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25 Jahre ‚1Live‘ beim WDR? Ein Geburtstag, der traurig stimmt!

Kofferradio. Foto: AurigaM36 Lizenz: Gemeinfrei

Am gestrigen 1. April 2020 machten vermehrt Meldungen die Runde, dass die WDR-Hörfunkwelle ‚1Live‘ offenbar ihren 25. Geburtstag feierte. Mich stimmte diese Nachricht traurig. Denn mich erinnert dieser Geburtstag in erster Linie daran, dass der WDR-Hörfunk in den vergangenen Jahren in seiner Qualität doch sehr nachgelassen hat.

Für mich persönlich, ich bin Jahrgang 1971, gibt es im derzeitigen Radioprogramm des WDR leider keine wirkliche ‚Heimat‘ mehr. ‚1Live‘ nervt mich, WDR 2 ist mir zu nachrichten bzw. wort-lastig und WDR 3, 4 und 5 kommen für mich als ‚Stammsender‘ aus ähnlichen Gründen jeweils auch nicht in Frage. Ein Musiksender für Leute mit meinem Geschmack gibt es beim Westdeutschen Rundfunk schon viele Jahre lang leider nicht.

Nun könnte man ja sagen, dass das ganz normal ist, denn schließlich kann man es auch der große Westdeutsche Rundfunk nicht jedem 100%ig recht machen. Doch ganz so einfach ist das dann auch wieder nicht. Denn das Radioprogramm hat sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich schon sehr verändert. Und das nicht zum Guten.

Erinnert sich hier außer mir noch jemand an die Zeiten vor ‚1Live‘, als es noch WDR 1 gab? Damals waren zumindest noch mehr ‚Ecken und Kanten‘ ‚auf Sendung‘ zugelassen. Denn seinerzeit durften die Moderatoren noch häufiger ihre eigene Persönlichkeit im Programm ausleben.

Kurz zur Erinnerung: Zu den Moderatoren des späten ‚WDR 1‘ zählten Roger Handt, Wolfgang Roth, Dave Colman, Alan Bangs, Thomas Hackenberg, Jürgen Domian, Ingo Schmoll, Robert Treutel, Felix Parbs, Ulli Tobinski und viele mehr.

Einige davon täten der heutigen Moderatorenlandschaft des WDR noch immer sehr gut. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass viele von denen schon Jahrzehnte in der ‚Versenkung‘ verschwunden sind. Mit der Einführung von ‚1Live‘ im Jahre 1995 ging für viele von ihnen ihre Zeit im WDR-Programm zu Ende. Lediglich Roger Handt durfte noch bis ins Jahr 2013 hinein im Bereich des WDR-Radios weitersenden, bevor auch er dann ging.

Für viele andere beliebte Moderatoren der WDR 1-Zeit bedeutete die 1995 neugeschaffenen Jugendwelle das erzwungene, unrühmliche Ende. Ein Teil von ihnen ging sofort, einige blieben zumindest nicht mehr sehr lange. Besonders Persönlichkeiten wie Alan Bangs und Dave Colman vermisse ich bis heute noch immer sehr im Hörfunk-Programm des WDR.

Der Trend zu der häufig allzu großen Banalität des Privatradios, von dem sich der WDR-Hörfunk damals (aus meiner Sicht völlig unnötig) anstecken ließ, verdrängte solch begabte und bekannte Stimmen aus dem Leben vieler Fans. So auch aus meinem. Eine Tatsache, die ich bis heute noch immer sehr bedaure.

Hätte es zum Beispiel einen Dave Colman mit seinem allsonntäglichen ‚Hier funkts‘ nicht gegeben, ich hätte so tolle Musiker wie Stefan Stoppok, welchen man heutzutage leider auch kaum noch im Radio hört, wohl nie kennengelernt.

