„Es war eine monströse Attacke…“

Nir Oz nach dem Terrorangriff der Hamas Foto: zeev stein Pikiwiki Israel Lizenz: CC BY 2.5

Knapp zwei Jahre lang, 482 Tage lang, war der 81-jährige Kibbuznik Gadi Moses aus Nir Oz in Hamas-Geiselhaft – und resignierte doch nie. Im Januar 2025 kam er frei, zusammen mit Agam Berger (20) – eine der fünf jungen überlebenden Späherinnen, die vom Stützpunkt Nahal Oz entführt wurden – sowie Arbel Yehud aus Nir Oz. Arbels Bruder war in Nir Oz ermordet worden. Ihr Vater sprach uns im Oktober 2025, als wir im Kibbuz arbeiteten, bei einem Mittagessen im Speisesaal an, um davon zu erzählen. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

Auch Gadi Moses Lebenspartnerin Efrat Katz (69) wurde am 7.10. entführt. Sie wurde gemeinsam mit ihrer Tochter und zwei Enkelkindern in ein Auto gezerrt und nach Gaza verschleppt. Sie starb durch israelischen Beschuss im Chaos nach dem Überfall. Auch Gadi Moses gleichfalls in Nir Oz lebende – geschiedene – Ehefrau wurde entführt. Sie wurde nach 49 Tagen

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„Die iranische Gesellschaft steht allein – doch ihre Wut ist unauslöschlich“

Streik im Basar von Teheran Foto: Msdroriginal Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die aktuellen Demonstrationen und Streiks begannen am 28. Dezember 2025 in Teheran. Auslöser waren die drastische Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, starke Schwankungen des Wechselkurses, die Instabilität der Märkte sowie der anhaltende Wertverlust der nationalen Währung. Ausgangspunkt der Proteste bildeten der Große Basar von Teheran und die umliegenden Handelszentren. Von unseren Gastautor Kazem Moussavi

Innerhalb weniger Tage entwickelte sich daraus die größte Protestwelle seit den landesweiten Erhebungen von 2022 nach der staatlichen Tötung von Mahsa Amini.

Mindestens 65 große und kleine Städte in verschiedenen Provinzen Irans sind derzeit betroffen. Die Proteste tragen offen politisch systemkritische Züge und richten sich faktisch gegen den Fortbestand der Islamischen Republik.

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„Heute Morgen darf ich zum Appell im Bett bleiben“

KZ Bergen-Belsen nach der Befreiung durch die Briten Foto: No 5 Army Film & Photographic Unit, Oakes, H (Sgt) Lizenz: Gemeinfrei

Renata Laqueurs (1919 – 2011) Tagebuch aus Bergen Belsen. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold.

Jede autobiografische Erinnerung an die Shoah hat ihre eigene Geschichte. Renata Laqueur (1919 – 2011) ist im deutschsprachigen Raum ziemlich unbekannt. Als junge niederländische Frau überlebte sie13 Monate KZ-Haft in Bergen-Belsen. In dieser Zeit schrieb sie ein Tagebuch, auch um sich vom unerträglichen Alltag abzulenken.

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„… traf mich die Blockade bei meinem Herzensthema Israel um so härter…“

Michael Roth Foto: Raimond Spekking Lizzenz: CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)


Die beeindruckenden politischen und psychologischen Reflexionen des Politikers Michael Roth (SPD)
Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

27 Jahre lang saß Michael Roth für die SPD im Bundestag. Bereits mit 28 Jahren war der aus einfachen Verhältnissen Stammende in den Bundestag eingezogen. In seiner hessischen Heimat war er fest verankert, als strömungsunabhängiger

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„Ich bin nicht bereit, dass Hass das letzte Wort ist“

Micheal Friedman, Fridays for Israel, FU-Berlin (2023) Foto: Dr. Frank Gaeth Lizenz: CC BY-SA 4.0


Je schwieriger und bedrohlicher die Lebenssituation für Juden und Israelis in Deutschland wird desto produktiver wird der Publizist und Fernsehmoderator Michel Friedman. Nun legt er beinahe jährlich ein neues Buch vor, jeweils gut und voller Leidenschaft geschrieben. Von unserem Gastautor
Von Roland Kaufhold.

In seinem sehr persönlich gehaltenen Werk Fremd (2022), welchem er leitmotivisch die Bemerkung „Ich bin auf einem Friedhof geboren“ vorangestellt hatte, hatte sich der streitbare, 1956 als Staatenloser in Paris geborene jüdische Publizist an die „sprachlose Angst“ seiner nach Paris und dann nach Deutschland übersiedelten

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Preiswürdig? Protest gegen die Preisverleihung an die ARD-Israelkorrespondentin Sophie von der Tann


Sophie von der Tann beim Deutschen Fernsehpreis 2024 Foto (Ausschnitt): Superbass Lizenz: CC BY-SA 4.0


Die Journalistin und ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann spaltet die Öffentlichkeit. In Israel lebende und mit Israel vertraute Menschen halten ihre betont rührseligen Israel-Berichte für zumindest fragwürdig. In ihren Berichten erscheint das vielfach bedrohte Israel vor allem als ein aggressiver Staat, dem  offenkundig willkürlich arme Palästinenser zum Opfer fallen. Am Donnerstag wird ihr hierfür im WDR der Hanns-Joachim Friedrichs Preis verliehen. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

Diese Preisverleihung hat starke Kritik hervor gerufen.  Und vor dem WDR-Gebäude ist für Donnerstag eine Mahnwache angekündigt.

