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Medien: Pöttker, Eumann und die Unabhängigkeit

Marc Jan Eumann

Marc Jan Eumann

Schon jetzt zeigt sich, welche Gefahren von der vom Land NRW geplante Medienstiftung „Vielfalt und Partizipation“ für die Unabhängigkeit der Medien ausgehen: Der Skandal um die „Doktorarbeit“ des NRW-Medienstaatssekretärs Mac Jan Eumann ist eine Menetekel für die Entwicklung der Presse, wenn Politik und Medien so nah zusammenrücken, wie es sich die Rot-Grün in Nordrhein Westfalen wünscht.

Die Medienministerin Angelica Schwall-Düren (SPD) gehört zu den unbekannteren Mitgliedern des Kabinetts von Hannelore Kraft, was erst einmal eine gute Nachricht ist: In früheren Zeiten kümmerten sich Heißluftgebläse wie Wolfgang Clement oder Miriam Meckel um die Medienpolitik in NRW. Unter Angelica Schwall-Düren ist alles ein wenig bescheidener geworden und das ist gut: Das Land hat die Zuschüsse für die Medientage zusammengestrichen und die Show-Veranstaltung in Köln gestrafft, Bürgermedien sollen gestärkt werden, was kaum ein Zuhörer oder Zuschauer bemerken wird und das Grimme-Institut soll ein Kompetenzzentrum des Digitalen Diskurses werden, was nur bedeutet, das künftig etwas mehr Geld nach Marl fließt und ein paar Brötchen mehr auf Konferenzen gereicht werden, deren Ergebnisse ohne jede Auswirkung auf die mediale Realität bleiben.

Keine gute Nachricht ist, dass die zurückhaltende Schwall-Düren zusammen mit ihrem Medienstaatssekretär Marc-Jan Eumann, dem wichtigsten Medienpolitiker der SPD bundesweit, den Einfluss des Staates auf die Medien und den Einfluss der Staatsmedien ausbauen will. Die Landesregierung plant die Stärkung  Ausbau der Aufsichtsgremien des WDR und der Landesanstalt für Medien (LfM), der WDR soll sein Programm im Netz ausbauen und dann ist da noch die Stiftung „Vielfalt und Partizipation“, mit welcher der Zugriff der Politik auf  die freie Presse gesichert werden soll. Wir haben in diesem Blog Ende vergangenen Jahres vor dieser Entwicklung gewarnt und der Skandal um die Doktorarbeit von Marc-Jan Eumann hat binnen kürzester Zeit gezeigt, dass dieses Blog mit seiner Befürchtungen Recht hatte:

Nach Recherchen von David Schraven nebenan bei der WAZ beruht die Doktorarbeit von Marc-Jan Eumann auf einer aufgeblasenen Version seiner Magisterarbeit, was nach den Regeln, die es für Doktorarbeiten gibt, nicht sein darf. Sein Doktorvater ist der Dortmunder Journalistik-Professor Horst Pöttker, der vom Land, vom Ministerium in dem Schwalm-Düren Minsiterin und Eumann Medienstaatssekretär ist,  mit dem  Projekt „Initiative Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen“  betraut wurde, welches Teil der Vorarbeit zu der geplanten Stiftung „Vielfalt und Partizipation“ ist und dessen Rechtfertigung in Sachen Doktor Eumann und Medienstiftung trefflich zum Fremdschämen einlädt.

Schwall-Düren dazu am 27. September im Kulturausschuss des Landtages:

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat deswegen bereits 2011 auf dem Medienforum Maßnahmen zur Unterstützung des Lokaljournalismus angekündigt. Seither haben wir eine Initiative an der Universität Dortmund gefördert, die Weiterbildungsseminare für Journalistinnen und Journalisten durchführt und neue Weiterbildungsformen wie Inhouse-Schulungen erprobt. Zudem haben wir ein Gutachten zur Situation des Lokaljournalismus in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse Handlungsbedarf attestieren.

Die Erfahrungen, die wir in dieser ersten Pilotphase gesammelt haben und die Ergebnisse des Gutachtens, haben dazu geführt, dass wir uns in der Koalition auf die Gründung einer „Stiftung Vielfalt und Partizipation“ geeinigt haben.

