Sierau bleibt vorläufig im Amt

In einem Schreiben von Ferdinand Aßhoff, dem Hauptdezernenten der für Dortmund zuständigen Kommunalaufsicht des Regierunsbezirks Arnsberg an Dortmund OB Ullrich Sierau, stellen Land und das Regierungspräsidium heute klar, dass sie sich wegen der Frage der Rechtssicherheit nicht zu der Zulässigekit der Klagen verschiedener Bürger gegen die OB-Wahl äussern werden und auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen warten.

Konsequenz: OB Ullrich Sierau kann vorläufig im Amt bleiben. Aßhoff fordert ihn in dem Schreiben, hier als PDF , allerdings zur Zurückhaltung in der Amtsführung auf.

Gorny: „Berlin ist langsam satt…“

Dieter Gorny

Dieter Gorny ist als Direktor der Kulturhauptstadt RUHR.2010 für den Bereich Kreativwirtschaft verantwortlich. Der Gründer des Musikkanals VIVA erklärt im Interview, warum das Dortmunder U keine Museum werden darf, es im Ruhrgebiet genung Konzerthäuser gibt und welche Chancen die legendäre Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet hat

Kreativquartiere in Dinslaken, Dorsten und Unna – Ist das nicht wieder die typische Kirchturmpolitik, die wir im Ruhrgtebiet seit Jahrzehnten kennen und bei der es nur darum geht, dass jeder etwas vom Kuchen abbekommt? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sich auf die drei Quartiere im Revier zu konzentrieren, die wirklich die Chance haben, sich weiter zu entwickeln: Essen-Rüttenscheid, das ViktoriaQuartier in Bochum am Bermudadreieck und das Klinik- und Kreuzviertel in Dortmund in der Nähe des Dortmunder U?
Ja und nein. Erstens: Dinslaken ist eine Ausnahme. Dort geht es darum, über das Vehikel Kreativquartier eine Diskussion zwischen den verschiedenen Interessengruppen, den Planern, der Politik und der Wirtschaft, über die Entwicklung eines urbanen Quartiers anzustoßen. Da geht es auch um das Selbstverständnis als Stadt, und diese Diskussion hat in Dinslaken viel bewegt. Unna wird kein Kreativquartier im herkömmlichen Sinn, sondern eine Bildungs- und Weiterbildungsstätte. Der Ort, das alte Durchgangslager in Massen, ist so skurril, dass man damit etwas machen muss. Dort kann man kontemplativ über Zukunft nachdenken. Wir werden dort Kongresse veranstalten, aber planen keine Ansiedlung von Unternehmen.

Ursprünglich sollten sich dort aber Künstler ansiedeln.
Die Idee ist leider nicht realisierbar. Wir mussten einsehen, dass so etwas an diesem Standort entweder gar nicht oder nur mit sehr hohen Subventionen möglich gewesen wäre. Bei den von Ihnen genannten Quartieren sieht das alles anders aus: Sie haben so zentrale Lagen, dass man aus ihnen etwas machen kann. Aber wir sind immer noch in der Vorbereitungsphase. Uns geht es jetzt vor allem darum, Impulse zu setzen, eine Diskussion zu beginnen. Die Kreativquartiere brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Uns ist es gelungen, das Bewusstsein zu schaffen, dass die Entwicklung solcher Quartiere eine Chance für die Städte und das Ruhrgebiet ist. In einer zweiten oder dritten Stufe werden dann auch wirtschaftliche Erfolge sichtbar. Wir werden Cluster haben, die sich gut entwickeln. Wir werden aber auch Quartiere haben, die scheitern werden. Wir sind in einen offenen Prozess eingetreten, aber wer glaubt, man kann einfach einen Standort als Kreativquartier ausrufen und die Sache läuft, irrt.


Haben die Städte wirklich verstanden, worum es geht? Das Dortmunder Quartier rund um das U gehört sicherlich zu den Orten mit den besten Chancen, ein funktionierendes Kreativquartier zu werden. Aber Kreativwirtschaft ist dort mittlerweile nur noch eine Option. Die Stadt hat die Zuschüsse des Landes abgegriffen und scheint sie nun für die Umsetzung von Langemeyers alten Museumsplänen zu nutzen. Hat sich der ehemalige Dortmunder OB doch noch durchgesetzt?

