Uniper – Ein Scheitern mit Ansage?

Auch der ehemalige ‚Datteln 4′-Chef Andreas Willeke von E.On machte einst massiv Stimmung für ’sein‘ Kraftwerk. Archiv-Foto: Robin Patzwaldt

Bundeskanzler Olaf Scholz von der SPD hat heute extra seinen Sommerurlaub im Allgäu unterbrochen, um sich in Berlin ausführlich zum Einstieg des Staates beim kriselnden Energiekonzern Uniper zu äußern. 30 Prozent des Unternehmens will der Bund übernehmen um den Konzern vor einem finanziellen Kollaps zu bewahren. Die Entscheidung dürfte im Kern wohl unvermeidlich gewesen sein. Einen Zusammenbruch hätte sich Deutschland in der aktuellen Krisensituation auf dem Energiesektor schlicht nicht leisten können.

So bemühte sich Scholz in seiner Stellungnahme dann auch augenfällig darum, möglichst viel zur Beruhigung der aufgeregten Stimmung im Lande beizutragen. Zusatzbelastungen für Gaskunden werden aber in jedem Fall die Folge sein. Das ist jetzt schon klar. Weitere Details werden in den kommenden Tagen und Wochen diskutiert werden. Die Situation ist und bleibt fragil. Es dürfte noch die eine oder andere Überraschung auf uns warten.

Deshalb möchte ich heute hier auch zunächst einmal auf eine scheinbares Randthema hinweisen, das so unwichtig gar nicht ist, und bisher dennoch sehr wenig beachtet wird.

Mich persönlich erinnerten die Diskussionen der vergangenen Tage nämlich schon im Vorfeld der Entscheidung heute ganz massiv an die Vorgänge rund um das umstrittene Kohlekraftwerk ‚Datteln 4‘, das zunächst von Vorhabenträger E.On geplant und gebaut wurde, dann aber vor einigen Jahren ziemlich lautlos in den Uniper-Konzern überging.

Als diese Vorgänge die Region des östlichen Ruhrgebiets im Jahre 2016 beschäftigten, da machte schnell der Verdacht die Runde, dass die Aufspaltung von E.On und Uniper eine ganz klare Trennlinie hervorbringen würde. E.On, das wäre in Zukunft der Teil des bisherigen Unternehmens, der zukunftsträchtiger sei. Unter dem neuen Label ‚Uniper‘ aber würde so eine Art Badbank gegründet, deren Zukunftsaussichten deutlich schlechter wären. Die Süddeutsche Zeitung erinnerte dieser Tage als eines der wenigen Mainstreammedien dann auch noch einmal daran, dass dem so war. Dort hieß es in einem am 20. Juli veröffentlichten Text: „Uniper war 2016 vom Eon-Konzern abgespalten worden, als eine Art Bad-Bank, in der alle Aktivitäten gebündelt waren, die nicht zur grünen Zukunft von Eon gehörten.“

Das entspricht so auch meiner Erinnerung. Damals habe ich wiederholt mit mehreren Leuten hier in meinem persönlichen Umfeld gesprochen, die von der Aufspaltung beruflich direkt betroffen waren. Keiner von ihnen wollte damals auf der ‚Uniper‘-Seite bleiben. Alle versuchten irgendwie auf die E.On-Seite der Aufspaltung zu gelangen. Wer das nicht schaffte, der orientierte sich früher oder später ganz um.

Jetzt, rund sechs Jahre später, wird jedermann deutlich, warum Uniper damals schon der unbeliebtere Teil des Ganzen war. Mögen die aktuellen Gründe für die akute Krise bei Uniper auch noch weitestgehend unvorhersehbar gewesen sein, da jetzt aktuell auch ein ganzes Stück ‚Pech‘ mit dazukommen, die Abtrennung der schon damals von vielen als solche erkannte  ‚Badbank‘ sollte bei all den Diskussionen, die da gerade geführt werden, nicht völlig außen vor bleiben.

Trennt man die Filetstücke aus einem Unternehmen heraus, erhöht sich natürlich das Geschäftsrisiko für den verbleibenden Rest. Das Ergebnis sehen wir jetzt. Der Staat, heißt also wir alle, muss dem kriselnden Energiekonzern Uniper massiv unter die Arme greifen. Und es ist nicht so, als sei das Risiko damals bei der Aufspaltung des Ursprungsunternehmens völlig unwissentlich erhöht worden. Das macht die selbst für interessierte Beobachter am Rande leicht Erkennbare Mitarbeiterfluktuation von einst eigentlich schon jedem Laien klar….

