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Gauck!

Joachim Gauck Foto: Matthias HiekelAuf die Frage, ob Christian Wulff oder Joachim Gauck der nächste Bundespräsident werden soll, fällt die Antwort leicht: Gauck!

Joachim Gauck steht mit seiner ganzen Persönlichkeit und seiner ganzen Geschichte für die Werte der Demokratie: Er durfte in der DDR nicht Journalist werden, predigte später als Pfarrer in Rostock gegen die Diktatur. Gauck ging für seine Überzeugungen ein persönliches Risiko ein. Als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und Chef der „Gauck-Behörde“ setzte er sich für die Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen ein. Dafür wurde er, vor allem aus Kreisen der heutigen Linkspartei, immer wieder angefeindet. Gauck war immer jemand, der auf der Seite der Opfer stand, auf der Seite derjenigen, die Mut gezeigt haben.

Das SPD und Grüne den parteilosen Joachim Gauck als Bundespräsidenten vorschlagen zeigt, dass beide Parteien selbstbewusst zu ihrer Geschichte stehen: SPD und Grüne kooperierten im Osten nicht mit den „Blockflöten“, wie es Union und FDP taten. Die Grünen haben ihre Wurzeln direkt in der DDR-Opposition. Sozialdemokraten wurden in der DDR verfolgt und zu Beginn der DDR auch in Lager gesteckt und getötet.

Die Wahl Gaucks ist zudem auch ein klares Zeichen gegen die Linkspartei, die sich kaum für die Wahl Gaucks aussprechen wird. SPD und Grüne zeigen: Es gibt eine demokratische Linke mit einer stolzen antitotalitären Tradition.

Und Christian Wulff? Politisch konturlos ging er immer den Weg des geringsten Widerstandes. Dass er als junger Mann Verantwortung für seine Familie übernahm macht ihn sicher sympathisch. Seine politische Laufbahn verlief glatt. Nie riskierte er etwas. Für was steht Wulff? Für welche Werte würde er etwas riskieren? Man weiß es nicht. Und dass er offenkundig Sympathien für evangelikale Gruppen hat, im Kuratorium von Pro Christ sitzt, macht ihn nicht wählbar. Und deshalb kann es auf die Frage, wer der nächste Bundespräsident werden soll, nur eine Antwort geben: Gauck!

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64 Kommentare zu “Gauck!

  • #51
    DDR-Rentner

    Herrn Gauck als Bundespräsident kann ich mir schwer vorstellen.. Dieser Mann schwelgt in nostalgischen Sphären seiner „Verdienste“ Sein Verdienst ist , dass er sich verdientermaßen , wenn auch im sicheren Schutz der Kirche, für Freiheit und Würde in der DDR eingesetzt hat. Sein Manko ist , dass er nicht den Mut aufgebracht hat, sich nach der Wiedervereinigung weiterhin als „Bürgerrechtler“ zu profilieren. Zumindest sind mir seit 20 Jahren keine Äußerungen von Herrn Gauck bekannt, die auf Ungerechtigkeiten in unserer Zeit und auf Wege zu deren Beseitigung hinweisen. Eine Person, die sich z.B. wagte, das fehlende Bürgerrecht auf Reisefreiheit in der damaligen DDR zu Recht anzuprangern, aber scheinbar nicht den Mut aufbringt, sich für die Verwirklichung des existenziellen Menschenrecht auf Arbeit im gemeinsamen Deutschland einzusetzen ist für mich nicht unbedingt der richtige Bundespräsident.

  • #52
    crusius

    Nach einer Stunde mit Google wird mir, was Herrn Wulff angeht, auch ziemlich schwummrig. Prochrist ist sicherlich keine harmlos-charismatische Erweckungsbewegung (@ 23), sondern hat eine klare Agenda, wie dieses Streitgespräch zwischen Prochrist-Gründer Ulrich Parzany und Volker Beck belegt. Falls es noch keiner gewußt hat: Homosexualität ist heilbar! Ob Herr Wulff das auch so sieht? Ich hoffe, er wird das demnächst mal gefragt.

    Und daß er keine Berührungsängste mit dem schwarzbraunen Rand unseres politischen Spektrums hat, wird hier deutlich. Nichts von alledem ist inkriminierend genug, um einen Ministerpräsidenten zum Rücktritt zu zwingen – aber sicherlich handelt es sich bei Wulff um niemanden, der aufgeklärten Bürgern unseres Staates irgendetwas zu sagen hätte. So er denn gewählt wird wird, werde ich ihn, so gut es geht, ignorieren, und hoffen, daß all jene, die nun Morgenluft wittern, um ihre reaktionäre Agenda durchzusetzen, über kurz oder lang dafür sorgen, daß auch dieser Bundespräsident vorzeitig das Weite zu suchen hat.

