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WAZ kauft Springer-Regionaltitel

wazspringer
Die Funke-Mediengruppe – ehemals WAZ-Mediengruppe – war  einkaufen: Bei der Axel Springer AG.

Der Essener Verlag  kauft von der Axel Springer AG das Hamburger Abendblatt, die Berliner Morgenpost und die Zeitschriften  Hörzu, Bild der Frau, TV Digital, Funk Uhr, Bildwoche, TV Neu und Frau von heute. Der Preis: 920 Millionen – von denen sich die WAZ 260 Millionen bei Springer leiht, um das Geschäft zu finanzieren. Springer will künftig vor allem im digitalen Bereich wachsen und konzentriert sich auf die Kernmarken Bild und Welt. Die WAZ weitet ihr Angebot im Regionalbereich massiv aus und wird künftig neben dem Ruhrgebiet, Thüringen und Braunschweig mit Regionalzeitungen auch in Hamburg und Berlin vertreten sein. Damit setzt das Verlagshaus nach Jahren des Abbaus und Rückzugs auf Wachstum im Print. Springer hingegen zieht sich aus  Teilen seines klassischen Verlagsgeschäftes zurück. Im Vertrieb und im Anzeigenbereich werden beide Verlagsgruppen künftig zusammen arbeiten.

Springer Chef Mathias Döpfner in einer gemeinsame Presseerklärung beider Verlage: „Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen. Wir sind jedoch sicher, dass die Bündelung in derFunke  Mediengruppe, die sich im Kern auf regionalen Print- und Online-Journalismus sowie Magazine konzentrieren will, für eine langfristige Perspektive der Marken und deren Mitarbeiter das Beste ist. Die unterschiedlichen Strategien der beiden Häuser ergänzen sich hervorragend. Die Axel Springer AG wird den eingeschlagenen Weg zum führenden digitalen Medienunternehmen konsequent weitergehen, mit klarer Ausrichtung auf die BILD-und die WELT-Gruppe, in die wir journalistisch investieren werden und die auch sehr langfristig unverzichtbarer Kern des Unternehmens Axel Springer bleiben.“ Funke-Geschäftsführer Thomas Ziegler in der selben Erklärung:  „Wir müssen unsere Kräfte bündeln – denn der Medienmarkt stellt uns vor anspruchsvolle Aufgaben. Deshalb freuen wir uns, dass wir mit der Axel Springer AG im Rahmen der Gemeinschaftsunternehmen für Vermarktung und Vertrieb eng zusammenarbeiten und ausgewählte Axel Springer-Printtitel mit unseren Aktivitäten zusammenführen werden. Für unser Haus eröffnen sich neue Perspektiven: im Print- und im Online-Bereich. Hiermit erschließt sich für uns ein großes Potenzial, um neue Wege, etwa in der intelligenten Verzahnung beider Welten, zu gehen. Gemeinsam mit den zu uns kommenden Kolleginnen und Kollegen bauen wir ein nationales Medienhaus auf.”

Skeptischer gibt sich in einer ersten Stellungnahme der Deutsche Journalistenverband NRW: Er warnt davor, das Funke den Kauf mit weiteren Sparrunden   in den Redaktionen finanziert. Das Bekenntnis der WAZ zu Printtiteln wird von Uwe Tonscheidt,  dem stellvertretende Vorsitzende des DJV-NRW, hingegen begrüßt: „Das klare Bekenntnis der Funke-Mediengruppe zu Print sehen wir zunächst einmal positiv.” Doch Tonscheid erinnert auch an das Schicksal der Westfälischen Rundschau: “Für neue Kredite musste bei der Westfälischen Rundschau eine ganze Belegschaft gehen.”

Medienreaktionen:

Newsroom: So etwas hat es in Deutschland noch nicht gegeben

Meedia: Springer verkauft Abendblatt, Hörzu & Co

Welt: Axel Springer verkauft Regionalzeitungen

Der Westen: Funke Mediengruppe kauft Teile der Printsparte von Axel Springer

Spiegel: Journalismus im Schlussverkauf

FAZ: Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt werden teils auf Kredit verkauft

WUV: Springer trennt sich von Print-Titeln 

Turi2: Döpfner trennt Axel von Springer

 

 

 

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9 Kommentare zu “WAZ kauft Springer-Regionaltitel

  • #1
  • #2
    Klaus Lohmann

    Wer in der ersten Selbstbeweihräucherung dieses Deals im Line-Up seiner Regionaltitel immer noch die WR als vollwertige Zeitung erwähnt, der handelt mit Toten und Zombies. Und dann passen MoPo, Hörzu und BildderFrau doch bestens zur CorporateIdentity…

  • #3
    68er

    So richtig diskutieren will hier wohl niemand über den Deal. Das könnte einen wundern, wenn man die Einschätzung des Journalistenverbandes liest, der die gleichen Auswirkungen befürchtet wie bei der “Neustrukturierung” der WR.

