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Auswege aus dem regionalen Slum?

Source: Asia’s Largest Slum – Dharavi – Author: erin from Evanston – CC 2.0 Generic

Als Schröder die Bildung der Kommission “Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt” initiierte, gab es nicht nur eine hohe Arbeitslosigkeit (ca. 4 Millionen), wurden nicht nur die offiziellen Zahlen der Bundesanstalt als ‘geschönt’ angezweifelt, auch die regionalen Wirtschaftspolitiken waren überwiegend gescheitert, die einen Aufschwung hätten bringen sollen. Dieses Scheitern betraf vor allem die neuen Bundesländer und das Ruhrgebiet. Hier nun der dritte Teil, nach Fragen über ‘Evolution’ und ‘Entwicklung bzw. Zerfall’.

Die Planungen der Kommission bezogen sich nicht auf neue wirtschaftspolitische Ansätze, sondern auf neue Verwaltungsstrukturen, Maßnahmen und Sanktionen, die das Verhältnis von Bundesverwaltung und Kommunen als auch von Verwaltung und Arbeitslosen neu gestalteten. Doch anstatt das wirtschaftspolitische Versagen einzugestehen und einen fairen Umgang anzustreben, setzte Schröder mit „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft“ einen Prozess in Gang, der in irreführender Weise  moralisch ausgerichtet war, statt politisch. Alternativ wäre es möglich gewesen, das Thema Teilzeitarbeit in die Gesellschaft zu tragen, damit ein Verfahren, mit dem die Niederlande gute Erfahrungen gemacht hatte, wenn auch unter anderen Voraussetzungen. In Deutschland waren und sind Regionen von Arbeitslosigkeit betroffen. Inwieweit man ihnen – sei es auch primär durch Entlastung, bedingt durch Abwanderungen von Menschen -, mit einer republikweiten Möglichkeit zur Teilzeitarbeit hätte helfen können, wäre gesondert zu ermitteln gewesen.

Die erlangte Perspektivlosigkeit hatte ich im Sommer 2013 als Abschied von der Wirtschaftspolitik bezeichnet. Leichte Verbesserungen der Situation sind inzwischen in einigen Gebieten des Osten zu verzeichnen (2013), im Ruhrgebiet ist sie weitgehend ausweglos geblieben. Es wäre vielleicht an der Zeit, anstatt über Regionalplanung oder Kultur-Events, die vorzüglich zur Ablenkung taugen, mal über Wirtschaftspolitik im Ruhrgebiet zu sprechen, vielleicht sogar im Rahmen eines Symposions, ausgerichtet von der ‘Metropole Ruhr’. Dies würde zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen können, unter Beteiligung von Wirtschaft, Forschung und Politik. Sollen tatsächlich Arbeitsplätze entstehen, wäre es fair gegenüber den hiesigen Bürgern, das Thema öffentlich anzugehen. Lediglich ein regionales Prekariat zu erschaffen, zu dem übrigens auch die Kommunen gehören, einen regionalen Slum, war eventuell nicht beste Idee!

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63 Kommentare zu “Auswege aus dem regionalen Slum?

  • #1
  • #2
    Rheinländer

    Der Soziologe Ulrich Beck hat genau dieses Szenario in diversen Bücher
    kommen sehen.
    Die Restbevölkerung von Detroit betreibt „Urban Gardening“ um zu überleben.
    Leben in Ruinen eben
    Ich dachte das hier im Blog überwiegend „Kreative“ und Künstler schreiben.

    Die evangelische Kirche hat ja auch gerade eine Umstrukturierungs Konferenz
    abgehalten.
    Alle machen dicht.
    Da kommt dann ein Erdogan und glaubt, wie Putin in der Ukraine, hier ist Insolvenz-Masse zu haben.

  • #3
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #2 Rheinländer: Die Rückmeldung klingt jetzt aber etwas platt und fatalistisch. Ich kann freilich nicht im voraus wissen, was aus einem Symposion wird, doch ich fände ein solches interessant.
    Wenn keine oder eine unangemessene politische Initiative ergriffen wird, dann kann dies fatale Folgen haben, wie man derzeit sieht. Im Ruhrgebiet gab es zahlreiche Leuchtumsprojekte, die schiefgegangen sind. Grundsätzlich wird im Ruhrpott durchaus gerne gehandelt, die Frage ist halt, was in welcher Form wirtschaftspolitisch angemessen wäre.

  • #4
    Puck

    Der größte Fehler von Schröder war m. E. nicht der „moralische Ansatz“, sondern die durch nichts bewiesene Unterstellung, daß es massenhaften Mißbrauch von Sozialleistungen gäbe. Seitdem sucht man mit zunehmender Verzweiflung nach dem Mißbrauch und kann ihn nicht finden (in internen Untersuchungen der Argentur für Arbeit schätzt man den Anteil derer, die das Sozialsystem betrügen konstant auf ca. 2 %). Wie man hört ist die letzte angeordnete Maßnahme, via Internet herumzuschnüffeln, ob etwa ein HartzIV-Empfänger Omas Kommode auf Ebay vertickt hat. Damit man vielleicht doch noch ein bißchen „Mißbrauch“ findet.
    Aber immerhin: Psychologisch haben die Neoliberalten im Kielwasser des „Genossen der Bosse“ famos gepunktet: Es ist heute wieder gesellschaftsfähig, die Armen für ihre Armut zu verachten, und sei es aus einem diffusen Distinktionsbedürfnis heraus. Womöglich weil man spürt, daß man selbst abgehängt wird. Da tut es eben einfach gut zu wissen, daß man doch noch auf jemand runterkucken kann…
    Wer’s nicht glaubt, kuckt sich am besten die Leserkommentaren zu einschlägigen Artikeln auf „Der Westen“ oder „Spiegel online“ an.
    Die sind natürlich nicht repräsentativ, setzen aber deutliche Duftmarken ab.

    Was Titel und Photo betrifft: Man ist es ja inzwischen einigermaßen gewohnt, daß Hamburger Magazine das gesamte Ruhrgebiet als gigantischen Slum darstellen oder Düsseldorfer Bürgermeister sich lieber forsch aus dem Fenster hängen anstatt tot übern Zaun im Ruhrgebiet. Aber daß in einem regionalen Blog ins gleiche Horn getutet wird und kulturelle Veranstaltungen als noch so’n Kiki abgetab werden, dürfte der Psychologenzunft einiges zu tun geben.
    Eines der großen Prbleme des Ruhrgebietes ist nämlich noch immer das miese Ímage als dreckige, graue Industriewüste in der ein Haufen Asoziale vor sich hin vegetieren.

    Die im Artikel ausgeführte Kritik mag in der Substanz berechtigt sein, aber die Begleitmusik stimmt nicht ganz.

  • #5
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #4 Puck: Danke für die Rückmeldung. Ist „die durch nichts bewiesene Unterstellung, daß es massenhaften Mißbrauch von Sozialleistungen gäbe“, keine moralische?
    Titel und Foto richten sich gegen die Tendenz, es sich im wirtschaftlichen Desaster gemütlich zu machen. Der Strukturwandel wird ja, verfolgt man die öffentlichen Diskussionen, kaum noch als wirtschaftspolitische Aufgabe gesehen!

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  • #7
    Stephan

    Von MeckPomm weiß ich, dass es da die Möglichkeit von Strukturförderungen oder auch -krediten gibt, mit denen kleine Projekte zur Ankurbelung der Wirtschaft gefördert werden. Das Geld muss in den Regionen bleiben und darf nicht über Konzern-Filialen in die Konzernzentralen fliessen. Zentralistisch ausgerichtete Wirtschaft (s. z.B. Frankreich mit Paris) führt meines Erachtens immer in eine Sackgasse.
    Bei den Preisen für Gemüse in den Supermärkten lohnt sich eigentlich nicht mal das Anschauen der Gartengeräte. Man darf aber nicht vergessen, dass diese Preise durch Subventionen, d.h. Unmengen von Steuergeldern, möglich gemacht werden. Man denke auch nur mal an die heutigen Fleischpreise und vergleiche die mal mit denen vor 20,25 Jahren.
    Zum einen gibt es von der EU Zuschüsse für die Landwirtschaft (Flächenprämien etc.), zum anderen wird Strom umso billiger je mehr man davon verbraucht – günstig für große Supermarktfilialen mit jeder Menge Kühl- und Tiefkühlregalen, für die (Tief)Kühlhäuser der großen Ketten oder für Fertiggerichteproduzente, die die Bestandteile ihrer Produkte erst vorerhitzen und dann tiefkühlen.

    Ein Hauptproblem ist derzeit noch die billige Energie. Deswegen können Fahrräder (vermutlich aus dem ostasiatischen Raum) für 250,- Euro im Baumarkt oder im Supermarkt verkauft werden, nachdem sie mit Hilfe großer Containerschiffe aus fernen Ländern hergeschifft wurden – und in Häfen abgeladen wurden, die vermutlich mit Hilfe von Subventionen, d.h. Steuergeldern, der Städte oder Regionen gebaut wurden. Mit solchen Preisen kann kein großer Fahrradhersteller in Europa mithalten.

