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Um ein aktiver Klimaschützer zu sein muss man mehr machen als an einer Demo teilzunehmen!

Schüler demonstrieren in Berlin für mehr Klimaschutz. Foto: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Na? Jetzt mal ganz ehrlich. Bist Du inzwischen vielleicht auch schon mächtig genervt von der Berichterstattung rund um die Umwelt-Aktivistin Greta Thunberg aus Schweden, so wie ich?

Seit rund einem halben Jahr tritt die 16-Jährige an jedem Freitag in den Schulstreik. Zuletzt sorgte ihr Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos für große öffentliche Resonanz. Greta Thunberg ist der Meinung, dass viel zu wenig gegen den Klimawandel getan wird: „Unser Haus brennt. Ich bin hier zu sagen, dass unser Haus brennt.“ Ein wichtiger Hinweis, den jedoch die Band ‚Midnight Oil‘ schon in den 1980er-Jahren in ihrem Hit ‚Beds are burning‘ unter die Menschen brachte. Also wahrlich keine neue Erkenntnis, die junge Frau da gerade so überraschend lautstark in die Welt hinaus trägt.

Für diverse Schlagzeilen sorgte kürzlich auch ihr Ausspruch „Ich möchte, dass ihr in Panik geratet.“ Abgesehen davon, dass Panik wohl nie ein guter Ratgeber ist, stimme ich inhaltlich mit vielen Aussagen der Schwedin überein. Mehr Umweltschutz tut in dieser Welt gut, ist dringend nötig, wenn wir uns eine lebenswerte Umgebung erhalten wollen.

Ich war früher einige Jahre lang Fördermitglied bei Greenpeace und zwischen 2010 und 2012 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Meine politische Gesinnung tendiert also ebenfalls grundsätzlich in die von Thunberg vertretene Richtung.

Und trotzdem nervt auch mich das Auftreten der jungen Frau und das mediale Echo darauf in inzwischen maximal. Ich fürchte sogar, dass ihr Wirken und die Berichterstattung darüber am Ende sogar kontraproduktiv für das eigentliche Anliegen sind. Doch tausende ‚Fans‘ und Unterstützer ahmen die junge Schwedin in diesen Tagen unverdrossen nach, feiern sie sogar als ein großes Vorbild. Und das bringt wiederum immer mehr Zeitgenossen gegen sie auf.

Natürlich ist es völlig indiskutabel die Aktivistin als „gedrillte geltungssüchtige Göre“, oder gar „altklug und verhaltensgestört, von Untergangsphantasien verfolgt und von der Idee besessen, die Welt retten zu müssen“ zu beschimpfen, wie es leider in den vergangenen Tagen geschehen ist.

Trotzdem hat das Auftreten der Schwedin und ihrer Unterstützer auch bei mir persönlich eher einen negativen Effekt zur Folge gehabt, als das ich ihre Aktionen nun unterstützen könnte.

Wenn Schüler an einem Freitag dem Unterricht fernbleiben, stattdessen lieber an einer Demo teilnehmen, so wie kürzlich in diesem Zusammenhang auch in Berlin geschehen, dann verstehe ich das grundsätzlich. Auch wir haben vor rund 30 Jahren gerne an jedweden Demos teilgenommen, wenn sie denn für einen Unterrichtsausfall gesorgt haben.

Dieser Effekt ist also ebenfalls nicht neu. Er entwertet die Aussagen solcher Demos allerdings ziemlich. Dies sollte nicht vergessen werden, wenn sich Schüler bei Veranstaltungen zur Schulzeit für oder gegen gewisse Dinge und Entwicklungen aussprechen.

Auch tun diese Demonstranten natürlich nicht automatisch aktiv etwas für den Klimaschutz, wenn sie für diese Dinge auf die Straße gehen, so wie es teilweise dargestellt wird.

Will man wirklich etwas für dieses Anliegen tun, dann müssen die Aktionen der Beteiligten deutlich über eine Demo hinausgehen. Weniger Strom verbrauchen, weniger Auto fahren, einmal auf eine Flugreise bewusst verzichten. Das wären Aktionen, durch die beispielsweise die in Berlin demonstrierenden Schüler ihr aktives Eintreten für den Klimaschutz eindrucksvoll unter Beweis stellen könnten.

