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Von der extremen Schnelllebigkeit im modernen Fußball – Das Beispiel Schalke schreckt ab!

Die Fans in Gelsenkirchen. Archiv-Foto: Michael Kamps

Was den modernen Profifußball aus meiner Sicht zumindest ein Stück weit nervig macht, das ist die teils extreme Schnelllebigkeit der Analysen und Bewertungen in den Medien. Gewinnt ein Team einmal zwei Spiele in Folge nicht, wird sofort die grundsätzliche Entwicklung und auch der Trainer in Frage gestellt. Jüngstes Beispiel: Der FC Schalke 04 und sein Coach Dimitrios Grammozis.

Nur kurz zur Erinnerung. Es ist gerade einmal eine Woche her, da wähnten nach einem spektakulär anzusehenden 3:0-Erfolg gegen Dynamo Dresden alle die Gelsenkirchener Profikicker auf dem Weg zurück in die 1. Bundesliga und glaubten nach harten Monaten, endlich den Weg in die richtige Richtung gefunden zu haben. Nachdem der Klub mit unterhaltsamem und erfolgreichem Fußball überzeugte, der Trainer den völlig neu formierten Kader zu einer Einheit formiert zu haben schien, wurde der Coach dafür gefeiert. Auch hier bei uns in Blog.

Es folgten zwei Rückschläge in der hinter uns liegenden Woche. Dem bitteren 0:1 im DFB-Pokal beim Drittligisten 1860 München, folgte am Freitag ein 0:1 beim FC Heidenheim. Und plötzlich scheint die Stimmung auf schalke komplett gekippt. Die große WAZ, als medialer Platzhirsch im westlichen Ruhrgebiet und auch im Stammland der Schalker, spricht sogar schon wieder von einer ‚Rückentwicklung‘ des Vereins und stellt den noch kürzlich auch in der WAZ gefeierten Coach in Frage.

Kritische Fragen zu stellen, den Finger in die Wunde zu legen, das gehört natürlich ein Stück weit zum journalistischen Tagesgeschäft. Wer einen Profisportklub medial durch das gesamte Jahr begleitet, der steht natürlich ständig vor der Herausforderung neue Themen für Artikel und sonstige Beiträge  zu finden. Logisch, dass der eigene Geduldsfaden da nicht sonderlich lang sein kann. Schlagzeilen müssen formuliert und veröffentlicht werden.

Doch löst man sich einmal von diesem Reflex, fragt man sich als Fußballfreund ja schon, was bei den Schalkern in dieser Woche denn eigentlich groß passiert ist. Die Königsblauen waren nicht der erste Favorit, der im DFB-Pokal bei einem Drittligisten ausgeschieden ist. Gemildert wird das Blamage-Potenzial in diesem Fall zusätzlich noch durch die Tatsache, dass 1860 ein etablierter Name in der Fußballszene ist und der Klub über tolle Fans verfügt, die im Ernstfall schon mal ordentlich Stimmung machen können. Dass die Kicker des Zweitligisten aus dem Ruhrgebiet dort verloren haben, mag enttäuschend gewesen sein, eine Blamage im eigentlichen Sinne war das Ausscheiden im Pokal beileibe nicht. Zumal die Knappen ja selber derzeit nur eine Liga höher eingestuft werden als die Münchener.

Die Niederlage in Heidenheim am Freitag fiel ähnlich unglücklich aus. Kurz vor Schluss kassierten die Gelsenkirchener hier das entscheidende 0:1. Dass Heidenheim als Zweitligist längst nicht so harmlos ist, wie es der dörfliche Name vielleicht noch immer vermuten lässt, ist kein Geheimnis. Nicht umsonst spielte die Mannschaft des höchst anerkannten Trainers Frank Schmidt ja kürzlich noch in der Bundesligarelegation gegen den SV Werder Bremen, blieb dabei in beiden Spielen ungeschlagen, und scheiterte am Ende nur knapp am Aufstieg in die 1. Liga. Dort unglücklich knapp zu verlieren, mag für Schalker Ansprüche ebenfalls enttäuschend sein, eine wirkliche Überraschung oder gar Sensation ist aber auch das nicht.

Und deshalb stellt man auf Schalke nun gleich wieder alles in Frage, was zuletzt auf einem sehr guten Weg schien?

Man kann nur hoffen, dass dies derzeit nur medial der Fall ist, und das sich die Verantwortlichen im Klub und auch die Fans der Tatsache bewusst sind, dass Schalke in der Tabelle nach zwölf Spieltagen noch immer auf Rang drei liegt und damit voll im Soll ist.

Was mich in diesen Tagen in Sachen Schalke viel mehr nervt als die sportliche Realität, das ist die mediale Aufgeregtheit, die sich so leider nicht nur auf diesen einen Verein beschränkt und einem als langjährigen Freund dieser Sportart viel von dem einstigen Spaß an der Sache zu zerstören droht….

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2 Kommentare zu “Von der extremen Schnelllebigkeit im modernen Fußball – Das Beispiel Schalke schreckt ab!

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