Wir können am Dortmunder U das ganze Wohl und Wehe einer Strukturdebatte festmachen. Das U ist ein ausnehmend exemplarischer Ort, der einfach auch spannend liegt. Er ist durch die Nähe zur Rheinischen Straße, dem Klinik- und dem Kreuzviertel ein hoch attraktiver Standort für Kreativ-Unternehmen. Dass die Stadt sich entschlossen hat, das neue FZW in der Nachbarschaft anzusiedeln, macht dieses Quartier noch stärker. Schaue ich mir jetzt den Standort an, seine Potenziale, sein Umfeld, dann passt da kein normales Museum hin. Siedelt man es trotzdem dort an, wird es ein Flop. So sehr die Stadt auch das U für sich reklamiert, es ist ein Symbol für die Idee der Kreativquartiere und wirkt weit über Dortmund hinaus. Werden die Chancen, die das U hat, vertan, wäre das ein Rückschlag für alle, die sich für das U eingesetzt haben. Die Landesregierung hat die Millionen, die sie für das U bereitgestellt hat, aus guten Gründen nicht für den Bau eines Museums gegeben und sollte sehr genau darauf achten, dass ihr Geld wie ursprünglich vorgesehen ausgegeben wird. Es ging hier um die Entwicklung urbaner Räume – und nicht die Musealisierung dieses Gebäudes.

Alle Projekte rund um das Thema Kreativwirtschaft haben eines gemeinsam: Sie werden 2010 nicht fertig sein – weder das U noch das Konzerthaus in Bochum…
Einspruch. Das Investment von Leo Bauer und Frank Goosen, das neue Kleinkunst-Theater auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände neben dem Bermudadreieck, wird fertig und ich halte es als Impulsgeber für wesentlich wichtiger als das Konzerthaus. Das Bermudadreieck und sein Umfeld sind allein durch das Schauspielhaus und die Bestrebungen der Uni, dort ihre Präsenz zu steigern, immer wortlastig gewesen. Ein Kleinkunst-Theater ergänzt diese Entwicklung. Das Konzerthaus wäre ein Solitär. Es schadet nicht, aber es wäre kein prägender Faktor für die weitere Entwicklung des ViktoriaQuartiers. Das haben wir immer deutlich gemacht.

Macht es überhaupt Sinn, zwischen Dortmund und Essen noch ein weiteres Konzerthaus zu bauen? Setzt die Stadt Bochum nicht auf das falsche Pferd?
Wenn Sie sich die Struktur des Ruhrgebiets ansehen, haben wir es immer noch mit unabhängigen Städten zu tun. Und aus einer lokalen Sichtweise mag der Bau des Konzerthauses in Bochum Sinn machen. Betrachtet man sich das Ruhrgebiet als Ganzes, muss man eine solche Planung, auch im Hinblick auf Auslastungszahlen und Zuschauerwanderungen, kritisch sehen. Und man muss sich die Frage stellen, ob Investments in diese Art von Kultur mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung überhaupt noch Sinn machen. Ob ein Konzerthaus die Kreativen halten kann, die wir zukünftig brauchen und die Region für jungen Kreative attraktiv zu machen, wage ich zu bezweifeln.

Was muss getan werden, um diese Klientel im Ruhrgebiet zu halten?
Wir müssen erkennen, dass ein großer Teil der Bevölkerung sich kulturell anders ausgerichtet hat, als es die Formen von Kultur vorgeben, die mit Subventionen am Leben erhalten werden. Es sind doch die Menschen, die in den Off-Theatern sind, die eigene Bands gründen, Galerien eröffnen oder auf eine andere Art und Weise selbst kreativ tätig werden, die eine Region lebendig werden lassen. Diese Leute muss man halten, man muss sie unterstützen und ihnen die Freiräume geben, die sie benötigen. Das ist allerdings immer noch das Gegenteil von dem, was man unter normaler Kulturpolitik versteht.

