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Thema Doping: Lieber Erik Zabel!

Erik Zabel. Quelle: Wikipedia, Foto: Heidas, Lizenz: C

Erik Zabel. Quelle: Wikipedia, Foto: Heidas, Lizenz: CC

Ich wende mich heute einmal mit dieser kurzen Stellungnahme an Sie ganz persönlich, da mich Ihr (erneutes) Dopinggeständnis vom Wochenende, im Anschluss an die jüngsten Veröffentlichungen zu dem Thema, doch auch persönlich sehr getroffen hat.

Sie, Herr Zabel, haben nun offenbar gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘ ganz offiziell eingeräumt in den Jahren 1996 bis 2003 mehr oder weniger regelmäßig zu leistungssteigernden Mitteln gegriffen zu haben. Das stimmt mich, ehrlich gesagt, sehr traurig und auch (nach all den Jahren noch immer) etwas wütend.

Ich gehörte in den Jahren als Sie noch einer der Top-Stars der internationalen Radrennszene waren, nämlich zu ihren Sympathisanten, man könnte sogar sagen Fans.

In ihren großen Jahren im Radsport, speziell auch immer bei der ‚Tour de France‘, machte ihre natürliche, sympathische  Art Sie für mich zu meinem ‚Liebling‘ in den Profi-Startfeldern des Radsports. Auch die Tatsachen, dass Sie hier in der Region (nämlich in Unna) wohnen, und wir beide faktisch ein Jahrgang sind, brachten Sie mir damals rasch deutlich näher als andere Radprofis.

Ihre 12 Etappensiege auf der Frankreichrundfahrt, jedes gewonnene und /oder verteidigte ‚Grüne Trikot‘ habe ich Ihnen von Herzen gegönnt. Da konnte z.B. ein Jan Ulrich mit seinen Leistungen anstellen was er wollte, mein ‘Radsportheld’ in diesen Jahren waren immer Sie!

Als Sie dann im Jahre 2007 erstmals unter Tränen einräumten bei der Tour 1996 einmalig mir ‚Epo‘ ‚experimentiert‘ zu haben, da war ich, im Nachhinein muss man wohl sagen naiver Weise, gewillt Ihnen das auch so zu glauben, dass es sich eben tatsächlich ‚nur‘ um einen einmaligen Ausrutscher handelte.

Seit letzter Woche sind wir nun alle wieder etwas schlauer! Es war, wie Sie nun offenbar auch endlich zugeben, eben doch nicht einmalig. Eher im Gegenteil!

Medienberichten vom Wochenende zur Folge waren Sie von 1996 bis 2003, also über 7-8 Jahre hinweg, offenbar regelmäßig gedopt. Das trifft mich, trotz der Entwicklungen rund um den Radsport in den letzten Jahren, noch immer sehr!

Wie viele Stunden ich Ihretwegen vor dem Fernseher verbracht habe, ich weiß es nicht mehr. Es müssen hunderte gewesen sein.

Seit ein paar Jahren schaue ich nun schon nicht mehr regelmäßig Radsport. Zu viele erschreckende Wahrheiten und Neuigkeiten wurden zuletzt veröffentlich.

Dass Sie durch Ihr Geständnis nun auch noch die komplette Zeit ihrer großen Radsporterfolge so entwertet haben, leider erst nachdem die Beweise abzusehen waren, enttäuscht mich dennoch nachträglich noch sehr.

Ich war noch gerne bereit Ihre Bitte um Entschuldigung für die ‚Vergehen‘ im Rahmen der ‚Tour 1996‘ im Jahre 2007 zu akzeptieren. Dass dies nur die Spitze des Eisberges war, das haben viele Fachleute seit Jahren befürchtet. Seit dieser Woche ist es somit aber auch endgültig amtlich.

Und auch wenn damals höchstwahrscheinlich fast das gesamte Starterfeld der ‚Tour de France‘ in diesen Jahren gedopt war, und Sie sich damit in ‚guter‘ Gesellschaft befanden, faktisch somit vielleicht gegenüber den Konkurrenten auch gar keinen Vorteil hatten, was die Leistung betrifft, so bin ich doch persönlich von Ihnen arg enttäuscht.

Sie haben Ihre Chance wirklich reinen Tisch zu machen bereits 2007 gehabt, als Sie tränenreich ihre ‚Beichte‘ ablegten.

Das Sie es damals eben nicht taten und erst jetzt als sie quasi von den jüngsten Entwicklungen dazu gezwungen wurden aktiv wurden, das ist für mich die eigentliche Enttäuschung in der Angelegenheit.

Ich hätte dahingehend gerade von Ihnen da doch mehr erwartet! Und auch wenn Sie jetzt sagen Sie wollten nun reinen Tisch machen, weil Sie wieder ‚in den Spiegel schauen können‘ wollen. Auch diese Chance hätten Sie ja bereits spätestens im Jahre 2007 gehabt.

Ihre Glaubwürdigkeit ist, zumindest aus meiner Sicht, so doch nun leider komplett dahin.