Auch die legendäre ‚Schlagerrallye‘ mit Wolfgang Roth (wer erinnert sich in meiner Generation nicht gerne daran) habe ich bis heute in netter Erinnerung. Unzählige schöne Stunden und viele nette Erinnerungen sind damit verbunden…

Vor der Programmreform beim WDR war Radiohören für mich häufig noch ein echtes Erlebnis… Man konnte dort wirklich zuhören, etwas musikalisch Neues für sich entdecken. An den derzeitigen Sendern des WDR gefällt mir schlicht die Mischung nicht. Entweder sind sie mir zu wortlastig, sie spielen die falsche Musik, oder sind mir schlicht zu oberflächlich…

Natürlich darf man nicht vergessen, dass sich die Medienlandschaft in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat. Das Internet gab es damals noch nicht. Die Zeiten erschienen insgesamt deutlich weniger hektisch und sprunghaft. Wer hört heute schon noch konzentriert über mehrere Stunden einem Radiosender zu?

Trotzdem: Der 25. Geburtstag von ‚1Live‘ stimmte mich eher traurig. Dieser Sender ist für mich persönlich unmittelbar damit verbunden, dass eine Entwicklung der Hörfunkwelt in NRW augenfällig wurde, die mir überhaupt nicht gefiel.

Moderatoren mit ‚Ecken und Kanten‘, mit einem eigenen Profil und einem Musikgeschmack der nicht unbedingt der aktuellen Chartplatzierungen entsprechen musste, verschwanden durch die Reform von 1995. Und das sollte man in Anbetracht von 25 Jahren ‚1Live‘ auch einmal kurz ansprechen dürfen…

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17 Kommentare zu “25 Jahre ‚1Live‘ beim WDR? Ein Geburtstag, der traurig stimmt!

  • #1
    Peter Ansmann

    Kann aber auch einfach am veränderten, bzw. "gleichgebliebenen" Musikgeschmack liegen.
    Vor drei Jahren, längere Tour als Beifahrer im Auto, Radio läuft: Nur geile Klassiker! Alles was man so in den 80er Jahren gehört hat. Dann kommen irgendwann Nachrichten – und ich erfahre, welcher Sender da drin ist. WDR4. Vor 20 Jahren lief da auch andere Musik (Für die "Generation vor uns".) und heute eben, mit der gleichen Zielgruppe, die Sachen die in den 80er gut waren.

    Bei 1Live sind wir schlichtweg keine Zielgruppe mehr, befürchte ich.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Peter: Das war auch nicht der Punkt. Das ist ja klar. Bei 1Live geht die Zielgruppe bis 29, glaube ich mich zu erinnern. Da sind wir natürlich raus. Aber das ganze Genre hat sich nachteilig verändert, wie ich finde. Alles sehr glatt und geschliffen. Weniger Profil und Charakter. Das finde ich schade. Ich höre inzwischen daher kaum noch Radio. Ist einfach langweilig geworden im Laufe der letzten Jahre.

  • #3
    Peter Ansmann

    @Robin: Das "glatt und geschliffen" kann aber auch so erscheinen, weil wir halt übe das Alter der Zielgruppe hinaus sind und die alten Klassiker da vermissen. Für den 1Live-Ponyhof bin ich extra früher aufgestanden früher, um es nicht zu verpassen. Ähnliche Formate fehlen (Ich wollte jetzt "heuer schreiben!) aktuell, weil es bei der Zielgruppe halt nicht mehr so gefragt ist.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Peter: Und auf welchem Sender des WDR hörst du aktuell gute, frische, handgemachte Musik, die nicht unbedingt in der Hitparade läuft, wo du zudem nicht ständig von Nachrichten zugelabert wirst? Ich kann da nichts finden. Noch einmal: 1Live= Teeniesender, WDR2 = Nachrichtensender mit Mainstreammusik, WDR3 = Klassik, WDR4 = Rentnersender mit Oldiedauerbeschallung, WDR5 = fast reines Wortprogramm. Die von mir oben im Text beschriebene Art von Radio gibt es nicht mehr, was ich schade finde. Darum ging es mir hier. Natürlich wandelt sich alles im Laufe der Zeit. Und unter uns, in ein paar Jahren wird es Sender wie wir sie bisher kennen, wohl eh nicht/kaum mehr geben. In Zeiten des Internets macht sich eh bald jeder sein eigenes Programm. Aber das wäre dann schon wieder ein Thema für einen weiteren Beitrag hier im Blog. 😉

  • #5
    Peter Ansmann

    Aktuell läuft auf WDR4 z.B: "Wake me up before You go go" von Wham – und da läuft eigentlich nur 80er-Musik: WEIL WIR JA DIE ZIELGRUPPE SIND. Über 40. In den 80ern sozialisiert. Wir haben diese Musik damals miterlebt.

