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Bankrotterklärung auf Schalke: Christian Heidel schmeißt von sich aus hin!

Christian Heidel (li.) im Gespräch mirt Sky-Reporter Dirk große Schlarmann. Foto: Robin Patzwaldt

Es war die Fußballmeldung, die den Samstagnachmittag in der Fußball-Bundesliga bei weitem überstrahlte: Christian Heidel gibt seinen Posten als Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 spätestens am Saisonende auf. Dies wurde nach der 0:3-Niederlage der Königsblauen beim FSV Mainz 05 bekannt.

Der 55-jährige Heidel war aufgrund seiner Personalpolitik zuletzt stark in die Diskussion geraten. Er verlässt den Klub auf eigenen Wunsch, wie er am frühen Abend in einem Sky-Interview bestätigte. In den vergangenen Wochen wurde immer wieder über die Zukunft des Managers auf Schalke spekuliert. Sein Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt kommt trotzdem überraschend und lässt viele Fragen offen.

Heidel war im Mai 2016 aus dem vergleichsweise beschaulichen Mainz zu den Gelsenkirchenern gewechselt. „Auch wenn in dieser Saison einiges gegen uns gelaufen ist, habe ich selbstverständlich hierfür die Gesamtverantwortung“, wird Heidel zitiert.

Ruhe im Verein sei „derzeit nicht zu gewährleisten, was in erster Linie mit Diskussionen um meine Person zusammenhängt“. Seine Amtsgeschäfte setzt Heidel bis zur Übergabe an einen Nachfolger offenbar erst einmal fort.

Mit Klaus Allofs, Horst Heldt und Jonas Boldt werden in den Medien bereits mögliche Heidel-Erben gehandelt.

Die Entscheidung der vorzeitigen Trennung befeuert die Spekulationen eines gestörten Verhältnisses von Heidel zu Klubboss Clemens Tönnies. Der Fleischfabrikant aus dem Ostwestfälischen wollte Heidel schon am Jahresende 2018 einen Kaderplaner als Unterstützung zur Seite stellen. Das lehnte Heidel dem Vernehmen nach entschieden ab, was Tönnies wiederum übel genommen haben soll.

Durch den heute offiziell verkündeten Rücktritt dürfte Heidel seiner Entmachtung wohl nur zuvor gekommen sein. Unabhängig von der Nachfolgeregelung ist die Aktion somit einerseits ein Akt des ‚Stolzes‘ selber über die eigene Zukunft entscheiden zu können, andererseits aber auch ein Schuldeingeständnis einer fehlerhaften Arbeit in Gelsenkirchen für den zuvor beim FSV Mainz noch so erfolgreichen Organisator.

Ursprünglich als großer Heilsbringer und sehnlichst erwarteter Nachfolger von Horst Heldt ins Ruhrgebiet gekommen, liest sich die Bilanz von Heidel nach gut 2,5 Jahren allerdings bescheiden. Wäre da nicht die Vizemeisterschaft im Vorjahr gewesen, die, seien wie einmal ganz ehrlich, auch eher der Schwäche der Konkurrenz geschuldet war als der eigenen positiven Entwicklung, es wäre eine klar erkennbare Abwärtstendenz im Vergleich zu den Jahren vor Heidel zu konstatieren.

Ein weiterer Fußballfachmann ist auf Schalke offiziell gescheitert. Und ganz egal, wer von den gehandelten Nachfolgern es am Ende werden wird, er wird es nicht leicht haben. Ein Verein, der sogar einen Christian Heidel schafft, dem droht ein Rückfall in alte Zeiten. Das zeigt sich schon ganz alleine an der Tatsache, dass mit Horst Heldt ausgerechnet der vom Hof gejagte Vorgänger von Heidel als möglicher Nachfolger gehandelt wird.

Fußball ist schon irgendwie irre. Gerade auch auf Schalke….

 

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7 Kommentare zu “Bankrotterklärung auf Schalke: Christian Heidel schmeißt von sich aus hin!

  • #1
    Klaus Lohmann

    Magath. Personalunion Trainer/Sportdirektor. Alles andere wäre jetzt Kinderkram;-) Wer sich als Verein und Bulettenschnitzer 160 Mios für Nix- und Wieder Nix-Spieler entlocken lässt, hat nächstes Jahr auch für den Oberschleifer bestimmt nochmal das Doppelte zum Verbrennen zur Verfügung.

    Aber mal ehrlich: es gibt – außer in Großunternehmen mit starken Gewerkschaften in den Betriebsräten – eigentlich kaum ein Management, welches sich bei derartigen Fehlplanungen und -investitionen länger als über zwei, maximal drei Berichtszeiträume im Sessel halten darf/kann. Also wann endlich müssen Tönnies und die restliche Vorstands-/Aufsichtsrat-Staffage abdanken?

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Im Netz wird schon über Peter Neururer als Nachfolger von Tedesco debattiert. Passender Weise ist ja demnächst Karneval. Schalke ist wirklich speziell….

  • #3
    Robert Müser

    Ich finde es gut, da gibt es demnächst wieder viele Anlässe für spitzfindige Kommentare zu Vorgängen in Gelsenkirchen.

    Der Verein ist nicht in der Lage sich selber auch in schwierigen Zeiten zu beruhigen, scheinbar geht da dauerhaft nur Chaos, Intrige und sonstiger Irrsinn.