    Aber wenn es irgendwie auch um den eigenen Job gehen könnte, wartet man vielleicht lieber ab, bevor man sich zu weit aus dem Fenster lehnt?

  • #4
    Walter Stach

    68er,
    ich kann nicht diskutieren, weil ich zuwenig darüber weiß, ob und wie Qualität und Quantität des lokalen Journalismus in Hamburg und Berlin betroffen sein werden.
    (Als Konsument von Nachrichten,Kommentaren,Analysen in allen öffentlichen Angelegenheiten waren und sind HÖZ ZU pp.für mich relativ belanglos.)

    Gespannt bin ich darauf, ob und wie in den nächsten Tagen die gesamte Branche mit ihrer Fachkompetenz -Verleger,Herausgeber, Journalisten- auf diesen Deal über ihre ersten Verlautbarungen hinaus reagieren werden.

    Ersparen will ich mir eine Bemerkung allerdings nicht, nämlich die, daß jetzt auch die Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter in den Redaktionen von Hamburger
    Abendblatt und Berliner Morgenpost Anlaß haben, besorgt über ihre eigene Zukunft nachzudenken, denen in der Vergangenheit die Sorgen ihrer Kollegen im “Funke-Konzern”, z.B. die der Mitarbeiter der West.Rundschau, ziemlich egal zu sein schienen.

  • #5
    Martin Böttger

    Nach meiner Meinung hat Springer hier einen Super- und die Funke-Gruppe einen schlechten Deal gemacht. Springer nimmt fast eine Milliarde ein und hat so tolle Investitionsreserven. Die Funke-Gruppe, die sowieso schon unter der Schuldenlast für des Rauskauf der Familie Brost ächzt, verschuldet sich weiter, wohl wg. der aktuell niedrigen Zinsen, und lebt auf Kosten hunderter oder bald tausender Mitarbeiter, die sie rausschmeisst. Ein wirklich zukunftsweisendes publizistisches Konzept hat die Gruppe, auch unter ihrem früheren Namen WAZ, eigentlich nie erkennen lassen. Das ist und war nicht nur schlecht für den Konzern, sondern ebenso ein bemerkens- und beklagenswerter Strukturmangel des Ruhrpotts, der in der Publizistik und auf dem Markt veröffentlichter Meinungen nie “Metropole” sondern immer tiiiiefste Provinz war – nicht zuletzt dank der WAZ-Kaufleute.
    Die Angst der bisherigen Springer-Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz halte ich darum für vollauf berechtigt.

  • #6
    Thorsten Stumm

    Journalismus hat noch nie Geld verdient. Jede Zeitung lebt von ihren Anzeigen und Werbekunden. Das wussten auch die grossen Zeitungsgründer Springer, Dumont, Brost etc. Deren Paradigma war immer wir verdienen Geld um Journalismus machen zu können. Seit Controller in den Verlagen das sagen haben, wird diese Logik umgedreht. Wer Journalisten als Kostenträger sieht, der wird immer feststellen, das es billiger ist nur ein Anzeigen und Werbeblättchen zu machen. Ein Zeitungskonzern der nicht einen Funken des Pathos in sich trägt eine Botschaft oder Sendung zu haben wird zum Papierverkäufer. Und genau das geschieht gerade mit aller Brutalität.

    Und digitale Zukunft von Springer ist ein fröhliches Preisvergleichen, Partnersuche oder Anzeigeportale für Immoblien und Jobs…..

    Journalisten kommen da nicht mehr vor….

  • #7
    Robin Patzwaldt

    Wobei ich auch heute noch einmal darauf hinweisen möchte, dass ja aktuell in der Medienbranche nicht nur Jobs in den Redaktionen bedroht sind, sondern z.B. auch die Anzahl der kaufmännischen Mitarbeiter in den Verlagen (z.B. in den Anzeigenabteilungen) seit Jahren kräftig reduziert wird.

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