Warum sind die Vandalen eigentlich so verschrien?

Plünderung Roms durch die Vandalen Bild: Heinrich Leutemann Lizenz: Gemeinfrei

Ich habe die Aussagen dieses katholischen Bischofs Henri-Baptiste Grégoire, der 1894 die Jakobiner beschuldigte“ Vandalismus“ zu betreiben, und damit diesen Begriff prägte, eigentlich nie hinterfragt, bis drei Ereignisse über mehrere Jahre hinweg mich neugierig gemacht haben. Von unserem Gastautor Helmut Junge.

Während eines Urlaubs auf Mallorca entdeckte ich voller Staunen, im Museum von Palma eine Münze der Vandalen. In der Gegend, in der heute der Ballermann berühmt und berüchtigt ist, eine Münze der Vandalen zu finden, nährte in mir den Verdacht, dass die Vandalen offensichtlich, genau wie wir heute bezahlt haben.
Bis vor wenigen Jahren galt noch die Auffassung, dass die Vandalen keinerlei bleibende kulturellen Spuren hinterlassen hätten. Das hat sich mittlerweile aber dramatisch geändert, und seit den Grabungen in Tunis als vollkommen falsch erwiesen. Archäologen entdeckten, dass die Vandalen sogar rege Bauherren waren und Paläste und Kirchen gebaut hatten. In einer Fernsehsendung über diese Ausgrabungen sagte eine tunesische Archäologin, dass die Vandalen sogar eine wichtige Rolle in dieser Region gespielt hätten, und dass sie die Vandalen nicht ohne Stolz als ihre Vorfahren ansähe.
Das dritte Erlebnis hatte ich erst kürzlich, und zwar in der WDR-Reihe „Wunderschön“. In dieser Sendung äußerte sich ein marokkanischer Reiseführer positiv über die Vandalen, die auch er, ebenso wie die tunesische Archäologin, als Teil seiner Vorfahren benannte. Ich verstand es so, dass Nordafrikaner mit berberischen Wurzeln die Vandalen durchaus als Teil ihrer Vorfahren ansehen.
Drei Hinweise also, genug um mich neugierig zu machen, und ich begann mich für die Vandalen und ihre Geschichte zu interessieren. Einige Medien, darunter „Die Welt“, und „Die Zeit“ hatten schon 2009 über die Ausgrabungen in Tunis berichtet, und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Vandalen besser gewesen sein als ihr Ruf.

Was aber konnte den guten Herrn Henri-Baptiste Grégoire, seines Zeichens Bischof von Blois, bewogen haben, den Begriff

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CDU-Funktionär widerruft Kraft-Druck auf WAZ bei „Wir in NRW“ Berichterstattung

In einer Rundmail an Funktions- und Mandatsträger vom gestrigen Tag behauptete der Recklinghäuser CDU-Kreisgeschäftsführer Ludger Samson im Hinblick auf die STERN-Enthüllungen zum Wir-in-NRW-Blog. Von unserem Gastautor Thomas Meiser.

Um diese Mail geht es:

„Die WAZ beispielsweise hat auf die Veröffentlichung nach einem Anruf von Frau Ministerpräsidentin Hannelore Kraft beim Chefredakteur Ulrich Reitz verzichtet.“

Diese Mail wurde gestern auch von Marco Wirtz, dem Essener Landessekretär der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft weiterverbreitet.

Und der CDU-Funktionär widerruft nun. Auf Aufforderung der WAZ.

„Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen,

in der von mir weitergeleiteten Mail des CDU-Kreisverbandes Recklinghausen wurde eine unwahre Tatsachenbehauptung aufgestellt, die ich hiermit widerrufe.
Ich zitiere hierzu aus einem Schreiben des Justiziariats des
Zeitungsverlag Ruhrgebiet GmbH & Co. Essen KG vom 09. Mai 2012,

„…Sehr geehrter Herr Wirtz,
in einer Mitteilung an den CDA-Bezirksvorstand stellen Sie in Bezug auf die von uns verlegte Tageszeitung „WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG“ folgende Behauptung auf:
„Die WAZ beispielsweise hat auf die Veröffentlichung nach einem Anruf von Frau Miniosterpräsidentin Hanelore Kraft beim Chefredakteur Ulrich Reitz verzichtet.“

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Ein Leben als Exhi

Dies ist die Geschichte von Alfred Esser. Seit er denken kann, zeigt er seinen Penis Frauen gerne aus einiger Entfernung, erigiert und am Schaft rasiert. Pervers, finden die meisten. Normal, fand Esser eines Tages und gründete einen Selbsthilfeverein für Exhibitionisten. „Es geht um Anerkennung“, sagt er. Von unserem Gastautor Ralf Grauel.

