Weiterhin ohne Sieg, aber bei Schalke wurde die Charakterfrage heute eindeutig positiv beantwortet

Die Arena auf Schalke. Foto: Michael Kamps
Die Arena auf Schalke. Foto: Michael Kamps

Wenn man nach gut 20 Spielminuten schon mit 0:2 zurückliegt, in der Woche auch noch ein schweres Champions League-Auswärtsspiel zu bestreiten hatte, dann lassen sich viele Teams für den Rest der Begegnung gerne mal gehen. Nicht so heute der FC Schalke 04, der sich nicht nur zu einem verdienten Punktgewinn gegen Eintracht Frankfurt zurück ins Spiel kämpfte.

Er tat dies sogar mit zwischenzeitlich neun gegen elf Spielern, nachdem sowohl Kevin-Prinz Boateng als auch Julian Draxler vorzeitig mit Platzverweisen vorzeitig vom Feld geschickt wurden. Boateng mit Gelb-Rot, Draxler nach einer Tätlichkeit sogar mit glatt Rot. Beide werden den Schalkern demnächst also zusätzlich fehlen.

Nein, es war wahrlich kein Nachmittag für Zuschauer mit schwachen Nerven oder Herzproblemen. Die Hausherren präsentierten sich zunächst unkonzentriert, lagen bereits früh durch Treffer von Meier und Russ, mit 0:2 zurück.

Dass Schalke kurz vor der Halbzeit dann noch den Anschlusstreffer per Elfmeter durch Eric Maxim Choupo-Moting erzielen konnte hatten sie einer Fehlentscheidung von Schiedsrichter Markus Schmidt aus Stuttgart zu verdanken, der ein unabsichtliches Handspiel im Strafraum mit einem Elfmeter für die Gastgeber ahndete. Der Ex-Mainzer nutzte die Möglichkeit mit einem an Arroganz grenzenden lockeren Schuss in die Tormitte, den Frankfurts Keeper Trapp um ein Haar auch noch pariert hätte.

Kurz nach der Pause konnte Julian Draxler (50.) sogar den Ausgleich für die Knappen erzielen.

Doch wer nun sogar noch auf den ersten Saisonsieg der Gastgeber spekuliert hatte, der sah sich bald, wie die Königsblauen selbst, wieder in die Defensive gedrängt.

Nach Feldverweisen gegen Boateng (61.) und Draxler (71.) drängten die Gäste aus Hessen auf den Siegtreffer. Doch wirklich viel Kreatives brachten sie nicht mehr zustande. Im Gegenteil: Als sich dann erster Frust bei den Gästen breit machte, da sah dann auch einer der Ihren mit Medojevic (85.) noch Gelb-Rot.

Am Ende konnten beide Parteien heute mit dem Punktgewinn gut leben. Auch wenn Schalke auch nach dem sechsten Pflichtspiel der noch jungen Saison noch immer auf den ersten Sieg warten muss, und nun auch noch Draxler und Boateng wird ersetzen müssen, kann man nach der zwischenzeitlichen Zwei-Mann-Unterzahl und nach einem frühen 0:2-Rückstand sicherlich leben.

Die Eintracht, welche ja eher dem Mittelfeld der Liga zuzuordnen ist, versäumte es ihrerseits mehr Kapital aus ihrer numerischen Überlegenheit zu schlagen. Doch am Ende werden auch die Hessen mit einem Punkt bei einem Champions League-Team auswärts positiv in die nächsten Spiele blicken können.

Schalke hat den schwierigen Charaktertest heute zweifelsohne eindrucksvoll bestanden. Wer nach einer schweren Belastung unter der Woche und nach diesem Spielverlauf so zurückkommt, der muss sich nichts vorwerfen. Im Gegenteil!

Der Druck endlich den ersten Sieg einzufahren, auch auf Trainer Jens Keller, ist heute allerdings erneut größer geworden…

 

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4 Kommentare

  1. #1 | Franz Przechowski sagt am 20. September 2014 um 18:06 Uhr

    Geschätzter Robin,
    ich begrüsse Deinen ausgewogenen Kommentar zum Schalker Spiel und zur Moral. Es ist nicht selbstverständlich, dass es jemand aus dem ideologisch verbrämten BvB Umfeld schafft, eine solide Objektivität in Richtung Herne West zu formulieren. Mein Respekt und dem BvB einen Erfolg in Mainz.
    Glückauf

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 20. September 2014 um 18:14 Uhr

    @Franz Przechowski: Danke! Freut mich sehr! 🙂 Ganz ehrlich: Je älter ich werde, je leichter fällt es mir Abläufe und Entwicklungen im Sport ’neutral‘ wahrzunehmen und zu begleiten. Die sportlichen Aufgeregtheiten der Jugendzeit relativieren sich jedenfalls mit fortschreitendem Lebensalter bei mir deutlich. Das habe ich schon seit Jahren an mir selber beobachtet. Ich denke, anderen Leuten hier wird das vielleicht auch nicht anders gehen… 😉

  3. #3 | Thomas Weigle sagt am 20. September 2014 um 19:27 Uhr

    Es ist mit den Elfern und der SGE zum Kotzen. Letzte Woche einen „so was von Elfmeter“ nicht gegeben, dafür heute einen mehr als zweifelhaften bekommen, wie du ja richtig schreibst, Robin.

    Wieso ist Veh eigentlich vom Main an den Neckar gegangen? War da nicht die Rede von „fehlender Perspektive“ gewesen? Also Tabellenletzter hätte er am Main auch werden können (kicher).

  4. #4 | Robin Patzwaldt sagt am 20. September 2014 um 19:34 Uhr

    @Thomas: Ja, das hatte sich Veh wohl ganz anders vorgestellt, als er damals zurück nach Stuttgart ging. Wirklich verstanden habe ich den Schritt aber auch damals schon nicht. Ich will am Montag mal wieder einen Fußballtext über einen Buli-Verein ausserhalb des Reviers schreiben. Der Spieltag ist ja noch nicht vorbei, aber momentan schwanke ich noch zwischen Paderborn und Stuttgart, was den Spieltagtext am Montag betrifft. Stuttgart ist aktuell ja ziemlich spannend, wo die Fans dem eigenen Verein doch ‚Liebesentzug‘ angekündigt haben. Mal sehen…

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