Etwas später sagte die Ministerin dann den Satz „Bei allen nun anstehenden konzeptionellen Überlegungen besitzt die staatsferne Organisation der Stiftung oberste Priorität.“ was nur bedeutet, das man es gerne so staatsfern hätte wie bei den Staatsmedien von ARD und ZDF,  deren Staatsferne bekanntlich von mit Politikern  und ihren Helfershelfern besetzten Aufsichtsgremien kontrolliert wird.

Und der Fall Eumann scheint zu belegen was jeder weiß: Wer bezahlt bestimmt, man singt das Lied desjenigen, dessen Brot man isst:

Natürlich ist die TU Dortmund frei. Wissenschaft generell ist in Deutschland frei,  der Staat setzt den Rahmen, aber was am einzelnen Lehrstuhl geschieht, wer welche Abschlüsse oder Grade erwirbt ist theoretisch jedem staatlichen Einfluss entzogen.

Wenn der Staat Projekte vergibt, Geld fließt, es um Stellen geht, um Einfluss, um die berühmten Gestaltungsmöglichkeiten, dann zeigt sich, dass die Theorie der Unabhängigkeit den Praxistest kaum besteht, dass es natürlich einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit und täglicher Praxis gibt.

Die Stiftung „Vielfalt und Partizipation“ ist das Modell einer neuen sozialdemokratischen Medienpolitik. Ihr Ziel ist es, dem Staat, den Parteien und ihren Vorfeldorganisationen und Partnern aus den „gesellschaftlich relevanten Gruppen“ eine direkten Einfluss auf die Medien zu ermöglichen.

Wenn die erklärte Unabhängigkeit bei so etwas vergleichsweise banalem wie einer Doktorarbeit nicht besteht, ob Eumann einen Doktortitel hat oder auch nicht interessiert wahrscheinlich nur ihn und seine Familie, wie soll sie dann bestehen, wenn es im öffentlichen Diskurs um Fragen der direkten Macht geht? Um Skandale der Regierung beispielsweise, welche gerade die Stiftung dominiert?

Wir sollten Pöttker und Eumann dankbar sein: Der Skandal um die Doktorarbeit hat aufgezeigt, das alles Gerede um die staatsferne der geplanten Medien-Stiftung nicht mehr ist als Gerede, das sich schon vor Beginn der Arbeit dieser Stiftung die Idee selbst entlarvt hat. Das liegt noch nicht einmal am Charakter der Akteure, es liegt an den Strukturen, den Abhängigkeiten die auch mit dem blumigsten Polit-Sprech nicht wegzudiskutieren sind.

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22 Kommentare zu “Medien: Pöttker, Eumann und die Unabhängigkeit

  • #1
    Beate Kostrich

    Das schlimme im Fall Eumann und Doktorarbeit ist diese gegenseitige Verfilzung und Verschleimung.

    Man hat den Eindruck, die Pöttkers und Pätzolds dieser Welt wollen einfach nur das Gedärm von Leuten wie Eumann besiedeln, um dann ihre Projekte finanziert zu bekommen. Da werden Hände gewaschen.

    Ich kann die Dialoge hören:

    Professor an Politiker: „Du bist so toll, deine Ideen, brilliant, Deine Forschung. So wissenschaftlich bahnbrechend. Diese wichtige Geschichte von diesem langweiligen Dienst nach dem Krieg muss einfach in einer Promotion erzählt werden. Damit sie richitg gewürdigt wird. Bitte lass mich Dein Doktorvater sein. Schubi-Schubi.“

    Politiker an Professor: „Dein Projekt zur Forschung ist so brilliant politisch, das passt perfekt in unsere Förderkulisse. Das müssen wir einfach fördern. Muschi-Muschi.“

    Dann reiben beide mit abgespreitzen kleinen Fettfingerchen ihre Sektgläserchen aneinander.

    Ich glaub nicht mal, dass das kriminell ist, das ist nur die Methode, nach der die unabhängige Geisteswissenschafts-Forschung an Kohle für eigene Projekte kommt.

    Bahhhhhhhhhhh.

    Filz in Reinkultur.

    Und das soll mit der UNABHÄNGIGEN STAATSFERNEN Eumann-Stiftung institutionalisiert werden.

    Ich wage eine Wette:

    a) Die Stiftung soll an der Uni Dortmund instaliert werden.
    b) Die Stiftung wird das Projekt „Initiative Nachrichtenaufklärung“ übernehmen. Diese Initiative wird nämlich auch vom Pöttker-Lehrstuhl getragen, wurde im vergangenen Jahr schon im Rahmen der Staatsbezahlten INLOK Initiative verhandelt und droht nach Pöttekrs Uni-Abschied zu versanden.