– Der Text ist im Ruhrbarone-Magazin#2 erschienen. Mit unseren Printprodukten versuchen wir langen Lesegeschichten, Foto- und Grafikstrecken den Raum zu geben, den sie verdienen. Aktuell ist unsere vierte Ausgabe zum Oberthema GRENZEN auf dem Markt. Reinschauen lohnt sich! –

Alfred Esser steht im Gebüsch und onaniert. Zwei Meter von ihm entfernt hockt die Fotografin und fummelt an der Kamera herum. Esser ist Rechtshänder, sein Arm pumpt hektisch. Ständig rutscht die Hose herunter, mit der linken Hand hält er sie fest, die rechte reibt. Er wollte sich nur von einer Frau fotografieren lassen. Jetzt wechselt sie den Film, guckt nicht mal hin und er wichst einfach weiter.

Ein Feldweg neben einer Autobahn mitten im Ruhrgebiet. Der Himmel ist blau, vom Feld her weht ein kalter Wind. Das Laub schimmelt, mittendrin steht Alfred Esser und ist ganz aufgekratzt. Doch aus der Erektion wird trotzdem nichts. „Lampenfieber”, meint er später. Er habe es noch nie vor der Kamera gemacht oder vorher mit der betreffenden Frau geredet. Esser steht vor seinem Auto. Ich sage, „ich mach mal so” und winke ihm aus einem halben Meter zu. Esser versteht. Der Fotografin streckt er die Hand hin und sagt, es hätte ihm sehr gut gefallen, schließlich zeige er sich nicht

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Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: Gewalt

Pro NRW Chef Markus Beisicht

Die antimuslimisch-rassistische Kleinstpartei Pro NRW und die gewaltbereiten Gruppen innerhalb des radikalislamistischen Salafismus kommen nur mit Negativschlagzeilen aus ihrer jeweiligen Bedeutungslosigkeit heraus. Dies führte am Samstag zu schweren Ausschreitungen in Bonn, bei denen zwei Polizisten schwer und 27 weitere leicht verletzt wurden. Eine Aktuelle Stunde im WDR titelte: „Straßenkampf in Bonn“. Von unserem Gastautor Roland Sieber/Publikative

Pro NRW braucht bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai offenkungig die Stimmen aus dem gewaltbereiten Neonazispektrum bis zu den isolierten antimuslimischen Verschwörungsanhängern, um überhaupt nur in die Nähe der Hürde zur Wahlkampfkostenerstattung von einem Prozent der Wählerstimmen zu kommen. Um nicht in die vollkommene Bedeutungslosigkeit abzurutschen, ist dies das erklärte Ziel. Für Pro NRW geht es dabei um eine jährliche Summe ab 80.000 Euro aufwärts. Dies soll mit einem Wahlkampf mit „maximaler Provokation“ und „bis an die Schmerzgrenze“ erreicht werden, so der Landesvorsitzende Markus Beisicht.

Die Strategie scheint klar: Solange provozieren bis es einen Zwischenfall gibt um sich als Opfer der angeblichen

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Wer braucht noch Industrie? Wir in NRW!

Thomas Eiskirch

Große Teile der Öffentlichkeit haben sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum mehr für die Bedeutung der Industrie und die tiefgreifenden Wandlungsprozesse in der industriellen Produktion interessiert. Lediglich bei der Schließung großer Betriebe, in Reden zum 1. Mai oder bei Wahlanalysen (“Wie wählte die Industriearbeiterschaft“?) tauchte „Industrie“ noch auf; um danach – schwuppdiwupp – wieder aus der Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit zu verschwinden. Unser Gastautor Thomas Eiskirch ist Mitglied im Sprecherkreis der RuhrSPD und war bis zur Auflösung des Landtages von Nordrhein-Westfalen Wirtschafts- und Energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion

Der Mainstream setzte vor allem auf den Dienstleistungsbereich. Die Entwicklung der Aktienkurse war allemal spannender als die Produktions- und Innovationsprozesse in der sogenannten „old economy“. Der Mainstream beschritt damit aber den Holzweg. Denn seitdem 2008 / 2009 die Finanzmarkt-Blasen geplatzt sind, verändert sich die Wahrnehmung von Industrie in Politik und Gesellschaft deutlich.

