Ukraine: Die Handwerker sollten nicht das Ende der Sanktionen fordern, sondern eine neue Energiepolitik

Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ im Jahre 2019. Foto: Robin Patzwaldt


Angesichts der explodierenden Energiepreise hat die Kreishandwerkerschaft des Halle-Saalekreises in einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein Ende der Sanktionen gegen Russland gefordert und behauptet, der Krieg Russlands gegen die Ukraine sein nicht unser Krieg. Die Handwerker fordern nach einem Bericht des RND den sofortigen Stopp aller Sanktionen gegen Russland, die Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen zur Beendigung des Krieges und die Überprüfung alle politischen Entscheidungen auf den Nutzen für das deutsche Volk.

So nachvollziehbar und berechtigt die Sorgen der Handwerker auch sind, so falsch sind die Schlüsse, die sie aus der Energiekrise ziehen. Der Krieg in der Ukraine ist eine Bedrohung des Westens. Es ist unser Krieg und wenn Bundeskanzler Scholz etwas vorzuwerfen ist, dann dass die Bundesregierung nicht alles tut, um die Ukraine mit schweren Waffen auszustatten, so dass sie den Krieg gewinnen kann. Putin hat gezeigt, dass er an Verhandlungen kein Interesse hat, sondern auf Sieg setzt. Gewinnt er den Krieg, wird er weitermachen und andere Länder angreifen. Darin sind sich fast alle Experten einig. Auch die demokratischen Parteien Deutschlands teilen diese Einschätzung. Nur in den Kreisen von AfD und Linkspartei sieht man das anders.

Durch die Sanktionen sind die Energiepreise gestiegen. Aber diese Preissteigerung ist vor allem die Folge einer Abhängigkeit von Russland, in die alle Regierungen seit den späten 90er Jahren die Bundesrepublik gebracht haben. Dass so stark auf russisches Gas gesetzt wurde, ist die Folge der Energiewende und eines tief in der Bevölkerung verankerten Protestkultes. Der Ausstieg aus Kohle und Kernkraft machte Gas zur letzten regelbaren Energie. Weht der Wind und scheint die Sonne nicht, sollten Gaskraftwerke einspringen, um die Stromversorgung zu sichern. Und weil man in Deutschland das reichlich vorhandene eigene Gas aus Angst vor Protesten nicht fördern wollte, begab man sich in die Abhängigkeit von Russland.

Auch die Möglichkeit, CO2 abzuscheiden und zu Lagern, was den Betrieb von Kohlekraftwerken auch unter Gesichtspunkten des Klimawandels ermöglicht hatte, wollte in Deutschland niemand. Und Kernkraft bis vor Kurzem auch nicht.

Auch ohne Putin und seinen Angriffskrieg steuerte das Land auf eine Energiekrise zu und wären die Preise gestiegen. Die Versorgungssicherheit hat in den vergangenen Jahren bereits abgenommen.

Putins Krieg hat die Lage eskalieren lassen, aber Deutschland hat sich selbst in die Situation gebracht, in der das Land jetzt steckt. Die Parteien folgten nur dem Wunsch weiter Teile der Bevölkerung und versuchte Proteste und Klagen zu vermeiden. Und Klagen und Proteste gibt es gegen alles: Kohle- und Kernkraftwerke, Leitungen, Windräder, Solaranlagen und LNG-Terminals. Die Irrationalität der deutschen Energiepolitik ist hausgemacht. Verantwortlich sind nicht nur die Parteien, sondern auch die Menschen, die sie forderten und unterstützten und nur allzu gerne den auch von vielen Medien verbreiteten Bullerbüträumen folgten.

Die Handwerker sollten nicht das Ende der Sanktionen fordern, sondern den schnellen Wechsel hin zu einer neuen Energiepolitik.

Die sollte, wie ich am 23. Februar schrieb, folgendes beinhalten:

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der dafür benötigte Leitungsausbau muss nun ebenso mit Höchstgeschwindigkeit erfolgen wie der Bau von Windkraftanlagen. Die Klagemöglichkeiten von Naturschutzverbänden und Initiativen müssen eingeschränkt, der Naturschutz zurückgefahren werden.

Die drei verbliebenen Kernkraftwerke müssen am Netz bleiben und die drei zum Jahresende abgeschalteten Reaktoren, so möglich, wieder in Betrieb genommen werden.

Deutschland hat Gas für Jahrzehnte im Boden liegen. Man muss es nur fördern wollen. Anstatt uns auf Importe aus den USA zu verlassen, muss Fracking zugelassen werden.

Erst einmal werden Kohlekraftwerke wieder an Bedeutung gewinnen. China fährt seine hoch, wir werden es auch tun müssen.