  • #2
    Stefan Laurin Artikelautor

    @Beate Kostrich: Genau so wird es kommen – und daran wird der Skandal um Eumann auch nichts ändern. Der Zugriff auf die Medien steht auf der Agend von SPD und Grünen. Sie werden die momentane wirtschaftliche Schwäche der Verlage ausnutzen und ihre Ideen von staatsnahen, genehmen Medien umsetzen. Die Kritik werden sie aussitzen – und ich bin mir sicher, es wird ihnen gelingen.

  • #3
    Genosse ohne Parteibuch

    Der Eumann ist ein Schlawiner. Ich erinnere nur an die Kölner SPD-Spendenaffäre vor gut 10 Jahren. Alle damaligen Figuren gingen unter wegen gestückelter Parteispenden… nur Stehaufmännchen Eumann wand sich durch wie ein Aal… Seit 20 Jahren schwurbelt der jetzt in der SPD rum, seltsamer windiger Typ….

  • #4
    Walter Stach

    Stefan,
    ich war seinerzeit nach dem ersten Bekanntwerden der Ideen von Staatssekretär Eumann hier im Blog der Meinung, daß die Idee bedenkenswert sei, trotz aller naheliegenden Befürchtungen von Journalisten wegen der Gefahr einer staatlichen Beeinflussung staatsfreier Medien.

    Eine m.E. wünschenswerte und umfassende Diskussion dieser Idee mit allen Beteiligten/Betroffenen wird nun erheblich erschwert, wird von vornherein durch noch mehr naheliegende Vorbehalte -sh.Dein Kommentar- belastet,nachdem die beruflich-persönliche und damit politische Verquickung von Staatssekretär Eumann mit Prof.Pöttker bekannt geworden ist.
    Auch wenn Eumann, wie ich gehört,gelesen habe,betont, daß er bei der Auftragsvergabe seines Ministeriums an Prof.Pöttken im Ministerium ausdrücklich festgelegt hat, daß er damit nicht zu involvieren ist und -ich unterstelle-folglich auch nicht involviert war, ändert das nichts daran, daß die gesamte Idee,um die es hier geht und die ich, sh.oben,zumindest für bedenkens- und diskussionwert halt, jetzt erheblich diskreditiert ist;leider.
    Es stellt sich wieder einmal für mich die Frage nach nach der Sensibilität politischer Entscheidungsträger, hier eines Staatsekretäres.
    Es passiert leider immer wieder, daß an sich gute Ideen, gute Projekte völlig unnötig mangels politischer Senisibilität von Führungskräften belastet werden.Ich kann mir das nicht erklären.

    PS
    Wenn jemand mit Zustimmung seines Doktorvaters eine vorangegangene wisschenchaftliche Arbeit für seine Promotionschrift „aufarbeitet“ und das zudem ausdrücklich im Vorwort der „Doktorarbeit“ erklärt, dann…………? Ja dann verstehe ich das diesbezügliche Getöse in den Medien nicht, auch wenn es „streng formal“ in der Doktorarbeit selbst bezüglich der Klarstellung bzw. der Verweisung auf die “ eigene (!!)wissenschaftliche Vorarbeit“ hätte exakter zugehen müssen, wie zu hören und zu lesen ist.

    Nun wird in den Medien, wie stets in vergleichbaren Fällen, ein Brei angerührt, in dem die von mir oben angesprochenen Probleme mit dem Thema „Doktorarbeit“zusammen gebracht wurden.
    Ein Brei, der den Medien schmeckt, weil er bei den Kunden gut ankommt.
    Nicht zu ändern.
    Wenn von den Medien, einigen Medien, den Journalisten, einigen Journalisten, so gewollt, dann -sh.einleitend-kann dieses entscheidend dazu beitragen, daß eine m.E.bedenkens- und diskussionswerte Idee jetzt als „erledigt“gelten kann.

  • #5
    Hans Meier

    Angesichts der Entwicklung und Diskussion, sollte man sich auch diesen Link eingehend ansehen

    http://sciencefiles.org/2012/04/20/spd-sozialdemokratischer-pressekonzern-deutschland/

    Ich finde es hilft zu wissen, ob mir eine Parteibroschüre täglich versucht die Zustände im Revier zu „verklären“ und wer an allem Schuld sei.
    Die Kritik, siehe Link, warum eine Partei ausgerechnet einen Medienkonzern betreibt und das komplett verschweigt aber ständig Parteipropaganda produzieren lässt, halte ich für sehr berechtigt.

