Aufgelesen: „Was Berlin besser gemacht hat als das Ruhrgebiet“

Berlin: Blick über den Boulevard Unter den Linden zum Potsdamer Platz Foto: Bleppo Lizenz: Gemeinfrei

Oft vermittelt der Blick von Außen einer Region ein realistisches Bild von sich selbst. Sein hundertjähriges Bestehen feiert in diesem Jahr der Regionalverband Ruhr, sein hundertjähriges Bestehen Berlin in seiner heutigen Form. Zwei große Ballungsräume, die sich unterschiedlicher kaum hätten entwickeln können: Da die Metropole von Weltrang, die Talente und Unternehmen aus der ganzen  Welt anzieht, hier ein Sammelsurium an Städten, die vor Wichtigkeit kaum laufen können und längst ärmer als die einstige Ostzone sind. In einem Beitrag geht die Berliner Zeitung auf das Doppeljubiläum ein und kommt zu dem Schluss: „Berlin, wie wir es kennen, entstand, weil 1920 ein paar Politiker hartnäckig blieben. Was der Stadt sonst geblüht hätte, kann man heute gut sehen – durch den Vergleich mit dem Ruhrgebiet.“

Hier geht es zum Artikel in der Berliner Zeitung

Dir gefällt vielleicht auch:

11 Kommentare

  1. #1 | Philipp sagt am 6. Oktober 2020 um 11:13 Uhr

    Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Artikel von Ruhrbarone-Mitgründer Christoph Schurian aus dem März 2008:

    https://www.ruhrbarone.de/zwischenruf-sehnsucht-der-provinz/377

    Schurian: "Das Ruhrgebiet, all die Diskussionen um innere Verfassung und Fremdbestimmtheit, um das eine Zentrum, den guten Slogan, den Oberbürgermeister der Oberbürgermeister, den müden Regionalverband, die fiesen Möchtegern-Westfalen und Liebäugel-Rheinländer an den Ränden – es erinnert an das Gefiepe einer Warteschleife. Eine endlose Wiederholung. Mir gibt das nichts."
    Dann führt er weiter aus zu den hunderten Abendveranstaltungen in den Jahren um 2000! als über Verkehrswegeplanung, interkommunale Zusammenarbeit, Flächennutzung usw. diskutiert wurde. Tja.

    Seine letzten Artikel auf den Ruhrbaronen datieren vom Jahr 2010 und drehen sich um Fußball und Estland.

    Jetzt frage ich mich: War Christoph Schurian einfach clever genug zu verstehen, was in der Zukunft (nicht) passieren würde?

  2. #2 | DEWFan sagt am 6. Oktober 2020 um 11:51 Uhr

    „Was Berlin besser gemacht hat als das Ruhrgebiet“ – mir fallen da noch vier weitere Punkte ein:
    1. Berlin ist Hauptstadt.
    2. Berlin hat ein eigenes Bundesland.
    3. Berlin hat besonders durch die Einheit (Fördermittel) profitiert.
    4. Berlin hat viele im Krieg zerstörte historische Gebäude wieder aufgebaut.

  3. #3 | Hermann Böcker sagt am 6. Oktober 2020 um 12:22 Uhr

    Ich halte von dieser Aufteilung in Regierungsbezirken auch nichts, aber Berlin ist eine Hauptstadt mit Weltniveau und einer Arbeitslosenquote wie Gelsenkirchen, hab ich irgendwo mal gelesen. Berlin ist arm und sexy, das Ruhrgebiet wird sexy und……dauert nur!
    Ich bin diese Negativsicht aufs Revier leid! Berlin kann man mit keiner anderen Region vergleichen.

  4. #4 | thomas weigle sagt am 6. Oktober 2020 um 13:01 Uhr

    Und wie wir ja alle wissen sollten, hatte zumindest Ostberlin schon vor der Wende Weltniveau als Hauptstadt der DDR. Also auch hier Vorteil Berlin.

  5. #5 | Stefan Laurin sagt am 6. Oktober 2020 um 13:06 Uhr

    Berlin hat während des vergangenen Booms massiv aufgeholt – der Abstand des Ruhrgebiets zu allen anderen Regionen in Deutschland ist indes größer geworden:
    https://www.ruhrbarone.de/nirgendwo-entstanden-waehrend-des-langen-booms-so-wenig-neue-jobs-als-im-ruhrgebiet

  6. #6 | Walter Stach sagt am 6. Oktober 2020 um 14:25 Uhr

    Berlin und das Ruhrgebiet……..
    Ich habe X-mal aus vergleichbaren Anlässen u.a. hier bei den Ruhrbaronen angeregt, die rechtliche (und damit die politische ) " Verfaßtheit des Landes Berlin (der Stadt Berlin, des Großraumes Berlin) als Modell für eine neue Verfaßtheit des Ruhrgebietes näher zu betrachten und zu bedenken. Gleiches habe ich angeregt bezüglich der Verfaßtheit des Großraumes London. Ähnliches haben . so meine Erinnerung, auch Zöpel und Lammert mehrfach zu bedenken gegeben.

