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Uraufführung: Moi Non Plus in Oberhausen

Lise Wolle, Jürgen Sarkiss, Dominique Horwitz in Moi Non Plus. (Foto: Birgit Hupfeld)

Lise Wolle, Jürgen Sarkiss, Dominique Horwitz in Moi Non Plus. (Foto: Birgit Hupfeld)

Es ist eine Traumkombination: Dominique Horwitz spielt und singt Serge Gainsbourg. Wer auf diese Kombination setzt, muss gar nicht mehr viel dazutun, sollte man meinen. Doch das Theater Oberhausen setzt in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen noch einen drauf und lässt sich ein Stück über den französischen Sänger von Albert Ostermaier schreiben. Immerhin einer der wichtigsten lebenden deutschen Autoren. 

Die ersten Minuten des Abends sind beinahe gespenstisch: Dominique Horwitz IST Serge Gainsbourg bis in kleinste Details in der Phrasierung, minimale mimische Regungen, wenn er singt und zudem bringt er auch noch grundlegend eine Physiognomie mit, die dem Franzosen nicht unähnlich ist – man mag es kaum glauben und ist zutiefst fasziniert. Zudem pflegt Horwitz eine Art des Schauspiels, die es heute kaum noch zu sehen gibt. Er wirkt immer leicht manisch, wie er sich da in seine Rolle stürzt und erinnert gelegentlich an Klaus Kinski. Da ist es durchaus entspannend, dass sich bald Jürgen Sarkiss dazu gesellt, der zwar Horwitz durchaus in jeder Hinsicht das Wasser reichen kann, aber die Songs von Gainsbourg eigenständiger interpretiert und zu seinen eigenen macht.

Albert Ostermaier erzählt in seinem Stück das Leben Gainsbourgs. Beinahe selbstverständlich ist es aber, dass er dies natürlich nicht brav von Anfang bis Ende tut. Stattdessen startet es mit einem doppelt fiktiven Interview in den Gainsbourg und sein Produzent Philippe (Hartmut Stanke) vorgeben, Gainsbourg sei bereits tot und erinnere sich zurück. Später stoßen dann Jürgen Sarkiss und Lise Wolle als Jim und Julie hinzu. Zunächst werden sie für die geplante Tour von Gainsbour gecastet, dann aber werden sie zu Mitspielern im Erinnerungsspiel. Jim wird zum jüngeren Alter Ego Gainsbourg, vielleicht auch zu jenem Gainsbarre, den der Sänger tatsächlich für sich selbst erschaffen hat. Julie schlüpft in die Rollen der Frauen, die im Leben des Sängers eine Rolle spielten, wird seine Mutter, Brigitte Bardot und Jane Birkin. Das ist alles überaus kunstvoll gebaut. Ostermaier zeigt eindrucksvoll, dass er das dramaturgische Handwerk versteht. Nur ist völlig unklar, was er eigentlich erzählen will. Alle wichtigen biographischen Eckpunkte kommen vor, die jüdische Herkunft, das strenge Elternhaus, die Nazi-Zeit, die Frauen und natürlich der Alkohol und die Zigaretten, die Gainsbourg zahlreiche Abstürze verschafft haben und ihn letztlich umbrachten. Für denjenigen, der sich bei Gainsbourg auskennt, oder zumindest den Wikipediaeintrag gelesen hat, wird der Abend so zu einem heiteren Motiveraten, für denjenigen, der vorher gar nichts über den Sänger wusste, bleibt sehr vieles rätselhaft und er wird allenfalls ein paar Songs wieder erkennen. Ein Thema, ein Ziel – das hat dieses Stück nicht.

Als Vehikel für die zahlreichen Songs taugt der Text von Ostermaier natürlich dennoch. Und da Kaspar Zwimpfer ein wunderschönes Set im Stile der 60er Jahre gebaut hat, das sowohl schickes Apartment als auch Studio ist, die Band (Peter Engelhardt, Volker Kamp, Stefan Lammert, Kai Weiner) sich exzellent durch die zahlreichen Stilwandel der Gainsbourg’schen Musik spielt und eben Horwitz, Sarkiss und Wolle hervorragend singen, lohnt der Abend dennoch. Peter Carp lässt bei der Regie seinen Schauspielern viel Raum und überfrachtet dankenswerterweise den Abend nicht zusätzlich mit einem aufgesetzten Konzept.

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