  • #6
    Stefan Laurin Artikelautor

    @Walter Stach: Die Art von Machtausübung wie sie auch über die Stiftung geschehen wird ist eine die ohne direkten Einfluss auskommt. Sie bezieht ihre Stärke aus dem Willen der Empfänger dem Geber zu gefallen. Ziel ist es, dem Geber die Peinlichkeit zu ersparen, direkt eingreifen zu müssen. Die Abhängigen ahnen seinen Willen und handeln entsprechend. Wahrscheinlich wird eine Medienstiftung auch nicht direkt dem Einfluss der Landesregierung ausgesetzt sein – die Leitung der Stiftung wird wissen welche Geschichten zu fördern sind und bei welchen man es am besten unterlässt – alibikritische Stücke inklusive, denn diese Form der Machtausübung lebt von der Gesichtswahrung beider Seiten. Das macht diese Form der Herrschaft nicht weniger repressiv, sie kommt nur netter daher.

  • Pingback: Aufgelesen … Nr. 10 – 2013 | Post von Horn

  • #8
  • #9
    Achim

    #6
    Der Kölsche Klüngel basiert nicht auf der Ausnutzung
    von Abhängigkeitsverhältnissen.
    Ein klassisches Abhängigkeitsverhältnis wäre etwa dieses.
    Politiker verfügt über Geld (Geld der Bürger)
    Politiker will Doktortiel
    Also erhält der Wissenschaftler sein Geld und der Politiker
    seinen Doktor.

    Es gibt da noch ganz andere Dinge als ein möglicherweise
    nicht ganz „echter“ Titel.

    Sobald es um „Public Private Partnership“ geht, geht es
    ganz schnell ganz fett krass an das Geld der Bürger.
    Ich sage nur mal „Eschfonds“ „Müllverbrennungsanlage Köln
    (Unternehmensberater Karl Wienand (siehe Paninternationalabsturz))“ „Mantelbebauung Köln-Arena“.

    Zum Stöbern in kritischen Informationen empfehle
    ich mal diese Quelle:
    http://www.gruenekoeln.de/ratsfraktion/rathaus-ratlos.html
    Diese Zeitschrift erschien seit dem erstmaligen Einzug
    der Grünen in den Rat der Stadt Köln.

    Es gibt da noch eine andere Quelle, aber diese
    mischt verschwörungstheoretischen Müll z.B. zu
    9/11 den Informationen zum Kölschen Klüngel in
    Köln und Mülheim an der Ruhr bei.

    Achim

  • #10
    Walter Stach

    -6-Stefan,
    über das Pro und Contra der angedachten Stiftung hätte man, und nur das war meine Intention, offen und öffentlich unter allen Betroffenen,Beteiligten, Interessierten umfassend diskutieren und nach einem für jedermann nach nachvollziehbarem Abwägen zwischen Pro und Contra entscheiden können, entscheiden sollen.
    Als fachlich-sachlich „Außenstehender“, aber politisch Interessierter hätte ich mir das gewünscht, um urteilsfähig sein zu können.

    Alles das scheint mir jetzt nicht mehr möglich, zumindest nur noch unter „erschwerten Bedingungen“.

    Es war ja bisher keinesfalls so, daß alle Deine Journalisten- Kollegen a priori die Idee, die jetzt leider viel zu sehr mit der Person Eumann verbunden wird, vor allem mit deren Schwächen, als nicht diskutabel, als nicht bedenkenswert verworfen haben.

    Im übrigen schon nachdenkenswert, was jetzt hier im Blog z.Teil im Zusammenhang mit Eumann, im Zusammenhang mit „meiner „SPD ausgegraben wird.Eine möglichst von Vorurteilen freie Diskussion über eine, wie ich weiterhin meine, für die Zukunft des Journalismus interessante Idee, die ich mir wünsche,ist so nicht möglich -auch, aber nicht nur wegen der Person Eumann.

