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WM 2018: Mehr als die 0:1-Pleite der DFB-Elf gegen Mexiko verwundert die Überraschung darüber

Mit diesen Schuhen von Mario Götze wurde das WM-Finale 2014 gewonnen. Foto: Robin Patzwaldt

OK, auch wir hier im Blog kommen heute wohl nicht ganz um dieses Thema herum. Nach dem gestrigen 0:1 zum WM-Auftakt gegen Mexiko ist die Stimmung in Fußball-Deutschland im Keller. Grundsätzlich natürlich nicht zu unrecht, war das Spiel doch enttäuschend schwach aus Sicht der DFB-Auswahl, steht die Löw-Truppe vor den beiden weiteren Gruppenspielen gegen Schweden und Südkorea schon arg unter Druck, wenn es letztendlich noch in die KO-Runde gehen soll.

Viel erstaunlicher als das Ergebnis an sich ist allerdings die öffentliche Überraschung über den Ausgang des Spiels vom Sonntag. Haben die Leute, die jetzt so erstaunt und völlig überrascht zu sein scheinen in den letzten Monaten denn mehrheitlich so gar nicht verfolgt was da rund um das Team des DFB schon längere Zeit vor sich ging? Man muss irgendwie den Eindruck haben.

Denn dass das Entsetzen in diesem Lande aktuell so groß ist, das ist streng genommen nicht wirklich zu verstehen. Schließlich ist Mexiko traditionell eine sehr emotionale und kampfstarke Mannschaft, die stets mit viel Leidenschaft und Engagement zu Werke geht, wenn die Nationalhymne erst einmal erklungen ist.

Das ist weder ein Geheimnis noch wirklich neu. Auch Jogi Löw war sich dessen übrigens vor dem WM-Auftakt völlig bewusst, schließlich äußerte er schon auf der zugehörigen Pressekonferenz vor der Begegnung, dass er mit genau so einem Auftritt der Mexikaner rechnen würde. Löw gab sich in der Woche jedoch ausgesprochen optimistisch, dass er am Sonntagnachmittag mit seinem Team die darauf passende Antwort auf dem Platz geben könne.

Ein erstaunlicher Optimismus, denn es waren doch schon zuletzt genau diese Eigenschaften die sein Team schon in den letzten Spielen komplett vermissen ließ, als die DFB-Auswahl häufig recht uninspiriert und nicht unbedingt top-eingestellt wirkte.

Dass die Umsetzung nun zum WM-Auftakt einmal mehr nicht ansatzweise gelungen ist, das ist somit vollumfänglich dem Coach anzulasten, der es seit Monaten offensichtlich nicht versteht der Mannschaft auf den richtigen Weg zu helfen. Tritt eine Truppe wiederholt so auf, dann ist das letztendlich immer ein Problem des Trainers. Er macht die Aufstellung, er bestimmt Taktik und Training.

Gelingt es einem Cheftrainer über Monate nicht sein Wissen und seine Taktik erfolgreich an das Team zu vermitteln, dann wird er im Regelfall zudem schneller abgelöst als es ihm lieb sein kann. Fragen Sie diesbezüglich mal bei einigen Bundesligatrainern nach, wie schnell das dort im Regelfall geht.

Die Deutsche Auswahl hatte vor dem ebenfalls recht kläglichen 2:1 gegen die international als maximal zweitklassig einzustufenden Jungs aus Saudi-Arabien in der Vorwoche bereits fünf sieglose Spiele hinter sich, mit der ‘Krönung’ des peinlichen 1:2 kurz zuvor gegen Österreich.

Woher sollte nun also die plötzliche Trendwende kommen? Klar, man kann sich natürlich wie zuletzt immer darauf berufen, dass die Deutsche Elf eben eine erfahrene Turniermannschaft ist, die es wenn es ernst wird schon irgendwie richten wird. In der jüngsten Vergangenheit war das häufig genug tatsächlich so der Fall. Doch reicht das alleine eben auch nicht immer, wie der Sonntag uns allen diesmal eindrucksvoll bewiesen hat.

Natürlich ist aus Sicht der Deutschen noch nichts verloren. Die Gruppe hat schlicht nicht die Stärke, dass zwei Siege für den Titelverteidiger in den kommenden zehn Tagen nicht doch möglich wären.

Doch muss der sprichwörtliche Schalter möglichst umgehend und entschieden umgelegt werden. Angekündigt hatten die Beteiligten das ja auch schon nach den jüngsten Testspielen. Bisher waren das jedoch offensichtlich bloße Lippenbekenntnisse.

Eine weitere Nichtleistung am kommenden Samstag gegen Schweden und die WM-Reise könnte für Jogi Löw & Co. tatsächlich deutlich schneller beendet sein als es den Millionen Fans im Lande lieb wäre.

Aber bitte dann nicht immer noch so vollkommen überrascht tun wie jetzt, wenn es denn tatsächlich so kommen sollte.

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2 Kommentare zu “WM 2018: Mehr als die 0:1-Pleite der DFB-Elf gegen Mexiko verwundert die Überraschung darüber

  • #1
    Helmut Junge

    Claudia Roth forderte deutsche Fans zur Zurückhaltung auf, ging also davon aus, daß Deutschland in allen Bereichen so oder so total dominiert. Ich sehe da keinen richtigen Unterschied zur Haltung vieler Deutschnationaler, auch wenn ein Zeigefinger dabei ist.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fussball-wm-claudia-roth-fordert-deutsche-fans-zur-zurueckhaltung-auf-a-1213401.html

    Realitätsfern ist das sowieso bei beiden Richtungen. Und interessant dabei ist, daß auch eine lange Latte schlechter Spiele im Vorfeld an diesem Überlegenheitswahn nichts ändert.

  • #2
    Walter Stach

    Robin,
    einverstanden.

    Ich habe mich mehrfach vor Beginn der WM gefragt, womit vor allem die "Fachjournalisten" ihren Optimismus, besser wohl ihre Selbstgewissheit, hergenommen haben: "Leichte Gruppe. Gruppenerster zu werden ist selbstverständlich". Und ebenso selbstverständlich war ihnen allesamt, daß die DFB-Auswahl zum engsten Kreis der Titelanwärter zählt.

    Und nun?

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