    Beim SWR4 ist das übrigens anders: Ich mag ja Schlager, höre aber Querbeet. Das kann ich da vergessen.

    Also: Ja! Ich höre WDR4! Hätte ich mir vor 20 Jahren auch nicht vorstellen können.

  • #6
    Helmut Junge

    Oh, WDR4 hat sein Programm geändert? den Sender hatte ich doch damals abgeklemmt! Muß ich mal suchen.
    Witzig, ich bin doch "(Für die "Generation vor uns".), aber für mich war da nie was bei. Ich denk, daß damals die Musik für die Generation vor mir bei WDR4lief. Unerträglich war das.

  • #7
  • #8
    Peter Ansmann

    @Robin:

    Wenn eine Eltern Simon & Garfunkel, Toto, Laura Branigan, Eric Clapton und andere Musik der 80er so schätzen wie ich, dann sind die dort gut aufgehoben: Der Sender hat mit den Sachen, die dort vor 20 Jahren liefen, nichts mehr zu tun. 😀 Ich höre aber auch Radio7, wegen des Dialektes. 😀

  • #9
    Bochumer

    Es gibt ja zum Glück noch Internet-Radios: Rockantenne Bayern Heavy Metal. Ich finde es schade, dass WDR5 nun so viel Musik macht. Entweder will ich meine Musik oder Nachrichten. Nachrichten mit Mainstream-Mucke brauche ich nicht.

    Das Radio hat sein Niveau deutlich gehalten. Schon Queen sang ja Radio-Gaga.

  • #10
  • #11
    Thomas Weigle

    Noch ein Tip: harmony fm. Nach 20.00Uhr kein Geschwätz, nur gute Musik. Für die Älteren….

  • #12
    Rudi

    Jo harmony.fm kann ich auch nur empfehlen. Hören wir immer auf der Nachtschicht bis zum Feierabend. Tolle Musik ohne blabla.

  • #13
    bob hope

    Der WDR hat vor einigen Jahren die Hörfunkchefin von Antenne Bayern abgeworben, was sich hörbar auswirkt. Seitdem heißt es: Quote statt Qualität. Der öffentlich-rechtliche Auftrag war ursprünglich mal ein anderer. Tom Buhrow hat dem WDR jedenfalls nicht gut getan. Den Dudelfunk WDR2 kann ich mir jedenfalls definitiv nicht geben, für 1Live bin ich mindestens 15 Jahre zu alt.

    Alternativen für anspruchsvollere Radiohörer sind im ÖRR: BR2 und SWR2. Informationen hole ich mir beim Deutschlandfunk. Ist zwar auf eine Art „altmodisch, aber relativ seriös. Musik höre ich eh nur noch bei den Webradios wie ByteFM oder NTS aus London. BBC6 Music ist ebenfalls zu empfehlen.

  • #14
    Psychologe

    "Und auf welchem Sender des WDR hörst du aktuell gute, frische, handgemachte Musik, die nicht unbedingt in der Hitparade läuft, wo du zudem nicht ständig von Nachrichten zugelabert wirst?"

    Also früher war alles besser, das wussten schon unsere Vorfahren. Im Ernst: Mich erinnert die Argumentation sehr an eine Ü30-Disko, in der schwerpunktmäßig Männer der Ü50-Generation auftauchen und nicht checken, dass sie nicht mehr cool sind, wenn sie mit Bierbauch in der Lederjacke Luftgitarre spielen und man auch keine Frauen mehr mit seiner 12"-Sammlung von Prince und Pink Floyd beeindrucken kann. Aber vielleicht ziehen ja noch die alten Geschichten vom Ford Taunus…

    Übrigens: 1Live finde ich auch jenseits der 40 noch cool. Es ist manchmal auch einfach eine Frage der Einstellung.
    Und um die Frage zu beantworten: 1Live hat so Sachen wie "Plan B" und Unplugged-Formate. Wenn man’s mag….

    WDR 2 ist manchmal auch annehmbar. Ob es Mainstream ist? Zumindest treffen sich dann da wieder die Ü50-Männer aus der Ü30-Disko. Nun aber, weil sie denken, dass die Jugend Katie Melua, Anastacia oder Shakira hört.