    (Soll ich als Sozialdemokrat jetzt sozusagen als Retourkutsche auf einige der o.a.Beiträge damit anfangen, Filz, Kungel,Klüngel, Korruption, Steuerhinterziehung, Spendenaffären,Betrug bei der Promition, Veruntreuung u.ä.mehr durch CDUCSU/FDP Spitzenpersonal auf Bundes- und Landesebene aufzulisten und das dann noch durch „Entsprechendes“ auf kommunaler Ebene ergänzen?
    Gelegentlich bin ich versucht, mich dazu provozieren zu lassen;es bleibt aber regelmäßig bei der Versuchung.
    Ich denke, jeder politische Interessierte, dem die Fähigkeit zu ein wenig Objektivität nicht abhanden gekommen ist, erfaßt alle(!!) einschlägigen Sachverhalt eigenständig, erinnert sich an sie und beurteilt sie, auch ohne mein Zutun.)

  • #11
    Thomas Wessel

    „Hätte ich die Wahl zwischen einer Regierung ohne freie Presse und einer freien Presse ohne Regierung würde ich letzteres nehmen.“ Soll Thomas Jefferson gesagt haben.

  • #12
    der, der auszog

    @Walter

    Der Verweis auf den SPD Spendenskandal aus 2002 hier im Blog hat vermutlich weniger damit zu tun, alte Sünden „deiner“ SPD auszugraben und den Kölner Klüngel wiederauferstehen zu lassen. Das Eumann diesbezüglich von der Gesellschaft unter Beobachtung steht und hin und wieder Erinnerungen geweckt werden, ist genauso selbstverständlich wie die Beobachtung eines Wolfgang Schäubles. Aber aus der Tatsache, dass Eumann vor 10 Jahren getürkte Spendenquittungen an das Finanzamt weitergeleitet hat, wird ihm heute niemand mehr einen Strick drehen können.

    In der Diskussion um Eumann geht es aber nicht um Spendenskandale, sondern um die Unabhängikeit der Medien bzw. um eine Gefährdung dieser Unabhängigkeit. In diesem Zusammenhang ist eine Betrachtung des Kölner Spendenskandals im Rahmen der damaligen medialen Aufmerksamkeit, die er auslöste, dann doch wieder interessant.

    Dem Westdeutschen Rundfunk wurde im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Spendenskandal vorgeworfen, das Thema eher stiefmütterlich zu behandeln. Im Focus gab es dazu einen Artikel mit dem Titel: „WDR – Spendenskandal tabu“, in dem bemängelt wurde, dass es keine zusammenfassende Sondersendung, wie den klassischen ARD Brennpunkt zu dem Thema gab. Das prekäre an der Sache: Jan Marc Eumann saß damals im Rundfunkrat des WDR. Unabhängig davon, ob die Vermutung, er hätte vielleicht Einfluss auf den Sender ausüben lassen stimmt oder nicht, zeigt sie – zumindest mir – dass ein Medienbeauftragter, sobald er Dreck am Stecken hat, die Glaubwürdigkeit an eine unabhängige politische Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien in Frage stellen lässt, weil sich ein Sender immer wird Befangenheit unterstellen lassen müssen, sobald ein Medienbeauftragter, der diesen Sender kontrolliert, so in die Schlagzeilen gerät, dass über ihn berichtet werden muss.

    Und auch das ist keine Überlegung, die in erster Linie etwas mit „deiner“ SPD zu tun hat. Wenn ich mir beispielsweise vor Augen führe, wie Nikolaus Brender von CDU-Mann Roland Koch (der übrigens auch zum Thema Parteispenden ein Liedchen würde singen können) aus dem ZDF gemobbt wurde, dann bekomme ich heute noch eine Gänsehaut.

    Wenn man über eine Medienstiftung diskutiert, ist ein Blick auf die Situation bei den bereits existierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten unausweichlich. Und die sind fest in den Händen der Politik.

    hier noch der Artikel im Focus:
    http://www.focus.de/magazin/archiv/wdr-spendenskandal-tabu_aid_206354.html

  • #13
    Walter Stach

    -12-DR,DER…..
    Ich bin wohl mit einem Teil meines Beitrages mißverstanden worden.

    Zur Sache „Stiftung für….“habe ich unter -4-und unter -10-meine Meinung gesagt und an der halte ich fest. Ich nehme selbstverständlich auch alles das auf, was gegen diese Stiftungsidee spricht und bringe es in meine Überlegungen ein.
    Ich hätte mir, und das habe ich in allen meinen Beiträge deutlich formuliert, über das Pro und Contra eine gründlichere, argumentativere ,öffentliche Diskussion aller Beteiligten/Betroffenen gewünscht. Und insofern finde ich es bedauerlich, daß die Causa Eumann, ein solche scheint es ja jetzt zu geben, eine solche Diskussion jetzt erheblich belastet oder sogar gänzlich unmöglich macht.