    Das verräterischste Dokument findet sich allerdings im Webangebot der niedersächsischen Staatskanzlei. Ein derartiges Zeugnis unverstellter <a href=http://www.stk.niedersachsen.de/live/live.php?navigation_id=1144&article_id=3126&_psmand=6Egomanie ist mir lange nicht untergekommen. Es geht um „einen Tag im Leben des Ministerpräsidenten“:


    VW-Werk, Sektor 2, 9.30 Uhr

    Angela Merkel trifft ein. Nieselregen. Wulff ist Kavalier, beschirmt die Kanzlerin. Personenschützer von LKA, BKA, Staatsschutz und Konzernsicherheit bahnen der Delegation einen Weg durch eine Menschenmenge, die die riesige Halle 11 füllt. Jubel brandet auf. Dichtes Gedränge und Geschiebe. Ein Albtraum für die Beschützer.

    Halle 11, 9.50 Uhr

    Wulff sagt, was hier alle gerne hören: „Die Welt wird nicht vom Geld allein regiert, die Menschen brauchen Sicherheit.“ Seine Botschaft kommt an. Es geht um soziale Gerechtigkeit, um Arbeitsplätze. „Volkswagen“, sagt der MP, „bestimmt den Herzschlag unseres Landes.“ 15 000 Menschen klatschen Beifall.

    Ein Bundespräsident, der immer sagt, was alle gern hören… Muß man noch mehr wissen, um zu begreifen, warum Wulff die Wahl der Stunde ist? Vielleicht wandere ich ja doch noch aus…

  • #53
  • #54
  • Pingback: Links anne Ruhr (05.06.2010) » Pottblog

  • #56
  • #57
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @DDR Rentner: Die Linkspartei wird sicher einen verdienten Stasi-Oberst als eigenen Kandidaten präsentieren. Sie sollten sich da keine Sorgen machen 🙂

  • #58
    Manfred Michael Schwirske

    Klar, Gauck. Demokratisches und intellektuelle Urgestein
    Wählbar auch für die Linke. Ob die es merken?

  • #59
    "Die geistige Achse Wulff"

    Die geistige Achse Wulff

    … Der Bundespräsidentenkandidat der CDU sieht aus wie der nettere Zwillingsbruder von Guido Westerwelle ohne Hautprobleme. Hoffentlich kommt es da nicht zu folgenschweren Verwechslungen. Westerwelle sagte über seinen Bruder einen äußerst rätselhaften Satz:

    „Christian Wulff ist jemand mit einem klaren inneren Kompass, er weiß, welche geistige Achse unsere Republik braucht.“

    Mit anderen Worten: ein Wahnsinniger bzw. zwei Wahnsinnige. Was ist eine geistige Achse? Klingt irgendwie nach Anthroposophie. Die geistige Achse hält den Astralleib zusammen. Und dieser merkwürdige innere Kompass? Haben Ärzte bei einer Blinddarmoperation in Wulffs Körper vergessen oder er hat ihn absichtlich verschluckt. Oder wurde der ihm sogar ganz bewusst auf die geistige Achse implantiert? Könnte übrigens ein neues Deodorant werden: „Geistiges Axe – damit Ihr Körper auch von innen frisch bleibt“.

    http://www.welt.de/die-welt/vermischtes/article7924525/Die-geistige-Achse-Wulff.html

  • #60
    Dr. Alfred Peukert

    Gauck als Bundespräsident ist für mich unvorstellbar. Er mag wohl ein guter Theologe und Bürgerechtler in der DDR gewesen sein, aber die großen Fähigkeiten für einen Bundespräsidenten spreche ich ihn ab. Kenntnisse In der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise, in der internationalen Poltik und in der Frage Unparteilichkeit spreche ich ihn ab. Letzteres wurde bei der „Stasiverfolgung“ deutlich. So handelt keine wahrer Christ! Er hätte sich Herrn Schorlemmer als Mitstreiter nehmen sollen, der wirklich menschlich denkt und handelt. Wo ist bisher Herr Gauck bei der Durchsetzung der sozialen Rechte der Ärmsten in Erscheinung getreten ? Tritt er gegen den Rechtsextremismus genauso entschieden ein wie gegen Sozialisten ? Sein oberster Dienstherr Gott möge verhindern, dass er gewählt wird !

  • #61
    PK

    @60: Angenehm, so ein Kommentar mit Klarname. Das hilft ihn politisch einzuordnen. Vgl. hier: http://www.semikolon-verlag.de/Aktuelles/Peuckert/peuckert.html

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  • #64
    v. Altenheimer Bonn

    @Redaktion

    Ich war damals nicht sicher …. bin nach Jokkel Gaucks letzter öffentlicher Rede gestern gewiß: Es war richtig, daß die große Mehrheit der Linksfraktion diesen Herrn nicht zum ganzdeutschen BP wählte.

    Und wenn stimmt, was Herr B 9 Großverdiener Gauck der SZ sagte – daß „sein Chauffeur“ nur 30 Teuro mtl. mehr auffer Kralle hat als dessen Hartz-Vier-Bekannter … dann liegt das Triplescandalon darin, daß Jockkel erstens ´n Chauffeur hat, daß Jokkel den so krottenschleht bezahlt und daß der sich das seit Jahren gefallen läßt, anstatt dem Jockkel einmal und kräftig ein inne […] – Sie wissen schon;-)

    v. Altenheimer, Bonn

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