Ich befürchte jedoch, bei vielen Teilnehmern ist es bei einer reinen Sympathiebekundung geblieben. Denn aktiv etwas für den Klimaschutz zu unternehmen, das ist im Regelfall unbequem, das nimmt einem etwas vom liebgewonnenen Lebensstandard.

Es ehrt jeden, der dazu bereit ist, über diese Entwicklungen nachdenkt. Toll, wenn junge Menschen sich dieser Themen bewusst werden, darüber nachdenken. Doch reicht alleine die Teilnahme an einer Demo, für die man dann auch noch schulfrei erhält, längst nicht aus um ein aktiver Klimaschützer zu sein.

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17 Kommentare zu “Um ein aktiver Klimaschützer zu sein muss man mehr machen als an einer Demo teilzunehmen!

  • #1
    Carolin Kalinowski

    Den Grundansatz dieses Artikels verstehe ich als "Wenn man den Leuten sagt, dass sie etwas nicht tun sollen, werden einige es, aus einer Trotzhaltung heraus, erst recht tun."
    Da mag etwas dran sein, führt aber jede Form des Hinweises auf einen Missstand ad absurdum.

    Darüber hinaus finde ich es nicht richtig, die demonstrierenden Schüler über einen Kamm zu scheren und ihnen zu unterstellen, es ginge ihnen nur darum, dem sicherlich oft für sie nervigen Unterricht fern zu bleiben.
    Auch hier gibt es sicherlich einige auf die das zutrifft aber insgesamt, wenn ich mir anhöre, was die, die interviewt werden so zu sagen haben und was so auf den Schildern, die sie tragen, steht, denke ich das viele da doch sehr reflektiert bei der Sache sind.

    Der Argumentationsgang des Artikels scheint mir in letzter Konsequenz jeder Kritik oder dem Recht zu demonstrieren eine Absage erteilen zu wollen, weil manche sich dann erst recht das kritisierte tun oder bei Demonstrationen und Streiks immer auch ein paar Opportunisten dabei sind.

  • #2
    thomas weigle

    Ich find`s gut, dass Schüler für dieses erstrebenswertes Ziel auf die Straße gehen. Je mehr desto besser.

  • #3
    Arnold Voss

    Dieser "Ich wünsche mir, dass endlich einer durchgreift" Ökologismus hat bislang keine ernsthafte ökologische Wende erzeugt. Ganz im Gegenteil. Die gerade demonstrierenden Kinder und Jugendlichen kommen, wenn ich das richtig einschätze, eher aus Familien der Mittel- bis Oberschicht. Also dort, wo z.B. der Kauf von SUVs im letzten Jahrzehnt genauso massiv zugenommen hat, wie die mindesten alle 2 Jahre stattfindende Auswechselung von teuren Smartphones mit noch teureren.

    Die SUVs sind ein wesentlich größeres Umwelt- und Klimaproblem als die alten dieselgetriebenen Klein- und Mittelklassefahrzeuge und noch ein viel größeres als die ganz neue Dieselgeneration. Im Smartphones/Tablets u.ä. ist die gesamte moderne Umweltbeeinträchtigung einschließlich überhohem Energievebrauch milliardenfach materiell verdichtet. Die Art ihres Gebrauches und ihrer Produktion ist besonders in den entwickelten Industrieländen bislang das genau Gegenteil von Nachhaltigkeit und Recycling. Ich sehe allerdings so gut wie Niemanden, der deswegen ihre praktische Handhabung entsprechend einschränken, bzw.bis zur endgültigen Abnutzung verlängern würde.

    Die, die gerade demonstrieren, haben also keinen Grund. so zu tun, als hätten sie mit dem von ihnen angegriffenen System selber keinen Deal. Sie hätten obendrein, wenn sie denn früher geboren worden wären, mehrheitlich auch kaum anders gehandelt als Ihr Eltern und Großeltern. Diese gerade mal wieder künstlich aufgeblasene ökologische Konflikt "Alt gegen Jung" führt deswegen auch nicht weiter. Im Gegenteil. Die, die ernsthaft auch im eigenen Verhaltensbereich die "Welt retten" wollen, sind nach wievor die absolute Minderheit, und das völlig unabhängig vom Alter.

