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Wolfgang Schäuble ist richtig sauer

Wolfgang Schäuble ist sauer. Das kommt gelegentlich vor; aber diesmal ist er richtig sauer. Kein Wunder: wie hat er denn dagestanden, als letzten Freitag das geheime Euro-Krisentreffen in Luxemburg stattfand?

Wolfgang Schäuble ist sauer. Das kommt gelegentlich vor; aber diesmal ist er richtig sauer. Kein Wunder: wie hat er denn dagestanden, als letzten Freitag das geheime Euro-Krisentreffen in Luxemburg stattfand und die ganze Sache schon Stunden zuvor in Spiegel Online nachgelesen werden konnte?! So etwas kann nicht ohne Konsequenzen bleiben. Deshalb hat der Finanzminister heute, sechs Tage nach der Indiskretion, damit begonnen, den Maulwurf zu jagen. Und zwar mit allen Mitteln: Beschlagnahme der Computer, Auswertung der Telefonate und eMails, rechtsverbindliche Erklärungen. Einen ersten Anhaltspunkt soll es bereits geben: „Schäubles Maulwurf soll `feuchte Hände´ haben“, meldet das Handelsblatt.

Dennoch ist der Minister skeptisch, ob der Übeltäter gefunden wird. „Mein Optimismus, dass wir das herausbekommen werden, ist ein begrenzter“, formuliert Deutschlands Kassenwart. Zu Recht, denn irgendwie kann es ja jeder gewesen sein. Zwanzig Mitarbeiter des Bundesfinanzministeriums stehen im Visier der hausinternen Fahndung. Zwanzig. Das ist die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Man ist diesem Treiben ja so hilflos ausgeliefert. Und der Schaden, der angerichtet wird, kann kaum überbewertet werden. „Einige EU-Partner werfen Berlin vor, dass aus Deutschland immer wieder vertrauliche Informationen an die Öffentlichkeit geraten“, schreibt die FTD. Ein „ranghoher EU-Vertreter“ wird mit den Worten zitiert: „Man erkennt schon ein gewisses Muster. Solche Sachen kommen nie aus Paris, Rom oder London, sondern immer aus Berlin.“

Ja, so ungerecht kann das Ausland sein. Nur weil einer einmal Mist baut (oder zweimal, oder dreimal, oder …), wird uns Deutschen gleich „ein gewisses Muster“ unterstellt. Richtig unverschämt geht es dann hinter vorgehaltener Hand zu: „Ich hoffe nur nicht, dass da jemand eine ganz eigene Agenda verfolgt“, zitiert die FTD den anonymen EU-Vertreter. Andererseits: so etwas glauben wir eigentlich auch, sonst würde der ominöse Maulwurf ja nicht mit allen Methoden moderner Ermittlungskunst intraministeriell gesucht. Vermutlich besteht die „ganz eigene Agenda“ des Informanten nur darin, ein paar Mark fünfzig vom Spiegel einzustreichen. Sorry, „ein paar Euro fünfzig“ muss es natürlich heißen. Womit auch erklärt wäre, warum so etwas immer in Berlin passiert, nicht aber in anderen europäischen Hauptstädten.

Wir haben nämlich den Euro. Da können Ministerialbeamte durchaus schon mal unzufrieden sein. Klar: in Paris und Rom haben sie auch den Euro. Da können sie mal froh sein! In London haben sie den Euro nicht. Deshalb werden sie auch erst gar nicht eingeladen zu irgendwelchen Euro-Geheimkonferenzen. Folglich können sie auch nichts durchstechen. Und so bleibt der Schwarze Peter wieder bei uns hängen. Da kann der Schäuble noch so sauer sein und ermitteln lassen wie Sherlock Holmes, das Ausland stänkert. Wenn man sich das nur einmal vorstellt! Ich meine: wer bezahlt das denn alles? Und wofür? Dafür, dass der ganze Laden vorn und hinten nicht funktioniert. Vorsitzender der Euro-Gruppe ist der feine Herr Juncker. Jean-Claude Juncker, der Ministerpräsident von Luxemburg. Also hat der wohl zu sich nach Hause eingeladen, um zu beichten, dass er das mit dem Euro und den Griechen auch nicht in den Griff bekommt.

Ganz geheim sollten die da alle antanzen, die Herren Finanzminister, die französische Finanzministerin, der EZB-Präsident und der Brüsseler Währungskommissar. Und was macht der Herr Juncker, nachdem die Presse Wind von dem Treffen bekommen hatte? Er lügt, bis dass sich die Balken biegen. Erst sollte gar keine Konferenz stattfinden, dann hat sie gar nicht stattgefunden, und als sie dann schließlich doch stattgefunden hatte, haben die Herrschaften laut Juncker über alles Mögliche gesprochen, nur eben nicht über Griechenland und die Eurokrise, und schon gar nicht über eine Ausdünnung oder gar Auflösung der Währungsunion. Tja, dann werden sie wohl über den Eurovision Song Contest oder die Fußball-Europaliga schwadroniert haben …

Aber so ist das. So ein Juncker kann richtig einen vom Pferd erzählen und danach noch erläutern, warum er genau genommen lügen musste. Finanzmärkte und so – ja, wo gibt es denn so was?! Und wer ist hinterher wieder an allem schuld? Klar: wir mal wieder. Das heißt: der Schäuble. Das heißt: einer seiner Maulwürfe, äh: Mitarbeiter. Nun ja, damit muss man leben. Gut, dass Schäuble auch in solchen Situationen cool bleiben kann. Stocksauer, aber cool. Sicherheitshalber hat er den Griechen schon einmal einen Hilfestopp angedroht. Hoffentlich sitzt das mal! Und der Juncker – das muss fairerweise auch zugegeben werden – sagt auch mitunter Dinge mit Hand und Fuß: „Wir wollen nicht, dass der Euro-Raum ohne Grund explodiert“, hat er erklärt, der Jean-Claude Juncker. Verständlich. Allerdings: nicht cool. Da kann ich den Chef der Euro-Gruppe beruhigen: wenn uns die Gemeinschaftswährung um die Ohren fliegt, dann bestimmt nicht ohne Grund.

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