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Aids-Hilfe NRW zeichnet Station 2b aus. Warum?

Bild auf der Facebookseite von Socke & Schuss

Bild auf der Facebookseite von Socke & Schuss

Das Herzenslust-Projekt der Aidshilfe NRW ist die HIV-Präventionskampagne und hat mit “Socke & Schuss” eine launige Aufklärungskampagne ins Leben gerufen, in der zwei Socken sich über schwule Sexualität, Szene und den Sinn und zweck von Kondomen unterhalten. Soweit so gut.

Das Station 2b ist ein schwuler Club in Köln, der auf zwei Ebenen Disco und ausgedehnte Darkroombereiche verbindet. In der Selbstdarstellung bezeichnet er sich als “größter men-only GAY CRUISING CLUB”. Auch ok.

Nun hat “Socke & Schuss” das Station 2b als “Top-Location 2015” ausgezeichnet. Auch dagegen wäre nichts zu sagen, denn wo wäre es sinnvoller, HIV-Prävention zu betreiben, als in einem Club, in dem es vornehmlich darum geht, dass schwule Männer miteinander Sex haben? Näher an der Zielgruppe kann man ja gar nicht sein.

Dummerweise hat das Herzenslust-Projekt dabei übersehen, dass man es im Station 2b mit dem sicheren Sex offensichtlich nicht immer so ganz ernst nimmt. Natürlich verlangt niemand, dass Mitarbeiter kontrollieren, ob auch jeder artig sein Kondom überstreift. Das kostenlose Bereitstellen von Kondomen und der Hinweis, dass unsafer Sex nicht erwünscht ist, ist wohl das, was man erwarten könnte. Doch im Sommer 2015 fand im Station 2b eine Party statt, die nun so gar nichts mit den Vorstellungen vom sinnvollen Umgang mit dem Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten zu tun hat. Unter dem Titel “Biohazardmen trifft Stosszeit” findet sich diese Ankündigung:

Screenshot der Seite biohazardmen.eu

Screenshot der Seite biohazardmen.eu

In den Regeln der Party heißt es:
“Der Teilnehmer erklärt, dass, sollte es zu ungeschützten sexuellen Handlungen (sog. Bareback) kommen, er über die Risiken informiert und aufgeklärt ist.
• Der Teilnehmer erklärt, dass alles, was er während der Party macht, auf eigene Gefahr geschieht und niemand, außer er selbst, die Haftung übernehmen kann.”

Es mag sein, dass es sich bei dieser Party nur um eine Fremdvermietung handelte, aber dennoch ist die Frage berechtigt, in wiefern ein HIV-Prävention-Projekt tatsächlich einen Club auszeichnen kann, der einer Veranstaltung seine Räume zur Verfügung stellt, die so deutlich die selbst gesetzten Standards des Clubs – und des Herzenslust-Projektes – unterläuft.

RuhrBarone-Logo

3 Kommentare zu “Aids-Hilfe NRW zeichnet Station 2b aus. Warum?

  • #1
    discipulussenecae

    Natürlich ist diese Auszeichnung zumindest fragwürdig. Aber diese Seite nennt sich ‘Ruhrbarone’, und genau deshalb verfolge ich sie regelmäßig. Hieße sie ‘Rhein-‘, ‘Sieg-‘, ‘Alt-‘ oder gar ‘Kölschbarone’, würde sie mir sonstwo vorbeigehen. Sexuelles Gebaren beim Münchner Oktoberfest läßt mich ja auch kalt!

  • #2
    Innos

    Auch wenn ich diese Ankündigung (und was ich dafür recherchieren musste, um alles zu verstehen) für Ekelhaft finde (es aber toleriere), ist das, was den unterschied ausmacht, folgender Satz (im Screenshot): "ultimative Party für HIV-Positive Männer".
    Demnach soll die Party eh nur für Männer sein, bei denen der Schutz eh zu spät ist.
    Ich denke mir da: Wenns Spaß macht, sollen Sie es machen.

    Was man, wie gesagt, davon halten soll, ist eine andere Diskussion.

  • #3
    Honke Rambow Beitragsautor

    Lieber Innos,
    es ist nicht ganz richtig, dass bei HIV+ es für den Schutz eh schon zu spät ist. Zum einen gibt es ja noch andere sexuell übertragbare Krankheiten, die für HIV+ weitaus gefährlicher sind als für HIV-. Zum anderen ist zwar mittlerweile bekannt, dass der/die gut therapierte HIV+ kein Ansteckungsrisiko mehr darstellt und zu den sichersten SexualpartnerInnen gehört, da sein/ihr Status regelmäßig überwacht wird, doch genau darauf weist die Partyankündigung nicht hin (auf das gut therapiert). Da wird es dann fahrlässig, denn wenn gut therapierte HIV+ und solche, deren Viruslast möglicherweise über der Nachweisbarkeitsgrenze liegt, ungeschützten Sex haben, kann es zu Mehrfachinfektionen kommen, die einerseits den Status des Therapierten gefährden können, andererseits aber vor allem auch zu neuen Resistenzen beim Virus führen.

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