
Arye Sharuz Shalicar ist – als ehemaliger Pressesprecher der IDF, deutsch-israelischer Politikwissenschaftler, Autor (Überlebenskampf, Schalom Habibi, 100 Weisheiten um das Leben zu meistern, Tagebuch aus Cherson) und Publizist mit persischen Wurzeln – der perfekte Ansprechpartner, wenn es um Fragen zum aktuellen Waffengang Israels und der USA gegen das Terrorregime der Mullahs im Iran geht.
Während des israelischen Anti-Terror-Einsatzes, nach dem verheerenden Terrorangriff aus Gaza am 07.10.2023, startete Arye Sharuz seinen Podcast Nahost Pulverfass – Kriegsbericht aus Israel. In den letzten drei Monaten war in seinem Podcast eher wenig Aktivität festzustellen. Mit der Folge „Operation brüllender Löwe“ vom 28.02.2026 und der Folge „Israel tötet den Diktator Khamenei“ vom 01.03.206, meldete sich Arye Sharuz sich jetzt als Podcaster zurück.
Die Ruhrbarone hatten Fragen zum aktuellen Kampf gegen das islamistische Terrorregime, das seit Jahrzehnten – über seine Proxis Hamas, Hisbollah und Huthis – im Nahen Osten für Terror und Krieg verantwortlich ist und durch das ballistische Raketenprogramm und seinem Streben nach Nuklearwaffen eine Gefahr für die gesamte Welt darstellt.
Das Gespräch fand am 01.03.2026, vor dem Angriff der Hisbollah auf Israel, statt.

„Die Tore zur Freiheit sind offen“
Ruhrbarone: Schalom Arye! Erstmal schön, dass du dir Zeit für die Ruhrbarone nimmst. Bist du aktuell wieder in die IDF eingebunden?
Arye Sharuz Shalicar: Nein. Die IDF spricht auch nicht wirklich öffentlich. Also das Militär – ähnlich wie das amerikanische Militär – kümmert sich um die Kampfhandlungen und nicht um Kommunikation.
Ruhrbarone: Wie hast du den Beginn des aktuellen Waffengangs am Samstag erlebt?
Arye Sharuz Shalicar: Ich wurde morgens am Wochenende, am Samstag, aus dem Schlaf gerissen. Der Samstag ist für mich normalerweise der einzige Tag in der Woche, an dem ich morgens gemütlich im Bett liegen bleibe. Und dann gingen plötzlich die Sirenen los.

Ruhrbarone: Ein ähnliches Szenario wie am Morgen des 7. Oktober 2023? (Ruhrbarone: „So etwas hat Israel in den letzten 50 Jahren nicht gesehen“)
Arye Sharuz Shalicar: Ja, genau. Ähnlich wie am 7. Oktober 2023, nur dass wir diesmal mit einem Präventivschlag begonnen haben und nicht überfallen wurden. Das ist natürlich eine andere Situation. Dennoch: Wenn man morgens aus dem Schlaf gerissen wird, ist das heftig. Allerdings muss ich sagen, dass wir hier seit Wochen damit gerechnet haben. Viele gingen stark davon aus, dass dieser Tag kommen würde – möglicherweise rund um Purim.
„Historische Zeiten für den Iran“
Ruhrbarone: Du hast iranische Wurzeln und teilweise noch Familie im Iran. Welche Gefühle löst das bei dir aus? Wie gehst du damit um?
Arye Sharuz Shalicar: Es sind historisch bedeutsame Zeiten. Nach 47 Jahren einer grausamen Diktatur gibt es nun Hoffnung. Ich habe heute auf Twitter geschrieben: Israel und Amerika haben den Menschen im Iran die Tore zur Freiheit geöffnet. Jetzt geht es darum, dass die Menschen sich – parallel zu den Angriffen auf Militärstützpunkte, Revolutionsgarden, Führungspersonen sowie Raketen- und Nuklearanlagen – ihr Land zurückholen und es aus den Klauen dieser Tyrannei befreien.
Dafür braucht es Mut vor Ort. In den letzten Jahren haben viele diesen Mut bereits gezeigt. Es könnte die entscheidende Schlacht vor einem freien Iran sein.
Ruhrbarone: In Deutschland wird in bestimmten Kreisen der Schlag gegen des Terrorregime teilweise mit Verweis auf das Völkerrecht kritisiert. Du hast dazu in deinem letzte Podcast gesagt, manche Kritik grenze an „Verrat an der Menschlichkeit“. Wie gehst man mit dieser „Völkerrechtskritik“ um?
Arye Sharuz Shalicar: Seit dem 7. Oktober 2023 habe ich den Eindruck, dass viele, die ständig „Völkerrecht“ sagen, in der Praxis islamistischen Terrororganisationen indirekt helfen. Das tut weh. Denn dieselben Stimmen schweigen, wenn im Iran massenhaft Menschen getötet werden oder wenn israelische Geiseln nach Gaza verschlepptt oder hunderte Raketen auf Israel abgefeuert werden.
Diese Doppelmoral macht es schwer, solche Kritiker ernst zu nehmen. Wenn man ein Unrechtsregime stoppen will, zeigt die Geschichte leider, dass es ohne militärische Mittel oft nicht geht – wie damals im Kampf gegen die Nationalsozialisten.