  • #4
    Wolfram Obermanns

    Die Narretei der Aktion steckt im Schulstreik.
    Es sind mit einiger Sicherheit auch Bildungslücken, die die Umweltpolitik so aussehen lassen, wie sie ist – häufig weniger ökologisch als vielmehr nostalgisch geprägt.
    Zum anderen kommt die Welle, wie auch im Artikel steht, ziemlich billig rüber, blaumachen für das Klima überzeugt mich nicht. Ob die Kids darum nur gegen sich selbst demonstrieren, wie das ein hier verlinkter Weltartikel kommentiert, würde ich nicht behaupten wollen. Ganz von der Hand zu weisen ist das bei der Alterskohorte der Heavy-Daddler aber auch nicht.

  • #5
    Werntreu Golmeran

    Für mich hat die Berichterstattung über diese "Demos" vor allem didaktischen Charakter. Es soll uns gezeigt werden, wie man ordentlich demonstriert und wofür man berechtigterweise demonstriert.

    Kinder und Katzen gehen immer. Ökologie auch, aber Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit und Frieden werden im Zweifel immer mit Gewalt in Verbindung gebracht.

  • #6
    walter stach

    Robin,
    auch ich gehöre zu denen, die davon ausgehen, daß "meine" Generation und die ihr unmittelbar folgende der Welt, in der und mit der die Menschen leben und vermutlich noch einige Jahrtausende zu leben haben, so große ökologische Schäden zugefügt haben, daß deren Folgen die Lebensqualität kommender Generationen erheblich beeinträchtigen wird.
    Zumindest, so meine ich, geht es hier um ein Verschulden mittels grob fahrlässigen Tuns/Unterlassens -oder um Vorsatz?

    Die laufenden Demonstrationen sind für mich deshalb nichts Anderes als ein Aufzeigen dieses Verschuldens, als massiver Protest gegen ein Weiterso.

    Probleme habe ich folglich damit nicht. Im Gegenteil. Es wäre doch verwunderlich, wenn es diese Demonstrationen nicht geben würde.

    Anmerkungen:
    1.
    Und wenn "man" nun beginnt, den Demonstranten ihr Recht auf Demonstration zu bestreiten, wenn "man" ihnen unterstellt, nicht so recht zu wissen, wo gegen bzw. wo für sie demonstrieren, wenn "man" ihnen unterstellt, an einer Demonstration teiilzunehmen nicht wegen des Objektes der Demo, sondern um z.B. auf sich aufmerksam machen zu können, um sich als Mitglied einer "politisierenden" Gemeinschaft fühlen zu können oder um "schulfrei" zu haben , dann sind das doch nichts Anderes als die üblichen Reaktionen von Menschen, denen das Objekt der Demonstration zuwider ist – jetzt und , hier der Klimaschutz, morgen die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und….

    Robin,
    im übrigen:
    Die Greta Thunberg, so scheint mir, ist doch nicht das Problem – ua. Dein Problem-, sondern es sind doch die Medien, vorne weg wie immer heutzutage die (a-) sozialen Netzwerke, die versuchen, aus der Greta Thunberg -und davon gibt es weltweit "in jedem Dorf" mindestens eine- eine "Weltsensation" zu machen. Irre -nicht die Thunberg, sondern die heutigen Medienwelt.

  • #7
    Helmut Junge

    Ich habe früher Flugblätter verteilt, oder diskutiert, wenn ich etwas mitteilen wollte. Aber die Zeiten ändern sich ja bekanntlich. Mediale Aufmerksamkeit hätte es für einen Schulstreik damals auf keinen Fall gegeben. Jedenfalls keine positive Einschätzung. Deshalb bin ich auch nie auf diese Idee gekommen. Heute aber gibt es keinen Ärger mehr mit Lehrern, Eltern usw. , sondern möglicherweise Lob, weil die Schüler bei denen auf viel Zustimmung stoßen.
    Ich frage mich deshalb, wieso die Erwachsenen nie selber in diesem Sinne aktiv geworden sind. Dann hätten ihre Kinder nicht dieses Problem. Offenbar verfolgen sie auch jetzt die Aktionen der Schüler mit viel Sympathie, ohne selber aktiv zu werden. Merkwürdige Zeiten sind das.

