„Verlust der Wettbewerbsfähigkeit bedroht den sozialen Zusammenhalt“

Rechenzentrum Grafik: ChatGPT


Roland Busch, Christian Klein und Arthur Mensch gehören zu den CEOs der wichtigsten europäischen Tech-Unternehmen. Nun stellen sich die Chefs von Siemens, SAP und Mistral und anderer Tech-Unternehmen deutlich gegen die europäische Regulierungspolitik. Sie fürchten den Verlust der globalen Wettbewerbsfähigkeit. 

Die Vorstandschefs einiger der wichtigsten europäischen Technologieunternehmen, unter anderem von Ericsson, Nokia, Airbus, Siemens, SAP und ASML, schlagen ungewöhnlich deutlich Alarm. In einem gemeinsamen Appell warnen sie vor einem schleichenden Bedeutungsverlust Europas: „Europa verliert täglich an globaler Wettbewerbsfähigkeit. Wir befinden uns in einer Krise, die wir größtenteils selbst verursacht haben – und die wir daher auch bewältigen können. Dies ist nicht nur ein wirtschaftliches Problem; es bedroht unseren sozialen Zusammenhalt und stellt die Grundlage unseres zukünftigen Wohlstands und unserer technologischen Souveränität auf die Probe.“

Worum es den Managern geht, ist dabei klar umrissen – und bewusst weit entfernt von der üblichen Debatte über Apps oder Plattformen. Entscheidend seien vielmehr die industriellen Grundlagen der Zukunft: Halbleiter, Kommunikationsnetze wie 5G und 6G, Künstliche Intelligenz, aber auch Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigungstechnologie. In diesen Bereichen entscheide sich, wo künftig Wertschöpfung entstehe – und welche Regionen wirtschaftlich und politisch handlungsfähig blieben. Europa drohe hier zurückzufallen. Wenn sich nichts ändere, werde die technologische Zukunft zunehmend anderswo gebaut.

Besonders deutlich wird der Text dort, wo er die eigenen Schwächen beschreibt. Europa habe durchaus die Talente, die Ideen und die wissenschaftliche Basis, um im globalen Wettbewerb mitzuhalten. Was fehle, sei die Fähigkeit, daraus große, global konkurrenzfähige Unternehmen zu formen. Es mangele an Kapital, an Integration der Märkte und vor allem an Skalierung. Die Autoren fordern deshalb einen echten europäischen Kapitalmarkt, mehr Möglichkeiten für Fusionen und Übernahmen und insgesamt bessere Bedingungen für Wachstum. Zugespitzt bedeutet das: Europa hat viele starke Mittelständler – aber zu wenige globale Champions.

Zwischen den Zeilen, teils aber auch ganz offen, richtet sich die Kritik gegen die europäische Regulierungspolitik. Während andere Regionen Innovation priorisierten und Risiken bewusst in Kauf nähmen, neige Europa dazu, neue Technologien früh und umfassend zu regulieren. Das schwäche nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ganze Ökosysteme. Der Vorwurf lautet letztlich, dass Europa Märkte reguliert, die es selbst noch gar nicht ausreichend entwickelt hat.

Auffällig ist vor allem die Tonlage des Beitrags. Er liest sich weniger wie ein klassisches Positionspapier der Industrie als wie ein Weckruf. Die Lage wird als entscheidend beschrieben, stellenweise ist sogar von einer existenziellen Herausforderung die Rede. Europa drohe, in zentralen Zukunftstechnologien dauerhaft abgehängt zu werden – mit direkten Folgen für Wohlstand und politische Gestaltungsmacht.

Damit legt der Text eine grundlegende Konfliktlinie offen. Während die europäische Politik häufig von technologischer Souveränität spricht und auf Regulierung sowie Schutzmechanismen setzt, fordert die Industrie vor allem Tempo, Kapital, Größe und weniger Fragmentierung. Beides passt nur begrenzt zusammen. Der Appell der CEOs macht deutlich, dass sich diese Spannung verschärft – und dass die Unternehmen, die Europas technologische Zukunft tragen sollen, zunehmend ungeduldig werden.

 

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