Kann die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet jemals die gleiche Bedeutung bekommen wie in Köln, Hamburg oder Berlin?
Die Kreativwirtschaft wird, wenn man sie in den vorhandenen urbanen Strukturen verclustert, dort durchaus eine der vielen Alternativen zur alten Wirtschaftsstruktur sein. Aber auch dort, wo sie nicht viele neue Arbeitsplätze schafft, sorgt sie für die Farbigkeit und Attraktivität, die das Ruhrgebiet braucht, um in Zukunft im Wettbewerb mit anderen Metropolen bestehen zu können. Auch Menschen, die von Beruf Ingenieur, Steuerberater oder Manager sind, legen Wert auf ein spannendes und attraktives Umfeld. Nur Städte, in denen es Kreative gibt, in denen sie die Stimmung prägen, werden auf diese Klientel anziehend wirken. Es würde uns gut tun, wenn wir für die Kreativen ein paar alte Industrie-Gebäude zur Verfügung stellen würden. Da könnten spannende Sachen entstehen, die niemand voraussagen kann und die für die Attraktivität des Reviers wichtig wären. Solche Projekte, die kreative Freiräume geben, brauchen wir viel mehr als bisher. Das ist eine große Chance für das Ruhrgebiet, denn andere Metropolen wie Berlin werden allmählich satt. Wir können durch Freiräume und Offenheit Menschen begeistern, ins Ruhrgebiet zu kommen.

Was Kreative allerdings auch brauchen, ist Geld. Viele der großen Projekte der Kulturhaupstadt gingen an Agenturen aus Hamburg oder Berlin. Die heimische Szene ging weitgehend leer aus.
Auch die RUHR.2010 GmbH muss sich an das Vergaberecht halten…

Glauben Sie, dass bei einem vergleichbaren Ereignis in Berlin Düsseldorfer Agenturen zum Zuge gekommen wären oder dass Hamburg bei so einer Gelegenheit auf Werber aus Frankfurt gesetzt hätte?
Nein, und bei den Vergaben ist zwar formell alles richtig, inhaltlich aber vielleicht einiges falsch gelaufen. Das muss sich künftig ändern. Es sollte festgeschrieben werden, dass auch Unternehmen aus der Region an Projekten wie der Kulturhauptstadt beteiligt werden müssen. Solche Chancen zur Profilierung müssen stärker genutzt werden.

Dortmund: Sierau wartet weiter auf Innenministerium

Ullrich Sierau

Dortmund hat im Moment noch einen Oberbürgermeister. Da über das Wochenende keine neuen Nachrichten aus dem Innenministerium kamen, hat Ullrich Sierau seinen Dienst normal angetreten.

Im Laufe des Tages rechnet man in der Dortmunder Verwaltung jedoch mit einer Mitteilung aus dem Innenministerium, ob die Einsprüche normaler Bürger gegen die OB-Neuwahlahl eine aufschiebende Wirkung haben oder nicht. Die meisten Juristen gehen allerdings davon aus, dass nur Sierau und der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel ein Einspruchsrecht haben, das beide allerdings nicht genutzt haben. Eine solche Rechtsauskunft war schon über das Wochenende erwartet worden, aber nicht zugestellt worden. Hätten die Einsprüche gegen die OB-Wahl keine aufschiebende Wirkung und wäre die OB-Wahl damit wahrscheinlich rechtlich in Ordnung, müsste Sierau heute sein Büro räumen und wäre ab 0.00 Uhr kein OB mehr sondern wieder Planungsdezernent.

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Ruhrpilot

dielinkenrwDas Navigationssystem für das Ruhrgebiet.

NRW: Linkspartei startet Landtagswahlkampf…Der Westen

Ruhr2010: Das unbekannte Programm…WDR

Ruhr2010 II: Istanbul feiert Programmstart…Zeit

Ruhr2010 III: Wer ist wir?…Welt

Ruhr2010 IV: Die Affäre Manon…Gelsenkirchen Blog

Ruhr2010 V: Neue Bewerbungsrunde für A40 Party…Pottblog

Medien: Springers 68er Archiv online…FIXMBR

Dortmund: Boomende Einkaufsstadt…Der Westen

Sprache: „Niemand ist objektiv“…Kontextschmiede

SPD: …entdeckt das Internet…Pottblog

Bielefeld: …gibt es angeblich doch…Ruhr Nachrichten

Erinnerung: Wie Nostalgieeffekte entstehen…Frontmotor

Umland: Streit um Schulen im Sauerland…Zoom

So gehts: Berühmt werden durchs bloggen!

Mit diesem Blog wird man berühmt!
Mit diesem Blog wird man berühmt!

Ich habe da gerade eine Mail bekommen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

steigern Sie Ihre Bekanntheit im Internet mit Ihrer Teilnahme am Projekt365!