  • #8
    ke

    Mit gutem Beispiel voran.
    Klamotten länger tragen (auch mit Loch bzw. es nähen), Ohne Auto, Mit ökologischen TExtilien etc.
    Im Vorfeld dann noch die Ökobilanz prüfen. Ist die Modal-Faser Unterwäsche wirklich ökologischer als das Baumwoll-Modell? Oder umgekehrt?
    IN diesen Fällen für Aufklärung sorgen. Mal den Müll im Schulumfeld beseitigen, und die SUV-Mamas fragen, wieso sie unsere Luft vor der Schule und in den Städten verpesten …..

    Urlaub im Umkreis. Sauerland, Münsterland und das bergische Land haben auch ihre Reize. Mal wieder zur Bücherei GEHEN und ein Buch lesen, statt die Bildschirme und Rechner glühen zu lassen …

    Ja, Schulstreik gegen Rechts, fürs Klima etc. ist mir auch zu billig. Es gibt auch das Wochenende und Ferien. Ein Wochenende den Müll aufsammeln würde schon helfen, Plastik und Kippen aus der Umwelt zu entfernen, und ein wirkliches Engagement demonstrieren.

    Wo bleiben die kritischen Medien? Schon zu meiner Zeit gab es die engagierte AG und Fotos, auf denen die 10 Demonstranten wirkten als sei halb Dortmund auf Demo.

  • #9
    walter stach

    Ich frage mich:

    Wer von den hier bei den Ruhrbaronen Aktiven ist denn auf dem weiten Feld des Umweltschutzes aktiv?
    Politisch, in dem er sich für ökologische Ziele, für okolögische Maßnahmen einsetzt -in seinem Wohnquartier, in seiner Stadt, an seinem Arbeitsplatz, in der Region, auf Landes- und Bundesebene? Und das setzt bekanntlich nicht die Mitgliedschaft oder ein konkretes Engagement bei den Grünen voraus.!

    Wer von den hier bei den Ruhrbaronen Aktiven fragt sich denn regelmäßig, ob sein alltägliches Tun oder Unterlassen nicht umweltverträglich ist und versucht dann, entsprechende konkrete Konsequenzen zu ziehen?
    Also……
    Ich sympathisiere mit allen Menschen, mit allen Organisationen, die sich politisch, auf welchen staatlichen Ebenen auch immer, für den Umweltschutz engagieren und finde es großartig, wenn Menschen und Organisationen in ihrem Alltag wann, wo und wie auch immer ganz konkret etwas für den Schutz der Umwelt tun.
    Das gilt folglich und selbstverständlich auch für Kinder und Jugendliche, die derzeit
    für den Schutz des Klimas demonstrieren. Ich jedenfalls finde das großartig und bin gar nicht fähig, die Kinder/die Jugendliche zu kritisieren, weil……(weil sie deshalb Unterricht an der Schule versäumt haben) oder mich daran zu machen, ihre Motive kritisch zu hinterfragen oder , oder…. .

    Folglich habe kein Verständnis für alldiejenigen, die mit Spott, mit Häme, die als "ewige Besserwisser" meinen, den für den Umweltschutz aktiven Menschen Ratschläge erteilen oder "gar ein Strafpredigt" halten zu müssen, hier konkret den politisch aktiven Kindern und Jugendlichen.

  • #10
    Arnold Voss

    Walter, es geht mir genau um dieses "Meine Generation ist schuldig am zukünftigen Umweltelend der kommenden Generationen". Dieser satz ist in dieser Pauschalität schlicht falsch. In meiner Generation gab und gibt es Leute, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten sehr engagiert haben. Hinzu kommt, dass der Energieverbrauch der Armen in jeder Generation weitaus niedriger ist als der der Wohlhabenden, und das nicht nur im Ländervergleich sondern auch gemessen innerhallb eines jeden Landes.

    Genauso treffen auch die Umweltfolgen nicht alle Menschen einer Generation gleich. Auch hier sind es die Armen die besonders büßen müssen. Egal ob nichts oder sehr viel gegen den Klimwandel getan wird. Denn die Kosten für radikalen Energiewenden tragen die, die sie nicht auf andere abwälzen können. Der Generationbegriff führt deswegen nicht nur bei diesem Thema komplett in die Irre, bzw. schafft er völlig falsche Fronten.

