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Heidel-Debatte zur Unzeit: Kehrt jetzt das ‚Chaos‘ nach Schalke zurück?

Christian Heidel (li.) im Gespräch mirt Sky-Reporter Dirk große Schlarmann (re.). Foto: Robin Patzwaldt

Als er vor zweieinhalb Jahren aus Mainz ins Ruhrgebiet kam, da sollte beim FC Schalke alles anders, vieles möglichst bald besser werden. Christian Heidel stand vor der herausfordernden Aufgabe aus dem ‚Chaos‘-Klub eine solide geführte Einheit zu machen, die Gelsenkirchenern auf Dauer zu einem Top-Bundesligisten formen. Deutlich zu unruhig waren vielen im Umfeld die Jahre zuvor, als die Knappen häufig nur mit viel Mühe in die Europa League, statt in die angestrebte Champions League einzogen.

Inzwischen scheint das Vertrauen in die Arbeit des damals als eine Art ‚Heilsbringer‘ verpflichteten Heidel jedoch weitestgehend aufgebraucht zu sein. Wie die ‚Bild‘-Zeitung berichtet, soll sein Vertrag ’stand heute‘ jedenfalls nicht über den 30. Juni 2020 hinaus verlängert werden. Und häufig ist eine solche Meldung im Profifußball ja nur ein erstes Anzeichen eines noch deutlich näher liegenden Endes der Zusammenarbeit.

Offenbar hat Heidel die Zustimmung des mächtigen Klubchefs Clemens Tönnies nach gut zwei Jahren weitestgehend verloren. Und die aus der ‚Bild‘-Meldung resultierenden Debatten sorgen ausgerechnet vor dem Rückrundenstart der Gelsenkirchener heute Nachmittag gegen den VfL Wolfsburg in der Anhängerschaft aktuell für viel Unruhe.

Als mögliche Nachfolger Heidels sind laut der Kollegen Jonas Boldt, der bei Bayer 04 Leverkusen aufhört, und sogar Heidels direkter Vorgänger Horst Heldt, der momentan bei Hannover 96 tätig ist, im Gespräch.

In der Tat liest sich die Zwischenbilanz des Machers auf Schalke in diesen Tagen nicht berauschend. Im ersten Jahr verpasste das Team mit dem von Heidel installierten Cheftrainer Markus Weinzierl das internationale Geschäft deutlich und auch aktuell ist die Mannschaft unter Coach Domenico Tedesco dem Abstieg näher als der angestrebten neuerlichen Champions-League-Qualifikation.

Dazu hat Heidel den Kader der Gelsenkirchener in den letzten Jahren mächtig durcheinandergewirbelt. Seine Arbeit trägt bislang jedoch kaum sichtbarer Früchte. Lediglich die überraschende Vizemeisterschaft 2018 schönt die Bilanz des ambitionierten Managers. Doch der zweite Platz im Vorjahr war, wenn man ehrlich ist, eher der Schwäche der Konkurrenz geschuldet als einer Demonstration eigener Stärke.

Nichts desto trotz ist die Debatte um die Position Heidels in diesen Stunden ein absolutes Unding. Alle Verantwortlichen wollten im Sommer 2016 das ’neue Schalke‘. Das der eingeläutete Umbruch der Strukturen nicht ohne Reibungsverluste und Probleme von statten gehen würde, das war dabei auch jedermann klar.

Eine neue Philosophie in einen dermaßen großen Verein zu installieren, das braucht Zeit. Die muss man Heidel dann aber auch geben, selbst wenn es mit der notwendigen Geduld aller Beteiligten auf Schalke traditionell nicht allzu weit her ist.

Jetzt die im Aufbau befindlichen Hierarchien und Strukturen in Kürze wieder völlig einzureißen, womöglich gar zum Vorgänger Horst Heldt zurückzukehren, das kann ja nun wahrlich nicht die Lösung für die Schalker Probleme sein. So droht am Ende lediglich das alte, das bei vielen verhasste Chaos-Image in das Umfeld der Königsblauen zurückzukehren.

Kaum zu glauben, dass diese Debatten zudem ausgerechnet unmittelbar vor dem so wichtigen Rückrundenstart logetreten werden. Ungünstiger geht es kaum. Es wird nachher also sehr spannend sein zu beobachten, ob Trainer Tedeso und seine zuletzt nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzenden Jungs das derzeit heiß diskutierte Thema Heidel von sich weitestgehend fernhalten und die dringend erforderlichen drei Punkte gegen Wolfsburg in der heimischen Veltins-Arena behalten können.

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7 Kommentare zu “Heidel-Debatte zur Unzeit: Kehrt jetzt das ‚Chaos‘ nach Schalke zurück?