  • #8
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #7 Stephan: Man sollte nicht vergessen, um welche Umfänge von Arbeitsplätzen es geht: 50.000 bis 70.000! Nichts gegen ‚kleine Projekte‘, im Gegenteil. Engagements in dieser Richtung gibt es aber, z.B. durch die Schaffung von Gründerzentren und kleineren Gewerbeparks, der CreativeStage … Doch damit werden nicht die Arbeitsplätze geschaffen, die die Region mit ihren Kommunen braucht. Um ein positives Beispiel als Kontrast zu geben: Duisport, der Duisburger Hafen mit seinem Logport (Logistik). Doch der kann nicht die Region retten, nicht einmal Duisburg – was ja auch nicht seine Aufgabe ist.

  • #9
    WALTER Stach

    Reinhard Matern

    -zu den Ideen im letzten Absatzes des Kommentars:

    Wenn in einer Organisation für jedermann klar ist, daß ein wichtiges Ziel seit Jahren nicht erreicht wird, daß deshalb die gesamte Organisation in ihrem Bestand gefährdet ist und damit die Lebensgrundlage der in ihr tätigen von ihre abhängigen Menschen, dann ………….

    Dann gibt es bekanntlich viele Möglichkeiten, Lösungen des Problemes anzugehen:

    In der Organisation selbst:

    Beginnend mit der aktiven Einbindung der Gesellschafter in den Prozess der Lösungsfindung.

    Ferner:

    Von “ Oben “

    -vom Vorstand, vom Managment, vom Aufsichtsrat-
    durch eigene Kräfte, durch den Einkauf von Beratungen und vor
    allem mit Blick auf national und international vergleichbare
    Organisationen (was machen die anders, was machen die besser und
    warum ist das bei denen so?)

    Von „Unten“

    -aus der Mitarbeiterschaft; dort sind Ressourcen an Wissen und
    Verstand vorhanden, die weit über das
    hinausgehen, was tagtäglich für das
    operative Geschäft gebraucht wird.

    Aber auch von Außen:

    Von den Kunden

    -die aus ihrer Sicht Probleme erkennen, Fehler ausmachen, für die Organisation selbst blind sein kann.

    Wenn ich diese Trivialitäen auf unserer Städte übertragen,

    auf die Gesellschafter
    -also auf die Bürger….

    auf den Vorstand, das Managment, auf den Aufsichtsrat
    -also auf den Verwaltungsvorstand, die Fachbereichsleitungen, auf den Rat und seine Ausschüsse-

    auf die Verwaltungsmitarbeiter

    auf die Kunden
    also auf die einzelnen Bürger, auf Bürger(bürgerschaftliche Organisatione mit besonderen Interessen udn Ressourcen, also z.B. auf die örtlichn Unternehmesleitungen, die Banken-Sparkassenvorständen usw.

    dann wäre das getan, was ich für selbstverständlich halte.

    Wird in unseren Kommunen so verfahren, da man doch seit Jahren im Ruhrgebiet zu registriern hat, daß ein wesentliches (Organisations-)Ziel, nämlich die deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit, nicht erreicht wird?

    Und wenn nach aktive Mitwirkung all der Genannten am Ende eines solchen Prozesses feststeht, daß die Organisation aus objektiven Gründen nicht in der Lage ist und nicht in der Lage sein kann, ihr Ziel zu erreichen -nicht allein oder gar nicht-, dann…………..?

    Dann habe sich all die Genannten mit den Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu befassen.

    ( Zum Beispiel:

    Die Organisation erklärt offen und öffentlich, dass sie dieses Ziel aufgibt -sich nur noch mit mit „Anderem“befaßt oder sich mit der Aufgabe dieses Zieles zugleich selbst aufgibt (Auflösung von Kommunen? Totale Neuordnung örtlicher und regionaler öffentlicher Organisation? Wirtschaftsförderung/ Sichern und Schaffen von Arbeitsplätze als Aufgabe anderer -nicht kommunaler, nicht regionaler -Organisationen.

    Die Organisation erklärt, dass sie dieses Ziel aufgibt, aber stattdessen Alternativen entwickeln und realisieren wird; Schlagwort: Nicht Vollzeitarbeitsplätze für alle (wenigstens mit Mindestlohn), sondern Beschäftigung für alle und Gewährung einer „Grundsicherung“……..)

    Warum merke ich diese Trivialitäten hier an?

    Daran ist ja nichts neu.

    Nur meine ich zu erkennen, daß „man“ sich bei uns im Revier diesen „alten“, diesen simplen Erkenntnissen und den sich daraus ergebenden Konsequenzen nicht zu stellen scheint, nicht zu stellen bereit zu sein scheint, aus welchen Gründen auch immer.

  • #10
    abraxasrgb

    Solange diese Region an dem Traum vom „Groß-Ruhrgebiet“ oder wie auch immer man das nennen möchte, festhält, wird das nichts werden.

    Der verbindende Konsenskleister ist die Fördergelderturmpolitik.

    Der Existenzgrund der Region, die gemeinsame wirtschaftliche Grundlage, existiert nicht mehr. Jeder Versuch, diese Strukturen in die Zukunft künstlich zu verlängern, wird die Abwärtsspirale nur beschleunigen.

  • #11
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #9 | WALTER Stach. Danke für die – vergleichsweise – ‚jakobinische Analyse‘. Man kann leicht den Eindruck erhalten, dass es in der Politik weniger um eine jeweilige Sache als um Postenerhalt geht. Trotz sehr geringer Wahlbeteiligung und dem Einzug von Rechtsextremen in den Stadtrat sah sich OB Link (SPD) in Duisburg durch die Wahl bestätigt. Formal hat er Recht, weil die SPD die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte, Politik ist jedoch mehr! Auch diese Anmerkung ist trivial 😉

    Ein wirtschaftspolitisches Symposion der ‚Metropole Ruhr‘, wenn es ernsthaft angegangen wird, könnte diese ‚Metropole‘ stärken.

  • #12
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #10 abraxasrgb: Jener Traum vom “Groß-Ruhrgebiet”, der hat bislang kaum eine Rolle gespielt. Zu mehr als zu einem Konzept der Konzerne und zur gemeinsamen Raumplanung (RVR) hat es bislang kaum gereicht. Ich bin auf die angekündigte Direktwahl zum Ruhr-Parlament gespannt.

    An Strukturen, die in die Zukunft verlängert werden könnten, gibt es ja keine. Im Gegenteil. Politische Strukturen wären erst zu schaffen!

  • #13
    Helmut Junge

    Reinhard, OB-Link hat jetzt 6 Jahre Ruhe, auch wenn alle Parteien im Rat zusammen nur von 40% der Wahlberechtigten ihr Mandat bekommen haben. Die Mehrheit der Wahlberechtigten hat sich für keine der Parteien entscheiden wollen.
    Die Zeiten, in denen die SPD in manchen Wahlbezirken 70% geholt hat, sind längst vorbei. Trotzdem eine Bestätigung herauszulesen, ist nur wegen des weit entfernten nächsten Wahltermins richtig. Und wenn die SPD ein Bündnis mit der CDU eingehen sollte, können die vielen kleinen Oppositionsparteien sich gegenseitig zerfleischen, oder auch beim Wähler punkten. Egal, kein Punkt bei den Wählern zählt, weil es vorerst keine Wahlen mehr gibt. Shon bisher hatte niemand Interesse die Fehler der letzten Jahrzehnte und der Gegenwart zu analysieren. Kein Pfusch am Bau, keine bestechung, nichts wurde aufgearbeitet. Das wird in Zukunft mit Sicherheit erst recht nicht geschehen. Es wird eher schlimmer.

  • #14
    Arnold Voss

    Ich habe am Sonntag nach dem Wählen eine Radtour von Bochum nach und durch Gelsenkirchen gemacht. Konnte mich nicht enthalten, dabei auch bei der Wahlparty der SPD im Hans Sachs Haus vorbeizuschauen. Frenetischer Beifall für Frank Baranowski, den durchaus sympathischen bisherigen und zukünftigen Oberbürgermeister, der sicher ein wichtiger Grund für die wiedereroberte absolute Mehrheit der SPD war.

    In Anbetracht dessen, was ich auf meiner Radtour schon mit bloßem Augen an infrastrukturellem Verfall und sozialer Ödniss sehen konnte, war das für mich allerdings eine geradezu absurde Veranstaltung. Die SPD feiert sich während die Stadt zusammenbricht. Der Parteisieg als Niederlage für die Geimeinde, in der er gefeiert wird.

    Der Saal war allerdings nur halb gefüllt. Nur Funktionäre, Verwaltungsleute und die wenigen ewigen Aktiven der immer kleiner werdenden Parteibasis. Das Ambiente des neuen und ausgeprochen aufwendig umgebauten Hans Sachs Hauses, von dem allerdings nur noch die Fassade übrig gebieben ist, war dagegen geradezu prunkvoll. Von Verfall keine Spur.