  • #11
    walter stach

    Arnold,
    ich gehöre nun ‚mal zu denjenigen in "meiner" Generation, die der Meinung sind, in Sachen "Erhalt einer " lebenswerten Umwelt", und zwar für alle Menschen (in Deutschland und weltweit), zu wenig getan zu haben und deshalb (mit) verantwortlich sind für eine menschenfeindliche Umwelt, die "wir" zukünftigen Generationen hinterlassen.
    Ich (!) fühle mich (mit)verantwortlich.
    Wenn ich meine, dass diese meine Verantwortlichkeit grundsätzlich -nicht pauschal- durchaus bezogen werden kann auf die Mehrheit "meiner" Generation (auf meine Generation) ,dann mag man das für nicht legitim halten, vertretbar erscheint mir mein Standpunkt nach wie vor.

    Arnold,
    daß viele einzelnen Menschen, ich rechne mich dazu, aber auch viele Organisationen (BUN u.a.) und die Parteien -initiert und angetrieben von den Grünen- sehr viel zum Schutz der Um,welt getan haben und weiterhin tun, ist doch unbestritten. Die Frage ist, ob "wir" nicht hätte mehr tun können, mehr tun müssen.
    Arnold,
    daß Maßnahmen zum Schutze der Umwelt -u.a. im Bereich des Klimaschutzes, des Wohnungsbaues, des Gewässerschutzes- direkt oder indirekt mit finanziellen Belastungen der Bürger einhergehen, ist nicht zu bestreiten. Wie immer in vergleichbaren Situationen stellt sich die Frage, einer (sozial-) vetretbaren Lastenverteilung, besser wohl, die Frage nach einer "Entlastung" der sozal schwächeren Schichten. Dass das geht, kann m.E. nicht bestritten werden. "Man" muß das nur wollen -z.B. meine SPD -sh. Erbschaftsteuer, sh. Vermögenssteuer, dann wäre es dem Staat finanziell problemlos möglich, die sozial schwächeren Schichten von den Folgelasten einer intensiveren Politik zum Schutz der Umwelt zu entlasten.

  • #12
    ke

    Warum sollte ich mich schuldig fühlen, dass meine Generation (aktuell ca. 50 ) zu wenig gegen den Klimaschutz getan hat? Aktuell sind das doch 1st World Problems, die sich ein großer Teil der Weltbevöklerung schlicht nicht leisten kann, da die Bedürfnisse noch auf einem anderen Level gesichert werden müssen.

    In meiner Jugend war das Hauptproblem, dass die Erde uns nicht an einem A-Bomben Tag um die Ohren fliegt

    Das Ziel hat die Generation meiner Eltern erreicht. Wenn die Generation der Großeltern nicht so viel geforscht und experimentiert hätten, wären wir nicht in der Lage uns über Umwelt Gedanken zu machen.
    Wir wären schlicht und einfach damit genügend gefordert, unser Überleben zu sichern. Die ältere Generation wäre statistisch betrachtet schon gestorben.

    Jede Generation hat ihre Probleme und löst sie. Prinzipiell ist mir eine sichere Energieversorgung mit heimischen Energieträgern (z.B. Braunkohle) wichtiger als ein Nachkommastellenverbesserung in der weltweiten CO2 Bilanz. Ich möchte nicht, dass D keine Optionen und damit total erpressbar ist.,

  • #13
    walter stach

    Ke
    Es geht nicht um Schuld oder um Unschuld.
    Es geht um Verantwortung.
    Ob sich jemand (mit) verantwortlich fühlt, für den derzeitigen Zustand "der Umwelt", z.B. für den sog.Klimawandel mit all seinen Folgen, u.a. für "kommende Generationen", ist jedermanns persönliche Angelegenheit. Wenn Sie sich nicht verantwortlich fühlen, ist das folglich ihre Sache. Meine ist es, mich mit (mit)verantwortlich zu fühlen. Insofern sehe ich mich als einer unter vermutlich vielen Andreren als " richtigen Adressaten" für die demonstrierenden Kinder.
    Dass andere Menschen sich hier in keiner Weise (mit)-verantwortlich sehen, habe ich zu akzeptieren.