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9 Kommentare

  1. #1 | Werntreu Golmeran sagt am 22. Juli 2022 um 18:55 Uhr

    Es ist schade, dass Sie nicht die ganze Geschichte erzählen.

    Soweit ich weiß, hat bisher weder die EU noch die BRD ein Gasembargo geegn Russland verhängt.

    Die wirtschaftliche Schieflage Unipers ist deswegen entstanden, weil das Unternehmen Anfang März die Gaslieferungsverträge mit russischen Gaslieferanten – ohne hierzu in irendeiner Weise rechtlich verpflichtet gewesen zu sein – nicht verlängert hat.

    https://www.iwr.de/news/uniper-vor-tiefgreifendem-wandel-keine-neuen-russischen-gasimportvertraege-news37829

    Das mag solidarisch gedacht gewesen sein, allerdings war das weder betriebswirtschaftlich für das Unternehmen Uniper sinnvoll, wie die drohende Pleite zeigt, noch war es volkswirtschaftlich sinnvoll, was die Versorgung Deutschlands mit Gas im kommenden Winter angeht und letztlich war die Nichtverlängerung der Verträge auch im „Wirtschaftskrieg“ gegen Russland ungeeignet, da durch die so veränderten Gaslieferungsketten es zu einer Steigerung der Gaspreise gekommen ist und Russland letztlich für weniger Gas fast die selben Einnhamen generiert hat , wie zuvor.

    Das ist ein zweifacher Schuss ins eigene Knie. Und die einzige Möglichkeit, wie das der Ukraine helfen könnnte, ist, dass sich Wladimir Putin im wahrsten Sinne des Wortes „todlacht“.

  2. #2 | Reginald sagt am 22. Juli 2022 um 19:57 Uhr

    Alle Pipelines abschalten jetzt und sofort.Waffen,Waffen und nochmals Waffen produzieren,das ist jetzt angesagt.Der Feind hat sich geoutet.Wenn nicht schon Deutschland kämpfen kann,so müssen wir wenigstens die mit Waffen unterstützen die kämpfen können und vor allem wollen.Damit meine ich die Osteuropäischen Länder die jahrzehntelang unter der Tyrannei der KPDSU gelitten haben.Putin will ganz offensichtlich das gleiche wie die KPDSU.Wen wunderst bei seiner Vergangenheit.Und wenn Atomwaffen eingesetzt werden,dann ist es halt so.

  3. #3 | Düssekbarscg sagt am 23. Juli 2022 um 17:48 Uhr

    Hallo Reginald,

    über Deine strategischen Überlegungen kann man schon geteilter Meinung sein. Energiemangel kann – neben den Problemen für Wirtschaft und Bevölkerung allgemein – letztlich aucch die Waffenproduktion zum erliegen bringen.

    Aber Deinen letzten Satz hast Du ja wohl nicht erst gemeint. Potentiell Millionen Tote sind doch nicht mit fünft Worten abzutung.

  4. #4 | Felix Krupp sagt am 24. Juli 2022 um 10:43 Uhr

    Leider typisch Politik. Für so einen Konzern ist wieder superviel Geld da – wahrscheinlich auch dank der einen oder anderen Parteispende – aber für das darbende Ruhrgebiet reicht das Geld natürlich nicht.

    Ihr Felix Krupp

  5. #5 | Bert Führmann sagt am 24. Juli 2022 um 22:40 Uhr

    Ach Felix,
    das „Ruhrgebiet“ muß seine Arsch zusamen mit dem Unmland und den vielen kleistästischen Zischengebieten s e l b e r hoch bekommen . . .

    – Weg mit dem Denken in Form von zetralen und Bundes-I n f u s i o n e n , – ausnahmsweise mal f ü r etwas, statt Anti !!

    Außerdem ist „das Ruhrgebiet“ auch k e i n ein Konzern, auch nicht die Summe achter Konzerne,

    – – dieserart sozialistischen, zentralistischen oder auch monopolistisch-dekadenten denekns, das auch in FRANCE viel Schaden

    anrichtet, sollten Sie schnell vergessen!

    Die K r a f t liegt in der gemeinsam sich unterstützendne Eigenininitiative von unten und der des Mittelstandes.