    Und WDR 4 spielt inzwischen die Nummern von Clueso, Adel Tawil und Namika, die etwas Flugrost angesetzt haben.

  • #15
    Rudi

    Ich hatte das ständige Gelabber wegen Corona und die sich ständig wiederholende Musik der WDR-Sender satt.
    Deshalb bin erstmal zu Dlf Nova gewechselt. Ich muss sagen erfrischend andere Musik. Die Themen sind auch nicht polarisiert wie beim WDR eben erfrischend anders.
    Ich bin mal gespannt wann ich sage auch der Sender geht mir auf den „Sack“.
    Mit 65 bin ich immer noch offen für was Neues.

  • #16
    Wulf Bramesfeld

    Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, damals habe ich die Alan-Bangs-Connection immer rolierend auf Kassetten aufgenommen, um sie dann in Ruhe hören zu können. Die Sendungen waren für mich eine Quelle der Inspiration, immer was Neues entdeckend, ab vom Mainstream, nicht alles gefiel mir, aber es hat mich immer gefesselt. Ich entdeckte die Sendung um 1983 als ich zum Studium nach NRW zog. Was ich für CDs aus den entlegensten Ecken der Welt auf abenteuerlichste Wege mir beschafft hatte, weil ich den Titel bei Alan Bangs gehört hatte.!! Die Alan-Bangs-Connection hat mich wesentlich in meinem Musikgeschmack geprägt, das kann ich mit Fug und Recht sagen…. Aber auch mochte ich die Spartensendungen im WDR1, Elektronik oder Heavy-Metal (nicht mein Geschmack ist, aber ich konnte die Begeisterung anderer für diese Musik spüren) und und…
    Aber ab der Umstellung auf 1Live war das Thema für mich durch, austauschbare Musik für die Quote, nichts mehr was einen herausforderte. Anfangs hatte es die Alan Bangs Connection ja noch in 1Live reingerettet, aber ich glaube es war August oder September, da war der Sendeplatz plötzlich mit Gedudel gefüllt. Zwischenzeitlich gab es ja noch die Gastspiele im BR und DLF.
    Mittlerweile läuft bei mir im Internet-Radio meist Radio eins vom rbb (der viel von der alten WDR1-Kultur hat und ein abwechslungsreiches und intelligentes Musikprogram bietet. Dort gibts auch noch richtige Spartenprogramme abends wo man zuhören kann und mag und neues entdecken kann, z.B: Happy Sad mit Christina Heise, immer ein roter Faden, immer eine Geschichte, immer fesselnd) Das gibt es also noch im öffentlich rechtlichen! Das Konzept trägt noch.

    Daneben kann ich auch Radio Paradise, ein Internet-Radiosender aus Kalifornien, empfehlen, ein reines Musikprogramm ohne Werbung, zuhörerfinanziert mit Schwerpunkt auf eher eklektischer Musik "klassisch" bis aktuell. Die Playlist ist kuratiert, die Titel haben immer Bezug untereinander aber die Stiele ändern sich aber ständig. Es ist immer spannend da zuzuhören, man lernt neues kennen.
    Und ja, auch mit Mitte 50 will ich von Musik überrascht werden 😉

  • #17
    Normann

    Ich war damals auch enttäuscht, obwohl ich als damals 13Jähriger zur Zielgruppe von 1Live gehörte. Aber ich war glücklich, das ich schnell SWF3 entdeckte – bis 1998 die Fusion von SWF und SDR zum SWR kam… Aber zum Glück ging im selben Jahr WDR Funkhaus Europa auf Sendung ging. Der wurde dann von Frau Weber aber ausgehöhlt und heißt Cosmo. Sie hat den Job auch nur bekommen, weil der Rundfunkrat auf Teufel komm raus eine Frau auf den Posten sehen wollte und sie die einzige Bewerberin war. Kein Bezug zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, kein Bezug zu NRW und später soll sie noch so einen Knilch von Antenne Bayern geholt haben. Achim Preikschat (u. a. WDR1 London Calling) habe ich zufällig auf Radio Herne entdeckt. Der ist aber auch irgendwie weichgespült. Ich kann euch noch die Seiten Radiojunkie.de, rias1.de und vn Digiandi (einfach mal googeln) empfehlen. Da findet ihr noch eine Menge alte Sendungen, auch von WDR1.

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