    (In Sachen „Polemiiken“ Richtung SPD habe ich, wie jetzt auch, meine Bemerkung unter -10-bewußt in Klammern gesetzt, weil sie mit der hier strittigen Sache unmittelbar nichts zu tun hat.
    Einige der Beiträge, die meinem Beitrag -1o- vorangestellt sind, versuchen -nach meiner Meinung-den Einduck zu vermitteln, Klüngel, Filz usw. seien „typische Alleinstellungsmerkmale“ der SPD. Und nur das war für mich Anlaß, sehr zuückhaltend, daran zu erinnern, daß………………….!!!!!)

    DER,DER…bei der Gelegenheit ‚mal nachgefragt:
    Gibt es irgend wo in irgend welchen Medien mittlerwele Berichte,Kommentare zu dem, was ich den „illegalen geheimen Geheimdienst“ genannt habe, also das, was führende Konservative von CDU und CSU seinerzeit verfassungswidrig gegen die Regierung Brandt initiiert haben, um deren demokratisch legitimierte Politik zu untergraben?
    Wir haben das Thema hie im Blog im Zusammenhang mit den Neujährswünschen kurz angesprochen.
    Nach meinem Kenntnisstand scheint das Thema weiterhin kein öffentliches Interesse zu finden;medial findet es gar nicht statt.
    Das läßt mich wieder einmal darüber nachdenken, warum bei uns betimmte Themen in den Medien prioritär behandelt, andere dagegen medial nicht stattfinden.

  • #14
    der, der auszog

    @Walter:

    Soweit ich das überblicke, stützen sich die Medien, die bislang über den „illegalen geheimen Geheimdienst“ berichtet haben, alle auf den Zeitartikel, auf den Du hier an anderer Stelle verwiesen hast. Das Thema war Ende November 2012 mal kurz in den Schlagzeilen und das war es dann. Bis auf Egon Bahr hat sich noch niemand zu der Angelegenheit geäußert, aber vermutlich warten viele (Journalisten, Politiker, Bürger) auf das Buch von

    Stefanie Waske:

    „Nach Lektüre vernichten! – Der geheime Nachrichtendienst von CDU und CSU im Kalten Krieg“

    Carl Hanser Verlag

    Erscheinungstermin ist der 25. Februar.

    Ich mach jetzt einfach mal ein bisschen Schleichwerbung, in der Hoffnung das wir die Umstände um den geheimen Geheimdienst anhand des Buches hier ein wenig näher beleuchten können, sollte das mediale Interesse an der Thematik auch nach dem 25. Februar so verhalten bleiben wie im Moment. Drei Interessenten haben diesbezüglich ja schon ihr Interesse bekundet und jetzt geht es darum, noch weitere Leute anzustecken.

    Für alle die neugierig geworden sind, hier noch einmal der Link zu dem Zeitartikel:
    http://www.zeit.de/2012/49/Spionage-CDU-CSU-Willy-Brandt

    … und zu Eumann und der Medienaffäre fällt mir gradmanix ein 😎

  • #15
    Walter Stach

    DER,DER..:
    Danke für die Informationen.

    Buch von Waske ist schon in meiner Buchhandlung (vor-) bestellt aufgrund Deines Hinweises seinerzeit im Zusammenhang mit den Neujahrswünschen. Werbung für dieses Buch ist wichtig!!

    Ich versuche derzeit zu recherchieren, ob, wie und wann der Bundesparteivorstand „meiner“ SPD sich des Themas öffentlichkeitswirksam annehmen wird oder eben nicht und ggfls.warum nicht.

    Zur Zeit hat der Bundesparteivorstand „meiner “ SPD ja möglicherweise aktuell Wichtigeres zu tun -Landtagswahl Niedersachsen, Peer Steinbrück-.

  • #16
    Martin Böttger

    @ 12 der, der auszog
    Zuviel der Ehre für Eumann und Focus. Soviel Selbstzensur schaffen und schafften leitende MitarbeiterInnen der ARD-Anstalten ganz ohne Politikerdruck. Solche Spendenaffären wie damals, und zumal in Köln, „drohen“ immer mehr als eine Partei zu erfassen. Da ist der damalige ARD-Koordinator Hartmann von der Tann, der der CDU nahestand, bestimmt ganz ohne Eumann-Anruf drauf gekommen.

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