  • #15
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #13 Helmut Junge: Wenn keine Antwort auf die wichtigste Frage in den Kommunen als auch im Ruhrgebiet gegeben wird, auf die Frage nach der wirtschaftlichen Entwicklung, bleibt es nicht aus, dass die Leute nicht mehr wählen, zugleich die rechtsradikalen Gruppierungen in die Stadträte ziehen. Nicht nur den erzeugten ‚Slum‘, auch diese Tendenz haben die Parteien zu verantworten! — Meine Frage aber lautet: Was können wir tun? Wir sind ebenfalls mitverantwortlich, nicht nur weil wir wählen oder auch nicht, sondern auch weil wir obendrein zuschauen!

  • #16
    abraxasrgb

    @ Reinhard … Politik bzw. andere politische Verwaltungssysteme sind wohl kaum ein Ersatz für die fehlende wirtschaftliche Grundlage des Ruhrgebietes.

    Mit touristischer Industriekultur und Festivals lässt sich diese Region auch nicht retten. Deshalb zieht kein Mensch und kein Unternehmen in das Ruhrgebiet 😉

  • #17
  • #18
    abraxasrgb

    #7 Stephan
    Zu billige Energie? Als Problem? *Hust*

    Entweder hast Du eine grüne Brille auf, was beim Absetzen derselben zu dem komplementärfarbigen Nachbild der Wirklichkeit, nämlich rosarot, wird oder das Versagen des verteuerbaren Energieaktionismus noch nicht realisiert.

    Du kannst aber gerne den Don Quijotesken Windräderkampf gegen die „zu billige Energie“ führen 😉

    Die „Energiewende“ ist genau so CO-stenneutral, wie die Wiedervereinigung und führt direkt zurück in die wirtschaftliche Steinzeit …

  • #19
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #16 abraxasrgb: Gerade weil derzeit die wirtschaftliche Grundlage fehlt, wäre doch eine Diskussion über Wirtschaftspolitik angebracht, oder nicht? Die Wirtschaftspolitik der Region haben früher und bislang die Konzerne gemacht, weil es keine politischen Strukturen gab. Nun wird es Zeit, die Sache selber in Hand zu nehmen. Ein Symposion könnte dabei helfen.

  • #20
    Helmut Junge

    Nee, Reinhard, mitverantwortlich kann nur sein, wer wider besserem Wissen
    UND (!) bei Vorhandensein einer realen persönlichen Handlungsmöglichkeit nicht aktiv wird. Eine kollektive Mitschuld an dem Wahlverhalten Anderer darf es nicht geben! Es reicht schon. daß es mich schüttelt, wenn ich sehe, daß die verantwortlichen Politiker sich selbst feiern können, ohne daß es zu tausendfachem Hohngelächter kommt.

  • #21
    abraxasrgb

    #19 Reinhard … Wenn diese Region das wieder auf dieser gigantischen regionalen Ebene versucht, kommen dabei nur wieder Festivals und Broschüren plus ein paar von Steuergeldern finanzierte Agenturen heraus.

    Gerade ein weniger an „Politik“ (Frage ist, was wir beide jeweils darunter verstehen?), wäre ein erster Anfangspunkt.

    Parallel dazu eine nach den bestehenden Strukturen differenzierte Entwicklungsstrategie, die den jeweiligen Potentialen und Defiziten angemessen agieren kann. Das bedeutet regionale Ungleichheit, die es zwar faktisch schon gibt, aber keiner eingestehen will.

    Dem Agglomerationsbrei könnten Höhen und Tiefen endlich mal ein Profil geben 😉

  • #22
    Arnold Voss

    @ Reinhard Matern #15 abraxasrgb # 16

    Das war auch ein Problem beim vom RVR veranstalteten Wettbewerb zu Zukunftsideen für das Ruhrgebiet. Niemand hatte eine überzeugende, geschweige denn tragfähige Idee für die wirtschaftliche Zukunft der Region. Nicht einmal die hinzu gezogenen Vertreter der IHKs des Ruhrgebietes.

    Die Region hat in den letzten 30 Jahren eigentlich alle Chancen zu einer neuen wirtschaftichen Führungsrolle verschlafen. Jetzt, wo die Zentren der zukünftigen Schlüsselindustrien und -dienstleistungen längst auf andere Standorte in Deutschland und Europa verteilt sind, weiß natürlich keiner mehr, woher eine neue wirtschaftliche Dynamik für das Ruhrgebiet herkommen soll.Logistik ist schon auf Grund der geringen Arbeitsplatzeffekte keine Lösung.

    Wären da nicht die weltweit führenden Mittelständler und die verbliebenen global Player aus dem alte Montan-Stahl-Komplex wäre diese Region schon lange am Ende. Aber gerade die fordern schon länger einen besseren Verkehr und eine zentrale Lenkung der wirtschaftsbezogenen Infrastruktur und Ansiedlung, d.h. ein Ende der diesbezüglichen Kirchturmspolitik. Bekommen haben sie bislang davon, und auch das viel zu spät, nur die regionale PLanungskompetenz des RVR.

  • #23
    Arnold Voss

    @ abraxasrgb # 10

    „Solange diese Region an dem Traum vom “Groß-Ruhrgebiet” oder wie auch immer man das nennen möchte, festhält, wird das nichts werden.“

    Groß-Ruhrgebiet ist kein Traum, sondern gebaute Realität. Zumindest was das urbane Kern-Ruhrgebiet betrifft. Die Stadträume der betroffenen Gemeinden sind sozial, infrastrukturell und wirtschaftlich so dicht vernetzt, dass eine enge Kooperation völlig unabhängig davon, ob es sich jemand wünscht oder nicht, materieller Zwang ist.

    Aber selbst im ländlichen Haltern z.B fahren viele Menschen täglich zur Arbeit ins Kern-Ruhrgebiet, und viele Menschen aus dem Kern-Ruhrgebiet umgekehrt nach Haltern zur Wochenendfreizeit. Wunschdenken herrscht vor allem in solchen wohlgenährten Kleinstädten des RVR-Gebietes, und zwar dergestalt, dass sie ohne die ca. 3 Millionen Bewohner des Kern-Ruhrgebietes existieren könnten.

  • #24
    abraxasrgb

    @ Arnold Ich stimme Dir in dem Punkt zu, dass die Situation der Region einem „Gefangenen-Multilemma“ ähnelt. Die von Dir skizzierte Vernetzung kann doch der Ausgangspunkt entlang der erwähnten Vektoren Wirtschaft, Infrastruktur etc. sein. Nur eben nicht mehr auf die gesamte Region bezogen. Das ist meiner Meinung und Erfahrung nach planerischer Größenwahn und perpetuiert nur die Vergangenheit, mit ihren gewachsenen pfadabhängigen Strukturen, in die Zukunft.
    Genau so, wie die Region punktuell ungesteuert (zusammen)gewachsen ist, verfällt sie nun, trotz oder wegen der großregionalen Verbindung als gesamtes Gebiet. Düsseldorf grenzt an Duisburg, hat sich aber historisch und soziologisch völlig anders entwickelt. Wenn sich die Erfolgspotentiale einzelner Stärken vom Riesenraum abkoppeln, haben sie bessere Entwicklungspotentiale. So wird der strukturelle Mangel und der Verfall nur kollektiviert (ich sage nur Kommunal-Soli und Subventionen). Ein Aufbrechen der politischen Gesamtstrukturen, würde den Spielraum für Experimente ermöglichen. Aber solange z.B. die Meinung von OWL zum RVR eine politische Rolle spielt, ist das aussichtslos, weil jede positive Entwicklung schon im Ansatz verhindert wird oder deren Erträge durch Quersubventionierung kannibalisiert werden.
    Warum nicht auch mal eine Stadt abwickeln? Warum kein radikaler Schrumpfungs- und Diversifikationsprozess? Das würde aus der perspektivischen Einfalt in der Region endlich mal die Potentiale der realen Vielfalt ausschöpfen. Wer glaubt denn an ein „Kreativquartier“ Dinslaken-Lohberg? C´mon 😉
    So bleibt das hier alles bloß ein gigantisches Kaff der guten Hoffnung … leider!

  • #25
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #20 Helmut Junge: Ich sprach nicht von kollektiver Verantwortung. Doch in der Politik sind mögliche Folgen einzukalkulieren. Wenn auf eine Thematisierung von Fragen nach wirtschaftlicher Entwicklung verzichtet wird, obwohl dies das brennende Thema ist, dann sollte sowohl der Politik als auch ‚uns‘ klar sein, was sich daraus entwicken könnte: in diesem Fall verstärkte rechtsradikale Tendenzen.

  • #26
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #21 abraxasrgb: Die Befüchtung, dass „nur wieder Festivals und Broschüren plus …“ dabei herauskommen, wenn man zukünftig Wirtschaftspolitik für die Region betreibt, kann ich verstehen. Deshalb ein Symposion, auf dem (a) ein Austausch, (b) eventuell – oder auch nicht – eine erste Weichenstellung im Hinblick auf Vorraussetzungen / Bedingungen einer solchen Arbeit möglich wären.