Zum Jahresanfang 2010 startete auf dem Blog xxx das Projekt365. Hierbei veröffentliche ich an jedem Tag einen Beitrag über eine Webseite, ein Online-Angebot, einen Künstler, ein StartUp oder ein anderen Internet-Projekt. Die Beiträge werden unabhängig von mir geschrieben und mit mindestens einem Backlink versehen. Zudem besteht die Möglichkeit Fotos und Videos einzubinden oder spezielle Unterseiten zu verlinken. Dadurch rückt Ihre Werbebotschaft gezielt in den Vordergrund.

Über 100 Besucher kommen schon jetzt täglich auf dem Blog vorbei. Um die 50 Leser haben den RSS-Feed abonniert. Mit steigender Tendenz. Im Laufe des Projekt365 haben sich die Zahlen bisher verdoppelt.
Zudem werden alle Beiträge in social networks verlinkt. So erhalten alle Beiträge eine besondere Aufmerksamkeit bei Twitter, Facebook und mySpace. Zudem werden die Beiträge bei yigg, webnews, delicious und Mister Wong sowie wikio gespeichert. Dadurch erhöht sich die Beachtung Ihrer Inhalte einmal mehr. Zudem ist im Laufe des Projekts eine Steigerung der Leserzahlen zu erwarten.

Auf der Projekt365-Seite werden obendrein alle Beiträge und Direktlinks zu Ihrer Internetseite nach Veröffentlichung festgehalten. Diese Seite bleibt auch über Ablauf des Jahres bestehen, so dass Sie dauerhaft auch diesen Link auf Ihre Webseite sicher haben.

Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Buchen Sie Ihren Beitrag am Besten noch heute. Die Preisstaffel ist fair gestaltet und steigt mit Laufe der Zeit weiter an. So kostete der erste Beitrag am 01.01.2010 nur einen Euro. Seitdem steigt der Preis pro Tag um je einen Euro, so dass der letzte Beitrag am 31.12.2010 365,- Euro kostet. Eine Rechnungsstellung ist selbstverständlich möglich und Bezahlung per paypal und Überweisung angedacht. Die ersten Tage sind schon ausgebucht, aber aktuell habe ich noch einige Tage im Januar verfügbar.

Ein verführerisches Angebot, aber ich glaube, wir machen nicht mit und glaub auch dass die vielen anderen Blogs die angeschrieben wurde, darunter Coffee & TV, Hometown Glory, Gelsenkirchen Blog, Pottblog, Zwanzig10, Heddesheim-Blog, Annabell, Muschelschubserin und Hirnrinde auch nicht mitmachen werden.

Bildung und Technologie statt noch mehr Kultur

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Mitten im Jahr der Kulturhauptstadt wird die industrielle Kulturförderung im Pott massiv in Frage gestellt. Und das mit Recht, denn im Gegensatz zur Kultur hat das Ruhrgebiet in anderen Bereichen wie Bildung und Forschung erheblichen Nachholbedarf. Theater und Musikhallen gibt es genug. Das hat der Initiativkreis Ruhr (IR) herausgefunden. In einer Studie, die den Ruhrbaronen vorliegt. Wie wir weiter erfahren haben, wird deshalb im Initiativkreis derzeit heftig über die künftige Förder-Ausrichtung des wichtigsten Clubs der Ruhr-Industrie diskutiert: Mehrere Mitglieder wollen weniger Geld für Kultur ausgeben.  In der Konsequenz könnte die Industrieförderung für Spaß und Spiel deutlich zurückgefahren werden.

Kurz vor Weihnachten, wenige Wochen vor dem Beginn des Kulturhauptstadtjahres, brach der Konflikt offen auf: Evonik-Chef Klaus Engel, nicht gerade eine Freund von Initiativkreis-Moderator Wulf Bernotat, forderte künftig weniger Geld für das Klaviervestival Ruhr. Die WAZ berichtete, dass Engel die hohen Mittel für das Klavierfestival in einem Brief an Bernotat als das „falsche Zeichen der Ruhrwirtschaft an die Menschen der Region” bezeichnete.

Der IR, so der Kern der Kritik, hätte sich von seiner Ursprungsaufgabe, der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Ruhrgebiets entfernt.