    PS
    Ich habe offenkundig unter -6-/-9- nicht hinreichend deutlich machen können, was mich an dem "medialen Aufschrei" gegen die Kinder-Demonstrationen primär nachdenklich stimmt:

    Da engagieren sich Kinder/Jugendliche politisch. Sie demonstrieren für eine Sache, dh., sie bekunden in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter ihre Meinung.
    Sie sind nicht nur mit sich selbst befaßt -mit ihrer schulischen Leistung, mit ihren Zensuren, mit ihrem Aussehen, mit ihrem Freizeitvergnügen, mit….- und kommunizieren nicht ausschließlich via Twitter pp.
    Sie zeigen, daß sie sich für Probleme der Gemeinschaft und nicht nur für ihre ganz persönlichen interessieren und engagieren. Kurz gesagt: Sie sind politische und keien a politischen Menschen!

    Und das allein ist für mich ein Wert an sich, jedenfalls dann, wenn es um die Zukunft einer freiheitlich pluralistischen Gesellschaft geht, die ohne kritische Bürger nicht bestehen kann.

    Und wenn ich mit erlebe -auch hier bei den Ruhrbaronen-, wie all das deshalb negiert wird, weil "man" inhaltlich anderer Meinung ist als die demonstrierenden Kinder, wie "man" versucht, ihnen "unlautere Motive" zu unterstellen, wie "man" sie als "fremdbestimmt" zu diskreditieren versucht, wie man die Fehlstunde(n) im Unterricht zum wesentlichen Problem der Demonstranten zu machen versucht, dann sehe ich darin -im Gegensatz zu den Demonstrationen politisch interessierter und engagierter Kinder- ein bedenkliches Zeichen für den Zustand der Demokratie "in diesem unserem Lande".

  • #14
    Helmut Junge

    Das Problem Umweltvergiftung ist seit langem bekannt und sehr vieseitig. In der breitesten Öffentlichkeit findet sich heutzutage kaum ein Mensch, der das abstreitet. Es wissen doch alle, nur passiert nicht viel dagegen. Um zum Beispiel gegen die Plastikverseuchung in den Weltmeeren vorzugehen, reicht es nicht aus, einfach dagegen zu sein, daß Plastik im Ozean landet. Da müßte man eigentlich zuerst mal fragen, wie es im Meer landet. Und wenn man das weiß, muß man diese Wege kappen. Und das widerum ist Politik und da wird viel gelogen, verdreht usw. Denn vermutlich geht es dabei um viel Geld. Und dann wird die Frage zäh wie Brei. Entscheidend sind dann immer noch die politischen Mehrheiten. An denen geht und ging schon immer jede Information die eindeutigen Handlungsbedarf forderte vorbei. Darum ist ein Bekenntnis zum besseren Umweltschutz billig, weil es immer dabei bleibt. Welcher Politiker mit solch einem billigen Bekenntnis geht denn einer Information, daß deutscher Plastikmüll wie kürzlich im Spiegel zu lesen war, fast gar nicht recycelt wird? Wer fragt denn da nach, wo der landet? Dort im Spiegel, der nun wirklich nicht mein Lieblingsblatt ist, wird ein Experte so zitiert: Laut Wilts scheint auch diese Zahl noch zu hoch gegriffen. Der Experte macht eine andere Rechnung auf: "Von den gut 14 Millionen Tonnen neuen Kunststoffs, die 2017 in Deutschland verarbeitet wurden, flossen am Ende nur 0,8 Millionen Tonnen tatsächlich wieder in den Kreislauf zurück. Der große Rest wurde in Kraftwerken verbrannt, exportiert, oder wanderte als Ersatzbrennstoff in die Zementindustrie. Und im ersten Halbjahr 2018 exportierten die Deutschen allein 84.000 Tonnen Kunststoffreste nach Malaysia."
    Also 84000 Tonnen deutschen Plastikmülls geht als Export nach Malaysia! Das ist doch im Spiegel beschrieben worden. Das ist doch bekannt. Warum fragen sich denn die Herren Spiegelleser nicht, wieso das so ist, und was dort mit unserem Plastik geschieht? Was machen die Malaysier mit unserem Müll, den wir hier nicht recyclen können? Können die das besser?
    Verantwortung fühlen? Alle schuldig? Ich bin als grüner Ratsherr und zuständig für die Gemeinschaftsmüllverbrennung in OB und die Entsorgungsbetriebe in Duisburg in den Neunzigern immer an der Mehrheitspartei gescheitert. Damals war das im gesamten Ruhrgebiet die SPD. Solange die an der Macht waren haben sie geblockt. Wenn dann lange später jemand von denen als Rentner ein schlechtes Gewissen bekommt, dann bitte nicht mich mit einbeziehen. Bitte nicht.
    Mit großblumigen Lippenbekenntnissen macht man Politik, aber löst keine Probleme. Mit einer solchen Einstellung kann man natürlich, ganz natürlich sogar, die Hand wohlwollend und schützend über diese Schüler halten, und sagen "gute Arbeit", volles Verständnis. Denn da passiert nichts, was nicht passieren soll. Die eigentliche Politik beginnt mit einer kritischen Nachfrage. Kritisch heißt aber, gut informiert zu sein. Und wenn man gut informiert ist, muß man durch unzählige dicke Bretter bohren. Also, was passiert mit dem deuschen Plastikmüll in Malaysia? Das wäre eine wichtige Frage. Die müßte man doch klären können. Danach gäbe es einen unerträglich langen Kampf darum, diesen Export zu verhindern. Geht nicht?