    Eine derzeitige ‚regionale Ungleichheit‘ will ich gar nicht in Abrede stellen. Ungleichheit gibt es auch innerstädtisch, also innerhalb der Kommunen. Diese zu berücksichtigen, würde jedoch nicht gegen ein regionales Vorgehen sprechen.

  • #27
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #22 Arnold Voss: Danke für die Erläuterung: Die Forderung nach dem Ende der Kirchturmspolitik ist ein wichtiger Baustein. Aber die Regionalplanung des RVR reicht dafür nicht aus. Da muss nachgelegt werden!

    Ein großes Übel, um das ‚Verschlafen‘ der wirtschaftlichen Entwicklung aufzugreifen, ist, dass in es den Stadträten vielfach schlimmer als bei Facebook (gefällt mir / gefällt mir nicht) zugeht! Rationalität ist dort nicht sehr ausgeprägt. Auch deshalb wäre mir eine (zusätzliche) regionale Instanz lieber, (a) ein Parlament, (b) außer der Planungskompetenz auch eine wirtschaftliche Kompetenz im RVR …

  • #28
    abraxasrgb

    #26 Reinhard … Veranstaltungen dieser Art gab und gibt es schon wieder viel zu viele … bis hin zu ihrer Institutionalisierung (regionale Wirtschaftsförderung bla bla bla etc.).

    Ökonomisch betrachtet waren diese Initiativen alles Netto-(Steuer-)Geldvernichter, denn der Abwärtstrend der Region ist nicht nur nicht aufgehalten worden, sondern meiner Beobachtung nach, in den letzten Jahrzehnten, noch beschleunigt bzw. verstärkt worden. Solange die Entscheidungen an politische Wiederwählbarkeit gekoppelt sind, wird das strukturell nichts werden. Denn die „Verlierer“ oder „Nicht-Gewinner“ werden die Veränderung immer verhindern.

    Solange sich hier in der Region an den historischen Strukturen mit ihren politischen und auch „urbanen“, die in Wirklichkeit eher dörfliche sind, Milieus festgehalten wird, pumpen wir Geld in eine Vergangenheit, die nostalgisch verklärt wird, aber keinerlei Tragfähigkeit für die Zukunft hat. Politisch wird das völlig anders gesehen, da klopfen sich lauter „einarmige“ wechselseitig auf die Schultern, weil sie ja alle so toll und fleissig am „Stillstand“, sie nennen es Wandel, mitgewirkt haben.

    Etymologisch ist „Politik“ abgeleitet von „Polis“, dem Stadtprozess. Aber die zur Demokratie entwickelte Erkenntnis- und Dialogform war auch die Philosophie und nicht das Denken in Parteien und Ideologien …

    Wandel? Der geht anders 😉

  • #29
    Stephan B.

    @abraxasrgb, #18

    Dass Strom so teuer ist liegt nicht an den Erneuerbaren Energien sondern an der Konzernmacht der vier großen Energieriesen. Der Strom an der europäischen Strombörse ist in den vergangenen Jahren immer billiger geworden, vor allem Dank der Photovoltaik, die Mittags am meisten Strom produziert. Die großen Konzerne haben aber früher Dank der Bedienung der Spitzenlast mit teuren Gaskraftwerken sowie dem sogenannten Merrit-Order-Effekt (alle Kraftwerke, egal ob AKWs, Braunkohle- oder Steinkohlekraftwerke, die zu Zeiten der Spitzenlast Strom produzieren bekommen die gleiche Vergütung wie die Spitzenlastkraftwerke), jede Menge „Kohle“ eingesackt, auf ihre ach so billig produzierenden Kraftwerke. Die Verbraucher sollen jetzt den Energieriesen die entgehenden fetten Gewinne aus ihrer Tasche bezahlen.

    Das ist die verkürzte Version.

    Wer heute einen neuen Drucker braucht, der lässt ihn nicht reparieren, sondern schmeißt ihn weg und kauft einen neuen – Dank des ständigen Transportes von Waren in Großcontainerschiffen aus Fernost, weil der Transport, gerechnet pro Stück, energetisch (noch) so billig ist. Mit der Produktion in Fernost verschwanden hier die Arbeitsplätze – eine Folge der billigen Energie. Wird die Energie, vor allem das Öl, teurer, werden die Waren wieder hier produziert und es enstehen wieder jede Menge Arbeitsplätze.

  • #30
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #28 abraxasrgb: Danke für die Erläuterung. Das Schlimme ist ja, dass ich die geäußerte Kritik weitgehend teile 😉 dennoch nicht aufgeben will. Viele Städte, da steht das Ruhrgebiet mit seinen Kommunen nicht alleine, sind in Deutschland angehäufte Dörfer von zänkischen ‚Bauern und Handwerkern‘ 😉 Mir sind aber diese Menschen immer noch lieber, als z.B. die Pariser ‚Aristokratie‘. Die griechische Polis war auch überwiegend eine aristokratische. Es ist immer noch nachzulesen, wie sich ‚Sokrates‘ abmühte, etwas Vernunft unter diese Leute zu bringen, freilich idealisiert.

    Die derzeitige Situation ist total verfahren: kaum wirtschaftliche Entwicklung und stetig zunehmender Druck auf Arbeitlose, für die es keine Jobs gibt! Man sollte sich von seiten der Politik und Verwaltung wundern, wie gering bislang der Ruck nach rechts außen ausgefallen ist! – In Duisburg gab es vor der Wahl separatistische Tendenden, die sich aber noch nicht im Rahmen der Wahl durchgesetzt haben. Wir sitzen im Ruhrgebiet auf einem Pulverfass! Wer das nicht begreift …

  • #31
    Stefan Laurin

    @Stephan B.: Hören Sie doch auf, grüne Ammenmärchen zu erzählen.
    http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article127918540/Deutschland-gehoert-zu-den-teuersten-Strom-Laendern.html
    Die Energiewende ist nichts anderes als ein asoziales Programm, das auf Kosten von Mietern und Arbeitnehmern das Geld in die Hände der Solar- und Windanlangenbesitzer spült.
    Mein Vorschlag: Schluss mit allen Subventionen. Aber das wäre das Ender der Ökospinnerträume…

  • #32
    Stephan B.

    @abraxasrgb

    Noch genauer muss man sagen, dass die menschliche Arbeitskraft im Verhältnis zur (fossilen) Energie zu teuer ist. Deswegen werden z.B. auch verstärkt Maschinen und Roboter statt Menschen in den Fabriken eingesetzt, was natürlich auch mit dem Thema Computerisierung bzw. Rationalisierung (Verbesserung von Produktionsprozessen) zusammenhängt. Nichtsdestotrotz werden, Gott sei Dank(!), immer noch Menschen in der Produktion benötigt. Aber menschlicher ist die (Massenproduktions)Arbeit trotzdem nicht geworden, wie ich vor kurzem selber erleben durfte.
    Die Herstellung von Robotern kostet (noch) wenig Energie.

  • #33
    Arnold Voss

    @ abraxasrgb # 28

    Wandel und Innovation sind mehr Kinder der Krise als der Philosophie, womit ich nichts gegen die Wichtigkeit des grundsätzlichen Denkens sagen möchte. Der kluge König, sprich der regierende Philosoph, ein alter Traum aller gebildeten Idealisten, ist allerdings schon in der Antike an der Wirklichkeit gescheitert, weil die Krise der Ernstfall ist und Zweifel im Ernstfall nicht erlaubt sind. Wenn überhaupt, gibt es nur kurze Denkpausen.

    Das Ruhrgebiet allerdings hatte genügeng Zeit zum ausführlichen Nachdenken, weil es zu einem der größten und andauernsten Subventionsgebiete ganz Europas geworden ist. Es hat Chancen über Chancen bekommen und sie nicht genutzt. Kritische Stimmen wurde nie ernsthaft angehört, stattdessen wurde immer neuer Gelder von außen eingefordert.

    Der Frust derer, die diese Gelder bislang zu liefern hatten ist deswegen durchaus nachzuvollziehen. Die Forderung, dass das Ruhrgebiet endlich selber klar kommen, sprich sich mit seinem partiellen Niedergang abzufinden habe, ebenfalls. Diesen aber als eine neu Art der innerregionalen Vielfalt und Freiheit zu reklamieren ist allerdings zynisch.

    Als Individuum darf man das in Anbetracht der politischen Verhältnisse in dieser Stadtregion natürlich sein. Der Verantwortlichen beim RVR können sich eine solche Position allerdings nicht erlauben. Zumindest nicht öffentlich. Eine solche Position ist auf Dauer aber auch handlungspraktisch nicht möglich, weil Niedergang und Aufstieg im gesamgten Rhein-Ruhr-Ballungsraum räumlich zu nahe beieinander liegen.

    Keine Frage, Wachstumsunterschiede sind Anreize für größere Eigenaktivitäten, eine Abkopplung von jeglichem Wachstum schafft dagegen Apathie. Größere lokalere Freiräume bei der dezentralen Krisenbekämpfung, sei es auch als bewusstes Schrumpfen, wären natürlich vonnöten. Das Problem ist nur, das keine Stadt freiwillig schrumpft, weil das kurzfristig ihre Finanzprobleme noch weiter verschärft.

