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Untot in Duisburg: PEgIdA-Demo am Volkstrauertag

Touristisch hat Duisburg, man kann es leider nicht anders formulieren, nur eine sehr überschaubare Anzahl an wirklichen Highlights, um Menschen in die schönste Ruhrmetropole wo gibt zu locken: Neben Dauerattraktionen – wie z.B. der Horst-Schimanski-Gasse in Ruhrort, Tiger & Turtle, der Vulkanstraße und dem Old Daddy – locken im Grunde nur  drei temporäre Attraktionen Touristen aus der ganzen Welt nach Duisburg: Das Matjesfest, der Weihnachtsmarkt und die Spaziergänge von PEgIdA. 

Wenig Schwarz-Weiß-Rot, dafür aber ein später Konter auf einen TITANIC-Titel aus dem Jahre 1992: Standhafte Patrioten in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Wenig Schwarz-Weiß-Rot, dafür aber ein später Konter auf einen TITANIC-Titel aus dem Jahre 1992: Standhafte Patrioten in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Die beiden letztgenannten Veranstaltungen fanden gestern gleichzeitig, wenn auch räumlich etwas getrennt, statt: Und sorgten für wahre patriotische Weihnachtsstimmung im Epizentrum von Duisburg.

PEgIdA Duisburg: Eine reine Zombie-Veranstaltung

Lange Zeit ist es still geblieben in Sachen PEgIdA-Duisburg: Kein Wunder. Die letzten Veranstaltungen (Ca. 50 Besucher) der wehrhaften Patrioten in Duisburg waren nicht gerade gut besucht. Was man von den Gegendemonstrationen (Ca. 1500 Besucher) nicht behaupten kann. Den gestrigen Volkstrauertag nahm PEgIdA-NRW zum Anlass wieder in Duisburg aufzumarschieren.

Acht Tage zu Spät um den Blutzeugen zu gedenken: Dafür sind die Volksgenossen vom Niederrhein aber mit Herz UND Verstand bei der Sache; Foto: Peter Ansmann

Acht Tage zu Spät um den Blutzeugen zu gedenken: Dafür sind die Volksgenossen vom Niederrhein aber mit Herz UND Verstand bei der Sache; Foto: Peter Ansmann

Die Stimmung auf der Gegendemonstration auf der Duisburger Bahnhofsplatte war definitiv besser als bei den Rechtsextremisten. Diese hatten mit einer suboptimal funktionierenden Lautsprecheranlage zu kämpfen:

Schlechte Akustik bei den Rechtsextremisten

Ob die Patrioten hier bewusst eine Parallele zur schlechten  Versorgungslage der 6. Armee im Frühjahr 1943 erzeugen wollten: Man weiß es nicht. Die Stimmungslage bei den Rechten war vergleichbar. Die Wetterbedingungen in Duisburg allerdings eindeutig angenehmer.

Claus Krönke, Verantwortlich für die Bühne der Gegendemonstration; Foto: Peter Ansmann

Claus Krönke, Verantwortlich für die Bühne der Gegendemonstration; Foto: Peter Ansmann

Claus Krönke, für den Aufbau der Bühne bei der Gegendemonstration verantwortlich, kommentiert die schlechte Beschallung  – die Rede von André Poggenburg, Ex-AfD, ist kaum zu hören – bei den patriotischen Europäern aus professioneller Sicht: Wir wissen jetzt wo die alten Lautsprecher von 1933 sind. Die stehen in Duisburg vor dem Bahnhof.

Sicherheit und Ordnung ist nicht so ihr Ding: Durch "Werbung" der Nazisplittergruppierung "Die Rechte" verunreinigte Bodenfläche; Foto: Peter Ansmann

Sicherheit und Ordnung ist nicht so ihr Ding: Durch „Werbung“ der Nazisplittergruppierung „Die Rechte“ verunreinigte Bodenfläche; Foto: Peter Ansmann

Was bei der PEgIdA-Demo auffällt: Die Gruppe ist alles andere homogen. Besorgte Wutbürger marschieren dort (Selbstverständlich mit schwarz-rot-goldenen Fahnen!) an der Seite mit der angereisten Nachwuchs-SS aus Dortmund-Dorstfeld und AfD-nahen Kräften, wie z.B. André Poggenburg.

Krawalltouristen aus Dortmund-Dorstfeld: Mit dabei in Duisburg

Der Duisburger PEgIdA-Ableger, dessen glorreichen Zeiten eigentlich vorbei sind, setzt sich großenteils aus externen Reisekadern zusammen, wie auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD), gegenüber den Ruhrbaronen feststellt: Drüben sind die Touristen, hie hier Unruhe reinbringen, Und hier zeigen Duisburger Flagge für Demokratie und Toleranz.

Sören Link (SPD): Zufrieden mit der Gegenveranstaltung der demokratischen Kräfte in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Sören Link (SPD): Zufrieden mit der Gegenveranstaltung der demokratischen Kräfte in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Die Gegenveranstaltung zum rechten Aufmarsch kann sich in jedem Fall sehen lassen: 600 Duisburger, grob geschätzt, stehen etwa 250 Rechtsradikalen gegenüber – nur am Bahnhof.

Duisburg stellt sich quer gegen Rechtsextremisten

Es gibt aber noch drei weitere Gegendemonstrationen. Auf der Bahnhofsplatte ist der Gegenprotest breit aufgestellt: Omas gegen Rechts, SPD, Die Linke, DIE PARTEI, Bündnis90/Grüne, Falken, die linksextremistische Splitterpartei MLPD und andere Gruppierungen sind durch Fahnen und mitgebrachte Transparente zu erkennen. Vor der Bühne stimmt die Akustik und es wird zu Reggae-Klängen einer Liveband getanzt. Die Stimmung ist gut.