Das finde ich wirklich sehr, sehr bedauerlich. Gerade eben auch in Ihrem ganz persönlichen Fall, Herr Zabel!

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6 Kommentare zu “Thema Doping: Lieber Erik Zabel!

  • Pingback: Ete Zabel, Doping und die Moral der Moralisten… | Ruhrbarone

  • #2
    mdarge

    Aus meiner Sicht wird das Thema Doping heuchlerisch diskutiert und dabei überhöht. Es wird der Eindruck erweckt, da schmeißt man eine Tablette ein, und schon sind Siege garantiert. Wer dopt denn regelmäßig? Genau, der Hobby-Sportler im Fitness-Center. Ohne ihn könnte der Markt nicht überleben. Die andere Seite sind moderne Trainigsmethoden. Eine Sportlerin berichtete darüber, dass in ihrer Sportart Höhentraining verboten sei, in anderen aber Pflicht. Einige haben ganz natürlich einen hohen Hämatokrit-Wert, andere helfen da mit Eigenblut nach. Traurig, bei Dopingartzt Eufemiano Fuentes sind alle Unterlagen verloren gegangen. So weiß niemand, ob nicht auch Fußballer dabei gewesen sein könnten. Lange waren die Spanier die überlegene Nation. Seit dem dieser Atzt durchsucht wurde, sind die Ergebnisse eher durchwachsen. Das schlimmste ist eben die Selbsttäuschung. Wir wollen uns gerne im Sessel fletzen und den Sportlern zusehen, wie sie die Schallmauer im 100 m Lauf durchstoßen. Den Schwimmern hilft ein gleitender Anzug. Für Turner werden Computerprogramme entwickelt. Die berechnen anhand der Beweglichkeit und Beschleunigung, wie man am besten die Einhand-Felge turnt. So lässt sich die Konkurrenz aus Russland abhängen. Diese Programme funktionieren auch für Turmspringer.

    Ehrlich wäre es, diejenigen zu ehren, namentlich zu nennen, denen nichts nachgewiesen werden konnte und die zu rehabilitieren, die früh von dem flächendeckenden Missbrauch berichtet haben. Diese “Nestbeschmutzer” wurden nicht nur davon gejagt, sondern zudem als Geltungssüchtig diskreditiert. Ich trete daher für eine White-List ein. Solange mit Sport Geld verdient wird, egal ob bei Amateuren oder Profis, irgendwelche Pferdchen werden schon ist Rennen geschickt, wird es Manipulationsversuche geben. Wenn man jedoch von Anfang an das letzte aus dem Körper herausholt, wird es schwerer dies zu verbergen. Die Blutwerte lassen sich messen. Ob Eigenblut oder Epo, irgendwann sind sie am Anschlag. Der Nachteil ist, auch wenn so verfahren würde, müsste weiter gemessen werden, müssten die Messverfahren stetig weiterentwickelt werden. Doch die Ergebnisse wären vergleichbar.

  • #3
    Michael Kolb

    @MDARGE

    Nur mal so eine Frage… aber in welcher Sportart ist denn, bitte schön, Höhentraining verboten? Oder bedeutet “verboten” nicht verboten im Sinne der Regeln sondern, dass sich durch Training in der Höhe die Wettkampfleistung verschlechtert?

  • #4
    mdarge

    Es geht um die Interpretation von “Artificially enhancing the uptake, transport or delivery of oxygen, including, but not limited to..”.

    In bestimmten Fällen bildet der Körper mehr rote Blutkörperchen, wenn die Umgebungsluft weniger Sauerstoff enthält. Wenn man in den Anden so lange trainiert, dass man gleich schnell läuft wie zuhause, dann hat man nach der Heimkehr Leistungsreserven.

  • #5
    Michael Kolb

    @MDARGE

    Ich weiss wie Höhentraining funktioniert, darum ging es nicht. Mir ging es darum zu erfahren, in welcher Sportart es konkret verboten sein soll, Höhentraining zu absolvieren oder waren Höhenzelte gemeint? Dahingehend gab es zumindest einmal Ansätze, diese zu verbieten, keine Ahnung, wie das ausgegangen ist.

  • #6
    der, der auszog

    Darf man den ersten Andeutungen der Süddeutschen zur lange vorenthaltenen Studie “Doping in Deutschland” glauben, dann scheint hierzulande im Profisport gar nichts mehr ohne Doping zu gehen. Selbst der Fußball ist infiziert, allen voran der BVB.

    Meine Einschätzung: Es gibt keinen “sauberen” Profisport. Wer sein Geld im Sport verdienen will und an leistungssteigernde Drogen kommt, der schmeißt sich die auch rein, egal ob Radfahrer, Leichtathlet oder Fußballspieler.

    Mein Tip: Alles muss man selber machen! Wer sauberen Sport haben will, der muss seinen Arsch irgendwie hoch bekommen und sich selbst aufs Fahrrad oder in die Laufschuhe schwingen. Alles andere ist Show und wieso sollte ein Erich Zabel da anders ticken als ein Eric Clapton, ein Max Merkel anders als ein Robert Mitchum oder eine Birgit Dressel anders als eine Amy Winehouse?

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