    Der Konkurrenzkampf um Einwohner geht also weiter, obwohl alle sich gegenseitig Kooperation schwören. Daran ändern auch keine interkommunalen Gewerbeflächen etwas. Auch Schrumpfen geht deswegen nicht ohne regionale Leitlinien und innerregionale Lastenausgleiche. Der Niedergang lässt sich im Ernstfall nicht verhindern, aber er lässt sich sehrwohl steuern, wenn man ihn nicht leugnet sondern systematisch analysiert.

  • #34
    Helmut Junge

    @Stephan B. (29), Sie meinen also, wenn die Energie teurer würde, ginge der Welthandel runter, und darum würde hier wieder mehr produziert.
    Hatten Sie darüber länger nachgedacht? Nicht? Tun Sie das einmal.
    Zweitens:“Dass Strom so teuer ist liegt nicht an den Erneuerbaren Energien sondern an der Konzernmacht der vier großen Energieriesen.“
    Ja wissen Sie einen Ort in Europa, wo es keine Stromriesen gibt, und deshalb der Strom dort billiger angeboten wird? Soweit ich weiß, könnten wir alle doch den Strom dort kaufen. Aber da kenne ich mich zugegebenermaßen nicht wirklich aus.
    2012 lag der Solarstromanteil bei 4,2% des Gesamtstromerzeugung. Mehr nicht. Und dieser kleine Anteil soll preislich auf den Strompreis so stark einwirken?
    Letzte Frage an Sie: Können Sie rechnen?

  • #35
    Arnold Voss

    @ Reinhard Matern

    Die Lage ist wirklich äußerst schwierig, denn es gibt weder den großen Wurf für eine Lösung und nach wie vor auch keine gemeinsame Sicht der Ausgangslage. Aber sie nähert sich langsam an. Armut und Niedergang sind zumindest keine Fremdworte mehr im Wortschatz der Ruhrgebiets-OBs und das Bewusstsein, dass man nur gemeinsam etwas dagegen tun kann nimmt zu.

    Aber das Gemeinsame ist immer noch mehr das gemeinsame Einklagen von Fremdhilfe als eine gemeinsame Zukunftsstrategie. Letztere würde nämlich unausweichlich auch Abgabe von lokaler Autonomie und Zentralisierung von gemeinsamen lokalen Aufgaben bedeuten. Letzteres ermöglicht aber das neue RVR-Gesetz immerhin auf freiwilliger Basis.

    Die zentralen strategischen, sprich gemeinsamen Themen liegen allerdings auf der Hand: Verkehrsbeschleunigung und -integration, strukturelle Armutsbekämpfung, Weiterqualifizierung der Stadtlandschaft und politische Internationalisierung. Dabei müsste man sich obendrein in jedem Bereich auf wenige Schlüsselprojekte einigen und das ohne Rücksicht auf den üblichen raumpolitischen Proporz des „Was die anderen haben, muss ich auch kriegen“

    Die Grundfrage dabei ist jedoch, ob selbst die strategisch reduzierten Anzahl der Zukunftsprojekte in Anbetracht der Schuldenlage noch aus eigener Kraft finanziert werden könnte. Ob es nicht selbst dazu der Voraussetzung eines Schuldenschnitts bedarf. Und da beisst sich dann wieder die Ruhrgebiets-Katze in den Schwanz, denn den muss ja auch Irgendjemand bezahlen.

  • #36
    abraxasrgb

    @ 30, 33, 34 Reinhard und Arnold

    Zyniker, wie Ambrose Bierce im Wörterbuch des Teufels definiert:
    Zyniker, der [Subst.], ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten.“

    Zur Philosophie: Facere docet philosophia, non dicere. Seneca … Handeln lehrt die Philosophie, nicht das Reden 😉

    OK, Schöngeistigkeit mal beiseite gelassen. Die Probleme z.B. Verkehr etc. sind doch klar überkommunal also regional, klar und erkannt. Allerdings liegt hierfür die Entscheidungskompetenz wohl eher beim Land / Bund? Beim idiotisch organisierten ÖPNV bzw. einem schlüssigen Mobilitätskonzept ist die Region selbst verantwortlich … da liegt ein gigantisches ökonomisches Potential völlig brach!
    Was fehlt ist eine schlüssige langfristige Strategie. Ich denke, darauf können wir uns einigen? Frage ist, wie kommt diese Strategie a) zustande und b) in die entscheidenden Köpfe / Hände? c) wie macht man das den Bewohnern (Wählern) klar?
    Völlig verschiedene Facetten ein und desselben Flaschenhalses der möglichen Veränderungsprozesse.

    Wenn ich Arnold richtig verstanden habe, sehen wir die Lage ähnlich (hoffnungslos)? Der Region bleibt nur ein abgefederter Weg nach unten, weil die politische Konsenskultur und der gewollte Egalitarismus (nennt es von mir aus Solidarität oder kommunaler Egoismus, bleibt sich im Ergebnis gleich) keine andere Alternative zulässt? Schade! Wirklich Schade!

    Was das Dilemma der Akteure anbelangt, ist mir die Situation ökonomisch (spieltheoretisch) leider auch klar, deshalb ja auch meine Kritik an den Versuchen, etwas in den bestehenden, von Wahlen abhängigen Strukturen zu verändern. Es müsste ein „Akteur“ sein (sekundäres Sozialsystem), der vielleicht auch als Buhmann verantwortlich gemacht werden kann. Wie bei unternehmerischen Beratungsprozessen: Geht es gut, war es der Vorstand / die Geschäftsführung, geht es schief oder tut es weh, sind es die Berater 😉

    Neue „Industrien“ wird es wohl nicht mehr so schnell geben, dazu sind wir im falschen Kondratiew-Zyklus 😉 Aber eine höhere Produktivität der wirtschaftlich eingesetzten Ressourcen. Sprich eine höhere Wertschöpfung, die sekundäre Effekte hervor ruft.

    Worin ich völlig zustimme: 1. fände ich diese Region nicht so toll und voller Potentiale, würde ich nicht einmal in diesem Blog dazu schreiben geschweige denn, mich mit dieser Region auseinander setzen.
    2. Ja, es gibt hier sozialen Sprengstoff und ein bislang politisch korrigiertes unausgesprochenes Konfliktpotential … und ich bin ebenso froh (und verwundert!), dass es bislang scheinbar friedlich geblieben ist. Wobei ich, aus eigener Anschauung, zunehmend skeptischer werde.

    Aber Zustände, wie in London oder den Pariser Banlieus sind uns bislang noch erspart geblieben … weil RUHR (urbanistisch betrachtet) eben KEINE Metropole ist 😉

    Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir die hier ausgebildeten Akademiker halten und zur regionalen Wertschöpfung gewinnen könnten. Der Brain drain ist soziologisch doppelt fatal.

    Letztendlich bleibt nur die „realistische“ Perspektive, die mir nicht wirklich gefällt: Too big to fail 🙁 was auch heissen soll, dass auch der rapideste Verfall mal auf der Talsohle ankommt und dort zumindest auf niedrigem Niveau stagniert. Das wäre mir aber auch entschieden zu wenig aus den Potentialen der Region gemacht …

    Apropos Region, Wesel, Neukirchen-Vluyn, Werne (nur willkürlich ausgewählt, no offense intended) müssen meiner Meinung nach nicht notwendig dazu gehören. Ein Diversifikation der rezenten Strukturen im Sinne von Ausgliederung einerseits und „Eingemeindung“ im Sinne von administrativer Zusammenlegung , ist für mich, jenseits der politischen Durchsetzbarkeit, das derzeit spannendste Denkmodell für die Zukunft. (ich höre schon das historische (hysterische) Gekreische …). Die Thematik hat Arnold ja nebensätzlich schon angesprochen und sie taucht regional ja bei verschiedenen Themen, wie Messen, Flughäfen etc. immer wieder auf. Die Nähe zur „Rheinschiene“ …

    Strategisches Bonmot am Ende: Sir, we are surrounded! Fine, then we can attack in any direction 😉

  • #37
    Alreech

    Der Strompreis liegt bei 25 cent/kWh, die bösen Konzerne fahren mit ihren neuen Gaskraftwerken Verluste ein, und die Besserverdienenden bekommen für jeder kWh die sie mit ihren Photovoltaikelementen produzieren bis zu 40 cent/kWh – egal ob diese kWh im Moment benötigt wird oder nicht.
    Das deutet natürlich ganz klar darauf hin, das die bösen Konzerne an den hohen Strompreisen Schuld sind…

    Bislang werden 25% der Stromversorgung über das erneuerbare Energiengesetz finanziert, die Finanzierung erfolgt über eine Umlage auf die gesamte verkaufte Strommenge.
    Was passiert wenn die Menge des verkauften Stromes drastisch sinkt, z.B. durch verbesserte Effizienz oder eine Wirtschaftskrise ?
    Richtig, die EEG Umlage wird drastisch steigen.
    Ein sonniges, windiges Jahr mit Wirtschaftskrise könnte die EEG Umlage drastisch steigen lassen. Schon bei den jetzigen 25% Anteil sind es 6 Cent pro kWh.