Es zeigt sich, dass der „rheinische Kapitalismus“ mit seiner sozialen Marktwirtschaft sich im internationalen Vergleich wirklich gut behauptet: mit leistungsfähiger Industrie, qualitativ hochwertigen Produkten, werthaltigen Dienstleistungen und mit qualifizierter Arbeit, die auf Fachkräfte, soziale Partnerschaft und Mitbestimmung setzt. Während Wirtschaftssysteme, die systematisch auf billige Arbeit, entrechtete Arbeitnehmerschaften und schnelle Gewinne an den Finanzmärkten gesetzt haben, heute auf der Verliererseite stehen. Zu Recht.

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Die Grünen: Eine schrecklich nette Familie…Warum es sich zu bleiben lohnt.

Eine Antwort auf Robin Patzwalds „Zwei Jahre unter Grünen..“ von Ulrike Märkel, Bündnis90/Die Grünen, Ratsfrau Dortmund

Als ich den Grünen beitrat, bin ich auf zahlreiche engagierte Menschen gestoßen, die seit Jahren einen großen Teil ihrer Freizeit in die Arbeit der Ortsverbände, des Kreisverbandes, in den Bezirksvertretungen oder in der Ratsfraktion leisten. Ich traf Leute, die sich in Wahlkampfzeiten an den Wochenenden in den Fußgängerzonen die Füße platt stehen und keiner noch so schwierigen Diskussion mit den BürgerInnen aus dem Weg gehen. Und die sich nach Fierabend am Ende ihres ganz normalen Arbeitstages noch um die Anliegen der ‚kleinen Leute‘ kümmern.

Ich lernte bei den Grünen Menschen kennen, die kontrovers und leidenschaftlich diskutieren und sich bei manchen Themen „an die Köppe kriegen“. Ich erlebte Situationen, in denen eine Tür hart ins Schloss fiel oder laute Worte in der Hitze des Wortgefechts durch den Raum flogen. Und dennoch wurde am Ende -gemeinsam- oft bis spät abends debattierend, um einen Konsens

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Die Transfer-Union

Die EU als Transfer-Union – das ist für die Bundesregierung in etwa das, was dem Teufel das Weihwasser der katholischen Kirche ist: etwas, das man um jeden Preis meiden will. Die Bundeskanzlerin dürfte in diesem Punkt eine Mehrheit der Wähler und Wählerinnen in Deutschland hinter sich haben. Und auch die bundesdeutschen Leit-Medien stützen sie in der öffentlichen Debatte über dieses Thema. Unser Gastautor Jürgen Klute ist Mitglied des Europaparlaments und Mitglied der Linkspartei. 

Die EU als Transfer-Union – das ist für die Bundesregierung in etwa das, was dem Teufel das Weihwasser der katholischen Kirche ist: etwas, das man um jeden Preis meiden will. Die Bundeskanzlerin dürfte in diesem Punkt eine Mehrheit der Wähler und Wählerinnen in Deutschland hinter sich haben. Und auch die bundesdeutschen Leit-Medien stützen sie in der öffentlichen Debatte über dieses Thema.

Auf den ersten Blick sieht es zweifelsohne so aus, als müsse Deutschland enorme Summen für die Rettung der krisengeschüttelten südeuropäischen Euroländer aufbringen. Die Summen, die für die Rettungspakete für Griechenland aufgebracht werden mussten, erscheinen als zweifelsfreier Beleg dafür.

Doch ein zweiter, genauerer Blick, ein Blick hinter die Kulissen, ergibt ein differenzierteres Bild.

Ein zweiter Blick zeigt: Es gibt längst eine Transfer-Union. Aber nicht – wie die Bundesregierung glauben machen will – von den reicheren, hochwettbewerbsfähigen nordeuropäischen Euro-Ländern in die krisengeschüttelten, wettbewerbsschwächeren Euro-Länder Südeuropas. Ganz im Gegenteil. Vor allem Deutschland profitiert in einem erheblichem Umfang von der Krise im Süden der EU.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hat das Anfang dieses Jahres mit konkreten Zahlen unterlegt („Vom Glück der billigen Schulden“). Demnach betrugen die Zinsen in den Krisenjahren 2009 bis 2011 für 

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Zwei Jahre unter Grünen – Ich bin dann mal wieder weg…

Als ich mich zum 01. Mai 2010 dem Waltroper OV der Bündnisgrünen anschloss, da war ich voller Vorfreude! Von unserem Gastautor  Robin Patzwaldt.