Die Kritik ist nicht die Konsequenz eines Bauchgefühls sondern hat eine Untersuchung der IW Consult GmbH zur Grundlage, die den Ruhrbaronen vorliegt. Einmal im Jahr untersucht IW Consult ob sich die Wettbewerbsfähigkeit des Ruhrgebiet im Vergleich zu anderen europäischen Regionen verbessert hat – und im Kulturbereich hat es, so die Analyse, große Fortschritte gegeben. Das Ruhrgebiet gilt längst nicht mehr als kulturelle Wüste, sondern gehört zu den kulturell attraktivsten Regionen Europas. Genützt hat das wenig: Insgesamt ist das Ruhrgebiet zurückgefallen.

„Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass eine noch stärkere Kulturförderung keine neuen Jobs bringt und unsere Probleme in ganz anderen Bereichen liegen“, beschreibt ein Mitarbeiter des IR die Diskussion unter den Mitgliedsunternehmen. Die Unterstützung dort wäre wesentlich sinnvoller als der weitere Ausbau von Kulturveranstaltungen.

Vor allem im Bildungsbereich sind die Defizite groß – viele Schüler sind nicht ausbildungsfähig und auch die Unternehmen gehören nicht zu den Innovativsten des Landes: Die Zahl der Patentanmeldungen ist traditonell im Durchschnitt deutlich niedriger als im Bundesvergleich – von Spitzenländern wie Baden Würtemberg ganz zu schweigen. Nach der IW Studie ist  die Innovationsleistung im Ruhrgebiet sogar deutlich gesunken.

„Das sind die Themen, an die der IR ran muss“, sagt der IR Mitarbeiter, „denn Bildung und Innovation sind die Felder, auf denen sich die Zukunft des Ruhrgebiets entscheidet. Im Kulturbereich sind wir längst gut genug. Unsere Probleme liegen auf anderen Feldern.“

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Ruhrpilot – Das Navigationssystem für das Ruhrgebiet

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Ruhr2010: Winkelmann ist der Glöckner des Turms…Der Westen

Ruhr2010 II: Herzliche Rivalität…Tagesspiegel

Ruhr2010 III: Germany combats foreign competition with culture…Pittsburgh Tribune

Ruhr2010 IV: Temporäre Stadt an besonderen Orten…Hometown Glory

Thomalla: Orgasmusfähig, unabhängig, lässig…Gelsenkirchen Blog

Verkehr: Essener Hauptbahnhof eingeweiht…Der Westen

Rohde: Wenn ich wiedergeboren werde, dann als Wal…SZ

Theater: Yemej HaShoah – Jugendtheater gegen das Vergessen…Bo Alternativ

Medien: Ich bin Schmutzkonkurrenz…Prospero

Das hannoveraner Modell

Wenn in Deutschland nach Beispielen für neue Formen der städteübergreifenden Kooperation gesucht wird fällt fast immer der Name „Region Hannover“ Ruhrbarone-Gastautor Felix Stein berichtet über einen Sonderfall unter den Kommunalverbänden, der auch für NRW zum Vorbild geworden ist. Felix betreibt das Blog Frontbumpersticker.

Wer die Region in Aktion erleben möchte sollte im Augenblick seine Aufmerksamkeit auf Garbsen richten, eine jener mittelgroßen Städte, die ringförmig rund um Hannover liegen und deren bebautes Gebiet an vielen Stellen nahtlos in das der Landeshauptstadt übergeht. Wie in anderen dicht besiedelten Gebieten haben Maßnahmen der Stadtplanung und Wirtschaftsförderung hier unmittelbaren Einfluss auf die Nachbargemeinden und werden daher kritisch beobachtet, so auch das aktuelle Vorhaben: der Bau der „Neuen Mitte“. Obwohl bereits mehrere große Einzelhandelsflächen in der Stadt bestehen soll ein neues Center mit 20.000 Quadratmetern dazukommen – den Nachbarstädten Seelze und Neustadt sowie den benachbarten Stadtteilen Hannovers würde damit ein massiver Abfluss von Kaufkraft drohen. Allerdings wird dieses Szenario wohl nicht zur Wirklichkeit werden, denn die zuständige Regionalplanungsbehörde hat den Bau der neuen Mitte untersagt – es handelt sich um die Region Hannover. Was aber ist das für ein Gebilde, das derart in seine Gemeinden hineinregieren darf?