    Die sogenannte Energiewende war bislang nichts anderes als eine Privatisierung der Stromversorgung, und wie jede Privatisierung führt sie zu höheren Endverbrauchspreisen und mangelnder Qualität.
    Nur das die Gewinner dieser Privatisierung keine bösen Konzerne sind, sondern Besserverdiener die es sich leisten können in Photovoltaikanlagen oder Windparks zu investieren.

    Und nein, die energieintensiven Betriebe sind bislang nicht aus Europa abgewandert. Die billigen Fahrräder, Fernseher und Photovoltaikelemente aus Asien sind nicht so billig weil dort der Strom billig ist, sondern weil sie Arbeitsintensiv sind.
    Aber an der Vertreibung der energieintensiven Betriebe arbeiten die Grünen und die SPD ja gerade, keine Angst, dann wird bestimmt alles besser.

  • #38
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #35 Arnold Voss: Wir brauchen, nach meinem Ermessen, einen öffentlich wahrnehmbaren Ruck, der den Bürgern der Region als auch Externen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft anzeigt, dass es so wie bislang hier nicht weitergehen kann und dass man gewillt ist, eine Änderung einzuleiten. Die Zahlen und das Image sprechen für sich. Man sollte allerdings vermeiden, daraus einen Marketing-Gag zu machen.

    Eine wirtschaftspolitische Orientierung zu suchen, eine, wie du schreibst, Zukunftsstrategie zu entwickeln, sollte nach meiner Auffassung beide Seiten berücksichtigen: Unternehmen als auch diejenigen, die derzeit von der Massenarbeitslosigkeit betroffen sind. Dabei wäre es angebracht, offen und fair vorzugehen. Ich verweise hier mal auf ein Interview mit Armin Falk (Uni Bonn) in der ZEIT (http://www.zeit.de/campus/2009/01/interview-gravitas). Beide Seiten fühlen sich zunehmend – vorsichtig formuliert – veräppelt. Ein Versagen in der Wirtschaftspolitik betrifft immer beide Seiten, auch wenn man üblicherweise die Massenarbeitslosigkeit gerne als soziales Problem ausgrenzt und danach die Betroffenen um so leichter moralisch malträtiert. Ich würde mich freuen, wenn ein Konsens für einen Neuanfang gefunden wird, am besten unter dem Label ‚Metropole Ruhr‘.

    Den Kommunen eine freiwillige Teilnahmen gewähren zu müssen, bleibt nicht aus. Jenes „Ich will auch“ sollte, da gebe ich dir Recht, vermieden werden. Die von dir angeführten Themen („Verkehrsbeschleunigung und -integration, strukturelle Armutsbekämpfung, Weiterqualifizierung der Stadtlandschaft und politische Internationalisierung“) bieten einen Ansatz, um eine Strategie zu entwerfen. Ärgern würde ich mich, wenn nichts als Beschäftigungstherapie herauskommt. Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme und für eine Strategie. Ein Symposion könnte dabei eventuell behilflich sein.

    Mit möglichen Finanzierungen anvisierbarer Projekte kenne ich mich aber leider kaum aus.

  • #39
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #36 abraxasrgb: „Frage ist, wie kommt diese Strategie a) zustande und b) in die entscheidenden Köpfe / Hände? c) wie macht man das den Bewohnern (Wählern) klar?“

    Ja, das ist die Frage. Ich hatte ein Symposion der ‚Metropole Ruhr‘ vorgeschlagen, das, je nach dem, wen man dabei hat, über eine Bestandsaufnahme hinaus vielleicht auch Hinweise erbringen kann. Eine Reihe von Themen sind ja schon angeführt worden. Verkehr gehört mit Sicherheit dazu. In einem zweiten Schritt müssten sich die regional Betroffenen zusammensetzen. Und gegenüber der Bevölkerung sollten besonders die OBs lernen, nicht bloß Selbstdarstellung zu betreiben, sondern Politik der Sache nach ernst zu nehmen und diese zu vermitteln. Es gibt ein echtes Vermittlungsproblem zwischen lokaler Politik und Bevölkerung!

  • #40
    Helmut Junge

    @Alreech (37), der Irrtum, daß die sogenannte Alternative Energie sich volswirtschaftlich so rechnet, wie es ihrem Anteil am Energiemix entsprechen würde, beruht zum eine teil darauf, daß zu den Zeiten,in denen die Sonne scheint, oder eine günstige Brise weht, die Kraftwerke zwar ihre anlagen drosseln müssen, aber ihre betriebskosten weiter laufen. Ea wird nicht ein einziger Mitarbeiter für die Sonnenscheindauer entlassen. Was als „Gewinn“ letztlich herauskommen kann, ist der Anteil der Kosten, der zur Bezahlung der Brennstoffe benötigt wird. Wenn also 2012 der Anteil der Stromerzeugung durch Photovoltaik 4,2% betrug, rechnen Grüne sofort 4,2% Kostenersparnis. Das ist aber nicht richtig, weil nur eben der Energiepreis gerechnet werden darf. Der beträgt aber nur einen Bruchteil der Betriebskosten der Kraftwerke. seit man den Grünen Milchmädchenrechnungsmethoden unterstellt, haben die entdeckt, daß dieses Wort eine Diskriminierung gegenüber Frauen ist und daß man das Wort nicht mehr sagen sollte. Dabei beruht doch beinahe alles, was die Grünen sich ausdenken, auf solchen Wunschrechenmethoden.
    Um auf das Thema von Reinhard Matern zurückzukommen, muß ich ihn davor warnen, diese Partei in seine Überlegungen wie wir aus dem regionalen Slum herausfinden könnten, einzubeziehen. Das ginge dann nicht gut, und zwar auch dann, wenn die es wollten. Der Weg in Reinhards Richtung ginge wahrscheinlich mit keiner der mir bekannten Parteien. Wo sind die auch, wenn wir hier über solch ein Thema diskutieren?

  • #41
    WALTER Stach

    Wie wäre es, wenn wir hier bei den Ruhrbaronen

    – nicht nur zum X-ten Male über Probleme diskutieren würden- inhaltliche, organisatorische, personelle-, oftmals als Wiederholungen altbekannter Melodien, hier und da erfreulicherweise ergänzt um Neues, sondern uns losgelöst von allen Erwartungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, die oftmals resultieren aus konkreten Erkenntnissen und Erfahrungen im Beruf und ihr jeweiliges Fundment haben in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen,-

    sondern davon losgelöst

    -auch losgeöst von allen Erwartungen,Hoffnungen, Enttäuschungen,losgelöst von konkreten beruflichen Erfahrungen, losgelöst von Erkenntnissen (und Wünschen), die der jeweils eigenen wissenschaftlichen Disziplin geschuldet sind, losgelöst von parteipolitisch bestimmten Interessen,

    uns `mal Gedanken darüber machen würden,

    wie „man“systematisch, pragmatisch,

    – nicht von Ideologien oder gar von Dogmen beeinflußt, nicht eingeengt von parteipolitichen Vorgaben-

    einen Prozeß anzugehen und zu gestalten hätte,der den umfassenden Titel „Ruhrgebiet 2o50“ tragen oder konkret firmieren könnte unter „Auswege aus dem regionalen Slum“ oder noch konkreter unter „Arbeit/Bschäftigung im Revier 2o5o“.

    Ich habe dazu unter -8- aus meiner Sicht Einfaches vorgetragen;.

    „Man“ müßte das E i n f a c h e alsbald einfach ‚mal so oder so ähnlich m a c h e n .

    Wer könnte „man“ sein?

  • #42
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #40 Helmut Junge: Vielleicht ist es ein Problem, keiner Partei mit dem Anliegen nahezustehen. Doch aus keiner der Parteien wäre je ein solcher Aufruf erfolgt! Nicht einmal der entstandene Rechtsextremismus gab bislang politisch zu denken, ob in Dortmund, Duisburg oder sonstwo im ehemaligen Revier.

  • #43
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #41 WALTER Stach: Ich halte ein solches Vorgehen im ‚Untergrund‘ für möglich, würde mich auch daran beteiligen, doch zunächst wäre mir lieber, wenn die ‚Metropole Ruhr‘ und die Kommunen einen Zugang zum Thema finden! Wenn daraus nichts wird, dann lässt sich immer noch aus dem ‚Untergrund‘ arbeiten.

  • #44
    Arnold Voss

    @ abraxasrgb # 36

    Ja, das Ruhrgebiet als RVR-Gebiet ist nicht nur räumlich sondern auch politisch zu groß. Räumliche Reduktion und stärker politische Integration sind deswegen die richtige Entwicklungsrichtung einer neuen Ruhr-Governance-Strategie. Damit würder aber ein weiteres Fass aufgemacht, mit dem der RVR zur Zeit überfordert wäre.

