhaltung in Funk und Fernsehen letztendlich auch ein Stück weit Absicht, oder ist es inzwischen schlicht schwerer geworden für Künstler wie dich, was Medienpräsenz und Sendezeit in den Massenmedien betrifft?

Stoppok: Da hat sich im Prinzip nix geändert. Das Dave Colman in der Zeit was von mir gespielt hatte, hat damit zu tun, dass ich Anfang der 90er bei einer Major Company, sprich einem großen Musiklabel war. Leider ist es bis heute so, dass der        öffentlich-rechtliche Rundfunk sich sein Programm von den großen Firmen vorschreiben lässt, warum auch immer. Seitdem ich unabhängig bin, also seit genau 20 Jahren, wird von mir nichts mehr im Radio gespielt. Trotzdem bin ich, seitdem die ganzen Populisten gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wettern, dafür. Eigentlich ist es ja ein gutes System, nur verbesserungswürdig.

Man sollte zum Beispiel nicht jeden Deppen, der von Musik gar keine Ahnung hat und sich auch dafür gar nicht interessiert, Musikchef eines Senders werden lassen, nur weil er mal BWL studiert hat. Das würde schon helfen.

Ruhrbarone: Wie hat sich die Musiklandschaft in Deutschland aus deiner Sicht grundsätzlich entwickelt? Was wünscht du dir für die kurz- und mittelfristige Zukunft der Szene? Welche Künstler verfolgst du mit Begeisterung?

Stoppok: Generell ist es so, dass Musik immer mehr zur Soundtapete mutiert und die Leute eigentlich nicht mehr richtig hinhören. Das hat einerseits mit der ganzen Technologie zu tun, dass viele Leute einfach nur noch zu Hause abhängen und sich zudröhnen lassen, weil es einfach ist und nix kostet. Andererseits gibt es nur noch wenige Clubs in denen Livemusik läuft, weil es irrwitzige Auflagen gibt und Stress mit Lautstärke, Gema und etc.. Das sollte sich mal schnell wieder ändern!

In Deutschland verfolge ich beispielsweise Simon und Jan mit Begeisterung, oder Christina Lux, Pohlmann, Tess Wiley…. Die Liste ist lang… und international noch länger.

Ruhrbarone: Du hast mit Sebastian Niehoff, aka ‚Sebel‘, ja auch einen ‚alten Freund‘ unseres Blogs in deiner Band. Musiker wie er kämpfen seit Jahren offenbar hart und sehr engagiert dafür, dass sie von ihrer Kunst auf Dauer leben können. Wie würdest du deren Situation grundsätzlich einschätzen? Was würdest du jemandem Anfang 2020 raten, der sein weiteres Leben mit seiner eigenen Musik finanziert bekommen möchte, so wie du es jetzt seit Jahrzehnten erfolgreich geschafft hast?

Stoppok: Das Maß ich mir nicht an, da irgendwelche Tipps abzugeben, dafür bin ich einfach zu alt. Ich denke aber, es gibt zu jeder Zeit eine Möglichkeit seinen Traum zu leben, bzw. einen Weg zu finden, das was man liebt auch umzusetzen….

Ruhrbarone: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast! Wir wünschen dir eine schöne Tour und weiterhin viel Erfolg!

 

Stoppok auf Tour:

04.03.2020 — Gelsenkirchen, Deutschland — Kaue (mit Band)

05.03.2020 — Erfurt, Deutschland — HsD/Gewerkschaftshaus (mit Band)

06.03.2020 — Berlin, Deutschland — Kesselhaus in der Kulturbrauerei (mit Band)

07.03.2020 — Leipzig, Deutschland — Anker (mit Band)

08.03.2020 — Dresden, Deutschland — Reithalle Strasse E (mit Band)

10.03.2020 — Freiburg im Breisgau, Deutschland — Jazzhaus (mit Band)

11.03.2020 — Stuttgart, Deutschland — Theaterhaus (mit Band)

12.03.2020 — Remchingen, Deutschland — Kulturhalle Remchingen (mit Band)

13.03.2020 — München, Deutschland — Ampere/Muffatwerk (mit Band)

14.03.2020 — Frankfurt, Deutschland — Batschkapp (mit Band)

15.03.2020 — Kreuztal, Deutschland — Eichener Hamer (mit Band)

18.03.2020 — Wuppertal, Deutschland — LCB Live Music Hall (mit Band)

19.03.2020 — Münster, Deutschland — Jovel Music Hall (mit Band)

20.03.2020 — Köln, Deutschland — Gloria-Theater (mit Band)

21.03.2020 — Duisburg, Deutschland — Steinhof (mit Band)

22.03.2020 — Stadtlohn, Deutschland — Lokschuppen

25.03.2020 — Unna, Deutschland — Kultur- und Kommunikationszentrum Lindenbrauerei (mit Band)

26.03.2020 — Wilhelmshaven, Deutschland — Kulturzentrum Pumpwerk (mit Band)

27.03.2020 — Bremen, Deutschland — Schlachthof (mit Band)

28.03.2020 — Hamburg, Deutschland — Fabrik

29.03.2020 — Isernhagen, Deutschland — Blues Garage (mit Band)

 

 

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