Der Auftritt von Reiner Priggen in Datteln und auch die deutlichen Worte von Jürgen Trittin im April 2010, dass Datteln 4 bei einer Beteiligung der Grünen an der nächsten Landesregierung nicht ans Netz gehen wird, hatten mich endgültig dazu gebracht mich aktiv bei den örtlichen Grünen mit zu engagieren, die ich zuvor schon als Außenstehender mit Sympathie betrachtet hatte.

Diesen netten Leuten, welche sich scheinbar  engagiert den Anliegen der ‚kleinen Leute‘ so entschlossen und mutig zu widmen schienen, und die dafür frech den Mächtigen der alten Landesregierung und der Industrie zu trotzen schienen, wollte ich zukünftig meinerseits durch meine Mitgliedschaft im OV bei ihrer Arbeit hier vor Ort aktiv etwas stärken.

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Warum die politische Diskussion über das Musikzentrum so wichtig für Bochum ist

Immer wieder hat die Politik in Bochum millionenteure Großprojekte mit entsprechenden Versprechungen durchgesetzt, die nachher nicht gehalten werden konnten (u.a. 3-fache Untertunnelung der Innenstadt oder Bongard-Boulevard). Von unserem Gastautor Volker Steude. 

Dieses politisch fragwürdige Muster wiederholt sich jetzt beim Musikzentrum. Dies muss der Öffentlichkeit bewusst werden.

1. Wieder wurden Millionen von Fördermitteln akquiriert und wird behauptet, man bekäme das Projekt praktisch geschenkt.

6,5 Mio. EUR kommen aus dem ZIEL-2 Förderprogramm der EU. Da sollen gefördert werden Integrierte Handlungskonzepte der Städte bzw. Regionen; nachhaltige investive Einzelprojekte; Stadtteilmanagementprojekte; Flächenentwicklung; Nutzung des industriellen Erbes (1). Das Musikzentrum ist keins von alledem, vor allem nicht investiv. Eine Kalkulation wie die Investition sich jemals rechnen soll, wurde daher erst gar nicht angefertigt.

2. Wieder wurden die Mittel durch Filz und Klüngel eingeworben. Entscheidendes Kriterium zur Erlangung der Fördermittel ist der Kauf der Jahrhunderthalle. Kriterien für die Erlangung von Fördermitteln, sollen eigentlich sicherstellen, dass die Fördermittel gut angelegt sind und das angestrebte Ziel erreicht wird. Dass die Übernahme von unrentablen Altlasten des Landes ein Kriterium ist, ist neu. Erst stoppt die CDU-Bezirksregierung das Projekt, kaum sitzt wieder die SPD am Ruder, biegt man die

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Razzia gegen “Pro NRW” und “Freundeskreis Rade”

Markus Beisicht - Der Pro NRW Politiker hat heute wenig Grund zu lachen

Wie ungünstig: Kurz vor der Landtagswahl läuft in Nordrhein-Westfalen eine Razzia gegen die Neonazi-Kameradschaft “Freundeskreis Rade” – und betroffen sind auch die vermeintlichen Biedermänner “Pro NRW”. Es geht um die Bildung einer kriminellen Vereinigung. Von unserem Gastautor Jesper Olsen/Publikative.

Die Staatsanwaltschaft und Polizei Köln haben mitgeteilt, dass am Morgen und Vormittag des 25. April 2012 eine Razzia gegen die extrem rechte Szene durchgeführt wird. Die Polizei Köln durchsucht 20 Objekte in Radevormwald, Düsseldorf, Wuppertal und Essen sowie das Fraktionsbüro von Pro NRW in Radevormwald. Es werden mehrere Haftbefehle gegen führende Köpfe des rechtsextremen “Freundeskreis Rade” vollstreckt. Staatsanwaltschaft und Polizei werfen ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.

Die Festgenommenen werden nun nach Köln gebracht und dem Haftrichter vorgeführt. “Der heutige Tag macht deutlich, dass wir die Bedrohung von Rechts sehr ernst nehmen und konsequent gegen die Szene in Radevormwald vorgehen”, sagte Polizeipräsident Albers in Köln. Albers weiter: “Wir machen den Rechten mit der Sonderkommission “Im Focus: Rechts” Druck. Diese Maßnahmen sind ein Teil des von Innenminister Jäger initiierten acht Punkte Programms.”

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