    Jenseits der damit verbunden Ängste um die mögliche Fliehkräfte die dadurch mobilisiert werden könnten, scheint mir eine solche Reorganisationsdebatte allerdings überhaupt nur dann sinnvoll, wenn es dazu auch ein tragfähige ökonomische Entwicklungsstrategie gäbe. Die größere Schlagkraft zu ihrer Durchsetzung wäre dann nämlich das zentrale Motiv einer Reduktion der Anzahl beteilgten und einer stärker politische Integration der verbliebenen Gemeinden.

    Ansonsten gilt die einfache Regel: Wer von sich aus keinen Vorteil bei der Integration sieht wir sich auch nicht Integrieren lassen. Wer sich allerdings selbst in der Zukunftstrategie und ihren Schlüsselprojekten wiederfindet, zumindest aber darin auch für sich selbst Synergiereffekte sieht, der wird auch bereit sein, die eigene Autonomie für eine größere gemeinsame Schlagkraft einzuschränken.

    Im Kleinen ist es da im Ruhrgebiet ähnlich wie bei der Europäischen Union im Großen, allerdings mit dem Vorteil einer gemeinsamen Landessprache. Das zukünftige Ruhrparlament wird deswegen, sofern es zu einer gemeinsamen und tragfähigen Zukunfsstrategie kommt, auch eine wesentliche größere Rolle spielen, als es die meisten zur Zeit erwarten, oder sogar aus politischen Gründen wünschen.

  • #45
    WALTER Stach

    -43-Reinhard Matern

    Wenn z.B. der RVR oder eine Großstadt des Reviers „man“ wäre oder die 3 IHK des Reviers oder eine Uni oder alle Unis oder all die Genannten gemeinsam unter einem Dach: Das wäre doch ‚was.!!
    Und wenn die losgelöst von….-sh.mein Beitrag 41-………, dann…….

    Ob sich für ein solches Projekt -beratend,mitwirkend oder federführend-eine in diesem Segment tätige Stiftung finden ließe?
    Ich habe vor vielen,vielen Jahren ‚mal, als ich dort noch beratend aktiv war, versucht,die Bertelsmann Stiftung für das Thema „Zukunft des Ruhrgebietes, Zukunft in der Metropolregion Ruhr“ zu interessieren;vergebens.

    Ein Prozess, wie ich ihn skizziert habe, kostet eine Menge Geld!

    Denkbar, daß man dafür auch EU-Fördermittel locker machen könnte. Es geht immerhin um eine der bevölkerrungssärksten Regionen in der EU und um eine, deren Probleme auch für die EU relevant sind und deren Lösung EU-weit eine Pilotfunktion haben könnte.

    Im übrigen bin ich selbst zu alt dazu, mich so oder so, direkt oder indirekt, in einen solchen Prozeß mit konkreter Arbeitsleistung einzubringen.

  • #46
    Arnold Voss

    @ Reinhard Matern # 38

    Ich finde die Idee eines solchen Symposions grundsätzlich gut, weil es eine wirtschaftspolititische Debatte über die Zukunft dieser Stadtregion – sorry, aber der Begriff Metropole kommt mir im Zusammenhang mit dem Ruhrgebiet nicht so einfach von den Lippen wie anderen – schon lange nicht mehr gegeben hat. Eigentlich ist sie spätestens seid der IBA-Emscherpark eingeschlafen, bzw. nicht mehr vertieft worden.

    Kunst und Kultur haben stattdessen in jeder Weise die Themenhoheit übernommen und sich dabei zunehmend auch selbst übernommen. Die neuerliche Suche nach der sogenannten Kreative-Klasse des Ruhrgebietes ist der letzte große Ausdruck dieser vergeblichen Hoffnung, dass hier eine neue Wachstumsdynamik verborgen liegen könnte.

    Das wirkliche Metropolen das schon mehr als 10 Jahre früher gemacht und hinter sich gelassen haben, fiel den Verantwortlichen in der Region erst dann auf, als die Anzahl der Konferenzen zum Thema die Anzahl der Kreativen zu überschreiten drohte und fest gestellt werden musste, dass auch auf diesem Zukunftsfeld im deutschen und europäischen Raum der Kuchen schon lange verteilt war.

    Aber wenn bei einem solchen Symposium aber wieder die Schönredner und Weichzeichner dominieren, und das ist im Ruhrgebiet die Regel, weil alle anderen für Nestbeschmutzer gehalten werden, sollte man vorn vorne herein die Finger davon lassen. Davon haben hier viele der vor Ort Aktiven gelinde gesagt die Nase gestrichen voll. Sie gehen da aus gutem Grunde einfach nicht mehr hin.

  • #47
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #45 WALTER Stach: Von Stiftungen, ob Mercator oder Bertelsmann, bekommt man nicht so einfach Geld. Diese haben nicht bloß ihre jeweiligen Leitlininien, sondern auch Ausrichtungen, manchmal sogar Menschbilder. Wenn man als Antragsteller da nicht reinpasst, war der Aufwand vergebens 😉 Als No-Name sowieso! Die Frage, welche gesellschaftspolitische Rolle speziell die Bertelsmannstiftung einnimmt, will hier erst gar nicht stellen. Und Anträge bei der EU: Ich weiß zufällig, dass die Duisburger Gesellschaft für Wirtschaftsförderung großen Respekt vor den Formularen und Antragprozessen bei der EU hat 😉 Ich selber habe mich bei der EU mal umgeschaut, auf der Suche nach Förderungen von Übersetzungen: völlig undurchsichtig!

  • #48
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #46 Arnold Voss: Wenn absehbar ist, dass ein Symposion die hiesigen Verhältnisse übersteigt, dann ist vielleicht, wie du angedeutet hast, das zukünftige Parlament ein besserer Debattenort. Ich bin sehr gespannt! Etwaige Anhörungen ließen sich auch dort gestalten. Aber es muss etwas passieren! Unter Umständen ergibt sich ja sogar im Parlament das Bedürfnis nach einer Ausweitung (Symposion).

  • #49
    Arnold Voss

    Bis das Parlament zum ersten Mal gewählt ist, ist es aber zu spät. Die Debatte muss sehr bald, muss jetzt beginnen und der einzige der sie zur Zeit systematisch führen könnte ist der RVR. Er muss sowieso den neuen Regionalplan machen und dazu gehört nach meiner Ansicht auch eine ökonomische Zukunfsstrategie. Sie kann formal nicht Teil des eigentlichen flächenbezogenen Plans sein, aber es soll dieses Mal ein Strategiebuch dazu geben. Da genau gehört sie rein.

  • #50
    Reinhard Matern Beitragsautor

    Freut mich sehr, dass der RVR dies übernehmen will und kann! Ich würde gerne in den Regionalplan samt Strategiebuch einsehen können, wenn die Erarbeitung abgeschlossen ist. Auf Reaktionen – besonders der Kommunen – bin ich ebenfalls gespannt.

  • #51
    WALTER Stach

    -47-Reinhard Matern

    Bin ich ich in meinem Anliegen grundsätzlich mißverstanden worden?

    Mir geht es nicht um eine Stiftung, mir geht es nicht um die Bertelsmann-Stiftung, mir geht es auch nciht um das Ob, das Wann, das Wie, das Durchwen und das Fürwen von EU- Fördermitteln.
    Ich wollte nur -45- andeuten, daß in dem von mir angesprochenen, in dem von mir umschriebenen Prozess -41- vorurteilslos und ausnahmslos Alles zu bedenken und Alles zu diskutieren ist, was möglicherweise dem Ziel, das man sich steckt, dienen könnte.

    Ich befürchte, daß die in Betracht kommenden und so auch von mir angesprochenen Projektträger/Prozessverantwortlichen , z.B. der RVR oder federführend eine Ruhregebietskommune oder die IHK des Reviers, nicht in der Lage sind oder nicht bereit sind, ein in jeder Beziehung völlig offenen Prozess mit all seinen Risiken einzugehen und dafür eigene Ressourcen einzusetzen.
    Die Strukturen im Revier -die verfaßten der öffentlichen und privaten Einrichtungen und die in den Köpfen der Ruhrgebiets- Akteure- lassen einen solchen offen Prozess nicht so.

    Wenn ich mich irre, umso besser -für die Zukunft des Ruhrgebietes-.

    PS
    Die Bertelsmann Stiftung sponsert in der Tat nicht mit Geld irgend was. Sie ist ggfls. eigenständige Projekträgerin oder Teilhaberin an einem konkreten Projekt.

    Ich kenne alle Urteile/Vorurteile gegenüber der Stiftung, kann aber, was meine eigenen Erfahrungen als Berater im vormaligen Bereich „Staat und Verwaltung „angeht, diese Urteile/Vorurteile ganz und gar nicht bestätigen, auch nicht aus der Sicht eines überzeugten und hier und dort noch engagierten Sozialdemokraten. Das aber nur als ganz persönliche Anmerkung, die in der hier laufenden Diskussion ja nichts bewirkt und deshalb „eigentlich“ überflüssig ist.