    Darüber hinaus ist es sicher sinnvoll, wenn jeweils 2, 3 oder mehr Gemeinden/ Städte sich gemeinsame Projekte vornehmen, zB.

    um die immer gleichen ÖPNV-Querenen abzuschaffen – oder die dringend auszutauschenden Erfahrungen in Sachen
    -> BEGRÜNUNG,
    -> WASSER/-Mangel, Trockenheit, Energie-Einsparung . . . .
    – > Verhinderung schädlicher BAUM-Abholzungen, Vermüllung
    -> sinnlose und kontraproduktiver „Klima“ziele-Maßnahmen zu erkunden und zu korrigieren. . . .
    -> so wie der weiter vertocknende Boden unter mehr und mehr Bäumen. doch die bäume sind Schild und Schutz der gesamten Vegetation, wie vieler Tiere und nicht zuletzt der Stadtmenschen, denen die Städte ohne Bäume unerträglich würden : Mit oder ohne Bäume gibt es im Hochsommer Temperaturunterschiede von 5 – 1 5 Grad !
    Damit liegt auch die Lösung der Klima-ERWÄRMUNG auf der Hand — in Afrika hat man längst „begonnen“, 10000e Hektar wiederzubegrünen unde aufzuforsten ! Die Leute, die das benachbart oder durch ihre Hamd erleben, „fliehen“ nicht mehr, – s. auch Volker S c h l ö n d o r f fs FILM „Der Waldmacher“. – Aber usnere Massenmedien u n d alternativen Blogs ignorieren d a s und Ähnliches weitestgehend,- verschweigen . . . weil es nicht in ein bestimmtes CREDO und die eingeschliffenen Denk-6 Handlungsstrukturen passt !!

    Denn, ausnehmend den Fleiß einzelner Politiker, die ich immer wieder mal bewundere, nach so vielen Jahren kann doch kein vernünftiger und manches wissender Bürger noch den Eindruck haben, die Landesregierung(en) und Stadträte, wie sie auch besetzt seien, könnten m e h r ändern bzw. sich im Kreise drehn, als seit X-wievielen Jahren immer gleich erlebt ?!

    Erst wenn & wo die Unten — ich red nicht von Entlassenene oder sonstwie wegrationalisierten Digital-, Covid-Falschmaßnahmen- oder Russland-Abwehr geschuldeten Opfern — wie im Ahrtal und ihren herbeieilenden Helfern ( suuuper!) oder die den Ukrainern Helfenden den Arsch hochkriegen, soll es auch/ viel Geld von den Zentralen geben !

  6. #6 | SvG sagt am 24. Juli 2022 um 22:47 Uhr

    @ Felix Krupp: Das darbende Ruhrgebiet wird seit den sechziger Jahren gepäppelt. Mit dem Kohlepfennig, Strukturhilfel, Strukturwandelhilfe, Notprogrammen, Fördergeldern für alles und jeden. Und was ist dadurch entstanden? Kohlenpottkitsch à la Zollverein, das Dortmunder U und Fußballstadien für zweit- bis viertrangige Vereine, die eh‘ niemals Meister werden. Und natürlich die Imagekampagnen „Metropole Ruhr“ mit den dazugehörigen Aufwandtsentschädigungsabgreifern. Und die auch literarisch abgesicherte „woanders iss auch scheiße“-Mentalität samt Erinnerungen an eine Kohlenzeit samt „meine Omma“, Kohlrouladen und Büdchen, die es so nie gab.

    An die Ruhrbarone: Bin ich jetzt noch schwersichtiger geworden, oder ist die Schriftgröße im Kommentarfeld deutlich kleiner als auf der übrigen Seite?

  7. #7 | Uwe Zappel sagt am 26. Juli 2022 um 13:56 Uhr

    @SvG

    Schwersichtiger bist Du wohl nicht geworden. Zumindest ist bei mir die Typo im Kommentarfeld gefühlr nur halb so groß wie in den meisten anderen Textteilen.

  8. #8 | Werntreu Golmeran sagt am 26. Juli 2022 um 23:19 Uhr

    By the way, genau die Leute, die heute jammern, dass man vom bösen Iwn abhängig sind, haben bis vor kurzem noch die Globalisierung und ihre Folgen als gottgegeben angebetet und übrrall nach Privatisierung, globaler Arbeitsteilung etc. pp. gerufen. Bei den derzeitigen Ölpreisen wäre sogar Kohleverflüssigung in Deutschland rentabel. Genau diese Leute hätten Zeter und Mordio geschrien, wenn man vor einem Jahr gefordert hätte, dass wichtige Infrastruktur, wie die Gasspeicher, am besten von der öffentlichen Hand kontrolliert werden sollten.

  9. #9 | Helmut Junge sagt am 27. Juli 2022 um 09:21 Uhr

    @SVG (6) „An die Ruhrbarone: Bin ich jetzt noch schwersichtiger geworden, oder ist die Schriftgröße im Kommentarfeld deutlich kleiner als auf der übrigen Seite?“
    Den Text zu lesen geht ohne Brille.
    Aber zum Schreiben brauche ich eine Lesebrille.
    Wer sich den Witz ausgedacht hat?

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