    Leider, leider wird dieses "Zu bedenken geben" immer wieder verstanden -bewußt mißverstanden-,
    als Forderung nach der kompletten Übernahme der Berliner- bzw. der Londoner Verfaßtheit.
    Es geht bei alldem idoch um nicht mehr als um das für mich selbstverständlcihe Tun jeder Organisation ( ob öffentlich oder privat, ob Staat oder Unternehmen), nämlich sich permanent (!1) umzusehen, umzuhören, was Wettbewerber, was Konkurrenten "anders" und möglicherweise eben besser machen, um erfolgreich(er) sein zu können. Kann "man" oder will "man" das nicht im Ruhrgebiet, in den großen, den mittleren und den kleinen Städten? Sind "wir im Revier" tatsächlich ein so extrem konservatives, ja reaktionäres Völkchen, daß schon "der Blick über den Tellerrand" als Zumutung gilt? Und wenn jetzt und hier einen Beitrag in der BZ Anlass ist, "uns" zu einem Blick über den Tellerrand zu animieren, dann ist das doch gut so -oder?.

  7. #7 | Benedikt sagt am 6. Oktober 2020 um 14:51 Uhr

    Natürlich hat der Artikel recht damit, dass ein fester Zusammenschluss als Stadt viele Synergien liefert, die im Ruhrgebiet bewusst nicht gesucht werden, damit es genug pöstchen zum verteilen gibt. DEWFan hat auch recht, fördermittel helfen immer.
    Wird Zeit für eine echte Metropole Ruhr.

  8. #9 | Philipp sagt am 7. Oktober 2020 um 11:13 Uhr

    Was man zu Berlin noch sagen kann: die Stadt hat das Beste noch vor sich. Siemensstadt 2.0, Entwicklung des Tegelgeländes und mit Tesla setzt sogar eine neue Industrialisierung ein – im Ruhrgebiet schrumpft der industrielle Kern hingegen umgebremst weiter.

    Und was Berlin auch besser macht: Anspruchsvolles Bauen! Attraktive Backsteinarchitektur und spektakuläre Glaspaläste als neue Büroflächen, revitalisierte Brauereien als spektakuläre Lofts usw. während im Ruhrgebiet billiger Plastikscheiß für Hotels und Callcenter, Entschuldigung, "Multi-Channel Kommunikationsdienstleister" hingeklatscht wird.

  9. #10 | Berthold Grabe sagt am 7. Oktober 2020 um 13:34 Uhr

    Man kann hier viel über sinn und Unsinn diskutieren,aber das zentrale element ist immer die Machtfrage.
    Das Ruhrgebiet durfte nie eine einheitlicher Ballungsraum werden, weil er das Machtgefüge bedroht hätte und auch heute bedrohen würde.
    Sowohl auf Bundesebene, wie auf Landesebene, die Schwäche ist gewollt.
    Zum einen hätte eine Ruhrstadt Berlin Konkurrenz gemacht, was schon den Kaiser davon abhielt ein solches Machtzentrum zuzulassen. Der Schwerpunkt des Reiches hätte aufgehört preußisch zu sein. Und Berlin wäre mit einer Ruhrstadt niemals nach der Wende nochmal Hauptstadt geworden, dafür wäre das Gewicht dieser Ruhrstadt viel zu groß gewesen.
    Und auch die Geschichte der Bundesrepublik ist nicht unwesentlich davon bestimmt das Gewicht NRW´s zu begrenzen und innerhalb NRW´s die totale Dominanz einer Ruhrstadt zu vermeiden, nicht zuletzt wegen der ehemaligen Stärke kommunistischer Tendenzen.
    NRW hat heute relativ betrachtet deutlich weniger Macht, gemessen an seiner Bevölkerungstärke und Wirtschaftsmacht als jedes andere Bundesland, das hat Vor- wie Nachteile
    Es war auch kein Zufall, das Düsseldorf, Stadt Köln oder Dortmund Landeshauptstadt wurde, sondern bewusst gewählt um tradierte lokale Macht besser zu kontrolieren.
    Das Ruhrgebiet ist eine fast perfektes Beispiel für das Prinzip "Teile und Herrsche" und das sit noch wichtiger geworden gerade im Niedergang, weil das Ruhrgebiet im Gegensatz zu Berlin sich nicht so ungeniert durchmästen kann am übrigen Kollketiv der bundesländer.

  10. #11 | Emscher-Lippizianer sagt am 7. Oktober 2020 um 17:27 Uhr

    #6
    "Sind "wir im Revier" tatsächlich ein so extrem konservatives, ja reaktionäres Völkchen, daß schon "der Blick über den Tellerrand" als Zumutung gilt? "

    Diese Frage ist meiner Meinung nach ganz klar mit "ja" zu beantworten. Als ca. 2012 die alten regionalen Kfz-Kennzeichen wieder erhältlich waren, war es für viele Menschen aus Castrop-Rauxel, Gladbeck, Wanne-Eickel, Wattenscheid, usw. ein scheinbar sehr tiefes Bedürfnis zu zeigen, daß sie nicht zu Recklinghausen, Herne, Bochum, usw.
    gehören. Diese Menschen haben Geld in die Hand genommen um ein angemeldetes Kfz umzukennzeichnen. Dies nehme ich als sichtbares Zeichen dafür, daß noch nicht einmal die Gebietsreform aus den 70ern mental bei den Menschen angekommen ist.
    Und was sagt ein Waltroper zu der Theorie, daß er in der selben "Ruhrstadt" wohnt, wie ein Dattelner? 🙂

    Thema Berlin: Man beachte alleine die unterschiedlichen Möglichkeiten der Bewohner, den ÖPNV einerseits im Ruhrgebiet und andererseits in Berlin zu nutzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.