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‘Sebel’ im Ruhrbarone-Interview: „Ich bin mir sicher, dass der Staat uns nicht hängen lassen wird!“

‚Sebel‘ in Action. Foto: Sebastian Niehoff

Die sich gerade aufbauende Krise betrifft uns alle. Insbesondere Künstler und Kreative leiden aber unter den wegbrechenden Aufträgen und Veranstaltungen. Die Ruhrbarone haben deshalb Kontakt zu einem alten Freund des Hauses aufgenommen, der dieses Schicksal teilt.

Eigentlich sollte Sebastian Niehoff, alias ‚Sebel‘ aktuell mit Stefan Stoppok auf Tour sein. In einem Interview mit dem Sänger hatten wir kürzlich erst darüber gesprochen. Nun aber wurde die Tournee der Combo vorzeitig angebrochen, wie so viele andere in diesen Tagen auch.

Wie stellt sich die Lage bei Sebel aktuell dar? Wie sehr ist der in Recklinghausen lebende Musikprofi von der Corona-Krise betroffen? Ruhrbarone-Autor Robin Patzwaldt hat ihn gefragt und sehr direkte und offene Antworten bekommen:

Ruhrbarone: Hi Sebel! Wo erreichen wir dich gerade? Du wolltest ja jetzt eigentlich auf Tour mit Stoppok sein…

Sebel: Richtig! Eigentlich wären wir gerade noch auf Tour. Wir haben neun von 20 Terminen geschafft und im Nachhinein sind wir sehr froh wenigstens diese neun Konzerte gespielt zu haben. Es war ein sehr bizarres Gefühl, wie sich die Lage von Tag zu Tag zuspitzte. So machten auch wir anfangs noch unsere Witzchen über die Klopapier-Horter. Wir haben die Lage zunächst mit Humor betrachtet und dachten, dass uns das Problem so schnell nicht treffen wird. Die Lage war aber sehr dynamisch und verschlechterte sich täglich. Es gab dann einen Zeitpunkt, an dem auch wir den Ernst der Lage begriffen haben. Für uns war München der letzte Tag. Das war am Freitag, den 13. März. Morgens hieß es noch, dass wir spielen würden und wir fuhren mit dem Band-Bus von Stuttgart nach München. Als wir ankamen war jedoch schon entschieden, dass es ab hier mit der Tour nicht weitergehen wird. Das war ein unglaubliches Gefühl von Leere und Ratlosigkeit. Seitdem bin ich zu Hause und versuche das Beste aus der Situation zu machen. Da ich mein Studio zu Hause habe, kann ich die Zeit kreativ nutzen und schreibe und produziere Musik.

Ruhrbarone: Corona ist das Thema in diesen Tagen. Wie betrifft dich das persönlich, abgesehen von der unterbrochenen Tour gerade? Was beschäftigt dich in diesem Zusammenhang?

Sebel: Ich glaube, dass diese Krise einen tiefen Einschnitt in die Geschichte unserer Gesellschaft bewirken wird. Wir stehen gerade noch ganz am Anfang dieser Krise. Die Dinge werden sich grundlegend ändern und neu sortieren und wir werden in einem Jahr eine andere Gesellschaft sein. Doch ich glaube an das Gute und bleibe optimistisch. Wir können es schaffen als eine bessere, intelligentere und weitsichtigere Gesellschaft aus der Krise hervorzugehen. In den Köpfen der Menschen wird sich viel ändern und wir werden grundlegende Strukturen auf diesem Planeten verändern müssen. Ich hoffe, dass Solidarität und das Verantwortungsbewusstsein für den Planeten eine größere Priorität bekommen werden.

Ruhrbarone: Als Profi-Musiker sind die Aussichten für die in diesen Tagen ja auch völlig unklar. Wie schätzt du die mittel- und langfristigen Aussichten für die Szene in diesem Lande ein?

Sebel: Wir wären nicht die „Kreative Szene“, wenn wir nicht alles kreative Köpfe wären. Ich denke, es wird sich in den nächsten Wochen viel tun und neue Ideen werden kommen. Viele Kreative werden sich solidarisieren, zusammenhalten und aus der Situation etwas Neues machen. Ich glaube, es wird gerade unfassbar viel Kreativität produziert, gerade auch aus der Langeweile heraus. Und Langeweile ist ein großer Motor für Kreativität!

Ruhrbarone: Kannst du einschätzen wie lange du persönlich das so durchhalten würdest?

Sebel: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich war immer schon jemand der dynamisch mit Situationen umgehen konnte. Ich werde irgendwie überleben und etwas finden mit dem ich meine Miete zahlen kann.

Ruhrbarone: Hast du die Hoffnung, dass es staatliche Unterstützung für die Künstler in diesem Lande gibt?

Sebel: Ich bin mir sicher, dass der Staat uns nicht hängen lassen wird. Die Politik hat ja schon begriffen wie gefährdet die Kulturszene ist. Es gibt halt so viele Leute wie mich, die immer von der Hand in den Mund gelebt, aber auch fleißig Steuern bezahlt haben. Diese Leute haben keine Ersparnisse oder eine eigene Immobilie. Es muss und es wird Lösungen dafür geben, denn wir können ja nicht in 1-2 Monaten auf der Straße sitzen.

Ruhrbarone: Wie könnte eine solche Hilfe aus deiner Sicht aussehen? Was hältst du für sinnvoll bzw. zielführend?

Sebel: Das ist für mich schwer zu sagen, weil ich mit Ökonomie nicht gut genug auskenne. Aus meinem Bauchgefühl heraus würde ich aber für eine Art „Grundeinkommen“ für alle Bürger plädieren, mit dem jeder Mensch seine Grundbedürfnisse stillen kann. Das Wichtigste ist, dass jeder sein Dach über dem Kopf behält und sich auch weiterhin ernähren kann.

Ruhrbarone: Wie verbringst du die nächsten Tage?

Sebel:  Meine Aktion mit dem Song „Zusammenstehen“ schlägt große Wellen und die Resonanz ist enorm. Ich bin froh, dass ich sofort nach Beendigung der Tour eine Aufgabe habe. In dieses Projekt stecke ich momentan alle Energie. Was danach kommt…keine Ahnung! Ich bleibe optimistisch und werde kreativ sein. Vielleicht viel kreativer als in den Jahren zuvor!

Ruhrbarone: Danke dir für die klaren Worte, Sebel! Und bleib gesund!

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