Gebt der Meute, was sie braucht: Weniger als die Hinrichtung von Gil Ofarim ist doch gar nicht drin

Dschungelcamp: Hier findet der Mob seine Opfer. Grafik: DALL-E
Dschungelcamp: Hier findet der Mob seine Opfer. Grafik: DALL-E

Gil Ofarim hat Mist gebaut. Das muss man nicht weichzeichnen, nur weil man den reflexhaften, klischeebeladenen Lynchmob nicht mehr erträgt. Er hat 2021 einen Mitarbeiter des Leipziger Hotels The Westin öffentlich in Richtung Antisemitismus beschuldigt, damit eine Lawine ausgelöst und am Ende selbst eingeräumt, dass seine Darstellung nicht stimmte. Das war kein Kavaliersdelikt. Es war ein Angriff auf einen konkreten Menschen und nebenbei ein Bumerang für alle, die wirklich mit Antisemitismus leben müssen.

Und trotzdem ist der Fall juristisch vorbei. Genau dafür haben wir Gerichte. Im November 2023 hat Ofarim vor dem Landgericht Leipzig gestanden und sich beim Nebenkläger entschuldigt. Das Verfahren wurde gegen Auflagen eingestellt. Wer das nicht akzeptieren kann, der will keine Gerechtigkeit mehr. Der will Zerstörung. Und das ist der Punkt, an dem aus berechtigter Kritik etwas außerordentlich Hässliches wird.

Der Prozess ist juristisch abgeschlossen – Der Mob aber will die Vernichtung

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Online fallen die Masken – und es ist nicht schön, was wir zu sehen bekommen

Social Media holt aus den Menschen nicht unbedingt ihre besten Seiten heraus. Grafik: DALL-E
Social Media holt aus den Menschen nicht unbedingt ihre besten Seiten heraus. Grafik: DALL-E

Es gibt diesen alten Satz, halb spöttisch, halb resigniert: „Zivilisation ist nur eine dünne Schicht Firnis.“ Wer jemals die Kommentarspalten unter einem Online-Zeitungsartikel gelesen hat oder einen Shitstorm verfolgt, weiß: dünner, als wir dachten. Social Media hat uns nicht ehrlicher gemacht, es hat uns enthemmt.

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Waltrop – ‚Die im Rathaus, die haben noch immer rein gar nichts begriffen!‘

Grünpflege in Waltrop. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Im Ruhrgebiet sind viele Städte bekanntlich seit Jahren schon finanziell klamm, um nicht zu sagen ‚pleite‘. Da bildet auch meine Heimatstadt Waltrop im Kreis Recklinghausen leider keine Ausnahme. Aus dem einst gepflegten Örtchen nördlich von Dortmund ist inzwischen ein Sanierungsfall geworden. Die ‚Reheinische Post‘ listete Waltrop schon vor drei Jahren in der Top10 der Städte in NRW mit der höchsten pro Kopf Verschuldung auf Rang acht mit auf.

Logisch, dass das Konsequenzen für die Bürger mit sich bringt. Seit langer Zeit schon vergammelt die einst mit viel Stolz errichtete Infrastruktur, können notwendige Instandhaltungs- und Pflege-Arbeiten nur noch auf absoluter Sparflamme realisiert werden. Das wird den mit den Zuständen unzufriedener werdenden Bürgern seitens der Verwaltung auch immer wieder gesagt, wenn sie sich einmal mit Wünschen an die örtliche Stadtverwaltung wenden. Auf der anderen Seite

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Rückzug von ‚Collinas Erben‘: Wie viel Kritik ist noch OK? – Vom aggressiven Umgangston auf Twitter & Co.

Nicht immer kann man im Leben so schön fröhlich bleiben. Foto: Robin Patzwaldt

Manchmal wundert man sich ja über die Sensibilität von Leuten, die eigentlich schon länger in der Öffentlichkeit stehen, und daher Widerspruch (auch in einem manchmal sehr rauen Ton) eigentlich gewohnt sein müssten. Als ich zwischen 2010 und 2012 noch in der Lokalpolitik unterwegs war, da stand unser damaliger Ortsverbandschef bei den Grünen häufig im Kreuzfeuer der Kritik. Sowohl lokal, als auch auf Landesebene. Als ich ihn einmal darauf ansprach, wie er das aushalten könne, da meinte er zu mir nur lapidar ‚Wer seinen Kopf aus dem Fenster hält, der muss mit Wind rechnen“.

Warum ich das heute hier erwähne? Weil ich seit dieser Aussage von vor gut zehn Jahren schon häufig daran zurückdenken musste. Erst heute wieder wurde ich mit einer aus meiner Sicht erstaunlichen Sensibilität von Medienschaffenden konfrontiert, die mich doch sehr verwundert.

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„Corona-Rebellen“ auf Kriegspfad gegen die Playmobilfigur ROBert

Gesellschaftsfeindlich und egoistisch: "Corona Rebellen"; Screenshot Facebook
Gesellschaftsfeindlich und egoistisch: Corona Rebellen; Screenshot Facebook

Durch Feinfühligkeit, Intelligenz oder soziales Verhalten ist die Facebook-Gruppe der Corona-Rebellen bisher noch nie besonders aufgefallen: Dort werden auch gerne mal antisemitische Inhalte und täglich irgendwelche AfD-News geteilt.

Ansonsten fällt die Gruppe vor allen durch Verbreitung von allerlei Falschinformation und Hasskommentare gegen die Bundesregierung auf.

Seit gestern läuft über diese Gruppe ein Shitstorm gegen ein Video auf der YouTube-Plattform der Brandstätter-Gruppe, die das beliebte Kinderspielzeug der Marke Playmobil produziert.

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Sarah Kuttner will keine Kinder! – Und wo ist das Problem?

Sarah Kuttner im Jahr 2007. Quelle: Wikipedia; Lizenz: gemeinfrei
Sarah Kuttner im Jahr 2007. Quelle: Wikipedia; Lizenz: gemeinfrei

Schon erstaunlich wie manche Themen hin und wieder hochkochen! Da äußert die Moderatorin Sarah Kuttner in einer von ihr moderierten Fernsehsendung, dass sie eigentlich keine Kinder haben möchte, da sie Kinder, pauschal gesagt, nicht besonders mag. Und was passiert? Es ergießt sich eine Lawine von zum Teil recht heftiger Kritik über die 35-jährige. Echt merkwürdig!

Denn was ist eigentlich so inakzeptabel an dieser Aussage? Ist es nicht jedermann selber überlassen ob er Kinder haben möchte oder nicht? Und nur weil jemand selber vielleicht keine Kinder haben möchte ist er ja dadurch nicht automatisch gleich ein schlechterer Mensch!

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