Parallel sollte auch Deutschland massiv in Forschung investieren: Unternehmen und Wissenschaftler in der ganzen Welt machen zurzeit bei der Kernfusion und der Entwicklung neuer Reaktortypen große Fortschritte. Will dieses Land  wohlhabend und ein Industrieland bleiben, muss es mithalten.

Es gibt Länder, in denen die Sonne regelmäßiger scheint und der Wind häufiger weht. Solarenergie muss auch aus Südeuropa und Nordafrikakommen. Windräder an den Küsten anderer Ländern gebaut werden. Der Strom kann in Wasserstoff umgewandelt werden. Die dafür nötigen Pipelines müssen gebaut werden. Diese Investitionen müssen jetzt schnell kommen. Energieautarkie wird es nie geben.

Geothermie ist in Deutschland eine gute Option. Es wurde lange über diese Technologie gesprochen, nun muss sie schnell eingesetzt werden, wo immer es möglich ist.

 

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7 Kommentare

  1. #1 | Reginald sagt am 20. August 2022 um 09:05 Uhr

    Wie bitte?Geht es eigentlich noch? Reden mit einem Massenmörders? Nein meine Handwerker.Das kommt nicht in die Tüte.Das ist nicht das Europa in dem ich leben will.Wir haben die Technik und das Wissen um ohne die Mörder Diktaturen dieses Planeten leben zu können.Es müssen 2 Dinge passieren.Das Erste ist eine Stärkung unserer Beziehungen zu Amerika,das zweite ist ein Verbot der Einfuhr aller Waren und Dienstleistingen aus Mörderregimen.Ja das wird auch heißen die Zeit des freien Welthandels ist vorbei.

  2. #2 | Taner Aydın sagt am 20. August 2022 um 10:11 Uhr

    Kubicki hat den vernünftigen Vorschlag gemacht, Northstrem 2 zu öffnen. Das wäre es, was der Staat jetzt ideologiefrei tun sollte.

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 20. August 2022 um 11:02 Uhr

    @Taner Aydın: Da wir uns in einem Krieg befinden ist der Vorschlag schlicht Verrat.

  4. #4 | Helmut Junge sagt am 20. August 2022 um 15:28 Uhr

    @Stefan Laurin, wir unterstützen ein angegriffenees Land. Dadurch ist die Meinungsfreiheit nicht aufgehoben. Und wenn jemand etwas anderes sagt, als Stefan Laurin hören will, ist das noch lange kein Verrat. Was ist das eigentlich, was du immer und immer Freiheit nennst, und für das die Leute kämpfen sollen? Das würd mich echt mal interessieren. Meinungs-und Redefreiheit hast du da offensichtlich nicht auf dem Schirm. Oder?

  5. #5 | Wolfram Obermanns sagt am 20. August 2022 um 16:39 Uhr

    Kubickis Beitrag ist vor allem Unfug.
    Nordstream 2 ist eben nicht nur „eine weitere Röhre“. Wenn sie nur dies wäre, würde durch die anderen Röhren das Gas strömen, tut es aber nicht. Wer glaubt mit der Öffnung der Ostseepipeline würde alles gut, hat Putins Taktik immer noch nicht verstanden.

  6. #6 | Nansy sagt am 20. August 2022 um 17:23 Uhr

    Kubickis Beitrag ist kein Verrat, sondern ersteinmal hinterlistig. Er stellt damit Putin bloss, der damit erneut aufdecken müsste, dass er Gas als Waffe nutzt.
    Davon abgesehen habe ich immer dafür plädiert, Gas auch von Putin solange zu nehmen, wie wir uns in einer (selbstverschuldeten) Notlage befinden und gleichzeitig die Ukraine mit allem zu versorgen, was sie im Kampf gegen Putin benötigt- Da wünche ich mir etwas mehr „chinesischen Reralitätssinn“ (man nimmt was man kriegen kann, und verfolgt trotzdem ganz andere Pläne). Dies natürlich nur in einer Notlage!

    Die moralische Überlegenheit beim Bykott von Gaslieferungen, die einen selbst in grösste Schwierigkeiten bringt, kann ich nicht nachvollziehen.

  7. #7 | Bülent Zünbüldete sagt am 20. August 2022 um 20:10 Uhr

    40 Jahre Schwachsinn gebaut.Das Ergebnis sehen wir jetzt.Abhängig von Staaten die in keinster Weise unseren Vorstellungen von Freiheit,Demokratie und Menschenrechten entsprechen.Es ist Zeit dem Unsinn ein Ende zu setzen.Europa braucht eine Armee die jeden Aggressor in Grund und Boden bomben kann.Europa braucht die totale Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.Die Technik ist da.Wir sollten Sie nutzen und uns nicht mehr der Autoindustrie,den verkalkten Banken und Versicherungen die Möglichkeit geben unsere Zukunft zu versauen.Es wird Zeit den Aufbruch zu wagen.

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