Ruhrbarone: Im letzten Jahr gab es im Zwölftagekrieg (Ruhrbarone: „Israel wehrt sich“) massive Raketenangriffe aus dem Iran. Gefühlt, zumindest laut den Warnmeldungen der HomefrontCommand-App und der Tzofar-App auf meinem Handy, gibt es aktuell – im Vergleich zum Juni 2025 – weniger Einschläge in Tel Aviv. Warum ist die Lage diesmal anders?
Arye Sharuz Shalicar: Es gibt weiterhin Raketenangriffe und die Sirenen heulen hier fast durchgehend. Es gab in Israel Verletze und bisher neun Tote. Aber die Intensität ist geringer als zuvor. Das liegt unter anderem daran, dass Israel gezielt Raketenanlagen, Produktionsstätten und Infrastruktur im Iran angegriffen hat. Zudem richtet sich das iranische Vorgehen nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen amerikanische Stützpunkte im Golfraum sowie gegen andere Staaten, die als Verbündete wahrgenommen werden. Dadurch verteilt sich die militärische Belastung.
Ruhrbarone: Es wirkt fast ironisch, dass einige arabische Staaten den Waffengang gegen den Terror stillschweigend unterstützen, während Kritik eher aus Europa kommt.
Arye Sharuz Shalicar: Das war schon nach dem 7. Oktober 2023 ähnlich. Viele arabische Staaten sehen in der iranischen Achse ebenfalls eine Bedrohung. Der Konflikt ist nicht nur ein israelisch-palästinensischer, sondern auch ein geopolitischer Machtkampf zwischen regionalen Blöcken – einschließlich religiöser und ethnischer Spannungen. Diese komplexe Lage wird in Europa oft stark vereinfacht dargestellt.
Das ist, was man über all die vielen Jahrzehnte nicht verstanden hat. Und ein Michael Lüders und ein Daniel Gerlach scheinen das auch nicht zu verstehen. Oder sie verstehen es, aber machen weiter mit ihrer Propaganda und reden, wenn es um den Nahostkonflikt geht, immer nur über Juden und Palästinenser, was absoluter Quark ist. Und jetzt in diesen Tagen zeigt sich halt, dass wieder die arabische Welt oder Teile der arabischen Welt im Nahen Osten hinter den Amerikanern und sogar hinter Israel stehen, im Kampf gegen das iranisch-schiitische Terrorlager, angeführt von Teheran.
Und wieder motzen westliche, naive, dumme Menschen, als Völkerrechtler und als Menschenrechtler getarnt , die im Endeffekt indirekt und teilweise sogar direkt genau diesen Unrechtsregimen wie im Iran oder Terrororganisation wie der Hamas und der Hisbollah unter die Arme greifen.
Ruhrbarone: Großes Thema bei den Kritikern des Waffengangs gegen das iranische Terrorregime, ist aktuell ein angeblicher Angriff auf eine Mädchenschule im Iran. Die Berichterstattung erinnert an den Anfang des Kriegs gegen die Terrorgruppe in Gaza, als Israel für den Angriff auf ein Krankenhaus und zahlreiche Tote verantwortlich gemacht wurde (Ruhrbarone: Die Linken-Europaabgeordnete Özlem Demirel und die Propaganda der Hamas). Bis sich herausstellte, dass die Rakete vom Islamischen Dschihad stammte.
Arye Sharuz Shalicar: Der Vorfall betrifft ein Gebiet, in dem US-Truppen im Einsatz waren – nicht die israelischen Streitkräfte. Es handelt sich um ein abgestimmtes Vorgehen von US- und israelischem Militär, bei dem bestimmte Ziele im amerikanischen und andere im israelischen Einsatzbereich liegen.
Die USA haben erklärt, sie nähmen die Berichte ernst und prüften den Fall. Zudem gibt es Hinweise, dass sich die betroffene Schule auf dem Gelände einer Kaserne der Revolutionsgarden befunden haben soll – offenbar eine Schule für die Kinder von Terroristen.
Noch einmal: Mit diesem konkreten Fall hat Israel nichts zu tun.
Ruhrbarone: Wie erfolgreich ist der aktuelle Schlag gegen das Terrorregime der Mullahs?
Arye Sharuz Shalicar: Ich denke, der erste Tag gestern war extrem erfolgreich. Ali Chamenei ist weg, sehr viele andere Chefs sind weg. Die nächsten Tage werden auch in diesem Modus weitergehen. Und dann irgendwann nehme ich an, in ein, zwei Wochen wird es dann sich eventuell ein Stück weit beruhigen, nachdem dort die Hauptgefahren zerstört sind. Und dann ist natürlich die Frage, was sich da in Sachen Volksaufstand getan hat. Ob dadurch neue Fakten geschaffen wurden, oder ob das Regime oder diejenigen, die übrig bleiben vom Regime, wirklich auf allen Vieren, zurück an den Verhandlungstisch kriechen und im Endeffekt mit den Amerikanern am Ende einen Vertrag, ein Abkommen unterzeichnen, wo sie mit nuklearer Anreicherung aufhören, wo sie mit der Produktion ballistischer Raketen und Raketenentwicklung aufhören und somit keine Gefahr mehr für die Region und die Welt darstellen. Und was dann am Ende sie im eigenen Land machen, ist dann ihnen überlassen. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie die Menschen dort im Iran ihre eigene Zukunft gestalten möchten.
Ruhrbarone: Du hast irgendwann einmal zu mir gesagt, dein Traum wäre es, Botschafter im Iran zu werden. In der Augsburger Allgemeinen (Augsburger Allgemeine: Ukraine, Iran, Gaza: Wie eine israelische Familie mit den großen Konflikten dieser Welt lebt) konnte ich diesen Wunsch letzte Woche auch lesen…
Arye Sharuz Shalicar: Absolut. Das gilt zu 100 Prozent weiterhin. Das wäre mein großer Karrierewunsch: eines Tages im freien Iran als israelischer Botschafter tätig zu sein.
„Die nächsten Wochen sind entscheidend“
Ruhrbarone: Wie realistisch ist dieses Szenario im Augenglick? Wie könnte für den Iran ein Weg zu Freiheit und Demokratie aussehen?
Arye Sharuz Shalicar: 47 Jahre der Diktatur darf man nicht unterschätzen. Die Nazidiktatur hat zwölf Jahre angedauert und es hat damals die halbe Welt gebraucht, um Deutschland in die Knie zu zwingen. Deshalb kann man davon ausgehen, dass dieses islamistische Regime im Iran, das sich seit 47 Jahren fest im Iran, in der Region und global positioniert hat, dass man das nicht in zwei Tagen in die Knie zwingen kann. Auch nicht in zehn Tagen.
Aber man kann zumindest Hauptziele – Teile des iranischen Nuklearwaffen und des ballistischen Raketenprogramms – treffen. Man kann das Regime somit extrem schwächen, indem man auch ihre Terrorstützpunkte innerhalb der Innenstädte trifft, wie in Teheran, Esfahan, Mashad und somit im nächsten Schritt den Menschen im Iran die historische Chance gibt, sich von diesen Ketten dieser Tyrannei von alleine zu befreien.
Also man hat ihnen eigentlich den Weg geebnet und jetzt müssen sie ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, weil mehr als das kann ein Staat von außen nicht machen. Der Weg zur Demokratie und zu einer Befreiung ist noch lang, aber es ist, ich sag jetzt mal, die Tore sind geöffnet und wir müssen gucken, wohin die Reise geht.