  • #1
    Klaus Lohmann

    Tja. Wer sich eine Hinrunde lang mit einer völlig entglittenen Personalpolitik gegenüber den Fans schöntun will, aber damit kläglich scheitert, weil auch der Trainer nicht den Donnerhall an anfänglichen Lobeshymnen erwidern kann, dem schlägt beim aktuell durchgeführten Aufräumen schon mal ein mächtig kalter Wind entgegen.

    Es ist, wie es immer ist – Schalke zuerst himmelhoch jauchzend und dann umso schlimmer jammernd. Die naheliegendste Lösung, den (eigen)mächtigen Fürsten Tönnies mitsamt dessen Hofschranzen mal komplett auszusperren und ihm permanent auf die machtgeilen Fingerchen zu kloppen, wenn er sich wieder einmischt, ist offensichtlich die für die Schalker Folkloristen am schwierigsten zu akzeptierende Lösung.

  • #2
    Thomas Weigle

    Die bräuchten mal so einen wie Heribert B. aus H., der die Eintracht in ruhiges Fahrwasser geführt , alle Klippen souverän umschifft hat. Die SGE war ja lange Zeit sozusagen das Schalke vom Main.

  • #3
    walter stach

    Robin,
    wenn die gleich gewinnen solllten, sieht die S04 Welt schon wieder besser aus, wenn auch noch nicht rosig. So schnell kann sich bekanntlich die "Fußball-Welt " bzw. deren Wahrnehmung durch uns Fans ändern. Und wenn es gleich für So4 eine Niederlage geben sollte? Dann wird eine Diskussion auf Schalke beginnen, die durchaus das Potential haben könnte, daß sowohl Heidel als auch Tedesko gehen müssen. Und dann…..??

    Als BVB-Fan, also bezogen auf S04 extrem befangen, sollte ich am besten "die Klappe halten", wenn es um Meinungen über So4 im allgemeinen und im besonderen zu den Ursachen und den möglichen Folgen der derzeitigen "soirtlichen Lage" von S04 geht.
    Ich neige zu der Annahme , daß der Verein – Vereinsführung, Fans, Trainer, Manager, Mannschaft-
    wegen der Erreichung des 2.. Tabellenplaztes in der Spielzeit 2o17/2o18 die Leistungsfähigkeit der Mannschaft total überschätzt hat und das erst sehr spät -zu spät-?- begriffen zu haben scheint. Und von einer totalen Überschätzung der eigenen Fähigkeiten/Qualitäten/Mögiichkeiten zurückzufinden zu den Realitäten iss bekanntlich in allen Lebenssituationen keine leichtes, oftmals ein "schmerzhaftes" Unterfangen, das regelmäßig nicht schadlos abläuft, aber auch nicht zwingend zum totalen Abstieg oder gar zum "totalen Aus" führen mujß , wenn "man" rechtzeitig……. !
    "Wir werden sehen". Und heute gegen 2o.15 sind wir allesamt -vor allem die S04er- dieershalb ein wenig klüger.
    Als BVBer wünsche ich S04, daß "man" alsbald aus dem Tabellentief herauskommt. Zugegeben, daß ich das auch deshalb vorbehaltlos sage, weil in dieser Spielzeit S04 für den BVB "so oder so" keine gefährliche Konkurrenz ist.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Torwartwechsel auf Schalke. Tedesco pokert hoch. Lenkt aber garantiert von der Heidel-Debatte ab. Bin jetzt doppelt gespannt, wie das Spiel gleich ausgeht… 🙂

  • #5
    walter stach

    Robin,
    und jetzt?
    2:1 Sieg für S04.
    7 Punkte vor dem Relegationsplatz und 7 Punkte Abstand zu Platz 6.
    Also…?`
    Bin gespannt, die "man" jetzt auf Schalke reagieren wird. Die Mannschaft -nächstes Spiel in Berlin-, der Trainer, Manager , Vereinsführung, die Fans. -optimistisch, pessimistisch, realistisch?
    Alle Gerüchte lösen sich in Wohlgefallen auf?

    "Wir BVB" sollten uns auf das interessierte Beobachten beschränken -ohne Ratschläge, vor allem ohne Häme.

  • #6
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Hoch gepokert und gewonnen. Aber damit ist für Schalke noch nichts geschafft. Das Spiel war schlecht. Besonders in Halbzeit eins. Es bleibt spannend rund um den Klub, Walter. Mehr würde ich da aktuell noch nicht ableiten wollen. 🙂

  • Pingback: Domenico Tedesco hat auf Schalke hoch gepokert und gewonnen. Vorerst. | Ruhrbarone

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