  • #52
    Puck

    #5 Reinhard Matern

    Zitat: Titel und Foto richten sich gegen die Tendenz, es sich im wirtschaftlichen Desaster gemütlich zu machen. Der Strukturwandel wird ja, verfolgt man die öffentlichen Diskussionen, kaum noch als wirtschaftspolitische Aufgabe gesehen!

    Titel und Foto suggerieren, daß es im Ruhrgebiet so aussieht wie sich der durchschnittliche saturierte Mittelstandsbürger in Westeuropa Kalkutta vorstellt. Und das erinnert fatal an gewisse reißerische „Reportagen“ im Stern, in denen zwar der Form halber erwähnt wird, daß es auch in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt Viertel gibt, die nicht wirklich schön sind, aber auf 6 von 7 Seiten Text nur noch vom Ruhrgebiet die Rede ist, garniert mit ausgesuchten Fotos von tatsächlich schmuddeligen Ecken, die man aber nur mit Mühe wiedererkennt, weil im Vordergrund seltsamer Weise immer diese großen blauen Mülltüten stehen, die da sonst nicht stehen. Wahrscheinlich bringen die Fotografen die als Staffage mit, damit das Bild auch so richtig reinhaut.
    Damit sich der Bürger in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt selbst dann großartig fühlt, wenn er leider gezwungen ist, in einem nicht so schönen Viertel zu leben, womöglich in einem Viertel, in dem die glücklicheren Bewohner des Ruhrgebietes nicht tot überm Zaun hängen wollen…
    Und: Nein, das ist keine billige Retourkutsche, sondern eine ziemlich genaue Zustandsbeschreibung der Atmosphäre in „diesem unserem Lande“ – falls sich noch jemand an die Lieblingsfloskel des „Dicken“ erinnert, der wie kein anderer den Stillstand zur Staatsraison erklärt hat und seitdem fleißig kopiert wurde.
    Falls ich mich da in meinem vorherigen Post nicht so ganz klar ausgedrückt habe, und ich fürchte, das ist der Fall, präzisiere ich das noch einmal.
    Das Problem ist nicht, daß der Strukturwandel nicht mehr als wirtschafspolitische Aufgabe gesehen wird, sondern daß man auf nationaler Ebene überhaupt keine Notwendigkeit mehr für einen Strukturwandel sieht, ist es doch prima gelungen, das diffuse Unbehagen an bestehender und sich womöglich seit 20 Jahre immer weiter ausbreitender Ungerechtigkeit umzulenken auf die „Präkären Schichten“, bzw. Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit einfach als „Neiddebatte“ zu diffamieren.

  • #53
    Arnold Voss

    @ Reinhard Matern # 50

    Ich habe geschrieben „führen Könnte“. Ob ers wirklich macht, weiß ich nicht. Bei der Diskussion der Wettberwerbsergebnisse Zukunftsideen ist das nur ansatzweise geschehen. Ich bin dort weder beschäftigt noch stehe ich in irgendeinem Beratungsverhältnis zum RVR. Ich kann nur hoffen, dass er sich diesem Thema in angemessener Breite stellt. Wenn ers nicht tut, müssen es andere machen. Aber er ist der politische Ort an dem es geschehen sollte.

  • #54
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #51 WALTER Stach: Ich hatte schon verstanden. Doch was würde ein ‚reines‘ Konzept im Untergrund erbringen? Ohne angemessenen Zugang zu den politisch Verantwortlichen bliebe dies eine Spielerei – oder man müsste zusätzlich andere Maßnahmen erwägen, die nicht weniger illusiorisch wären: die begleitende Bildung einer ‚roten‘ Armee 😉 Nein, ich bin Pragmatiker genug, um zu wissen, dass es in diesem Fall kaum auf mich, meine Autonomie und ein ‚reines‘ Konzept ankommt, sondern darauf, dass man die politisch Verantwortlichen zum Nachdenken und Handeln bringt. In diesem Zusammenhang bin ich auf eine Institution angewiesen, die von diesen Damen und Herren ernst genommen wird. Aber ich kann den Prozess begleiten, z.B. hier unter den Ruhrbaronen – wer nimmt heute noch Barone ernst 😉

  • #55
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #52 Puck: Danke für die moralisierenden Erläuterungen. Ich sehe jedoch nicht, was all die Assoziationen mit dem Text zu tun haben. Ist es rechtschaffen, Bild und Überschrift herauszulösen, nur um der eigenen Gefühlswelt Raum zu geben? Natürlich wollte ich provozieren! Und offensichtlich habe ich dies erreicht, in ihrem Fall so sehr, dass ihnen der Zusammenhang des Textes verloren geht.

  • #56
    Reinhard Matern Beitragsautor

    @ #53 Arnold Voss: Nun gut, oder auch nicht, wir werden sehen. Hast du einen Tipp, wie das Anliegen zum RVR gelangen kann? — Hat jemand Kontakte?

  • #57
    Arnold Voss

    Beim RVR werden die Ruhrbarone gelesen. Der zuständige Verantwortliche für Planung dort ist Martin Tönnes. Ich würde mich direkt an ihn wenden.

  • #58
  • #59
    Stephan B.

    @Reinhard Matern
    „Man sollte nicht vergessen, um welche Umfänge von Arbeitsplätzen es geht: 50.000 bis 70.000“
    Sind das Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen oder die neu entstehen sollen?
    Auf Metropoleruhr.de ( http://tinyurl.com/ruhr-mikrozensus )
    kann man lesen, dass es im Jahr 2012 rund 2,3 Mio. Erwerbstätige gab. Sozialversicherungspflichtig, also ohne Minijobber etc., waren 1,58 Mio.
    ( http://tinyurl.com/sozialversicherungspflichtig )

    Und das alles bei einer Arbeitslosenquote (bezogen auf Erwerbstätige) von 10,6% im Jahr 2012. D.h. ohne Beschäftigung waren ca.
    244.000 Personen.

  • #60
    Reinhard Matern Beitragsautor

    Die ca. 50.000 – 70.000 Arbeitsplätze sind durch wirtschaftspolitisches Engagement neu zu schaffen, damit eine Weiterentwicklung möglich wird.

  • #61
    Stephan B.

    Ich lese mich gerade noch in die Geschichte des Ruhrgebiets ein. Erstaunlich was hier an Aktivität stattfindet:

    Sechs Universitäten und neun Hochschulen mit etwa 180.000 eingeschriebenen Studenten (WS 2001/02) und zahlreichen Forschungsinstituten und Technologiezentren machen das Ruhrgebiet zu Europas dichtester Bildungs- und Forschungslandschaft. Hierbei sind die Ingenieur- und Naturwissenschaften besonders stark vertreten.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrgebiet#Universit.C3.A4ten

    Aufgrund dieses unglaublich großen akademischen Potentials müsste doch eigentlich das Ruhrgebiet der am stärksten wachsende Wirtschaftsstandort Deutschlands sein.

  • #62
    Reinhard Matern Beitragsautor

    Diese Bildungs- und Forschungslandschaft hatte die Konzerne u.a. veranlasst, ihr Konzept Ruhr2030 zu entwerfen:

    Link zum PDF, Stand Nov. 2007:
    http://www.i-r.de/downloads/zukunftskongress/Zukunft%20Ruhr2030%20-%20Strategiepapier%2023%20November%202007.pdf

    Doch das Engagement ist gescheitert!

  • #63
    Stephan B.

    @Stefan Laurin

    Stephan B. sagt am 28. Mai 2014 um 17:22
    Dass Strom so teuer ist liegt nicht an den Erneuerbaren Energien sondern an der Konzernmacht der vier großen Energieriesen. Der Strom an der europäischen Strombörse ist in den vergangenen Jahren immer billiger geworden, vor allem Dank der Photovoltaik, die Mittags am meisten Strom produziert.

    @Stephan B.: Hören Sie doch auf, grüne Ammenmärchen zu erzählen.

    17.01.2014
    Strompreise für Großkunden bis 2020 unter vier Cent je kWh

    Strompreise: Terminmarktpreise tauchen 2013 erstmals unter 4-Cent-Marke ab
    Die Terminmarktpreise für Grundlast-Strom haben im Jahr 2013 weiter kräftig nachgegeben und dabei die Marke von vier Cent je kWh unterschritten. Dabei mussten die Großkunden im Januar 2013 noch deutlich tiefer in die Tasche greifen als im Dezember. Der mittlere Preis für Strom zur Lieferung im Jahr 2014 lag im Monat Januar bei 4,31 Cent/kWh. Doch bereits im Mai tauchte dieser mittlere Monatspreis erstmals unter die 4-Cent-Grenze. Im Dezember betrug das Monatsmittel schließlich nur noch 3,69 Cent/kWh.

    http://www.iwr.de/news.php?id=25415

    Zur genauen Darstellung des Strompreises für Mittelspannung siehe folgende Grafik (Strompreisverlauf von Januar 2002 bis Mai 2014) vom Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft:

    http://vik.de/tl_files/downloads/public/strompreisindex/VIK_Index_Daten_Version1.pdf

    Der Stand von 130 im Mai 2014 entspricht einer normalen Inflationsrate von 2,5%. Man vergleiche das mal mit dem Anstieg der Öl- und Benzinpreise.

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