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EU: Kein Blogger hat die Hilfe zu Guttenbergs nötig

Karl Theodor zu Guttenberg soll künftig die EU-Kommission dabei beraten, wie Blogger und Internetaktivisten in autoritären Staaten geholfen werden kann. Selten gab es eine krassere Fehlbesetzung. Es gibt bessere Alternativen: Zum Beispiel Leena Ben Mhenni.

Die Idee ist erst einmal gut: Die EU-Kommissarin Neelie Kroes will Internetaktivisten und Blogger in autoritären Staaten helfen. Die haben jede Hilfe nötig, denn ihre Medien sind in diesen Regimen oft die einzige Stimme der Freiheit, wenn der Rest der Medien staatlich gelenkt und zensiert sind. Doch dabei ausgerechnet auf Karl Theodor zu Guttenberg als Berater zu setzen, ist der denkbar falsche Weg. Das Internet hat zu Guttenberg kaum als Bereicherung erlebt, von seiner Freiheit hat er persönlich nicht profitiert.Im Gegenteil, seinen Karrierebruch hat er Online-Aktivisten zu verdanken, die seine „Doktorarbeit“ als Plagiat  entlarvt haben. Den Job sollte jemand machen, der sich nicht nur auskennt, sondern auf der Seite der Community  steht und positiv die Chancen des Netzes erlebt –  Guttenberg erfüllt keines der Kriterien. Ganz davon ab: Der Mann ist so eitel, dass ich ihm schlicht nicht zutraue, sich für weithin unbekannte Blogger und Netzaktivisten einzusetzen. Guttenbergs Programm war immer nur Guttenberg – sonst nichts.

Würde es Kroes ernst meinen – es gäbe gute Alterantiven: Leena Ben Mhenni zum Beispiel. Ihr prämiertes Blog „A Tunisian Girl“ war eines der zentralen Oppositionsmedien in Tunesien. Leena weiß worüber sie spricht und kann das auch noch in mehreren Sprachen. Sie wäre die erste Wahl für diesen Job, nicht zu Guttenberg.

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45 Kommentare zu “EU: Kein Blogger hat die Hilfe zu Guttenbergs nötig

  • #1
    teekay

    So falsch Guttenbergs Wahl auch ist, i.d.R. werden in der EU Posten an EU-Staatsangehoerige vergeben und das wuerde Leena Ben Mhenni disqualifizieren (oder hat sie eine zweite Staatsbuergerschaft?!)-aber es gibt natuerlich auch innerhalb der EU bessere Kandidaten…

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  • #3
    Robin Patzwaldt

    Dieses gegenseitige Verschachern von Jobs macht mich wütend! Tausende ‚Normalbürger‘ finden auf dem Arbeitrsmarkt nichts ‚vernünftiges‘. Aber in den richtigen Kreisen schiebt man sich die lukrativen Pöstchen offenbar mal eben so zu….
    Zum Kotzen! (*Entschuldigung für die Wortwahl!*)

  • #4
    teekay

    @ Robin: Interessante Frage, ob das ueberhaupt ein ‚lukrativer Posten‘ ist. Nicht, dass Guttenberg auf EU-Kohle wirklich angewiesen waere, aber ich koennte mir vorstellen, dass es mehr um Prestige und ‚Auslagen‘ als um einen gutbezahlten Posten geht-aber lasse mich da gerne verbessern…

  • #5
  • #6
    rtq

    Zu Guttenberg als Berater für Internetfreiheit? Was kommt als nächstes? Holger Apfel als Berater für Integrationsfragen?

  • #7
    KnoxonK

    Verwunderlich, dass Guttenberg überhaupt noch von jemandem für irgendetwas in Erwägung gezogen wird…aber dass er dann auch noch für einen so unpassenden Job genommen wird finde ich doch etwas überraschend. Da fragt man sich ob das mit rechten Dingen zu geht.

  • #8
    vera

    Wo kann ich unterschreiben? (A propos, wie wäre es mit einer Petition? Ist aber bei der EU, glaube ich, nicht in internettauglicher Form vorgesehen. #fail)

  • #9
    Michael Voregger

    Die Wahl spricht nicht für die Kompetenz der für Digitales zuständigen Kommissarin Neelie Kroes. Interessant wäre die Frage, wie die Verbindung zwischen Kroes und dem Poser zustande kam. Immerhin kommen ja beide aus unterschiedlichen politischen Lagern – liberale Volkspartij und CSU.

  • #10
    Torti

    @Robin Patzwaldt
    Wenn ich den Text der Pressemitteilung richtig gelesen ist der „Posten“ unbezahlt. Bestätigt auch dieser Bericht von ntv
    http://www.n-tv.de/politik/Guttenberg-Dies-ist-kein-Comeback-article4978846.html

    Bevor man kotzt mal informieren. Ist ganz einfach.