Duisburg zeigt Kante gegen Rechtsextremismus; Foto: Peter Ansmann

Duisburg zeigt Kante gegen Rechtsextremismus; Foto: Peter Ansmann

DIE PARTEI verteilte in Duisburg nicht nur Lollis, sondern thematisierte auch die Nähe der in Duisburg aufgeschlagenen Rechtsradikalen, wie der aus den verbotenen Kameradschaften hervorgegangenen Kleinstpartei DIE RECHTE, zum Terrorismus.

„Nazis töten.“ – keine Aufforderung zum bewaffneten Widerstand gegen Faschisten, sondern eine einfache Feststellung: Nach den Morden des NSU, dem Mord an Dr. Walter Lübcke und diversen anderen Mordtaten: Begangen von Rechtsextremisten.

Aktiv gegen Nazis Die PARTEI in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Aktiv gegen Nazis Die PARTEI in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Duisburg zeigte klare Flagge gegen Rechtsterrorismus und Fremdenhass: Eines von zahlreichen Bannern und Transparenten auf denen Duisburger ihre ablehnende Haltung zum PEgIdA-Aufmarsch in Duisburg kundtun.

Bunter Protest gegen den rechten Aufmarsch; Foto: Peter Ansmann

Bunter Protest gegen den rechten Aufmarsch; Foto: Peter Ansmann

MdB Bärbel Bas (SPD) aus Duisburg ist zufrieden mit der Gegendemo: Duisburg steht hier heute für Toleranz und gegen Hass. Ein klares Zeichen.

Bärbel Bas, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Duisburg-Süd, auf der Gegendemo am HBF Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Bärbel Bas, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Duisburg-Süd, auf der Gegendemo am HBF Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Bei den Teilnehmern der PEgIdA-Demo wird inzwischen gesammelt: Zur Finanzierung der nicht funktionierenden Musikanlage und der GEMA-Gebühren für die abgespielte Musik. Seltsamerweise ertönen aus den Lautsprechern bei PEgIdA neudeutsche Schlager:  Weshalb die Patrioten hier nicht sparen und GEMA-freies deutsches Liedgut (Wacht am Rhein, Unsere Fahne flattert und voran.) das aktuell in Schwange ist, zum Besten geben, weiß nur Gott, bzw. Odin.

Ausnahmezustand in Duisburg

Gegen 16:15 Uhr ist der Spuk am Bahnhofsvorplatz beendet. PEgIdA läuft los, die Gegendemo löst sich auf. Auf dem naheliegenden Weihnachtsmarkt ist die Lage ruhig: Besucher strömen an den Ständen vorbei. An zwei Stolpersteinen (Königstraße 24) liegen Blumen und ein Hinweis auf die rechtsextremistische Veranstaltung. Einige Passanten bleiben dort stehen, lesen und halten einen Moment inne.

Stolpersteine in Höhe der Königstraße 24; Foto: Peter Ansmann

Stolpersteine in Höhe der Königstraße 24; Foto: Peter Ansmann

In Höhe der Friedrich-Wilhelm-Straße / Düsseldorfer Straße ist ein größeres Polizeiaufgebot, dass die Straße abriegelt. Passanten müssen Umwege laufen. Der U-Bahn-Verkehr steht, aus Sicherheitsgründen, still.

Teilnehmer einer weiteren Gegendemonstration werden von Polizeikräften verfolgt, quer über den Weihnachtsmarkt: Offenbar wollten die Protestier durchbrechen um den Spaziergang von PEgIdA zu blockieren. Ein Wasserwerfer der Polizei steht in Höhe des Kantparks.

Kein Durchkommen zum Weihnachtsmarkt: Polizeiabsperrungen an der Friedrich-Wilhelm-Straße; Foto: Peter Ansmann

Kein Durchkommen zum Weihnachtsmarkt: Polizeiabsperrungen an der Friedrich-Wilhelm-Straße; Foto: Peter Ansmann

Das für eine Veranstaltung von Rechtsextremisten und Terrorsympathisanten die Stadt in einen Ausnahmezustand versetzt wird, anstatt die Veranstaltung in ein Gebiet zu verlegen, das nicht den Weihnachtsmarkt tangieren würde, wie z.B. Marxloh oder Hochfeld, ist traurig: Eine härtere Gangart gegen den rechten Mob wäre wünschenswert.

Nicht trotz des aktuellen Zustandes von PEgIdA in Duisburg: Sondern weil dies vielleicht dem Spuk in der City endgültig ein Ende setzen würde.

Das Aufgebot der Rechten erinnert eher an eine Zombie-Veranstaltung. Das Konzept in Duisburg ist, die Teilnehmerzahlen haben dies gezeigt, längst tot und lebt nur von den externen Krawalltouristen aus Dortmund und anderen Städten.

Was zu hoffen ist: Möge der 1. Mai 2020 nazifrei sein. In diesem Jahr liefen am Tag der Arbeit Neonazis durch Duisburg-Wanheimerort. Wenn ein Event dieser Art der schönen Ruhrgebietsstadt Duisburg im kommenden Jahr erspart bleibt: Es wäre wirklich schön.

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3 Kommentare zu “Untot in Duisburg: PEgIdA-Demo am Volkstrauertag

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