  • #15
    Helmut Junge

    Der ergänzende Link zum zitierten Spiegelbericht.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/plastikmuell-deutschland-recycelt-nur-5-6-prozent-des-abfalls-a-1248715.html

  • #16
    walter stach

    Helmut Junge,
    ich war zwar nie als " politischer Funktionär" für eine Gemeinschaftsmüllverbrennungsanlage oder für einen städt.Entsorgungsbetrieb tätig, kann aber heute -als Rentner- mit einiger Zufriedenheit über ein beinahe 6o jähriges Engagement im sog. Umweltschutz zurückblicken.
    Ganz konkret und ganz praktisch , in dem ich z.B.

    als Bürger
    aktiv mitgewirkt habe, wenn es darum ging, alte Bäume/ältere, kleine Grünanlagen in meiner Heimatstadt zu erhalten, wenn es darum ging -auch mit eigener Hand- am sog. Tag des Baumes Bäume und Sträucher zu pflanzen, wenn es darum ging, einen alten, verdreckten Bachlauf zu renaturieren, wenn es darum ging, ein Kleingewässer , entstanden als Bersenkungsgebiet, vor der Zuschüttung zu bewahren -heute der unter Naturschutz stehende sog. Leveringhäuser-Vogelteich an der Stadtgrenze Waltrop / Castrop(Ickern)
    und der immer noch vor Ort in ökologischen Angelegenheiten aktiv ist, z.B. wenn gegen die Zerstörung des Freiraumes Rieselfelder durch den sog. New-Park geht oder wenn wieder einmal ohne zwingenden Grund Bäume gefällt werden -privat oder seitens der Stadt- oder wenn, ohne zwingende Grund, immer weitere Frei-Grünflächen zum Zwecke der Bebauung mit hochwertigen Eiinfamilienhäusern "geopfert" werden -zum Vorteil der Grundstückseigentümer und im Interesse "gut bürgerlicher" Bauherrn aus DO/GE/BO.

    als Kommunalpoltiker
    Ende der 197o er Jahre etnscheidend mitgewirkt habe an der Gründung eines Umweltausschusses in Waltrop;,
    als Partei- und Fraktionsvorsitzender den Vorsitz in diesem Ausschuß innehatte -um so auch in der politischen Öffentlchkeit dessen Bedeutung herauszustellen,
    es geschafft habe, daß dieser Ausschuß mtibestimmenden konnte in allen Angelegenheiten, die "irgendwie" umweltrelevant genannt werden konnten -und ich habe diese Relevanz sehr weit gefaßt-, so hat der Ausschuß es beispielsweise verhindern können, daß ein Siedlungsgebiet umwer einen Freiraum ausgeweitet werden konnte, der bis heute unter Naturschutz steht