    Auch wenn die TZG echt Panne ist.

  • #11
    Robin Patzwaldt

    @Torti und Teekay: Auf WDR 2 lief gegen 12.30 Uhr im Mittagsmagazin ein Bericht wo vom ‚Einkaufen‘ des Herrn als externer Berater berichtet wurde. Und wenn man ihn ‚einkauft‘ als Berater, so wie dort berichtet, dann gehe ich mal schwer von einer Vergütung aus… Wer sollte den Preis des ‚Einkaufs‘ sonst erhalten?

  • #12
    yaya

    vielleicht schafft Guttenberg in seinem neuen Posten wieder – unfreiwillig – Innovationen, wie diese:

    http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki

  • #13
  • #14
    Robin Patzwaldt

    @Torti und Teekay: Auf Kabel1 haben sie jetzt gerade allerdings auch gesagt, er bekäme KEIN GELD dafür. Na ja, das widerspricht sich jetzt irgendwie, denn dann wäre er für den Job ja nicht ‚eingekauft‘ worden, so wie es vorhin im Radio deutlich gesagt wurde…. Mal abwarten was in den nächsten Tagen dazu nun noch recherchiert wird.

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  • #16
    Arnold Voß

    Ich kenne kaum einen Prominenten der sich so beharrlich selbst zur Witzfigur macht. Allerdings, ein Baron als Witzfigur, welch gelungene Selbstkritik am heutigen Adelstand.

    Wie dumm muss man jedoch sein, sich eine solche Witzfigur als Berater zu nehmen. Die internationale Bloggergemeinschaft lacht sich jetzt schon einen Ast. Und die, die in autoritären Staaten ihre lebensgefährliche Internetarbeit verrichten, müssen sich schlicht verarscht vorkommen.

  • #17
    teekay

    @ Robin: Die Familie zu Guttenberg gehoert wohl zu den 500 reichsten in Deutschland (http://de.wikipedia.org/wiki/Guttenberg_(Adelsgeschlecht)). Ob er nun einen symbolischen Euro, oder 50.000 Euro Spesen bekommt finde ich erstmal zweitrangig. Hat sich ja auch niemand beschwert, dass er ein Ministergehalt bekam. Er braucht keinen ‚Versorgungsposten‘ der EU, aber er ist natuerlich eine interessante Wahl und man wird sehen, wie er und die EU-Kommissarin zusammen gefunden haben. Eine Neiddebatte um diese Position lenkt vom eigentlichen Problem ab finde ich naemlich der unertraeglichen Selbstinszenierung. Aber vielleicht gibt’s ja demnaechst wieder hemdsaermelige PR-Fotos wenn er Arbeitslager von autokratischen Regimen besucht und den Bloggern Mut zuspricht ;)!

  • #18
    FF

    Daß er ein absolutes Windei, ja Orkan-Ei ist, hat sich eigentlich erst nach der Plagiatsaffäre herausgestellt.

    Besäße er Format, hätte er folgendes gemacht:

    1. zwei Jahre die Schnauze gehalten.

    2. währenddessen: eine juristische Dissertation verfaßt.

    3. die Dissertation ins Netz gestellt.

    4. geläutert zurückgekehrt.

    Alle Türen wären ihm offengestanden. Kanzlerschaft inklusive.

    Aber nein. Der Mann ist keine Gefahr. Schon, weil dieser Fluschi immer auf dem absolut leichtestmöglichen Weg reüssieren will. Dieser Pseudo-EU-Job aufgrund seiner connections – ein müder Witz. Das Lorenzo-Buch – Realsatire.
    Wie wäre es mit richtiger Arbeit gewesen? In der Wirtschaft, bei irgendeiner NGO, greenpeace, Rettet-die-Wale, whatever…

    Der Typ ist eine Fata morgana. Entwarnung.

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  • #20
    Arnold Voss

    @ FF #18

    Alles richtig bis auf die letzte Zeile. Der Typ ist real und die Guttenbergisierung der Welt nimmt rapide zu.

    Der Mann ist eine Gefahr. Keine Entwarnung.

  • #21
    Helmut Junge

    Seine Stärke ist der persönliche Auftritt vor solchen Menschen, die üblicherweise nichts mit dem Internet zu tun haben.
    Mit dem neuen Job ist er dieser, seiner Fangemeinde sehr fern.
    Das hat sich doch jemand ausgedacht, der ihn nicht mag.
    Jemand will ihn scheitern sehen.
    Und das wird auch geschehen.

  • #22
  • #23
  • #24
  • #25
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Rheinländer: Guttenberg, Fesel, Sauerland, Gorny: In unserem dunklen Herz ist Platz für alle…

  • #26
    Matthias

    Nellie Kroes bewundert ja die Talente von Herrn Guttenberg. Als Asterix Kenner weiss man natürlich sofort von welchen Talenten sie da spricht.