Die 2001 gegründete Behörde ist das was im Beamtendeutsch „Kommunalverband besonderer Art“ genannt wird und wurde aus der Landeshauptstadt Hannover, dem gleichnamigen Landkreis und dem „Kommunalverband Großraum Hannover“ gebildet, später erhielt sie zusätzlich einen Teil der Kompetenzen des 2004 aufgelösten Regierungsbezirks Hannover. Das Ergebnis ist eine Kompetenzbündelung wie es sie in Deutschland auf so niedriger Ebene (in der Verwaltungshierarchie entspricht die Region einem Landkreis) noch nie gegeben hat. Sie ist unter anderem verantwortlich für öffentlichen Nahverkehr und Schornsteinfeger, Müllentsorgung und Wirtschaftsförderung, Regionalplanung und Sozialhilfe, Kommunal- und Fachaufsicht, für die Schulentwicklungsplanung, die Gesundheitsämter und den Natur- und Bodenschutz. Finanziert wird all das durch die von den Mitgliedsgemeinden erhobene Regionsumlage. Nicht zuletzt ist die Region demokratisch legitimiert – sowohl der Regionspräsident als auch die Regionsversammlung werden von den Bürgern direkt gewählt.

Der am deutlichsten sichtbare Effekt dieser Neuorganisation ist die Vereinigung von zuvor parallel existierenden Verwaltungsstrukturen von Stadt und Landkreis Hannover, etwa bei den Gesundheitsämtern und Berufsschulen. Als Folge dieser Bündelung konnte ein Bürokratieabbau durchgeführt werden, der es möglich gemacht hat in den ersten Jahren nach Gründung die Zahl der bei der Region Beschäftigten von über 2500 auf etwa 2100 zu reduzieren. Vor allem im Umweltbereich hat die Reduzierung der zuständigen Instanzen außerdem zu stark vereinfachten Verwaltungsabläufen geführt – zuvor mussten hier bis zu vier verschiedene Akteure koordiniert werden (Stadt, Landkreis, Kommunalverband und Regierungsbezirk). Nicht wirklich gelöst werden konnte dagegen das strukturelle Finanzproblem. Während fast alle Regionsgemeinden noch immer mit Haushaltsdefiziten kämpfen müssen hat die Region selbst in den wenigen Jahren ihres Bestehens schon fast 500 Millionen Euro Schulden angehäuft. Ohne die Region wäre die Lage aufgrund der größeren und komplizierteren Bürokratie aber wohl noch schlechter, so dass man zumindest von einer Teilverbesserung sprechen kann.

Alles in allem ein Erfolgsmodell also, doch es bleibt die Frage: kann man es auf andere Ballungsräume übertragen? Wie in Radio Eriwan lässt sich darauf mit einem „Im Prinzip ja, aber …“ antworten. Zwar sind in Aachen und Saarbrücken mittlerweile weitere Kommunalverbände besonderer Art eingerichtet worden, die sich auch am Vorbild Hannover orientieren, eine vergleichbare Aufgabenfülle haben sie von ihren Landesregierungen aber nicht erhalten. Während etwa vor kurzem die Aachener Regionsbeigeordnete Gisela Nacken im Gespräch mit den Ruhrbaronen die fehlenden Kompetenzen in den Bereichen Regionalplanung und Wirtschaftsförderung beklagte, gehören diese in Hannover von Anfang an zur Region dazu, der zu Beginn genannte Fall der Neuen Mitte Garbsen ist ein gutes Beispiel dafür. Das Widerstreben gegen eine Abgabe von Zuständigkeiten scheint also in NRW ein Hindernis zu sein. Auch der Gedanke an die Aufgabe der eigenen Selbstständigkeit (Hannover ist trotz seiner 500.000 Einwohner nicht mehr kreisfrei) dürfte manchen Lokalpolitiker hart schlucken lassen.

Nicht vergessen darf man, dass die Region Hannover von einem „historischen Glücksfall“ profitieren konnte: durch die kurz nach der Regionsgründung erfolgte Auflösung der Regierungsbezirke konnten „herrenlose“ Kompetenzen beansprucht und errungen werden. Eine vergleichbare Entwicklung ist in Nordrhein-Westfalen derzeit nicht absehbar. Zudem bezog der Landkreis Hannover als klassischer „Kragenkreis“ einen Großteil seiner Identifikation schon immer aus der in seinem Zentrum liegenden Stadt. Die Region existierte im Grunde zuerst in den Köpfen der Bürger, dann erst in der Wirklichkeit. In anderen Ballungsräumen ist das nicht immer so gegeben. Langfristig dürfte das hannoveraner Modell dennoch Schule machen, zu offensichtlich sind seine Vorteile. Allein – langfristig ist ein dehnbarer Begriff.