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#WM2018: Die Aufarbeitung verläuft beim DFB ähnlich peinlich wie das Turnier selber

Foto: Robin Patzwaldt

Die auf dem grünen Rasen erlittene Pleite hatte tatsächlich historische Ausmaße: Erstmals musste eine Deutsche Auswahl bei einer Fußball-Weltmeisterschaft im Jahre 2018 bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Lediglich ein (glücklicher) Vorrundensieg, kein einziger wirklich überzeugender Auftritt. Der Ruf nach entsprechenden Konsequenzen war entsprechend laut und vielstimmig.

Inzwischen zeichnet sich jedoch immer mehr ab: Die für das sportliche Desaster Hauptverantwortlichen Reinhard Grindel (DFB-Boss), Oliver Bierhoff (Manager) und Joachim Löw (Bundestrainer) bestärken sich gegenseitig, scheinen in den vergangenen Tagen vielmehr auf der Suche nach ein paar ‚Bauernopfern‘ zu sein, um vom eigenen Fehlverhalten abzulenken, den Ankündigungen personeller Konsequenzen und einer vermeintlich gründlichen Aufarbeitung trotzdem ein paar öffentlichkeitswirksame Konsequenzen folgen zu lassen.

Beobachter zeigen sich darüber vermehrt irritiert und verärgert. Trotzdem könnte der recht plump wirkende Plan des DFB, inklusive massivem Zeitspiel und offensichtlichen Ablenkungsmanövern, am Ende wirklich aufgehen.

Es war schon erstaunlich. Obwohl in der Vorwoche selber noch öffentlich angezählt und mit zahlreichen Rücktrittsforderungen konfrontiert, verabschiedete sich Bundestrainer Joachim Löw direkt in den Urlaub, stellte sich nicht einmal der Presse, überließ es dem ebenfalls angezählten Oliver Bierhoff kurz öffentlich zu verkünden, dass es im Herbst trotz aller Diskussionen mit Joachim Löw in der Verantwortung weitergehen soll.

Als dann kürzlich Bierhoff selber vermehrt in die Kritik geriet, sprang Verbandschef Grindel diesem indirekt bei, in dem er der eigentlich bereits deutlich ruhiger gewordenen Özil-Affäre urplötzlich ganz neue Wucht verlieh, er den bei Arsenal London aktiven Kicker überraschend doch noch zu einem Statement in Sachen des Erdogan-Fotos aufforderte, was er ursprünglich wohl deutlich früher hätte tun können, ja sogar müssen.

Das ganze Schauspiel war eines der weltweit führenden Sportverbände so völlig unwürdig.

Inzwischen hat sich die angekündigte Aufarbeitung auf der Seite des Verbandes offensichtlich weiter auf die unteren Ebenen verlagert. Zumindest dann, wenn die Fußballöffentlichkeit sich das so gefallen lässt. Übereinstimmenden Medienberichten vom heutigen Tage zur Folge plant der DFB die angekündigte Aufarbeitung nämlich für das Datum 24. August ein. Denn dann sollen Löw und Bierhoff beim Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes antreten, um das enttäuschende Abschneiden bei der Weltmeisterschaft in Russland zu erklären.

Erst dann soll es offenbar auch um mögliche personelle Konsequenzen gehen. Bierhoff hatte zwar seinerseits Veränderungen „auf allen Ebenen“ angekündigt, die drei Hauptfiguren in diesem merkwürdigen Spiel scheint dies alles jedoch nicht mehr zu betreffen, wenn es nach den aktuell diskutierten Plänen geht.

Löws Assistent Thomas Schneider wackelt hingegen offensichtlich. Der langjährige Chef-Scout Urs Siegenthaler soll offenbar ebenfalls zur Disposition stehen. Zudem rechnen viele Beobachter derzeit nicht mehr mit einer Zukunft von Mesut Özil im DFB-Team, der nach den jüngsten Äußerungen über seine Person in der Tat nur noch schwer im Deutschen Trikot vorstellbar ist.

Löw und Bierhoff persönlich stehen scheinbar bei dieser tiefgreifenden Analyse nicht zur Debatte. Egal wie diese Analyse auch ausfallen wird. Bemerkenswert! Schön für sie, grundsätzlich jedoch nicht nachvollziehbar.

Ob es letztendlich damit zusammenhängt, dass der DFB ja ihre Verträge erst kurz vor der WM völlig ohne Not und nachvollziehbare Begründung verlängert (den von Löw bis 2022, den von Bierhoff sogar bis 2024) hatte?

Die sich abzeichnende Blamage des DFB in Sachen ‚Aufarbeitung‘ nimmt so in diesen Tagen jedenfalls einen ähnlich desaströsen Verlauf wie das Turnier in Russland selber.

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4 Kommentare zu “#WM2018: Die Aufarbeitung verläuft beim DFB ähnlich peinlich wie das Turnier selber

  • #1
    Ke

    Irgendwie ein Traumjob.
    Alle paar Monate spielt man gegen Gegner, die keine Chance haben. Alle 2 Jahre geht es zum Turnier und wenn man es so richtig versemmelt macht man Urlaub, bevor man mit dem Chef spricht.

    Wie lange machen das die Sponsoren mit? Aber der Dfb hat ja ein Monopol.

    Diese ganze Situation ist nicht mehr vermittelbar.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @ke: Sehe ich auch so. Die Taktik könnte allerdings aufgehen, denn je mehr Tage jetzt so vergehen, je weniger Leute regen sich noch auf. 😉 Und ausserdem haben wir ja bald das große, glanzvolle Finale, zudem läuft gerade Wimbledon und auch die Tour de France ist gestartet. Wen interessiert da noch die Analyse der WM durch den DFB. Auch die Sommermärchen-Affäre war ja nur relativ kurz aufregend. Oder wartet da etwa noch einer ernsthaft auf ein paar erklärende Worte von Franz Beckenbauer? 😉

  • #3
    Walter-Stach

    Robin,
    "..peinlich"……
    Damit wird das Tun/das Nichtstun/das Versagen von Grindel/Bierhoff, aber auch das von Löw sehr freundlich umschrieben!
    Und jetzt bemüht sich "diese Truppe", so wie in vielen Unternehmen, wie in der Politik, wie in der Administration n auf allen Ebenen vorgemacht, Sündenböcke zu finden und sog. Bauernopfer zu erbringen; sh. Özil, sh. Diskussion über enge Mitarbeiter, Zuarbeiter Löw.

    Jämmerliche Gestalten!

  • #4
    Werntreu Golmeran

    In manchen Situationen könnte man den Eindruck bekommen, Alexander Gauland würde gerne neben Oliver Bierhoff und Reinhard Grindel wohnen.

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