    als "Verwaltungschef"
    einer seinerzeit noch 83.o.ooo Einwohner Gemeinde in der Nachbarschaft Dortmunds,
    indem ich z.B.
    dort erstmalig ein Umweltamt eingerichtet und dessen Kompetenzen so festgelegt habe,daß sich z.B. im Planungsamt/im Straßen und Tiefbauamt/im sog. Grünflächenamt nichts Nennesnwertes tun konnte ohne Einvernehmen mit dem Umweltamt,
    ganz wesentlich alle Aktivitäten der Emscher-Genossenschaft unterstützt habe, als es darum ging, das sog. Jahrhundetrprojekt der Emscher-Renaturierung und dabei als eine der ersten Maßnahmen den Deininghauser Bach in Castrop-R zu realisieren,
    als es darum ging, das ehemalige Zechengelände ERIN nicht nur zu sanieren, sonder auch "naturgerecht" neu zu gestalten und, und, und….

    Helmut Junge,
    ich habe diese Beispiele -einige unter vielen -nur deshalb aufgezählt, um zu zeigen, daß ich mit trotz aktiver Umweltarbeit -im großen wie im kleinen- (mit-)verantwortlich dafür fühle, was im Bereich Umweltschutz vor Ort, in der Region, im Land, im Bund alles unterlassen wurde, und zwar zu Lasten "kommender Generationen".

    Helmut Junge,
    ich bleibe dabei:
    1.
    Ich (!!) fühle mich trotz -oder gerade wegen meines lebenslangen Engagement für den Umweltschutz- mit verantwortlich für all das, was meine Generation zu Lasten der Umwelt getan oder versäumt hat. Ich habe nicht einmal andeutungsweise die Erwartung geäußert, anderen Menschen möge es ähnlich ergehen. Im Gegenteil. Verantwortung haben, Veranwortung fühlen läßt sich nicht erzwingen. Die hat man oder die man nicht -hier bezogen auf Versäumnisse einer Generation, zu der ich gehöre, wenn es um den Umweltschutz geht -vor Ort, in der Region, im Land, im Bund.
    Dass sich "meine" SPD in Sachen Umweltschutz vor Ort, in de Region, im Land, im Bund ehe durch eine zurückhaltende, denn durch eine aktive, agierende Politik auszeichnet, rechne ich mir allerdings nicht als persönliches Versäumnis an, sondern als Folge des Mehrheitswillens in meiner Partei, vor allem hier im Ruhrgebiet.
    2.
    Ich finde die Polemik gegen das politsiches Engagement von Kindern, hier von Kindern, die für den Klimaschutz demonstrieren, nicht nur demokratieschädlich, sondern ganz einfach erbärmlich.

    3.
    Helmut Junge,
    wieder einmal sehe ich mich in meiner Wahrnehmung bestätigt:
    Wenn ich eine persönliche Meinung äußere, eine persönliche Einstellung zu einem Problem , bist Du unfähig oder unwillig, sich damit auseinanderzusetzen ohne direkt oder indirekt die SPD, deren Mitglied ich bin , einzubeziehen. Warum? Und dabei wird zudem, aber das nur so nebenbei angemerkt, deutlich, daß das "rote Tuch" SPD Dich dermaßen zu beeinflussen scheint, daß es Dich jedesmal zu "Rundumschlägen" gegen die SPD und -ausdrücklich oder angedeutet- gegen mich als SPD-Mitglied veranlaßt.

    "Et iss wie ett iss".

  • #17
    Laubeiter

    Ich verstehe nicht ganz die Erwartungen an eine 16-Jährige, die hier von Erwachsenen geäußert werden, die deutlich älter sind. Wenn die Erwachsenen nicht auf die Strasse gehen und streiken, weil es ihnen nicht einleuchtet, wogegen oder wofür oder wen sie damit erreichen, eine Gruppe von Jugendlichen aber auf die Strasse geht, weil sie formulieren kann, wogegen, wofür und wen sie erreichen will, dann finde ich es seltsam, wenn die Erwachsenen sich hinstellen und sagen, werdet erstmal erwachsen, bevor ihr demonstriert.

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