Ruhrbarone: Deine Eltern haben den Iran vor rund 50 Jahren verlassen. Gibt es Hoffnung auf eine zeitnahe Reise dorthin?
Arye Sharuz Shalicar: Ich selbst war noch nie im Iran, ebenso wenig meine Geschwister. Meine Eltern sind vor etwa 50 Jahren ausgewandert. Sie wünschen sich, ihren Geburtsort noch einmal zu sehen. Ob das bald möglich sein wird, ist schwer zu sagen. Dafür müssten sich grundlegende Dinge ändern.
Ruhrbarone: Dein Podcast ist, nach längerer Zeit, wieder gestartet?
Arye Sharuz Shalicar: Ja. Ich hatte bewusst eine Pause eingelegt, um Abstand zu gewinnen. Als sich die Entwicklungen rund um den Iran zuspitzten, wollte ich keine Spekulationen verbreiten. Deshalb habe ich erst am ersten Tag des neuen Konflikts wieder begonnen. Ich plane, in nächster Zeit täglich kurze Updates zu veröffentlichen. Auf X, vormals Twitter, kann man ebenfalls Einschätzungen von mir verfolgen.

Am 18. März und 21. März 2026 ist Arye Sharuz Shalicar zu Gast auf der Leipziger Buchmesse. Falls es im Rahmen der Buchmesse weitere Veranstaltungen mit Arye Sharuz gibt, werden wir hier im Blog darauf hinweisen.
Weitere Beiträge zum Thema:
Weitere Infos zu Arye Sharuz Shalicar:
- Weitere Beiträge zu Arye Sharuz Shalicar auf Ruhrbarone
- Arye Sharuz Shalicar auf X (Twitter)
- Podcast „Nahost Pulverfass – Kriegsbericht aus Israel“