    Ich finde es amüsant, es wäre ja wirklich langweilig, wenn sich da bzgl. der Vereinsführung ein zweiter BVB aufbauen würde, der auch mal in schwierigen Phase einen Reset wagt.

    Der aktuelle Übungsleiter wird demnächst sich vermutlich mit anderen Spielern beschäftigen. Ist der Loddar schon gefragt worden ob er den Retter macht oder kommt der Huub wieder zu Einsatz? Der Otto kommt bestimmt aus letzter Rettungsanker aus dem nahen Essen vorbei und wird die Heilung aller Dinge bewirken, da wird es bestimmt mindestens für die Meisterschaft 2019 reichen …

    … oder es kommt der Absturz in Liga 2, wo vielleicht endlich ein Neuanfang gewagt werden könnte. Denkbar ist mir aber auch ein Verharren in alten Verhaltensweisen, da kann man sicherlich danndauerhaft in Liga 2 einrichten. Da könnte es vielleicht mit dem aktuellen Kader zum Mitschwimmen in der Liga 2 reichen – mehr ist aktuell nicht drin.

  • #4
  • #5
    walter stach

    Robin,,
    "man" könnte jetzt darüber spekulieren, ob Heidel mit seinem Rücktritt einer denkbaren (von Tönnies betriebenen?) Entlassung zuvorgekommen ist. Mir scheint allerdings, , daß eine solche Spekulation nicht im geringsten dazu beitragen würde, den Gründen für die derzeit sportlich problematische Lage von S04 nahekommen zu können.
    Nicht nur jetzt, aber eben jetzt auch sind Trainer Tedesco und die Mannschaft gefordert. Es liegt allein an ihnen, das denkbar Schlimmste für S04 zu verhindern.

    Neuer Trainer?
    Unabhängig von den Qualitäten Tedescos schließe ich nicht aus, daß "man" auf Schalke einen Trainer-wechsel vornehmen könnte. Das ist bekanntermaßen stets "der Notnagel", den man einschlägt, wenn den Vereinsverantwortlichen -hier primär Tönnies- das für "alternativlos" halten, auch mit Blick auf ihren Status an der Vereinsspitze. Und wer könnte das sein? Neururer? Na, ja.
    Ich kann mir denken, daß S04 Fans über einen solchen Scherz, denn etwas Anderes kann das nicht sein, nicht lachen werden. Und Rangnick? Was sollte den veranlassen können, von Leipzig nach GE-Schalke zu wechseln?

    Nahliegend ist zudem, die aktuelle Situation von S04 zu nutzen, ‚mal wieder und -zum X-ten Male darüber zu reden, ob es tiefgreifende strukturelle und personelle Probleme (Tönnies?) geben könnte, die regelmäßig zu solchen prekären Situationen auf Schalke führen und das jetzt und hier nach der deutschen Vizemeisterschaft in der Spielzeit 2o17/2o18.

    Nachdenken könnte "man" zudem darüber, ob nicht auch die S04 Fans immer wieder mit ihren zu hohen Erwartungen ihre Mannschaft -und den jeweiligen Trainer-belasten. Und das schien mir mehr denn je nach der Vizemeisterschaft 2o17/2o18 der Fall zu sein -"erster Bayern-Jäger ……".

    Aber….
    ein BVBer wie ich muß sich zurückhalten mit Kommentaren zum aktuellen Lage von So4 und zu denkbaren Gründen für strukturelle Probleme des Vereines; denn "man" ist befangen, "man" hat Vorurteile und "man" kann ja Schadenfreude nicht kategorisch ausschließen.

    "Wir" BVBer haben unsere speziellen "Sorgen". Erfreulicherweise auf einem anderen Niveau.
    Solange der BVB gute Aussichten hat, am Ende der Spielzeit 2o18/2o19 wieder auf einem Champ.lig-Platz zu stehen, egal wie das Spiel heute gegen Leverkusen ausgehen wird, sind " meine Sorgen" relativ gering.
    PS
    Ich erinnere daran, daß ich im Laufe der gesamten bisherigen Spielzeit 2o18/2o19 hier bei den Ruhrbaronen stets die Meinung vertreten habe, daß der FCB wieder Deutscher Meister werden würde. Insofern kann ich also nicht besorgt sein, wenn der BVB "nur" auf Platz 2 (oder 3 -4) "landen" wird.
    Robin,
    für BVB-Fans lesenswert ein aktueller Beitrag zu Jadon Sancho und damit zum BVB in "DER SPIEGEL"
    Nr.9/23.2.2019 S.1o5 ff.

  • #6
    thomas weigle

    Ooch, Neururer? Ich habe schon lange nicht mehr so herzhaft und laut gelacht.
    Wie auch immer es weitergeht, Schalke ist alleweil für ausgiebige Lacher gut, wer braucht da noch Antidepressiva?
    Ob sich Heidel nach den vergleichsweise ruhigen Zeiten am Rhein zurüchsehnt, Motto: wär ich doch in Düssel…Quatsch,in Mainz geblieben? Obwohl auch da gings gerne turbulent zu, wie man wohl aus einer Antwort Charly Körbels schließen kann: "Herr Körbel, können Sie sich vorstellen als Trainer nach Mainz zu gehen?"-"Höchstens als Karnevalsprinz!"

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