    Erinnert Ihr Euch?

    Numerobis: „Vor allem gegen den Architekten Pyradonis, meinen Konkurrenten, der mir immer schaden will. Seine Familie hat viele Talente!“
    Asterix: „Ist er begabt?“
    Numerobis: „Nein, er ist reich. Er hat viele Talente Gold. Das ist die Währung, die bei uns gebräuchlich ist.“

    In diesem Sinne Frau Kroes: Sie sind offensichtlich eine Frau die ein Talent erkennt,wenn es auf auf der Strasse liegt.

  • #27
    Ron

    Das Absurdeste daran ist, dass Frau Kroes in den letzten beiden Jahren zumindest den Anschein vermitteln konnte, als verstünde sie etwas von ihrer Arbeit. Sie war auch fast schon eine glaubwürdige Anwältin für ein offenes Internet, offene Daten etc. auf EU-Ebene geworden – und jetzt wirft sie dieses Bild, zumindest für die deutsche Öffentlichkeit, leichtfertig weg. Selbst ein italienischer EU-Journalist, der ja sicher einiges gewohnt ist, wundert sich.

    Was daran noch absurder ist, ist, dass einer der engsten Berater in ihrem Kabinett in diesen Fragen ein Deutscher ist, der ziemlich genau wissen sollte, wie „talentiert“ KT zu Guttenberg ist.

  • #28
    Arnold Voss

    @ Rheinländer #23

    Finsterling ist nicht gleich Finsterling. Es gibt begabte und weniger begabte, sympathische und weniger sympathische. Das wichtigste aber ist: Sie werden alle gebraucht.

  • #29
    Springorum

    Gehört und für treffend befunden:

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/12/12/dlf_20111212_1911_7fea04a7.mp3

    Text:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1626875/

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  • #31
    Egon

    Hier steht auch ein hübscher Kommentar zu dem Vorfall:
    http://www.oxly3.de/?p=8867

    „… Zu Guttenberg vertritt also nicht die hiesige Computerszene oder möchte mit der Piratenpartei kuscheln. Worum geht es wirklich? Laut Focus Online stellt Neelie Kroes “Pläne zur Unterstützung von Netzaktivisten in autoritär regierten Staaten vor.” Das klingt nicht nach Freiheit im Netz sondern nach Cyberwar. Eigentlich verständlich für einen ehemaligen Verteidigungsminister. „

  • #32
    Promoter

    Petition, dass Guttenberg nicht noch mehr Schaden anrichtet:

    http://www.petitions24.com/petition_zu_guttenberg_muss_die_europaische_kommission_verlassen

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  • #36
    gottwuerfeltnicht

    @Helmut Junge:

    Guttenbergs Job wird sich vielleicht nicht vorwiegend im Internet abspielen.
    Es ist stets erstaunlich, wie viel Aufmerksamkeit ihm geschenkt wird, und so befuerchte ich, dass er weiterhin (Fernseh-)Medienauftritte haben wird- vor jenen internetphoben, oft konservativ gesinnten Menschen, die ihn auch vorher schon gut fanden, und die Plagiat (und das Versagen als Bundesminister offenbar auch) fuer Kavaliersdelikte halten.
    Es gibt erschreckend viele Menschen, die in dem Medium Internet etwas mysterioeses, angsteinfloessendes und unbeherrschbares sehen- wenn Guttenberg da gute Presse bekaeme, waere er ischer ein grosser Held.

    In der Internetcommunity wird er nicht viel reissen, aber er waere dumm, wenn er das ernsthaft vor haette.

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  • #39
    Peterheinz

    Das wütende Gebell der pawlowschen Kommentatoren ist putzig. Warum wartet niemand ab, ob Guttenberg dem Anliegen nutzt?

  • #40
    Willi Erkelenz

    Wer hat denn diese Frau Kroes so dermaßen geschmiert, daß sie sich so einen (meiner Meinung nach nicht nur für Netzaktivitäten) nichtsnützigen Blender einfangen muß?

  • #41
  • #42
    Grummel

    @Peterheinz

    Welchem Anliegen?
    Dem der Meinungsfreiheit oder dem wie man diese kontrolliert?
    Zweiteres würde ich Gutti eher zu trauen .. gerade im Zusammenhang mit Atlantik-Brücke und dem Umgang mit Occupy etc…

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  • #44
    Rolf Bodenstein

    Eine ganz üble Falle für den StUffz der Reserve, sozusagen der Rand der Versenkung, in der er für immer verschwinden wird; denn, Blenden hilft hier nicht.
    Auch der in Aussicht gestellte Job als Drücker für MLP, Slogan: „Von Akademikern für Akademiker.“ scheint keine vernünftige Grundlage mehr zu haben!

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