Ihre antizionistisch anmutende Suada vertritt von der Tann auch noch nach dem Hamas-Pogrom des 7. Oktober Exemplarisch sei ein Weltspiegel-Beitrag der Autorin erwähnt, der erstaunlicherweise keinerlei Reaktion hervorgerufen hat.

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Ohne Waffen kein Frieden

Leopard 2A6 im Gelände Foto (Ausschnitt): synaxonag Lizenz: CC BY 2.0


Überall in Europa gibt es Menschen, die Illusionen für wahr halten. Sie glauben, dass Freiheit und Frieden auf Rücksicht, Diplomatie und gutem Willen beruhen. Dabei übersehen sie geflissentlich historische und aktuelle Fakten. Von unserem Gastautor Arne Kruse.

Die Freiheit und der Frieden in Westeuropa seit dem Zweiten Weltkrieg beruhen auf Bomben und der Drohung mit Krieg. Ohne den Kampf der westlichen Alliierten gegen die Nazis wäre Europa entweder unter die Herrschaft der Nazis oder der Sowjets gefallen.

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Der Westen unterschätzt die Gefahr des globalen Islamismus

Marko Martin in Israel Foto: Privat Lizenz: Copyright

Unterschätzen die Bürger freiheitlicher Demokratien die Gefahr des Islamismus? Wer davor warnt, wird reflexhaft als „antimuslimischer Rassist“ angeprangert. Das erinnert an die oftmals vergeblichen Warnungen vor dem Stalinismus im 20. Jahrhundert. Der Schriftsteller Marko Martin spricht im Interview über das Gemeinsame der Dissidenten von damals und heute. Von unseren Gastautoren Ellen Daniel und Michael Miersch.

Frage: Du hast mehrere Bücher über die antitotalitären Intellektuellen des 20. Jahrhunderts geschrieben, die den Nationalsozialismus bekämpften, ohne dem Stalinismus auf den Leim zu gehen. Dein essayistisches Werk ist voller Bezüge auf Menschen wie Manés Sperber, Alice Rühle-Gerstel, Melvin Lasky, Hans Sahl, Elisabeth Fischer-Spanier. Die meisten davon sind in Deutschland ziemlich unbekannt. Wie kamst du zu diesem Lebensthema? 

Marko Martin: Mich hat immer interessiert, was nicht Teil des Kanons war und ist. Kurz gesagt: Ludwig Marcuse anstatt Herbert Marcuse, Czesław Miłosz anstatt Jean-Paul Sartre. Interessanterweise gibt es nämlich gerade im progressiven Bereich eine geradezu pfäffische Kanonisierung, da werden bis heute die immergleichen Namen aufgefahren – Brecht, Adorno etc. Nachdem ich im Mai 1989 als neunzehnjähriger

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„Ich werde überleben. Weil ich leben will“

Eli Sharabi Foto: Foreign, Commonwealth & Development Office Lizenz: CC BY 4.0


Eli Sharabis literarischen Erinnerungen an seinen Überlebenskampf.
Von unserem Gastauor Roland Kaufhold. 

Eli Sharabi überlebte 491 Tagen Hamashaft. Bereits wenige Wochen später gibt er einem israelischen Sender, trotz der Bedenken seiner Ärzte, ein großes Interview, in dem er das Unvorstellbare erzählt, als Zeitzeuge. Das Interview wurde auch von Phoenix übernommen.

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„Russland wird nicht aufhören, selbst wenn die Ukraine irgendeinem Abkommen zustimmen würde“

Andrij Madzharov Foto: Privat


Andrij Madzharov ist ukrainischer Veteran. Zerschossen, zusammengeflickt – und entschlossen, die Stimmen seiner toten Kameraden dorthin zu tragen, wo Europas Haltung entschieden wird: nach Brüssel. Zu Fuß, 1.500 Kilometer, mitten ins Herz des Kontinents. Sein Weg führte über Bochum.

Putins Krieg gegen die freie Ukraine begann vor elf Jahren. Madzharov stand schon damals an der Frontlinie, die Europa von Russland trennt. 2022 wurde er als Mitglied einer Spezialeinheit schwer verwundet und überlebte. Seitdem spricht er für die Veteranen, für die Verwundeten, für jene, die nie zurückkamen. Den Ruhbaronen hat er gesagt, was er  vom  US-Friedensplan hält, nachdem die Ukraine unter anderem ihre Territorien in den

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